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Meine Mama in der WG

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  • Meine Mama in der WG

    Hallo,
    möchte kurz wieder einmal von meiner Mama berichten.
    Die Demenz ist bei meiner Mama wohl schon recht weit fortgeschritten. Sie erkennt eigentlich niemanden mehr und ist unfähig irgendetwas "sinnvolles" zu tun.

    Trotzdem ist es immer wieder schön sie zu sehen. Seit knapp einem Jahr wohnt Mutter jetzt in der Wohngemeinschaft und wird dort liebevoll betreut. Es ist ein solcher Unterschied sie heute zu erleben und vor ihrem Einzug. Inzwischen sind alle Antidemtiva und Antidepressiva und Schlafmittel abgesetzt, sie bekommt lediglich etwas gegen ihre Wassereinlagerungen und für den Blutdruck und das Herz.
    Und sie wirkt so zufrieden. Immer wenn ich komme ist sie am Lachen und wirkt ausgeglichen. Sie räumt herum, ist am "putzen und arbeiten" und nervt so manchen Bewohner, der noch besser dran ist, durch ihr merkwürdiges Verhalten. Wenn Sie von denen dann angeschimpft wird prallt das einfach an ihr ab und sie lächelt weiter - sie lebt so in ihrer eigenen Welt. Nachts schläft sie zur Zeit auch ganz gut durch und ist abends lange auf. Sie hört gern Musik und wie schon ihr ganzes Leben lang "tanzt" sie auch heute noch gerne. Sie erzählt viel und wenn ich auch nicht allzuviel verstehe, tue ich einfach so als ob. Und manchmal kommt sogar etwas das wirklich Sinn macht.

    Das ist wirklich gute Betreuung und nicht nur "trocken - sauber - satt" und gibt den Menschen wieder Lebensqualität.
    Ich bin natürlich immer noch traurig, dass meine Mutter diese schreckliche Krankheit hat und wünsche mir häufig, dass alles wie früher wäre, aber auf der anderen Seite bin ich so froh, eine so gute Lebensform für sie gefunden zu haben und wünsche euch allen, dass es eure Angehörigen auch gut haben oder sich irgendwas verbessern lässt.

    Liebe Grüße
    von Adelheid


  • Re: Meine Mama in der WG


    Liebe Adelheid

    Erstmal freu ich mich, daß es deiner Mutter trotz fortgeschrittener Demenz so offensichtlich gut geht und noch mehr freu ich mich,daß du es anderen mitteilen möchtest,denn es gibt ja gerade im Zusammenhang mit der Erkrankung Demenz sehr viele negative Berichte.
    Gerade eben hab ich,übrigens zum ersten mal in so einem Forum,einen Beitrag zum Thema "Bedürfnisorientierte Wohnkonzepte für Menschen mit Demenz " geschrieben .Daher bin ich jetzt sehr neugierig in welch einer Art von Wg. deine Mutter lebt . Ich arbeite seit ca. 20 Jahren in der Altenpflege,unter meist frustrierenden Bedingungen:Personalmangel,Zeitdruck ,immer umfangreichere Bürokratie etc...und bin in meinem Handeln bisher sehr geprägt von einer Versorgungsstruktur in der man kaum den Bedürfnissen von Menschen mit Demenz gerecht werden konnte und kann mir deshalb die praktische Umsetzung solch einer Wohnform nur sehr schwer vorstellen,bzw. nur mit einem entsprechenden Personalschlüssel,der sich an dem tatsächlichen Betreuungs- und Pflegebedarf orientiert. Aber welche Institution kann so einen Personaleinsatz finanzieren ?

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    • Re: Meine Mama in der WG


      Hallo Angie.Mathes
      ich freue mich, dass es Dich interessiert, wie die WG funktioniert.
      Die WG ist nicht einem Heim angegliedert. Sie ist privat organisiert. Ein ehemaliger Heimleiter hatte das in die Hand genommen und eine geeignete Wohnung bzw. früheres Gewerbeobjekt angemietet und entsprechend hergerichtet. In der WG können 8 Menschen wohnen und noch eine Person zur Kurzzeitpflege. Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer. Dann gibt es eine große Wohnküche, zwei große Badezimmer und zwei WCs. Die Bewohner werden von einem Pflegedienst bzw. Betreuungsdienst rund um die Uhr versorgt. Tagsüber ist immer eine Pflegekraft und eine hauswirtschaftliche Kraft vor Ort. Nachts eine Nachtwache.
      Vom finanziellen sieht das so aus, dass die Pflegekass das zahlt, was auch bei Betreuung zu Hause gezahlt würde. Wir zahlen aus eigener Kasse dann noch etwas mehr als 1.600 €. Aber auch Bewohner für die das Sozialamt zahlt können da wohnen.

      Das Personal ist sehr motiviert und hat wesentlich mehr Zeit für den einzelnen Bewohner. Es wird wirklich demjenigen der nicht mehr essen kann, auch wenn es eine Dreiviertelstunde dauert, gefüttert. Die Leute werden in den Arm genommen, gedrückt und beschmust. Es wird gescherzt und gelacht.
      Meine Mutter war zuvor auch in einem "normalen Altenheim". Ich kenne die Problematik mit 35 Personen auf einer Station. Schwerkranke, Demente usw. Meine Mutter hatte dort immer wenn ich kam vor dem Aufzug gestanden und wollte weg. Ich hätte Sie dort nicht lassen können. Und das Gefühl, wenn ich Sie, nachdem ich Sie nachmittags abgeholt hatte, dort wieder hinbrachte, kann ich gar nicht beschreiben. Ich habe mich immer schlechten Gewissens "weggeschlichen". Das ist mir hier wirklich noch nie so gegangen.
      Wir haben die Mutter dann eine zeitlang zu Hause versorgt (versorgen lassen). Das war auf Dauer auch keine Lösung. Aber jetzt habe ich wirklich ein gutes Gefühl. Ich denke sie lebt in ihrer eigenen Welt, sie kann nichts mehr uns sinnvoll Erscheinendes tun, aber sie wird trotzdem mit Würde und liebevoll behandelt. Sie kann aufsehten wann sie will und kann herumräumen was sie will - so beschäftigt sie sich irgendwie. Sie mag immer noch Musik und Tanzen und erzählt am laufenden Band irgendwas (was man leider nicht gut versteht). Ihr Zustand hat sich wirklich sehr stabilisiert - sie ist körperlich viel besser dran (wir brauchten zuvor einen Rollstuhl und Pflegebett) und sie wirkt sehr ausgeglichen - jetzt ohne Antidementiva und Antidepressiva.
      Sicher mag das zum Teil auch daran liegen, dass ihr ihr Zustand jetzt gar nicht mehr bewußt ist und sie nicht mehr dagegen ankämpft, aber wohl nur zum Teil.

      Das ist es, was ich in Kürze berichten kann - kürzlich wurde eine weitere WG in de Nähe der unserigen eröffnet, da geht es wohl genauso gut . Das ist sicher mit sehr sehr viel Vorbereitung, Aufwand und privatem Engagement verbunden. Es hat sich halt hier wohl jemand berufen gefühlt, das zu organisieren - das gibt es sicher nicht an jeder Ecke.

      Liebe Grüße
      von Adelheid
      ...und wenn Sie noch Fragen haben, schreiben Sie mir

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      • Re: Meine Mama in der WG


        ...ach ja das hatte ich vergessen zuerwähnen. Gecoached wurde die Gründung meines Wissens durch den Verein "Freunde alter Menschen e.V." in Berlin. Dort gibt es solche WGs wohl häufiger.
        Gruß Adelheid

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        • Re: Meine Mama in der WG


          Hallo Angie,
          ich habe nach Adelheids positiven Erfahrungen und einer schlimmen Heimodyssee nach langem Suchen ebenfalls einen WG-Platz für meinen Vater gefunden (jetzt seit 8 Monaten). Leider sind meine Erfahrungen nicht so positiv wie Adelheids. Es gibt offenbar sehr, sehr unterschiedliche Qualitätsstandarts in diesem Bereich. Auch ist der Bereich noch nahezu "rechtlos", denn als ich versuchte über die Gemeinde bestimmte Missstände zu klären, erfuhr ich, dass es keine Zuständigkeit gibt. Die WGs sind schlicht und einfach im Pflegegesetz noch nicht vorgesehen. Deshalb muss man sehr genau hinschauen, wo man seinen Angehörigen unterbringt - es gibt unzählige schwarze Schafe die auf die an sich hervorragende Idee aufspringen, aber nur Profit machen wollen. Deshalb : Vorsicht!
          Leona

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          • Re: Meine Mama in der WG


            Hallo Adelheid, mag der Satz auch recht abgegriffen sein - ... und wenn ihr nicht werdert
            wie die Kinder ....., es ist was wahres dran.

            Und das wichtigste ist das Gefühl geliebt zu werden, noch Körperkontakt zu erhalten,
            halt sich menschlich angenommen zu fühlen. Jeder Arzt wird Dir bestätigen, dass dies
            für alte und/ oder kranke Menschen zu einem hohen Prozentsatz zu einer Stabilisierung der
            Gesundheitszustandes führt.

            Es freut mich sehr, so einen Hoffnung gebenden Beitrag zu lesen.

            Wir haben zu 3 Schwestern beide Elternteile bis zum Tode gepflegt, und beide waren
            trotz schwerster Krankheit sehr glücklich und zufrieden, und das ist doch das wichtigste.

            L.G.Sie51

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            • Re: Meine Mama in der WG


              Hallo Adelheid

              Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort !!! Kennen Sie vielleicht eine Kontaktadresse des privaten Initiators,bzw. des ehemaligen Heimleiters ?Oder wissen Sie, ob er bereit wäre, über seine offensichtlich Beispielhafte WG. Auskünfte an Interessierte zu erteilen ? Wohnen in der WG. eigendlich nur Demenzkranke oder auch Bewohner ohne diese Diagnose ?In welchem Ort befindet sich die WG. Sorry, so viele Fragen ! aber villeicht wäre der Kontakt zu der WG.bzw.Informationen zu deren Betreuungs - und Umgangsmethoden auch für " Leona " Beitragsautorin in diesem Forum , sehr hilfreich .

              Liebe Grüße angie.mathes

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              • Re: Meine Mama in der WG


                Hallo Angie,
                habe Ihnen ein PN mit einigen Infos zukommen lassen.

                Gruß

                Adelheid

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                • Re: Meine Mama in der WG


                  Hallo Angie,
                  habe Ihnen noch mal eine PN geschickt mit einer Kopie des Infomaterials. Ich hoffe es klappt diesmal.
                  Ansonsten melden Sie sich noch mal. Dann finden wir einen anderen Weg.

                  Gruß
                  Adelheid

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