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Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen

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  • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


    Hallo Leona,

    Danke für Ihre Antwort. Aber es sind ja nicht nur die vorfälle die ich im letzten Beitrag genannt habe, sondern auch in den früherigen beiträgen. Es sind schon meines Erachtens viel größere Ausfälle da. Sie kann die Waschmaschine nicht mehr richtig bedienen. Sie halluziniert. ihr tages- nacht rhytmus ist völlig durcheinander. sie schläft nachts nicht und dafür tags. sie hat bestehlungsideen. sie erzählt von dingen die niemals geschehen sind und das nun bei jeder konversation. und beim einkaufswagen wusste sie letztes mal nicht mehr wo man das geldstück reinschieben muss. sie stand da total verwirrt und sah hilfesuchend zu ihrer schwester.

    das dies hier noch längst kein schweres stadium ist weiss ich, aber dass es sich um ein anfangsstadium handelt bezweifle ich auch.

    die ersten verhaltensauffälligtkeiten meiner tante fingen ja nicht erst vor 2 jahren an, sondern schon vor circa 7 jahren. da verlegte sie schon ab und zu den schlüssel und beschuldigte andere und bekamm wutanfälle und zog sich langsam zurück. und vor circa 5 jahren hat sie das erste mal halluziniert.

    jetzt fällt es uns aber erst wie schuppen von den augen. denn in den letzten 2 jahren sind nun die extremen auffälligkeiten wie im ersten beitrag genannt.

    der arzt meinte man solle sich nicht an das ergebnis eines mini mental status test klammern, denn oft erwischt man gute phasen und mal schlechte phasen.

    und der beste beweis dafür ist meine tante. beim ersten test hat sie ein paar zahlen durcheinander geworfen und wusste am ende des tests nichts mehr von der anfangfrage wo sie 10 genannte wörter wiederholen sollte. ich meine nicht dass sie keins der worte mehr im sinn hatte, nein sie hat die gestellte aufgabe nicht mehr im sinn gehabt.

    ich hab ihr ein seniorenhandy gekauft weil sie unbedingt eins wollte.es ist einfach zu bedienen und mit großen tasten und bildschirm. hab ihr immer wieder langsam erklärt wie man es benutzt. nun nimmt sie es aber nie mit und wenn ich anrufe nimmt sie nicht ab. als ich es nochmal mit ihr durchgehen wollte stellte ich fest, dass sie es einfach nicht mehr schafft. sie kann es sich nicht einprägen.

    vor wenigen wochen saß ich mit ihr in ihrer wohnung als sie ihre schwester anrufen wollte. Sie hat ein schnurloses telefon, das sie immer auf freisprechfunktion stellt. nun nimmt sie die fernbedienung wählt die nummer meiner tante auf der fernbedienung und drückt -anscheind für sie-, den freisprechknopf und wartet dass das telefon wählt. als sie dann bemerkt dass es kein laut von sich gibt stellt sie beim näheren angucken fest dass es die fernbedienung ist.

    ich dachte mir okay das kann passieren. aber keine 5 minuten später als sie nochmal ihre schwester anrufen möchte passiert das gleiche nochmal. ich tat diesmal so als ob ich es nicht bemerkt hätte denn diesmal war sie sichtlich beschämt.

    ich bin momentan so aufgeregt, habe etwas angst vor dem MRT.
    ich habe ihr erklärt wie es ablaufen wird und dass sie keine angst zu haben braucht. sie lag schon mal in einer röhre wegen was anderem aber sie sagt sie hätte trotzdem angst, beklemmungsgefühle was ganz normal ist. das schlimme ist, dass ich ihr nichts vom eventuellen kontrastmittel spritzen gesagt habe.

    und ich kenne es von meiner mutter als sie ihr mal kontrastmittel in die venen gespritzt haben um das herz zu kontrollieren. sie hat aprupt einen brennen gespürt, hat bluthochdruck bekommen und es ging ihr sehr schlecht.

    kann das meiner tante auch passieren ?

    Das MRT ist ja schon am kommenden Montag ganz früh am Morgen.

    ich weiss ich wiederhole mich in meinen beiträgen, aber irgendwie ist es eine sache mit der man nicht wirklich in der familie sprechen kann.

    die einzige sorge die ihre schwester zb plagt ist das Geld. sie redet schon von beerdigungskosten und vormundschaft.

    Das ist wirklich abartig soviele Geldgierige Menschen in der Familie zu haben, die sich gar nicht für meine tante interessieren.

    mein bruder hat die ganze zeit interesse an ihrem befinden geheuchelt, aber es geht ihm nur ums geld, denn jetzt nach den ersten arztbesuchen fragt er garnicht nach den resultaten. er kommt nur wenn er geld von meiner tante will.

    wir haben mit meinem bruder geredet aber er tut so als ob sie quatsch reden würde und er sich gar nicht soviel geld "leiht".

    und meine tante hat - wie der neurologe schon festgestellt hat, kein richtiges gefühl für das geld mehr. sie hat innerhalb einer woche mehr als 500 € ausgegeben und nicht nur für sich selbst. das war als sie die anzeige bei der polizei machte vor 1 jahr. als der neurologe sie darauf ansprach sagte sie dass diese summen normal wären und dass sie sowas immer abheben würde.


    na ja.. sie haben recht leona die zeit wird lösungen bringen, ich hoffe es zumindest. ich bin mit meinen 24 jahren etwas überfordert. und auf die männer in meiner familie ist leider gottes kein verlass. mein vater (67) selbst fängt an sich eigenartig zu verhalten, und meine mutter findet auch dass er sich verändert hat.ständig verfährt er sich, baut fast unfälle, ist oft gereizt und reagiert total überzogen und verlegt immer öfter sachen.aber vielleicht seh ich auch schon überall anzeichen wo keine sind und ich will es auch lieber ignorieren.

    es tut gut hier eine plattform zu haben und auf leute zu treffen die es verstehen und sich wirklich mit dem herzen mit solchen dingen auseinandersetzen.

    danke.

    Kommentar


    • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


      Hallo Rocio

      Ich habe mit großem Interesse die ganzen Kommentare gelesen. Auch mein Mann und ich habe das Problem, dass meine an Alzheimer erkrankte, 68-jährige Schwiegermutter sich meistens nicht helfen lassen will. Auch bei ihr hat es so vor 4 Jahren angefangen, vor über 2 Jahren ist es mit dann aufgefallen (sie lebt alleine). Ich habe dann ihren damaligen Hausarzt informiert, der mir allerdings keinen Glauben geschenkt hat, im Gegenteil, ich kam mir wie ein Erbschleicher vor! Nachdem Sie meiner Tochter (13 Jahre) jeden Tag nur noch das gleiche gekocht hat und bösartig zu ihr geworden ist, haben wir immer wieder versucht, sie zu bewegen, zum Neurologen zu gehen, was sie immer abgelehnt hat. Wegen ihrer verletzenden Art habe ich meine Tochter nicht mehr hingeschickt und sie leider auch nicht so oft besucht. Letztes Jahr im November haben mich Nachbarn informiert das sie um 1100 immer noch im Bett sei und ich doch mal nachschauen solle. Dort angekommen entdeckte ich eine total vertörte Frau, die anscheinend auch unter einer Depression litt. Im Kühlschrank und aus der Kühltruhe habe ich erst mal Lebensmittel wegeworfen, die teilweise schon vor 5-7 Jahren abgelaufen waren. Ich habe sie dann endlich dazu bewegen können, einen anderen Hausarzt aufzusuchen, der sie direkt zum Neurologen überwiesen hat. Das war im Januar 2009. Dieser hat Alzheimer festgestellt (nach allerlei Tests: Wir waren im Jahre 1998, im Frühling, sie wusste nicht den Tag, usw.) Er hat sie auch für ein MRT überwiesen, das jedoch gut ausgefallen ist. Auch ihre Hauptschlagadern sind beide frei, sie ist ansonsten bei bester Gesundheit. Sie nahm Anfangs Aricept 5mg, was später auf 10mg erhöht wurde. Teilweise geht es ihr besser. Wir müssen jeden Tag vorbeischauen, um ihr die Tabletten zu verabreichen. Meisten meint sie, dass sie diese schon genommen und für den nächstten Tag vorbereitet hätte. Dies ist aber nicht der Fall, sie findet aber immer Ausreden. Kochen tut sie schon lange nicht mehr. Sie ernährt sich von gebratenem Schwenkbraten (mein Essen wäre ihr zu scharf meint sie). Seit einer Woche bemerke ich dass sie sich nicht mehr kocht, ausser wenn ich Nachmittags nach der Arbeit komme denkt sie manchmal an Essen. Gestern hat eine Nachbarin beobachtet, wie sie mit einem fremden Mann weggegangen ist. Die Nachbarin (79 Jahre) hat die beiden verfolgt, und auf der Bank abgefallen. Angesprochen was sie hier tue hat sie gemeint, der Mann sei Versicherungsvertreter und wolle Geld kassieren. Zum Glück hatte die Bank schon geschlossen und der Mann ist, durch die Nachbarin verschreckt, weggegangen (ich habe Anzeige erstattet). Nach Überprüfung ihrer Kontoauszüge hat sie an manchen Monaten extrem viel Geld abgehoben. Ich glaube dass der falsche Versicherungsvertreter schon öfters da war. Genau wir der Kartoffelhändler, der ihr Kiloweise die Kartoffeln in den Keller stellt, obwohl er sieht das sie keine verbraucht. Wir sind jetzt auch am Überlegen was wir weiter unternehmen sollen. Eine Vorsorgevollmacht oder sogar eine rechtliche Betreuung? Ich komme mich auch ziemlich auf verlorenem Posten vor, da die ganze Angelegenheit auf mir ruht. Hat jemand eine Tip?

      Danke fürs "zuhören"!

      Lg petmo

      Kommentar


      • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


        Hallo Petmo,

        und erstmal willkommen im Forum. Sie werden bei Durchsicht dieses Forum viele Schicksale kennen lernen und manch nützlichen Tipp erhalten.

        Sie benötigen m.E. dringend die Einrichtung einer Betreuung für Ihre Schwiegermutter. Diese können Sie bei dem zuständigen Vormundschaftsgericht anregen. Das geht meist schnell und unbürokratisch. Das Gericht holt sich dann vom behandelnden Arzt Ihrer Schwiegermutter ein Gutachten und schickt einen Juristen zu Ihr zwecks persönlicher Augenscheinnahme. Danach folgt die Betreuungsverfügung. Sie können einen amtlichen Betreuer wählen oder sich selber oder einen anderen vorschlagen. Dadurch werden alle gravierenden Geschäfte Ihrer Schwiegermutter erst dann gültig, wenn Sie zustimmen. Die Betreuung kann für sämtliche oder auch nur für bestimmte Dinge eingerichtet werden.

        Klicken Sie bitte auch das an:

        http://forum2.onmeda.de/read.html?26...98#msg-1759598

        Weiters könnten noch diese Beiträge von Interesse sein:

        http://forum2.onmeda.de/read.html?26...18#msg-1639618

        http://forum2.onmeda.de/read.html?26...46#msg-1640446

        Gruß
        Egon-Martin

        Kommentar


        • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


          Hallo Egon-Martin

          Vielen Dank, vor allem für die Links! Die Beiträge waren sehr interessant.

          Ja, das mit der Betreuung wird unumgänglich sein und müssen wir jetzt schnell in Angriff nehmen.

          Werde demnächst Bericht erstatten.

          Gruß Petmo

          Kommentar



          • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


            Hallo allerseits,

            Hallo petmo,

            Das was Sie schildern ist wirklich haaresträubend, ich wünsche Ihnen und ihrer Familie viel Kraft. Ich hoffe bald von Ihnen eine positive Entwicklung der Dinge in dem Fall zu hören!



            Wollte nur mal kurz vom aktuellen stand der dinge berichten.

            Am Montag waren wir beim MRT. Meine Tante ist sofort dran gekommen und lag 30 Minuten in der Röhre. Ich hab dann nachgefragt ob man im Anschluss die Auswertung bekommt, aber der Arzt braucht 2 - 3 Arzttage und schickt die Ergebnisse dann dem Neurologen zu.

            Ich muss sagen, dass ich von dem Verhalten des dort anwesenden Personals sehr entäuscht bin. Sie waren unfreundlich, ungeduldig und besaßen keinerlei Feingefühl.

            Als meine Tante aus der MRT kam, stand sie den Tränen nah. Die Krankenschwester hat sie wie einen dummen lästigen Menschen behandelt.

            Ich saß im Flur und hab ein wenig mitbekommen wie sie meiner Tante Anweisungen gab und meine Tante nicht sofort oder richtig reagierte und sie daraufhin im Ton schärfer wurde und als sie ihr kontrastmittel gespritzt haben, haben sie das bluten nicht richtig abgedeckt, so dass meine tante die ganze hand blutverschmiert hatte nachdem sie ihr dann ein richtiges verbändchen drauf getan haben.

            ich kann verstehen dass bestimmte stationen unterbesetzt und überfordert, gestresst sind, aber wenn man sich einem Patienten gegenüber so benimmt, dann hat man sich definitiv den falschen beruf ausgesucht.

            Jetzt heißt es abwarten. Wir hätten eigentlich heute einen Termin beim Neurologen gehabt aber die Sprechstunde bei ihm ist krank und so können momentan Termine nicht wahrgenommen werden.

            jetzt haben wir am 30.11 den nächsten termin beim neurologen.

            Meine Tante hat sich in den letzten wochen darüber beklagt, dass sie kein Geld mehr hat und sie viel an meinen Bruder verliehen hätte und nichts zurückbekommen hätte. Sie sprach von 5000 € (zeitraum 3 - 4 Jahre)

            Mein bruder bestreitet dies und sagt es wäre wesentlich weniger gewesen und er hätte schon teilweise zurückgezahlt.

            Also habe ich mir gestern die Sparbücher meiner Tante angeschaut und bin ihre Ausgaben mit ihr durchgegangen.

            Sie hat zwei Sparbücher. auf einem befinden sich aktuell 1060 € und auf dem anderen 834 €.

            Auf erst genannten hatte sie vor 3 Jahren noch 8600 € die sie für einen notfall und ihre Beerdigung hinterlassen wollte. sie setzte sich damals mit meinem Vater und Bruder zusammen und erklärte es so.

            Laut eigener Aussage fliessen auf erstes konto 250 € monatlich automisch ein und auf zweite konto 150 €.

            Das hieße 400 € im monat.

            Und als wir die Ausgaben meiner Tante durchgegangen sind habe ich festgestellt dass sie monatlich höchstens 600 € ausgaben hat.

            Sie erhält 1300 € Rente. Und ich habe wirklich keine Ausgabe ausgelassen und habe "luxusartikel" mitberechnet die sie sich in letzten 4 Jahren geholt hat.

            Sie hat nun eine Zahnarztrechnung von 3293 € und kann natürlich in Raten zahlen, aber bevor sie das wusste ist sie in Panik geraten weil sie nicht mehr genügend Geld hat.


            sie hätte also jetzt mindestens einen betrag von 23000 € auf den sparbüchern haben müssen, aber es ist ja nicht mal mehr das geld da, dass sie für einen notfall und ihre beerdigung hatte.

            Ich bin wirklich entsetzt. ich wusste dass sie meinem bruder viel geld leiht, aber in diesem ausmaß hätte ich niemals geglaubt. er wusste, dass sie das geld sparen wollte und wofür.


            übrig bleiben würde nur der fall den petmo von ihrer schwiegermutter geschildert hat, dass sie wildfremden leuten geld gibt, aber ich bin mir fast 100 % sicher, dass dies bei meiner tante noch nicht der fall ist.

            ich habe ihr gestern einen ausgabenplan erstellt und ihr gezeigt wieviel sie im jahr übrig hat. sie ist kreidebleich geworden. ich habe ihr jetzt immer wieder eingetrichtert, dass sie keine großen summen geld mehr verleihen darf, dass sie das geld braucht und nachher ohne nichts dasteht.

            aber ich habe das gefühl, dass wenn der erste schreck bei ihr vorbei ist, dass sie wieder so weiter macht wie bisher.

            ich bin wütend und entsetzt, dass menschen in der eigenen familie so skrupellos sind und einen hilflosen menschen wie huhn ausrupft.

            wir haben mit meinem bruder geredet, er bestreitet höheren summen von ihr jemals erhalten zu haben. wir wissen aber von ihr selbst und von kontoauszügen und belegen dass dies der fall ist.

            na ja, das ist momentan soweit alles.

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            • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


              Hallo Rocio,

              stellen Sie Ihrem Bruder eine Strafanzeige in Aussicht. Indizien für eine Straftat sind ja Ihren Schilderungen durchaus zu entnehmen. Die Staatsanwaltschaft wird dann ermitteln lassen und hat dabei auch Zugriff auf alle Banktransaktionen. Ihr Bruder würde m.E. in arge Bedrängnis kommen und seine von ihm behaupteten Teilzurückzahlungen belegen müssen. Er gibt mit seiner Teilzurückzahlung übrigens zu, Geld erhalten zu haben. Das ist ja schon mal was. Macht sich auch sehr schlecht vor Gericht, einem behinderten Menschen betrogen zu haben. Wäre ich Richter, würde ich generalpräventiv urteilen, d.h. oberstes Strafmaß. Lassen Sie sich dazu ggf. juristisch beraten.

              Streit in der Familie gibt es seit Kain und Abel - das ist nichts bsonderes.

              LG
              Egon-Martin

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              • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                Liebe Rocio,
                wenn Ihre Vermutungen stimmen, ist das ein wirklich dicker Hund und ich würde Ihren Bruder auch nicht so einfach davon kommen lassen. Was Ihre Tante angeht, so wäre ich eher vorsichtig mit den Äußerungen, denn das Misstrauen und die Angst bestohlen zu werden sind bei der Alzheimer Erkrankung ohnehin sehr stark. Die Tante könnte in Panik und große Angst geraten. Versuchen Sie das Problem mit den gesunden Familienmitgliedern zu klären - u.U. wirklich mit der Androhung einer Strafanzeige. Ob Sie dies dann wirklich durchführen, ist dann eine Ermessensfrage.

                Die Behandlung Ihrer Tante in der Klinik ist ebenso empörend und ich möchte Sie bitten, diese Umstände der Stelle für Altersdiskriminierung zu melden:

                http://www.altersdiskriminierung.de/...ex.php?thema=8

                Klicken Sie den Link an und schildern Sie Ihre Erlebnisse.
                Ich finde, man kann so etwas nicht einfach auf sich beruhen lassen.
                Hätten Sie doch der Assistentin mal ordentlich die Meinung gesagt!

                Ich wünsche Ihnen Kraft und Mut für die Zukunft.
                Gruß Leona

                Kommentar



                • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                  Hallo EgonMartin und Leona,

                  Danke für Ihre Antworten. Ich denke wir werden spätestens nach der endgültigen Diagnose auf gesetzlichem Wege zusammen mit dem Hausarzt maßnahmen ergreifen.

                  Was meinen bruder angeht, so nützt es nichts sich großartig mit ihm auseinanderzusetzen. Er hat nun regestriert dass wir in Kenntnis sind und hält sich deshalb momentan nicht mehr so oft bei meiner tante auf.

                  Zwar bestreitet er es und weist daraufhin dass sie "spinnt", aber andererseits spielt er weiter den lieben, fürsorglichen neffen meiner tante gegenüber.

                  sie hat doch noch lichte momente wo sie äussert, dass er sie gar nicht mehr besuchen kommen wird wenn sie ihm kein geld gibt und dass er es ganz schön ausgenutzt hat wenn sie z.b. mit ihm einkaufen geht.

                  er hat 5 kinder mit seiner frau und verdient etwas über 1000 € im monat. plus das kindergeld und die unterstützung von der arche. und das geld scheint trotzdem nicht zu reichen. meines erachtens ist es aber eine sache der organisation die er nicht hat und sich wahrscheinlich auch denkt wozu wenn er auf weiteres
                  geld von meiner tante zugreifen kann.

                  das problem bei meiner tante ist, dass sie wegen ihrer einsamkeit sich an meinen Bruder krankhaft klammert und kein "schlechtes" wort über ihn zulässt. das war schon immer so. und ich bin davon überzeugt dass sie da leider nicht mehr lernfähig sein wird im gegenteil, so dass man sie höchstwahrscheinlich gegen ihren willen schützen werden muss.

                  danke leona übrigens für den link. habe dort den fall geschildert und das krankenhaus genannt. hoffe dass es was nützt.

                  lieben gruß

                  Kommentar


                  • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                    Hallo,

                    Morgen ist es soweit. Nachmittags haben wir den Termin beim Neurologen und bekommen dann die Ergebnisse der Blutuntersuchung und der MRT.

                    Ich habe richtig Angst. Ich hatte die Wochen seit Oktober immer wieder auf meine Tante eingeredet um sie zu beruhigen und ihr Mut zu machen. Nun merke ich aber, dass ´mir dieser Mut fehlt.

                    Und ihre Reaktion heute lässt mich nun schlimmstes erahnen.
                    Wir waren spazieren, da fragte sie mich plötzlich ganz gereizt:" Ich muss morgen zu dem Arzt da, was soll ich da eigentlich immer?"

                    Ich antwortete Ihr dann, dass wir morgen die ergebnisse bekommen. Sie schaute mich daraufhin nur verständnislos an und sagte "aha, dann soll er die einfach dem Hausarzt geben".

                    Ich versuchte ihr dann vorsichtig deutlich zu machen dass je nach Befund eine Absprache mit Neurologen nötig sei. Das verstand sie dann immer noch nicht. Daraufhin sagte ich Ihr dass bei eventueller Medikation z.B. der Neurologe nur befugt wäre.

                    Daraufhin schaute sie mich verdutzt an und sagte ungläubig "was für ne medikation denn, wofür".

                    Ich habe dann bemerkt dass ich zuviel des guten versucht habe zu erklären und sie damit nur beunruhigen täte also sagte ich dass wir morgen dahin gehen und sie es dann auch erstmal geschafft hat.

                    Sie beklagt sich nämlich über die ganzen termine. Es ist wirklich viel gewesen für sie die letzten 8 wochen 11 zahnarzttermine, 2 mal neurologe, mrt.


                    Sie ist sichtlich gereizt und am Ende des ertragbaren an Belastung.

                    Ich habe solche Angst davor, dass sie Morgen zusammenbricht oder ausrastet. Oder mich angreift weil ich die treibende Kraft war zu den Arztbesuchen.

                    Es ist nicht so, dass sie es verleugnet, es ist so als ob sie wirklich davon überzeugt ist dass alles inordnung ist. Sie hat praktisch vergessen weshalb sie zum Arzt gegangen ist.

                    Das macht mir richtig Angst. denn vor 8 wochen war sie nachdem sie mit dem Hausarzt gesprochen hatte einsichtig, niedergeschlagen, depressiv.

                    Wir haben offen über das Thema geredet. Sie hat eine mögliche Demenz eingestanden. Und nun vor 4 wochen beim neurologen der wendepunkt, dass man ihr alzheimer anlasten würde weil sie "nur" einen Termin beim Hausarzt nicht wahrgenommen hätte.

                    Nun nochmal 4 wochen später ist es aber so als ob der Grund des Besuches beim Neurologen vollständig aus ihrem Gedächtnis ausradiert wäre.

                    Ich meine ich habe mir schon etliche Bücher und Broschüren zu den Demenzformen durchgelesen. Und habe auch darüber gelesen wie die phasen des Bewältigungsprozesses ablaufen (Ablehnung, Wut, Kraftlosigkeit, Kummer, Akzeptanz)

                    aber irgendwie hab ich das gefühl, dass ich nicht richtig darauf vorbereitet bin was da morgen geschehen wird.

                    Ich habe ausserdem einigen Fragen für morgen notiert die ich dem Neurologen stellen möchte und nun bin ich am überlegen ob diese fragen vielleicht unpassend sind.

                    ich habe mir folgende Fragen notiert:

                    1. Welche Demenzform
                    2. Welche Hirnbereiche sind momentan betroffen (hippocampus oder schon andere Bereiche)
                    3. erfolgt sich aus Frage 2 welches stadium
                    4.wie kann oder wird sich der weitere krankheitsverlauf entwickeln
                    5.Welche Medikamente werdeb eingesetzt (Donepezil HCI wird viel positives von geredet?)

                    6. welche maßnahmen sind nun erforderlich



                    Ich weiss der Arzt wird viele sachen von selbst erklären, aber wenn nicht, wären meine fragen unangebracht weil meine Tante davor ist und vielleicht mit der Diagnose zu kämpfen hat?

                    Und ich hab noch eine Frage. Bekommt man nur die Befunde erklärt oder auch die MRT-Bilder gezeigt? Wir haben ja nun vom Krankenhaus nichts in die Hand bekommen mit der Begründung, dass der Facharzt die ergebnisse bekommt. Ich weiss, der Laie kann sowieso kein MRT-Bild auswerten, aber ohne geschmacklos sein zu wollen, es würde mich schon interessieren. Habe mir in den letzten wochen im internet und in büchern die Bestandteile des Gehirns angeschaut, wo was liegt und welche Regionen zuerst betroffen und weiter später es sind und habe mir auch mrtbilder von alzheimer patienten an geschaut. also auch als laie kann man schon einiges erkennen und verstehen und ich fände es nicht nur interessant sondern auch wichtig diese bilder zu sehen. Ist das unangebracht und sollte ich besser nur daneben still sitzen?

                    wäre sehr dankbar wenn hier jemand die Reaktion von seinem angehörigen schildern könnte (ich weiss jeder Mensch ist anders und reagiert dementsprechend anders).

                    Danke im Vorraus.

                    Kommentar


                    • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                      Hallo Rocio

                      Also, ich habe den Neurologen gefragt ob es in Ordnung ist wenn ich bei dem Gespräch dabei bin, nachdem ich natürlich auch das OK meiner Schwiegermutter hatte.
                      Das MRT meiner Schwiegermutter (SM) war total in ordnung, ebenso die Halsschlagader. Sie hat einfach eine AlzheimerDemenz, und das mit erst 68 (ich habe erste Anzeichen aber schon vor 3 Jahren festgestellt).
                      Bei unseren Besuchen beim Neurologen fragt dieser jedes mal auch mich, wie es meiner SM wirklich geht, in ihrem Beisein. Ich erzähle ihm auch alles, obwohl meine SM dies nicht immer hören will, aber er muss ja Bescheid wissen. Also, ich denke das ihre Tante die Diagnose vom Neurologen ohne Probleme annehmen wird, nur wie sie sich später zu Hause dazu stellt kann man nicht wissen. Meine SM bekommt Aricept, 10mg, es hilft einigermaßen, aber sie ist ja auch nicht mehr im Anfangstadion.

                      Wir hatten diese Woche den Medizinischen Dienst im Haus. Die Dame war sehr nett, hat sich Zeit genommen, mir aber wenig Hoffnung gemacht dass meine SM eine Pflegestufe bekommt. Meine SM war ziemlich "zickig" und genervt während der Befragung. Mir gegenüber wird sie immer unfreundlicher und meint, sie könne ja noch alles und meine Hilfe wäre nicht gewollt. Sie fühle sich nur bevormundet. Ich bin mit meiner "Wissenschaft" am Ende. Die rechtliche Betreuung haben wir beantragt, aber ich werde die Betreuung wohl nicht übernehmen. Ich merke, Fremden gegenüber verhält sie sich friedlicher (z.B. Tablettenverabreichung), und ich glaube, dass sie sich von einem fremden Betreuer eher etwas sagen läßt als von mir oder meinem Mann. Angeblich wollen wir ja so und so nur ihr Haus, und auf ihr Geld könne sie selbst aufpassen, mussten ja nur die Polizei holen da sie sich von einem fliegenden Gemüsehändler das Geld aus der Tasche ziehen läßt (50 Euro für 1 Kiste Mandarinen und 2 Kilo Birnen und die noch alt dazu). Diese Händler kamen in letzter Zeit wöchentlich!Seit die Nachbarin sich das Kennzeichen gemerkt hat, und die Polizei das ganze überprüfen läßt, waren sie noch nicht wieder da.

                      Also, wird morgen schon alles Gut gehen und vor allen, alle Fragen stellen die Sie haben!

                      Alles Gute petmo

                      Kommentar



                      • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                        Hallo liebe petmo und Hallo zusammen,

                        Sind vor 2 stunden vom neurologen zurück.

                        Mir haben die Knie echt geschlottert. Aber um es kurz zu machen. Die MRT-Bilder sind wie bei ihrer Schwiegermutter Petmo inordnung ausgefallen. bis auf einen hirninfarkt von dem wir aber nicht wissen wann es passiert ist. Ich kopiere mal einfach die Befunde:

                        MRT des Schädels

                        Methodik:

                        Axiale T2-SE, axiale T1-SE vor und nach KM-Gabe, coronare Flair-SE. DWI

                        Befund:

                        Supratentoriell weitgehend normale Weite der inneren und äußeren Liquorräume. Infratentoriell normale Weite des Hirnstamms, aber eine lokale Defektzone rechten Kleinhirnhemisphäre mit gliotischen Veränderungen im Randbereich. Defektareal mit Größenausdehnung von ca. 3 x 3 cm. Mittellinie regulär.
                        Keine primären oder sekundären Raumforderungszeichen.
                        Eine Blut-Hirn-Schrankenstörung ist nicht vorhanden.
                        Diffusionswichtung ohne hyperintensen Herdbefund.

                        Beurteilung:

                        Alter abgeräumter Kleinhirninfarkt der rechten Hemisphäre mit Schenkellänge von 3 cm.

                        Allenfalls geringgradige mikroangiopathische Veränderungen.

                        Ein Hinweis auf einen akut pathologischen vasculären, entzündlichen oder neoplastischen prozess findet sich nicht.

                        Keine lokal betonte Hirnvolumenminderung, die auf eine Leistungsminderung von AT hinweisen würden.



                        Blutbefunde sind auch unauffällig bis auf zu hoher Fettwert im Blut.

                        Der Neurologe meinte, dass es häufig so ist dass auch bei Patienten mit fortgeschrittener Alzheimer demenz im mrt keine auffälligkeiten zeigen.

                        Meine Tante hat es dann so aufgefasst als ob nichts gravierendes gefunden worden wäre.

                        Er hat es ihr dann nochmal erklärt, dass er weiterhin Alzheimer-Demenz vermutet sich aber da nicht stützen möchte, sondern weitere tests nötig seien unter anderem Lumbalpunktion. er meinte dass gerade auch die symptome gegen ein frühstadium sprechen.

                        Wir werden jetzt also weitere Termine für eine Gedächtnissprechstunde vereinbaren und danach auch wahrscheinlich lumbalpunktion.

                        ich habe den arzt zwar gefragt wie es sein kann dass symptome sp stark ausgeprägt sind. symptome die sogar für ein moderates stadium sprechen, aber nichts auf den mrtbildern zu sehen ist. sogar die hippocampi sehen inordnung aus.

                        Er hat es mir zwar erklärt, aber irgendwie leuchtet es mir immer noch nicht ein.

                        Er sagte, dass z.B. bestimmte Dinge wie fasern auf mrt nicht angezeigt werden.

                        Na ja, dann hat er noch das Thema Autofahren angesprochen. Er meinte zu ihr, dass auch wenn die Bilder keine Anzeichen für eine Alzheimerdemenz aufweisen. So sind immer noch die Tests da, die auf ein beeinträchtigung der hirnfunktion zeigen und die symptome die sie aufzeigt.

                        Und er meinte dass er Ihr nur empfehlen kann sich mit dem Autofahren zurück zuhalten. Auch wenn noch keine weiteren Ergebnisse vorliegen. Weil allein schon die Gefahr der Raumorientierung? da ist. Z.B. das abschätzen der entfernung einer person auf der straße.

                        Sie ist daraufhin agressiv geworden und meinte dass das anderen Menschen auch passieren kann (unfälle). Dann gab es ein hin und her und er hat die diskussion mit der aussage beendet, dass er nur eine empfehlung aussprechen kann und diese ist nicht auto zufahren, weil sie jederzeit einen Ausfall haben kann und z.B ein Kind totfährt und damit müsste sie dann leben.

                        sie wird das Auto also auch weiterhin nicht freiwillig stehen lassen.

                        sie ist momentan gespalten einerseits sagt sie, dass sie nur bemerkt hat, dass ihr gedächtnis sich verschlechtert hat und anderseits sagt sie, dass keiner etwas erfahren soll aus der Familie.

                        Ich weiss nicht ob eine Lumbalpunktion was bringen wird. Kann es sein dass auch dort kein ergebnis stattfindet.

                        und dann kann es darauf hinauslaufen dass solange tests gemacht werden bis sie ganz offensichtlich in ein schweres stadium kommt (übertrieben gesagt) und man erst dann Medikamente verabreicht.

                        Ich finde es schade, denn wenn man jetzt zu keinem ergebnis kommt und daher auch keine Medikamente verabreichen kann, dann kann sie sich immer weiter unverzögert verschlechtern.

                        oder wie ist das. Wie sind euro Erfahrungen mit weiteren tests und Lumbalpunktion?

                        wir haben jetzt 2 mal mini mental status test, körperreflexe , blutuntersuchung und mrt

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                        • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                          Hallo zusammen,

                          Ich melde mich mal wieder um zu berichten was sich neues ergeben hat.

                          Wir waren nun in der Gedächtnissprechstunde. Es wurde nur ein kurzer psychologischer Test gemacht, der gut ausgefallen ist.

                          auch hier ist der Arzt der Meinung, dass es sich um eine anfängliche Demenz handeln könnte. nun muss meine tante morgen wieder hin zu einem ein stündigen psychologischen test und übernächste woche besprechen wir dann die ergebnisse.

                          nun soll der hausarzt ein ekg machen und danach wird der neurologe ihr wahrscheinlich ein pflaster verschreiben.

                          der arzt der gerontopsychatrie meinte ausserdem, dass eine lumbalpunktion nichts bringen würde, man würde wahrscheinlich nichts finden.


                          meine tante ist nun richtig gereizt und schiebt mir die schuld zu. sie meint dass ich dass alles veranlasst hätte.

                          der arzt hat weiterhin auf sie eingeredet und versucht sie zu überzeugen, aber sie ist davon überzeugt ihr ginge es gut.

                          und als ich die meinung des Arztes einholen wollte über das Thema Autofahren, sagte er, dass man ihr das nicht verbieten könnte und es auch nicht pauschalisieren könnte, da sie noch recht fit wirkt trotz merklicher hirnleistungsstörung. sie muss das selbst entscheiden meint er.

                          sie ist nun richtig wütend und will ihr auto wiederhaben. mein bruder hat es sich ausgeliehen weil sein auto kaputt gegangen ist und hat es nun seit fast 14 tagen. sie hat betont, dass sie nicht aufhören wird auto zu fahren.


                          ich bin nun wirklich mit meiner kraft am ende. es ist alles so frustrierend die tatsache dass man nichts findet sondern nur vermutet wird und sie überhaupt nicht kooperiert bis auf das mitgehen zum arzt. Der Arzt hat sie ausgefragt und sie hat natürlich alles so erzählt wie sie es empfindet. sie war wirklich beeindruckend wie überzeugend sie war. keine spur von verwirrung. sie hat immer wieder betont dass ich und der hausarzt die treibende kraft wären, für sie wäre alles tägliche zu meistern und sie hätte überhaupt keine probleme.

                          der arzt hat in dieser halben stunde einen eindruck bekommen den der hausarzt und der neurologe definitiv nicht teilen.

                          ich habe den eindruck dass sie nun weiss was sie sagen muss und konfanbulieren muss um nicht als dement zu gelten. der arzt hat aber auch klar betont dass er bemerken würde dass sie jede hilfe ablehnt und sie das alles garnicht hören möchte.

                          es war ein hin und her. er sagte ausserdem dass sie so fit wie sie noch ist sich um eine vorsorgevollmacht kümmern sollte, für den fall dass es ihr schlechter gehen sollte.


                          irgendwann im gespräch habe ich die beherrschung verloren und dem arzt gesagt dass er nicht drum rum reden solll, sondern mal ganz brutal raus sagen soll was passiert wenn eine mögliche demenz jetzt nicht rechtzeitig behandelt wird. ausserdem sagte ich, dass sie bestimmte medikamente vergessen hätte einzunehmen, woraufhin er um kontrolle der medikamenteneinnahme bat, sie lehnt das jedoch ab. uns sind die hände gebunden. sie kann und will alles wie gehabt weiter machen, und da es keine beweise gibt, kann man ihr auch nichts verbieten - auch das auto fahren nicht.

                          ich konnte mich kaum noch beherrschen. und deshalb ist mir diesmal auch rausgeplatzt was sie so alles bisher geleistet hat. ich konnte einfach nicht mehr ertragen wie sie dort zum selbstschutz und aus eigener überzeugung schauspielert wie selbstständig sie doch ist und es überhaupt keine probleme exestieren.

                          das was sie hat ist definitiv kein anfängliches stadium, sie halluziniert, rastet wie ein kind aus, ist nachts wach, bedient die klospülung nicht richtig, wäscht keine wäsche mehr, wäscht sich selbst kaum, ist an bekannten orten desorientiert, vergisst absprachen und hat immer öfter bestehlungsideen und redet laut schlecht über anwesende leute, konfabuliert immer öfter.... ach die liste ist endlos.. mir ist klar dass ein weit forgeschritteneres stadium weit größere ausfälle zeigt, aber das hier ist definitiv trotz dass ich laie bin keine "mögliche anfängliche demenz"

                          ich bin frustriert und sauer, dass ein arzt aus der gerontopsychatrie trotz seiner feinfühligkeit und kenntnis seines fachen sich von einem menschen so blenden lässt.


                          und ich bin sauer auf mich dass ich die beherrschung verloren habe, aber ich bin wirklich am ende. allein in diesem wartezimmer zu sitzen und um sich herum all diese älteren kränklichen menschen zu sehen macht mich fertig. es werden eigene ängste geweckt.

                          ich habe nun meinen bruder vorgeschoben damit er sie zum arzt begleitet.

                          ich weiss nicht wie sich das weiterentwickeln soll...


                          das wars.

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                          • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                            Hallo Rocio,

                            ich hoffe, unser Experte kommentiert noch den Befund aus Ihrem Beitrag vom 30.11.09. Ich vermag daraus nur zu ersehen, dass das Gehirn tumorfrei ist.

                            Die Angst um das Autofahren kann ich gut nachempfinden. Ich hatte seinerzeit schon Albträume, in denen Vater nachts mit dem Wagen losfuhr und schwere Unfälle verursachte (ist aber zum Glück nie geschehen). Bin sogar zur Polizei gewesen, die aber nichts machen konnte. Einen freiwilliger Reaktionstest anläßlich einer Veranstaltung der Verkehrswacht im Rahmen einer Gewerbeausstellung hatte Vater sogar noch ausreichend bestanden. Man kann also nur auf einen hoffentlich leichten Unfall warten. Ziemlich häufig sind lt. der Beratung bei der Polizei kleine Blechschäden beim Einparken. Wenn dann die Polizei ins Spiel kommt, können weitergehende Tests als nur Reaktionstest gemacht werden und meistens ist dann die Fahrerlaubnis weg. Im äußersten Fall kann man aber auch die zuständige Strassenverkehrswacht anschreiben und die Symptome schildern. Oder man läßt das per Protokoll beim Vormundschaftsgericht oder ähnlichem niederlegen. So oder so könnte man versuchen, einen Verwaltungsakt anzustoßen, der dann zur amtlichen Begutachtung führen kann.

                            Tatsächlich kann der Demenzkranke noch lange Zeit - entsprechend lange Fahrpraxis vorausgesetzt - rein technich noch fahren. Das ist ähnlich wie Radfahren oder Schwimmen - einmal gelernt, verlernt man es fast nie. Das Problem liegt aber in der sich dauernd ändernden Verkehrslage, dem Einordnen, usw.

                            Der Psychiater wird auch einiges erkannt haben, es aber nicht so einfach mitteilen. Das paranoide Verhalten wird er mit Sicherheit erkannt haben. Aber es gibt auch eine Grauzone, die der Arzt beachten muss, denn wenn uns auch manches Verhalten stört, so muss es noch nicht selbst- oder fremdgefährdend sein.

                            Eine LP könnte Reste untergegangener Hirnneuronen bzw. Tauprotein zutage fördern, wäre aber - v.a. im frühen Stadium - wie ein MRT nur ein Indizienbeweis. Hier sind v.a. Tests gefragt (Uhrenzeichnen, MMST, usw.).

                            Wegen des Ausrastens machen Sie sich bitte keine weiteren Gedanken. Das kommt vor und ist verständlich - wenn auch leider kontraproduktiv.

                            LG
                            Egon-Martin

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                            • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                              Hallo EgonMartin,

                              Danke für Ihre Antwort. Ich habe bei der Fahrererlaubnisbehörde nachgefragt. Die zuständige Person sagte mir, dass man einfach sobald ärztlicherseits eine Demenz festgestellt worden ist, die Unterlagen vorlegen sollte. Sie würden sich dann darum kümmern. Laut Aussage, würden sie selbst bei einer anfänglichen Demenz dann durchgreifen.

                              Am vergangenen Mittwoch hat mein Bruder meine Tante wieder zur Gedächtnissprechstunde gebracht. Diesmal wurde ein 45 münitiger psychologischer test durchgeführt. Diesmal von einer Psychologin.

                              Ich habe mich versucht schlau zu machen, um welche Art von Test es sich genau handelt. Bin im Internet auf "Cerad" gestossen. Ob sie wohl damit getestet worden ist?

                              Am Mittwoch Abend wollte meine Tante dann unbedingt mit mir reden. Sie hatte sich wieder auf ein Gespräch "vorbereitet". Sie sagte, dass der mmst (der in der Gedächtnissprechstunde)gut ausgefallen wäre und dass der Test heute auch sehr einfach war. Als ich sie fragte welche Aufgaben und Fragen denn so vorkamen, erzählte sie, dass viele Fremdwörter vorgekommen wären und erfundene wörter, von denen nur eins "echt" gewesen wäre. Und dass sie Bilder beurteilen musste. Sie sagte sie hätte keine Probleme gehabt und dass die Psychologin ihr bei den letzten beiden Aufgaben gesagt hätte, dass sie diese nicht zu wissen bräuchte.

                              Meine Tante sagte, dass der Test anspruchsvoll gewesen wäre und sie davon ausgeht dass der Test schon der Bildung des jeweiligen Menschen angepasst wird.

                              dann schaute sie mich an und sagte wieder. der arzt ( der aus der Gedächtnissprechstunde) sagte ja dass ich geistig topfit wäre und der test ist ja auch gut ausgefallen sagte er.

                              Daraufhin sagte ich ihr, dass die anderen beiden tests die der Neurologe mit ihr durchgeführt hat im Oktober und November, zumindest der erste davon, nicht so gut ausgefallen wäre.

                              sie konnte sich natürlich nicht mehr daran erinnern, auch nicht daran, dass der neurologe ihr erklärt hat was es mit der krankheit auf sicht hat bei ihr.

                              Ich habe ihr dann wieder geduldig und langsam wiederholt was der Neurologe ihr erklärt und mir hat und ich habe ihr erklärt dass der Hausarzt und Ich zwar die Veranlasser dieses Themas sind, aber weil wir Dinge bemerkt haben und uns sorgen machen und helfen wollen.

                              Ich habe ihr dann Mut zugesprochen und ihr erklärt was das Pflaster dass sie jetzt bekommen wird bewirkt und dass sie dadurch lebensqualität geschenkt bekommt. ich habe wirklich versucht nicht kompliziert zu werden. aber trotzdem habe ich das gefühl, dass sie es eine woche später trotzdem nicht mehr weiss oder wissen möchte und sich weiterhin an de Aussage des Arztes klammert, dass sie "noch sehr fit wirkt".


                              ich habe ihr ausserdem auf anraten des Artes der Gedächtnissprechstunde Patientenverfügungs- und Vorsorgevollmachtformulare sowie ausführliche infobroschüren ausgehändigt und ihr erklärt, dass es wichtig wäre sich mit diesem thema auseinander zusetzen, damit sie für unvorhersehbare fälle abgesichert ist. ich habe ihr erklärt, dass ich so etwas auch schon gemacht hätte. das es einfach der eigenen sicherheit dient.

                              ich muss jedoch sagen, dass ich meine berechtigten zweifel habe, dass sie die unterlagen lesen wird geschweige denn ausfüllen wird und wenn überhaupt sie geistig nicht mehr in einem zustand ist in dem sie dinge richtig beurteilen kann.

                              aber ich warte erstmal ab. sie möchte morgen schon wieder mit ihrem auto zur gedächtnissprechstunde fahren (dann bekommen wir die Auswertungen und besprechen weitere Schritte).

                              Ich habe gelesen, dass die meisten Alzheimerpatienten nach der Diagnose zwischen 2 und 3 Jahren noch "fahrtauglich" bleiben.

                              ab und zu hab ich das gefühl dass sie einsichtig ist, aber dann handelt und äußert sie sich wieder so negativ dass ich eingestehen muss, es macht kein sinn.

                              ich habe ihr gesagt dass wir ihr alle versuchen zu helfen, und es schön ist dass sie alle arzttermine und schritte so tapfer mitmacht, aber das nur möglich ist solange sie es auch will, denn nur dann können wir ihr helfen und sie kostbare zeit gewinnen die sie sonst nicht bekommen wird. und in dem moment wo sie nicht mehr will, wir das akzeptieren da wir sie nicht bevormunden wollen, aber dass sie dann auch akzeptieren muss dass es ihr raqpide schlecht gehen wird und wir dann nichts machen können für sie.


                              das war aber nun mein letztes gespräch mit ihr darüber, da ich weiss, dass es versickert und es noch nicht oder nicht mehr wirklich verstanden wird.

                              ich erwarte von morgen nicht viel, ich habe meine berechtigten zweifel an den tests und den personen die sie durchführen. denn wenn man nach nur 20 minuten gespräch mit dem patienten der sowieso nicht mit den tatsachen rausrücken kann, eine aussage macht wie "sie erscheinen mir richtig fit", dann frage ich mich als am tisch mitsitzende und beobachtende person wirklich wer realitätsferner von den beiden ist.


                              vielleicht liegt es auch an mir und ich habe die taktik des arztes noch nicht durchschaut, ich hoffe dass es letzteres ist.

                              na ja, abwarten bis morgen...

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                              • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                                Liebe Rocio,
                                nach all Ihren Ausführungen bin ich mir nicht mehr ganz darüber im Klaren, was Sie eigentlich für Ihre Tante tun wollen. Indem Sie ihr immer wieder vor Augen führen, was sie alles "nicht mehr kann" und "wie krank sie eigentlich ist", tun sie ihr bei Gott keinen Gefallen. Ist Ihnen klar, wieviele Menschen in dieser noch bewussten Phase der Erkrankung suizidgefährdet sind?

                                Es ist doch vielmehr wichtig, dem Menschen die Angst zu nehmen, ihn zu ermutigen und ihm Zuflucht/Vertrauen zu geben.

                                Die Tests zur Feststellung der Gehirnleistung sind praxistauglich und haben sich über viele Jahre bewährt und Sie dürfen sicher sein, dass - so sie von einem Fachmann durchgeführt werden - auch ein aussagekräftiges Ergebnis herauskommt.

                                Sie setzen Ihre Tante mit Ihren Maßnahmen derart unter Druck, dass Fehlleistungen m.E. vorprogrammiert sind. Machen wir selbst nicht unter Stress ebenfalls Fehler? Und verhalten wir uns selbst in Ausnahmesituationen nicht auch oft "sonderbar"?

                                Gehen Sie doch die Dinge in Ruhe an - und vor allem, glauben Sie doch den Experten ein wenig mehr. Und ganz wichtig: befassen Sie sich mit Literatur/Leitfäden, wie man angemessen mit Menschen umgeht, die an Demenz erkrankt sind.

                                Nehmen Sie mir die offenen Worte nicht übel - aber ich habe in den letzten Jahren so viele alte Menschen gesehen, die durch falsche Medikation oder falschen Umgang mit ihnen selbst zu Tode gekommen sind. Allerdings gab es auch einen Fall, wo eine couragierte Pflegekraft (unter Verlust ihres Arbeitsplatzes!) einen vermeintlich demenzkranken Herrn wieder aus einer Einrichtung herausgeholt hat. Es kam sogar zu einem Gerichtsprozess,den der amtlich bestimmte Betreuer verlor - ebenso wie seine Betreuung. Der ältere Herr lebt nun im betreuten Wohnen - wesentlich freier und durchaus noch selbstbestimmt.

                                Nicht jeder alte wunderliche Mensch hat Alzheimer und wenn doch, braucht er um so mehr Verständnis und Zuwendung. Nur so kann man ihm/ihr helfen.

                                Herzlichst Leona

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                                • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                                  Hallo Leona,


                                  Über Ansichten lässt sich streiten. Ich mute anderen Menschen nichts zu, was ich mir selbst nicht auch zumuten würde.


                                  Und entgegen Ihrer Meinung halte Ich es für sehr wichtig einem Menschen begreiflich zu machen was mit ihm geschieht und was man dagegen tun kann - selbst wenn es sich um eine unheilbare krankheit handelt. Ab einem gewissen Punkt und je nach Menschen sollte man das natürlich nicht tun. Ich habe mir vorgenommen nicht mehr darüber mit ihr zu reden. es ist nun einige male besprochen worden und sie weiss es. alles was jetzt kommt sind die bewältigungsphasen, in der wir die gesamte familie da sind.

                                  Ich habe ihr übrigens nicht vor Augen gehalten wie Krank sie doch ist und was sie nicht mehr alles darf, sondern erklärt was Alzheimer ist und zwar etwas vor dem erstens nicht resignieren braucht und zweitens etwas wofür man sich nicht schämen braucht, aber eben auch bestimmte dinge umstellen muss.

                                  Ich habe ihr erklärt, dass Sie mit Medikamenten eine deutliche Besserung spüren wird und diese auch über einen längeren Zeitraum erhalten bleibt.

                                  Natürlich bekommt man Angst, Depressionen und alles erscheint einem sinnlos, das braucht mir niemand nahezulegen. ich habe zwar noch kein Alzheimer, aber dafür eine Handicap mit dem ich ein leben lang leben muss.

                                  zu mir ist auch kein arzt gekommen und hat gesagt Frau X, fahren sie ruhig auto. da passiert nix. keine gefahr für sie selbst oder für andere. im gegenteil. ich habe sätze zu hören bekommen wie "wenn sie die kontrolle über den 2 tonner verlieren und gegen nen pfeiler fahren ist das kein spass".

                                  das sind krasse sätze. und man ist auch am boden zerstört. aber es hilft die augen zu öffnen und aktiv zu werden.

                                  Und so ist es auch mit meiner Tante. Ich bin momentan verdammt wütend auf die Situation und äussere mich abfällig über Ärzte, über meine Tante und die gesamte situation. natürlich ist das nicht inordnung, aber es ist menschlich und irgendwo vielleicht auch nachvollziehbar.ich darf und werde es nicht nochmal meiner tante gegenüber zeigen.

                                  ich kann mit meiner tante nicht zum arzt gehen und ihr erzählen dass wir wegen einer grippeimpfung hingehen.

                                  ich kann sie nicht von ärzten durchchecken lassen und ihr erzählen, dass das nur ne routineuntersuchung ist oder ne forschungumfrage. sie kann sich vieles nicht mehr merken, weil sie es nicht speichern kann, aber "verblödet" ist sie noch nicht.

                                  der erste mensch der sie damit konfrontiert hat war der hausarzt.

                                  daraufhin hab ich erst mit ihr über dieses thema geredet und auch immer wieder betont dass es gut ist diese ganzen schritte zu gehen.

                                  der nächste mensch der sie dann mit alzheimer konfrontiert hat war der neurologe.
                                  Und was Ihre Aussage betrifft bezüglich der Tests, so habe Ich in diesem Forum schon ganz andere Erfahrungen gelesen z.B. im archiv thema "neuropsychologische Tests". ärzte sind auch nur menschen wie du und ich. zwar mit kenntnis über ihr fach, aber nicht unfehlbar und tests können wie selbst schon angemerkt haben auch eine andere auswertung zeigen wenn der befragte nicht bei der sache ist. mit dieser einstellung spart man sich zu hohe oder falsche erwartungen. so sehe ich das jedenfalls für mich. ich zwinge keinem meine ansicht auf. und schon garnicht als laie. wenn das so rüberkommt, bedaure ich es.



                                  Und zu guter letzt reagiert jeder Mensch anders. Ich bin keine psychologin und weit davon entfernt. Aber Ich denke ich kann von mir behaupten genug Auge für details zu haben und Einfühlungsvermögen. selbst wenn das durch meine harten worte anders erscheint.

                                  ich kenne meine tante und weiss wie sie denkt und fühlt. und wenn ich nicht auf ihre person achten würde oder ihre person nicht achten würde, dann hätte ich mich nicht in dieses forum begeben, hätte keine arztbesuche veranlasst und würde ihre hand halten, sondern würde mich einfach zurück lehnen so wie viele andere menschen auch und sagen unheilbar krank ? will sich nicht helfen lassen ? gut, nicht meine sache. und wenn die person dann irgendwann mit dem auto ein mensch tot fährt oder sich selbst ist das sicherlich auch kein problem und durchaus besser mit zu leben als mit der kenntnis seiner krankheit und gegen die er was tun kann - wenn er aktiv wird.


                                  ich werde meine ansicht in dieser hinsicht nicht überdenken. aber ich werde mit meiner tante nicht mehr über das thema reden. ein mensch der krebs hat und nicht mehr geheilt werden kann, möchte schliesslich auch nicht mehr das auch schon so präsente thema vorgehalten bekommen und er kann es auch irgendwann nicht mehr. irgendwann reichts, das ist wahr.


                                  gruß
                                  Rocio

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                                  • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                                    Hallo Rocio,

                                    Sie haben ja recht. Aber Leona hat auch recht. Demenzkranke Menschen können anfangs noch vieles begreifen, aber fangen dennoch schon früh an, in einer Art Eigenwelt zu leben. Mein Vater wußte z.B. im Sommer 2007 noch, das er eine Demenz hatte, machte sogar als alter Optimist Scherze darüber. Aber zur gleichen Zeit beharrte er felsenfest darauf, dass ihm wirklich viel gestohlen worden wäre. Das hätte gar nichts mit der Demenz zu tun. Es war weder Mutter noch mir möglich, ihn von diesem Bestehlungswahn abzubringen. Akzeptierte er in vielen Bereiche noch logische Schlussfolgerungen, sperrte sich sein Denken in Sachen Diebstahl völlig. Und das ist Wahn. Wahn ist ja gerade dadurch gekennzeichnet, dass er mit keinerlei Logik und selbst nicht mit demonstrierten Beweisen entkräftet werden kann. Gleichwohl ist der Demenzkranke kein Psychotiker sondern jemand, der zeitweise quasipsychotische Züge aufweisen kann.

                                    Gegen Wahn gibt es diese Möglichkeiten:

                                    Neuroleptika (davon gibt es viel verschiedene)
                                    tolerieren (geht nur wenn keine Fremd- oder Selbstgefährdung vorliegt)
                                    Pflegeheim

                                    Oder eben das, was übrigens auch in guten Heimen praktiziert wird:

                                    Lernen, in den Schuhen des Kranken zu gehen. Sich soweit möglich in das Wahnsystem eindenken und aus dieser Gedankenlage heraus argumentieren. Beim Bestehlungswahn z.B. sagen, dass ja heutzutage wirklich viel gestohlen wird, aber das davon viele betroffen sind. Nachfragen, ob denn auch lebenswichtige Dinge fehlen (das wird meist verneint), usw. Kurz: Das Gerede des Kranken ernstnehmen.

                                    Was das Autofahren betrifft, liegt hier natürlich ein weit ernsteres Problem vor. Ich hatte dazu ja auch schon was geschrieben. Hierzu haben wir Vater vorsichtig und lange bearbeitet, indem wir ihm immer wieder versichert haben, was für ein guter und erfahrener Autifahrer er ist, aber dass er jetzt das Recht habe, sich fahren zu lassen - mal die anderen machen lassen. Auch kostet so ein Auto ja viel Geld und wenn man das mal mit der Möglichkeit von Taxifahrten vergleicht, kann man mit dem Erlös eines Verkaufs und der Einsparung der lfd. Kosten sich ja bequem bei Bedarf chauffieren lassen. Auch Opa hatte ja - nachdem er 80 Jahre alt geworden war - vom Autofahren Abstand genommen so wie viele reife und vernünftige andere Menschen auch, usw. Mit solch einer Argumentation baut man Brücken, indem man den Fahrverzicht als Leistung der Vernunft bewertet. Schließlich hatte Vater zugestimmt noch vor der Einrichtung einer Betreuung.
                                    Resultat: Er hat heute noch seinen Führerschein und darf seinen Abschied vom Auto als Leistung empfinden - wenngleich er das heute alles vergessen hat.

                                    Konfrontation mit der Realität - wir haben das ad nauseam versucht - aber bewirkt nichts, sondern macht auf Dauer alles nur schlimmer. Ich weiß, wovon ich rede - daher verstehe ich Sie ja so gut.

                                    LG
                                    Egon-Martin

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                                    • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


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                                      zunächst einmal find ich es gut das sie sich gedanken um ihre tante machen und sich um sie kümmern, daß ist nicht selbstverständlich und die regel, ich glaube sie sind ein bisschen hilflos was die diagnose angeht, ich habe auch erlebt das die ärzte keine "klare" diagnose geben sondern alles schön reden und wohl den anschein geben sie würden der kranken person alles "abkaufen", heute weiß ich dem ist nicht so, es ist ein endloses thema mit vielen fragen und beobachtungen die man mitteilen möchte und da würde wohl 30 minuten nicht reichen die der arzt eh schon nicht hat, er schaut sich die begleitung an und schätzt ab ob der patient damit gut versorgt ist und dann redet er dem patient noch mut zu was dieser auch braucht und dann gehts heim, ich hab mir ein buch genommen und immer mal aufgeschrieben wie der tag verlaufen ist (nicht täglich), befinden, medi einahme, was mir aufgefallen ist und dann immer mal nachgelesen da kann man veränderungen sehr gut sehen, mit dem erklären und verstehen ist das gut gemeint (man möchte ja helfen und alles richtig machen) ,doch es tut auch weh weil sie es selber merken das sie anders geworden sind und sie sich noch so sehr anstrengen können es aber wieder vergessen haben und umfangreiche erklärungen erst gar nicht verstehen können, meine schwiegeroma sagte mal "was du mir alles erzählst das versteh ich nicht und die wörter kenn ich doch gar nicht" ( demenz usw.) zum arzt gehen auch nicht leicht bei uns, ich sag dann meistens wir müssen mal wieder hin die tabletten werden alle und der arzt verschreibt sie nur dir wenn du selber hin gehst, das klappt auch gut. ich wünsche viel kraft und ruhe und nicht auf eine sichere diagnose warten, eher die zeichen beobachten und ruhig und gelassen helfen es wird zusehends schlimmer und kaum kommt man mit der situation zu recht tut sich ne neue auf. am auto kann man doch was manipulieren das es nicht mehr fährt und grad keiner zeit hat es zu bauen, sie wird es bald vergessen haben natürlich nicht wenn es vor der nase steht,

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                                      • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                                        und noch etwas, kein schlechtes gewissen haben wenn man mal ne lüge erfindet, es ist nicht zum schaden für die patienten sondern wir können handlungen weitsichtiger abschätzen sie meistens nicht mehr und dabei sich selber schaden ( siehe auto fahren oder medi weg lassen) das wohl des patienten ist dabei wichtiger nicht nur der wille... sie werden ein gespür entwickeln was gut ist das merke ich aus ihren beobachtungen heraus,

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                                        • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                                          Hallo zusammen,

                                          Danke EgonMartin und anke für Ihre Tipps und Ihr Verständnis.

                                          Wir waren heute bei der Gedächtnissprechstunde zur Besprechung der Ergebnisse.

                                          Es wurde Cerad angewand. Der Arzt hat und die Ergebnisse gezeigt. Die ergebnisse zeigen eine MCI. Da die Ergebnisse aber nichts akutes anzeigen, trotz der geschilderten Auffälligkeiten wird noch keine medikation stattfinden. Der Arzt hat ihr aber diesmal empfohlen, das auto fahren bleiben zu lassen und auf taxi umzusteigen. er hat ihr genau das erklärt was Sie EgonMartin angeregt hatten bezüglich des Autofahrens. sie hat gesagt, dass sie auf keinen fall das autofahren aufgeben wird und dass sie alles noch gut einschätzen kann.

                                          und was die vorfälle angeht die ich in ihrem beisein damals angesprochen hatte, sagte sie nun:" Alles was passiert ist liegt bestimmt schon 2 Jahre zurück und das mit der Wäsche z.B. weiss ich ganz genau wie es war, meine Nichte liegt da falsch."

                                          Das hat sie in einem grinsenden ton gesagt. ich habe dann weg geschaut und einfach die klappe gehalten.


                                          er fragte sie dann ob sie es gut findet dass man sich so um sie kümmert. worauf sie sagte nein, ich finde das unangenehm und brauche das auch nicht.

                                          er sagte dann, dass sie sich freuen sollte, dass die menschen um sie herum sich so um sie sorgen und ihr helfen, andere menschen hätten nicht soviel glück.

                                          daraufhin sagte sie nichts mehr.
                                          der arzt sagte, dass es in dieser phase sogar kontraproduktiv sein könnte, da die medikamente nebenwirkungen wie unruhe , verwirrtheit mit sich tragen und dass anhand von tests sich gezeigt hat, dass patienten mit anfänglicher demenz und medikamenteneinnahme keinen unterschied zu patienten ohne medikamentenmeinnahme zeigten. erst im fortgeschrittenen stadium wären da verbesserungen erkennbar.

                                          er sagte ausserdem, den eindruck den sie macht durch die tests würde deskriptiv zu den schilderungen meinerseits stehen.

                                          er sagte, dass wenn sie einverstanden wäre er mir nun die ergebnisse zuschicken würde - was sie erlaubt hat. und dann sagte er nur noch dass wir uns in einem halben jahr wieder sehen und die psychologischen tests wiederholt werden.


                                          sie danach ist guter laune mit uns nachhause gefahren. und mir ist zum heulen zu mute. obwohl ich inzwischen schon damit gerechnet habe. aber nicht damit, dass keine medikation stattfindet.

                                          was das autofahren angeht haben wir wirklich schon alles versucht. mein bruder hat schon die batterie abgeklemmt. sie hat es dann reparieren lassen. mein bruder hat das auto einfach behalten, dann wollte sie es aber nach fast 2 wochen wiederhaben , sie ist richtig wütend geworden. sie will ihr Auto vor der Türe stehen haben. Ein Taxi muss sie erst rufen und warten bis es kommt, ein Auto hat sie jederzeit bereit.
                                          der neurologe hat sie auch schon versucht zu überreden und die positiven eigenschaften des autoverzichts aufgezählt. aber sie möchte nicht.

                                          jetzt heißt es wohl das beste draus machen, jederzeit mit der angst leben zu müssen dass etwas richtig schlimmes passiert und die erkenntnis, dass uns die hände gebunden sind.

                                          danke für alle tipps und anregungen, und für die geduld hier im Forum.

                                          Ich wünsche allen von ganzen Herzen, dass sie weiterhin Kraft, Ausdauer und auch viele schöne Stunden zwischen den verzweifelten momenten mit ihren Liebsten finden.


                                          Grüße
                                          Rocio

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                                          • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                                            Hallo Rocio,
                                            auch wenn Sie mit einem hilflosen Gefühl nach Hause gefahren sind, so haben Sie m.E. doch wieder eine große Stufe genommen. Der Kontakt zu einem guten Neurologen ist hergestellt - die Tests werden in Abständen wiederholt, der Verlauf kommt unter Kontrolle. Das ist doch eine Menge und es ist Ihr Verdienst.

                                            Das Ihre Sorge ums Autofahren groß ist, kann ich sehr gut verstehen - genau das hatten wir auch.Mein Vater ist von Berufs wegen immer Auto gefahren, er hat sich quasi darüber identifiziert und er fuhr immer unfallfrei. Es war eine der schwierigsten Phasen - neben dem Weglaufen - in der Frühphase der Erkrankung.
                                            Ich war ähnlich panisch wie Sie, machte mir allergrößte Sorgen, auch wegen der Versicherung. Das war dann allerdings ein Punkt, der ein wenig half, Vater vom Fahren abzuhalten.Ich erklärte ihm, dass die Versicherung im Falle eines Unfalls - selbst wenn er ihn nicht verursacht - nicht bezahlten würde, da ab einem bestimmten Alter und bei bestimmten Erkrankungen das Fahren grundsätzlich ein Risiko sei.Da Vater sehr gesetztestreu war, ärgerte er sich zwar sehr, ist aber eigentlich nie wieder gefahren. Das Auto stand noch 2 Jahre vor der Tür - wir zahlten Steuer und Versicherung. Er ging mindesten einmal täglich runter und setzte sich hinein, prüfte die Funktionen, sah in den Kofferraum etc. Aber er fuhr nicht. Irgendwann kam dann: wenn es nur herumsteht und Geld kostet, kann ich auch verkaufen... das griff ich sofort auf und handelte. Vater hat dem Auto noch lange nachgetrauert. Seitens meiner Ärztin - die viel Erfahrung mit Demenzkranken hat - hörte ich, dass die meisten Menschen letztlich doch merken, dass es nicht mehr geht mit dem Fahren. Sie sagte immer, lassen Sie in sich ruhig ins Auto setzen - er wird nicht losfahren. Und es stimmte.

                                            Bei Ihrer Tante ist es offenbar noch nicht soweit.Aber sprechen Sie bei einer günstigen Gelegenheit einmal mit ihr über die Versicherungslage. Sie wird darüber nachdenken.

                                            Wenn tatsächlich ein Unfall passiert, muss es ja nicht gleich etwas Dramatisches sein. Mein Vater hatte etliche "Beulen" an seinem Auto. Es waren immer "die anderen", ich vermute, dass das nicht immer der Fall war, aber kann es nicht sicher sagen.Er wohnte damals noch in der Stadt und es war schwierig mit den Parkplätzen - also ist alles denkbar.

                                            Wenn der Arzt so klar erklärt hat, warum er noch nicht medikamentiert, glaube ich ihm, obwohl ich in dem Punkt sonst skeptisch bin. Sie können aber einstweilen mit Gingko Biloba, Vitamin E, Folsäure, Lecithin schon eine Menge Gutes tun.
                                            Ich schreibe Ihnen nochmal privat zu diesem Thema.

                                            Einstweilen meine besten Wünsche, Kraft und Geduld,

                                            Leona

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                                            • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                                              Hallo Rocio,
                                              danke für Ihre Antwort. Habe Ihnen noch kurz privat geschrieben!
                                              Gruß Leona

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                                              • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                                                Hallo zusammen,


                                                wollte nur mal kurz den aktuellen Stand erzählen.

                                                Seit den Ergebnissen hat sich nichts neues ereignet, bis auf dass meine Tante nun verkrampft versucht zu zeigen dass bei ihr alles inordnung ist. Das Thema Alzheimer ist nicht mehr angesprochen worden, weder von uns noch von ihr. Sie hat jede mögliche Hilfe und auch natürliche Mittel oder ausgewogene Ernährung abgelehnt und auch Medikamentenkontrolle erlaubt sie nicht . Das einzige auffällige ist ihr Konto, dass sich seit einem Jahr im minus befindet. Es beläuft sich nun auf fast 3000 €. das Kreditlimit für ihr Konto beträgt 3200 €. Doch auch da können wir nichts ausrichten. Und anfallende Kosten wie Strom müssen wir alleine tragen, um sie nicht zusätzlich zu belasten.

                                                Im Februar kam das Schreiben mit dem ausführlichen Bericht des Arztes der Gedächtnissprechstunde bei uns und dem Hausarzt sowie dem Neurologen an. Und es hat übrigens bei allen Empfängern großes Kopfschütteln ausgelöst. im August sollen wir für eine weitere psychologische Testung zur Gedächtnissprechstunde gehen.

                                                Da meine Tante jedoch nicht mehr kooperieren möchte, stehen wir auch da machtlos gegenüber.

                                                Inzwischen stehen fast alle Familienmitglieder mit gleichgültigkeit oder überfordert dem Problem gegenüber. Es wird sozusagen "ignoriert" als ob das Thema vom Tisch wäre. Und das traurigste ist, dass die Kinder aus der eigenen Familie darüber bescheid wissen was meine Tante hat und nun auffällig oft meine Tante besuchen um sich geld zu holen - mit oder ohne der Kenntnis meiner Tante.

                                                Wir können nichts machen, denn alle mahnenden worte werden von den Kindern und meiner Tante ignoriert. Und diese 13 und 15 jährigen Kinder lassen sich nichts sagen da sie von erwachsenen Menschen genau das vorgelebt bekommen, leider gottes. Alle streiten ab sich Geld von ihr zu "leihen". Und wir können nicht immer drüber wachen wer ein und ausgeht.


                                                Aber gut, laut Arzt leidet sie nur an einer "leichten kongnitiven Störung" also noch keine Demenz vom Alzheimer Typ und es muss sich ja laut arzt der gedächtnissprechstunde auch nicht dazu entwickeln....

                                                d.h. egal was alles geschieht. wir können nichts machen, sie erlaubt es nicht und somit ist sie ungeschützt und jeder der will holt sich geld von ihr.


                                                es ist alles so deprimierend.

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                                                • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                                                  Hallo zusammen,

                                                  Es ist nun schon über 2 Jahre her, dass ich hier über meine Tante berichtet habe. Seitdem ist einiges passiert was ich hier erzählen möchte und eventuell dem ein oder anderen etwas helfen kann der sich in einer ähnlich ausweglosen erscheinenden situation befindet wie wir uns befanden. Möchte mich auch nochmal an dieser Stelle bei all jenen hier bedanken die Geduldig Ratschläge gegeben haben.

                                                  Mitte letzten Jahres erlitt meine Tante aufgrund ihres Diabetes und dem nicht richtigen Umgang mit der Krankheit eine Ketoazidose. Es war an einem Wochenende. Sie fühlte sich aufeinmal schlapp, lag nur noch im Bett und aß nichts. Sie war der Meinung sie hätte einfach nur hohen Blutzucker und stach sich einige Male ohne vorheriges Messen einfach das Insulin. Wir nahmen aber auch den starken aceton geruch fest und gingen dann nach 2 Tagen mit ihr zum Hausarzt, der eine Ketoazidose annahm und uns mit ihr an das Krankenhaus überwies, wo sie letztendlich eine Woche blieb.

                                                  Schon bei der Aufnahme im Krankenhaus stellte die Ärztin uns Fragen zu meiner Tante. Ob sie alleine leben würde, und wie es mit den Medikamenten und der verpflegung aussehen täte. Man schickte uns zum Sozialdienst des Krankenhauses um uns zu beraten über einen häuslichen pflegedienst der sich dann darum kümmern würde dass sie ihre Medikamente nimmt und das insulin gespritzt bekommt. Natürlich musste sie damit einverstanden und nach längerem hin und her akzeptierte sie es.

                                                  Und nachdem sie entlassen wurde kam dieser Pflegedienst auch. Sie wirkte immer noch schlapp und lag den ganzen Tag nur im bett, zog sich nicht um und bereitete von sich aus keine Mahlzeit zu, so dass wir es taten. Der Pflegedienst welcher Morgens und Abends kam kontrollierte die Medikamenteneinnahme und das Insulin.

                                                  Wir waren etwas beruhigter, dass sie nun zumindest die Medikamente und das insulin kontrolliert bekam. Der Sozialdienst hatte uns geraten eine Vorsorgevollmacht mit meiner tante zu machen. Also druckte ich eine vom Amtsgericht aus und ging sie mit meiner Tante durch. Es war unangenehm mit ihr all diesen Fragen durchzugehen und ich glaube so richtig war sie sich nicht bewusst wofür die Vorsorgevollmacht ist. Später am Tag bescheinigte der Hausarzt noch in ihrer Anwesendheit die Vollmacht.
                                                  Nach 4 Tagen fand meine Mutter sie vormittags auf dem Bett liegend vor und als ob sie einen Schlaganfall hätte stöhnte sie nur und guckte gerade aus und reagierte nicht. Der Rettungswagen kam und man führte ihr eine Lösung zu wodurch sie langsam wieder zu sich kam. Wir fanden dann die Spritze auf dem Tisch mit einer anderen eingestellten mengenangabe als die der Pflegedienst verabreicht und notiert hatte. Sie hatte sich nochmal gespritzt nachdem der Pflegedienst sie schon gespritzt hatte.


                                                  Wieder verbrachte sie eine Woche im Krankenhaus und diesmal bestellte der Sozialdienst einen Gutachter um eine Pflegestufe zu erwirken. Leider gab man uns nicht vorher bekannt, wann dieser käme und so passierte was passieren musste. Die Gutachterin empfand meine Tante als nicht pflegebedürftig, da diese ihr versicherte ihre medikamente ohne probleme einzunehmen, ihren haushalt alleine zu führen und sich "fit wie ein Turnschuh fühle".

                                                  Wir wandeten uns diesmal an das Krankenhaus und erklärten was mit meiner Tante sei, dass sie Demenz hätte aber diese nicht offiziell diagnostiziert worden sei, sondern lediglich vom Hausarzt und einem Neurologen vermutet, dass aber die Gedächtnissprechstunde nach 2 tests und einem Gespräch eine "allenfalls leichte kongnitive Störung" befunden hätte. Wir erklärten dass wir am ende unserer Kraft wären, dass meine Tante sich selbst gefährde, dass sie Dinge und Situationen nicht richtig einschätzen könne - und mein größter Fehler war auch meine Sorge darüber zu äussern, dass sie schon seit längerem probleme mit ihrer eigenversorgung hätte und sich inzwischen so stark verschuldet hat. Daraufhin kam ein Neurologe ins Krankenhaus, führte ein 10 minütiges Gespräch mit meiner Tante. Meine Tante erzählte ihm natürlich sehr überzeugend dass sie gut alleine versorgt, nie hilfe braucht und auch keine Geldprobleme hätte, sie hätte viel Geld auf ihrem Sparbuch und gebe ihrem Neffen auch ab und zu mal ein bißchen Geld. Aber Geldprobleme nein.

                                                  Was tut also dieser Neurologe. Er schreibt an Die Ärztin im Krankenhaus eine kurze Mitteilung die sie mir dann auch vorlegte und in der ungefähr drin stand:

                                                  Die Patientin erklärte sie sei allein lebend und führe ihre Aufgaben ohne Hilfe durch und Geldprobleme hätte sie keine, sie würde sogar ab und zu ihrem Neffen Geld geben.

                                                  Meiner Einschätzung nach liegt hier eine leichte bis mittelschwere Demenzerkrankung vor, aber keinesfalls eine schwere, so dass man sie als Geschäftsunfähig erklären müsste. Es handelt sich hierbei wohl um einen intern familiären Konflikt aufgrund eines möglichen erbes.


                                                  Wieder kam meine Tante nachhause und wieder lag sie nur im Bett. Sie bereitete sich keine Mahlzeit zu, Zog sich nicht um und Wusch sich auch nicht. So dass wir uns um die Mahlzeiten kümmerten und der pflegedienst weiter um die Mahlzeiten.
                                                  Keine Woche später fing ihr Hund in der Nacht an zu bellen und hörte nicht auf, so dass ich runter ging und meine Tante wieder stöhnend und gerade ausschauend im Bett lag und nicht reagierte. Wieder kam der Rettungswagen und wieder ins Krankenhaus.


                                                  Und diesmal reagierte das Krankenhaus und bestellte einen Gutachter der in meiner Anwesendheit meine Tante befragte und sie körperliche kleine tests machen liess.
                                                  Er unterhielt sich anschliessend mit mir und den Krankenschwestern. Meine Tante bekam pflegestufe 1 und das Krankenhaus sowie der medizinische Dienst sprach von einer notwendingen 24 stunden betreuung. So dass meine Tante in eine Pflegeheim kommen sollte. Irgendwie schwankte meine Tante zwischen resignieren und rebellieren. Und ich konnte ihr kaum noch in die Augen sehen.

                                                  Wir mussten innerhalb von 3 Tagen ein "gutes" Pflegeheim finden und zum Glück fanden wir eines mit herzlichen Menschen, einer umliegenden schönen natur und der Möglichkeit ihren geliebten Vierbeiner mitzunehmen. Doch der andere Teil der Verwandschaft bestand darauf, dass meine Tante möglichst nah zuhause sei und es bot sich ein Heim welches ein paar hundert Meter entfernt war an und es war ein platz frei.

                                                  Ich ging mit meiner Mutter dorthin und unsere anfängliche begeisterung verwandelte sich schnell in ein Gefühl, dass sich nicht beschreiben lässt. Die Atmosphäre war wie ein Krankenhaus. Und man hatte uns schon gewarnt, dass meine Tante erstmal ein Zimmer mit einer anderen Heimbewohnerin teilen müsste. Als wir dann schliesslich in das Zimmer kamen waren wir entsetzt, verängstigt und meine Mutter brach in Tränen aus. Dort lag eine Frau die nicht mehr ansprechbar war in ihrem Bett und schaute nur gerade aus. Die Pflegeleiterin erklärte uns dann dass es ihr sehr schlecht ginge.

                                                  Wir dachten uns, wenn wir schon so entsetzt, deprimiert und verängstigt waren, wie würde wohl meine Tante bei dem Anblick reagieren und so entschieden wir uns für das erste Heim in der schönen Umgebung mit einem Einzelzimmer wo sie auch ihren Hund dabei haben durfte.

                                                  Wir richteten ihr Zimmer etwas ein und brachten einige ihrer Möbel, damit es nicht ganz so fremd erscheint. Am nächsten Tag kam ich sie in der Früh das erste mal dort besuchen. Sie saß am frühstückstisch alleine und schaute sehr verloren aus. Als sie mich dann sah und ich sie fragte wie es ihr geht fing sie an zu weinen. sie war sehr deprimiert.

                                                  Die Chefsschwester sagte mir später, dass ihr erster Eindruck von meiner Tante sehr überrascht war. Als sie dort mit ihrem kleinen Koffer vor ihr stand und ganz "gut zu fuss" war.


                                                  Nun mussten wir die ganzen Behördengänge machen. Ummelden, Sozialhilfe beantragen, Dinge kündigen. Und es gan dinge die unüberwindbar schienen. Wir waren wirklich am Ende. Und als ob das nicht reichen würde, schrieb das sozialamt welches alle Dokumente wie Sparbücher, auszüge ect. vorgelegt bekam, uns an und wollte erfahren was mit dem ganzen geld passiert wäre, das innerhalb von 5 jahren aus den sparbüchern in großen summen abgehoben wurde und sich auf über 27 000 euro belief. und wieso auf dem Namen meiner Tante ein Fahrzeug zugelassen sei wenn ich die frage mit nein angekreut habe. Wieder zum Sozialamt hin und wieder alles vorgelegt was zu finden war. Die Auszüge und quittungen zeigten dann dass sie einen großen tel der summe zum ausgleichen ihres kontos immer wieder abgehoben hatte und dass das Auto meinem Bruder gehörte.Es sollte 7 Monate dauern bis das Sozialamt zahlte.


                                                  Aber zurück zu meiner Tante. Nach 2 Wochen durfte der Hund dann auch endlich einziehen und meine Tante erstrahlte über das ganze Gesicht. Doch wieder 10 Wochen später, es war inzwischen anfang Januar diesen Jahres rief uns die leitende Schwester an und bat uns erbost den Hund engültig abzuholen.

                                                  Er hatte immer wieder in alle Ecken uriniert und sein Geschäft gemacht, weil meine Tante nicht rechtzeitig und ausreichend mit ihm spazieren ging und er war immer wieder in andere Zimmer abgehauen ohne dass meine Tante es bemerkte und verwüstete ein wenig die Zimmer.

                                                  Wieder war meine Tante deprimiert und wütend. All das was man versuchte als Grund zu erklären sah sie als Lüge. Bis heute noch verdächtigt sie die Nachbarin des Nebenzimmers die Schuldige zu sein für den Rauswurf des Hundes. Und auch da habe ich es mitlerweile aufgegeben ihr zu versichern dass die arme Frau nichts damit zutun hat.

                                                  Im laufe der darauf folgenden Wochen und Monate erlebten wir dann wie meine Tante sich langsam ein lebte und schliesslich endlich dort ankam. Sie kannte jetzt einige Damen dort mit denen sie sich regelmäßig trifft und unterhält. Und auch das anfängliche rebellieren gegen das Duschen findet sie jetzt inordnung. Sie sagte mir, dass sie froh ist nicht mehr sich um rechnungen und "all das" kümmern zu müssen, es hätte sie soch sehr belastet.

                                                  Heute ist es so, dass sie die Demenz nicht wahr nimmt und wir sprechen sie auch nicht mehr darauf an. Medikamente bekommt sie immer noch nicht und sie will sie auch nicht weil die ärztin der Gedächtnissprechstunde ihr mögliche nebenwirkungen erklärt hat und ihr das angst gemacht hat. Ich denke so wie die Dinge momentan laufen wäre es vermutlich eher kontraproduktiv.

                                                  Ab und zu sagt sie noch, dass wenn sie ihr Diabetes nicht hätte sie nicht dort hingehören würde, weil sie ganz fit so noch ist. und manchmal wie vor einigen tagen im gespräch mit ihr, als ich ihr erzählte dass sie vorsichtig mit dem geld in ihrer geldbörse sein sollte (15 euro), da wir eine mitteilung vom Heim bekommen haben, weil sich einige Bewohner beklagt hätten ihnen wäre Geld entwendet worden - sagte sie mir " ich glaube das ehrlich gesagt nicht, hier sind ja viele dement und das ist ja typisch für die Krankheit, dass die dann Bestehlungsideen haben". Da bin ich sprachlos und frage mich hat die Frau wirklich Demenz. Aber dann kommt mir wieder alles in den Sinn was passiert ist und ich staune über ihre Energie und den Schutzwall der sich in ihr aufgebaut hat.


                                                  Ich wünsche allen die solch eine ähnliche Phase immer noch durch machen viel Kraft und nicht die Hoffnung verlieren.

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                                                  • Re: Wenn der Mensch sich weigert Hilfe anzunehmen


                                                    Hallo Rocio,

                                                    das war ja wirklich eine schlimme Zeit, die Sie erleben mussten. Leider ergeht es den meisten hier wohl ähnlich.

                                                    Sie haben sicher eine richtige Entscheidung getroffen. Es hört sich so an, als würde Ihre Tante sich gut einleben. Es gibt auch viele Heimbewohner, die nach einer gewissen Eingewöhnungszeit ganz zufrieden mit ihrer Situation sind. Sie brauchen sich um nichts mehr zu kümmern, was ihnen zu Hause lästig war oder Sorgen bereitet hat, sie sind nicht mehr allein, sie haben eine feste Tagesstruktur, die ihnen Sicherheit gibt, sie haben mehr Anreize und Ablenkungen. Und so ungefähr hat sie es ja schon formuliert. Ob sie es sich nun schönredet oder nicht, ein bisschen Selbsterhaltungsinstinkt ist ja immer dabei.

                                                    Nicht, dass ich das die optimale Lösung finde oder meine eigene Entscheidung hier versuche zu rechtfertigen, aber ob es besser ist, wenn ein alter Mensch zu Hause ohne Ansprache vor seinem Fernseher vor sich hin dämmert und völlig unterversorgt ist, sei mal dahingestellt.

                                                    Da sie noch relativ fit ist, kann sie an allen Aktivitäten teilnehmen. Wenn sie pflegebedürftiger wird, ist sie schon ein "vollwertiges Gruppenmitglied" und es wird ihr nicht soviel ausmachen, wenn ihr jemand beim Toilettengang hilft, als jemandem, der direkt vom selbständigen 'zu Hause leben' dort einzieht.

                                                    Wenn es ein gutes Heim ist, können Sie jetzt die entspannteren Besuche mit ihr besser genießen.

                                                    Demenz hin oder her und wie schwer... das hat das Pflegepersonal jetzt unter Kontrolle und kann sie über jede noch so kleine Veränderung oder gesundheitliche Verschlechterung informieren, ohne dass Sie sich als Laie ständig fragen müssen, ob auch alles Nötige getan ist. Außerdem kennen Sie sich ja gut aus, als Forumsmitglied ;-).

                                                    Und die Geschichte zeigt auch wieder, wie wichtig Vollmacht und guter Neurologe sind.

                                                    Danke für den Bericht.



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                                                    Mein Steckbrief (Stand Jun 2012): Mutter (84), Betreuer Tochter (57), vollzeitberufstätig. Erste Hirnleistungsstörungen diagnostiziert in 1994. Im März 09 als "mittelschwere" Altersdemenz eingestuft. Medikamente in 2009: 1 x wöchentlich Imap-Spritze, morgens und abends eine Piracetam Tablette. Seit Jan 10: Axura 5 mg morgens. Mit Axura deutliche Verbesserung in Wahrnehmung und Wortfindung. Wir werden wieder mit unseren richtigen Namen angesprochen, auch wenn sie nicht weiß, wer wir sind. Sie formuliert ab und zu wieder ganze Sätze, wenn auch kurze. Seit März 10 wieder mehr Stimmungsschwankungen, Weinen, Angst. Es kommen Rückenschmerzen und dadurch eingeschränkte Beweglichkeit hinzu. Ab 23.03. Fentanyl-Pflaster. Am 28.03. 10 Tage Krankenhaus wegen starker Durchfälle. Ab 06.04. auf mehrmaliges Anraten des Neurologen auf die geronto-psych. Abtlg. Dort bekommt sie Solian. Am 20.04.2010 Umzug in ein Seniorenheim. Weiterhin nur Solian (1/2 morgens und abends), nachts Pipamperonsaft (5 ml), sonst keine Medikamente.

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