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Narkosen/ Betäubungen/ Zahnarzt

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  • Narkosen/ Betäubungen/ Zahnarzt

    Hallo,
    ich habe aufgrund der anstehenden Zahnbehandlungen bei meinem Vater (mittelgradig dement, 63 J. alt) einige Frage und bitte alle mit Erfahrung um Antwort.
    Es müssen bei ihm die letzten verbleibenden Zähne aus dem Unterkiefer raus; Problem ist, dass in den letzten 2 Wochen 2 Zähne abgebrochen sind, und auch die anderen beim Ziehen brechen könnten, d.h. klassisch Ziehen geht nicht mehr, mehr oder weniger rausoperieren ist angebracht.
    Er ist leider schon in der Phase, in der er seine Bewegungen etc. nicht mehr ganz unter Kontrolle hat, d.h. auch wenn ihm seine Vernunft sagt; Mund offen lassen, funktioniert schon die instinktive Abwehr und es ist schwierig bei ihm lange Zahnbehandlungen durchzuführen, bei denen man ruhig bleiben muss.
    Nun weiss man ja schon von den absolut tragischen Nebenwirkungen, die Narkosen bei dementen Menschen zu schweren Einbrüchen oder sogar bleibenden Verschlechterungen führen können. D.h. ich möchte keinesfalls eine Vollnarkose für ihn. Welche Möglichkeiten gibt es? Wie sind Sie in solchen Fällen vorgegangen, gibt es erfahrene Ärzte (ich hatte schon vor kurzem schlechte Erfahrung mit einer knallharten, unsensiblen, a...kalten Chirurgin)? Welche Arten von Betäubungen gibt es, die man anwenden könnte?

    Tausend Dank für Ihre Rückmeldungen im Voraus
    Flieder

  • Re: Narkosen/ Betäubungen/ Zahnarzt


    Hallo Flieder,

    es gibt verschiedene Narkosemittel. M.W. ist Isofluran am gefährlichsten. Vielleicht kann Dr. Spruth dazu was schreiben. Ob N2O - "Lachgas" - helfen könnte?

    Möglicherweise gibt es auch lokal- oder regionalanästhetische Mittel. Den Mund bzw. Kopf könnte man vielleicht auch kurzfristig fixieren nachdem man dem Patienten ein Beruhigungsmittel verabreicht hat.

    Gruß
    Egon-Martin

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    • Re: Narkosen/ Betäubungen/ Zahnarzt


      Sehr geehrte Flieder,

      ich fürchte Methoden wie die Hypnose werden bei Ihrem Vater nicht mehr möglich sein, da bei Demenzpatienten die Grundvoraussetzungen hierfür meist nicht mehr erfüllt werden. Also wird eine Narkose nicht zu vermeiden sein. In den meisten Fällen, die ich überblicke, wird diese aber gut toleriert (insbesondere auch, da z.B. keine muskelrelaxierenden Medikamente notwendig werden dürften), sofern es sich um eine Kurznarkose handelt. Hierbei könnte mit dem durchführenden Anästhesisten diskutiert werden, ob möglicherweise eine Kurznarkose mit z.B. dem Benzodiazepin Midazolam (dieses kennen Sie möglichweise von einer Gastroskopie) ausreicht. Weiterhin sollte die Analgesie (die "Spritze im Mund") großzügig bemessen werden um die sedierende Mediaktion möglichst niedrig dosieren zu können.

      Mit freundlichen Grüßen,

      Spruth

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      • Re: Narkosen/ Betäubungen/ Zahnarzt


        Hallo Forum,

        ich wundere mich desöfteren, dass es so wenige Betroffene oder auch Erfahrene gibt, die evtl. etwas berichten könnten. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass nur mein Vater noch Zähne im Mund hat... Also bitte gerne erzählen, wie solche erforderlichen Dinge bei Ihnen vorgenommen wurden, und wie Sie es empfanden.

        Mit meinem Vater war ich letztendlich bei einem Zahnarzt, von dem ich wußte, dass bei ihm auch Behandlungen unter Narkose vorgenommen werden können. Nach Untersuchung und Beratschlagung entschieden wir uns zusammen, dass wir es doch mal ohne Narkose versuchen wollen, und nur bei Fehlschlagen eine Vollnarkose-Behandlung versuchen wollen. Ausschlaggebend zu dieser Entscheidung war, dass ich einfach Befürchtungen habe bzgl. der Nachwirkungen der Narkose, und auch speziell bei meinem Vater bzgl. der Myoklonien, denn nach dem Erwachen wären diese vielleicht möglich. Außerdem war es ein einfacher Zahnarzt, und eine Narkose hätte die Kasse wohl nur bei einem Chirurgen bezahlt, d.h. wir hätten zu einem anderen gehen müssen. Jedenfalls haben wir nun auch die erste "Sitzung" hinter uns, bei der 2 Zähne gezogen wurden, weitere folgen (leider). Das ganze wäre nicht möglich, wenn der Zahnarzt nicht ein so netter, aufgeschlossener, geduldiger Mensch wäre, samt dem ganzen Team. Denn ich vermute, die Zeit bekommt er nicht bezahlt, die er hier verwendet. Und es würde auch schwerer gehen, wenn ich nicht so einen guten Bezug zu meinem Vater hätte, und ich hinter dem Zahnarzt stehen, selber die ganze Zeit den Mund offen, damit er ihn offen läßt und sich darauf konzentriert und ich ihm die Hände noch festhalte. Das Röntgen der einzelnen Zähne wo notwendig, haben wir am Platz/Stuhl gemacht, und das Röntgenplättchen habe ich mit meinem Finger in seinem Mund festgehalten, denn er befördert alle Fremdkörper sonst mit der Zunge aus seinem Mund heraus. Noch ist es ja nicht so, dass er nichts versteht oder sogar mitwirken möchte, aber das nicht so kontrollieren kann. Schön ist es natürlich nicht, einen Menschen der sich nur schwerlich ausdrücken kann und das Verständnis auch nur begrenzt da ist, zuzuschauen, wie er "gequält" wird. Mein Vater war allerdings sehr tapfer, klar gelitten hat er trotzdem und es wurde auch zweimal nachgespritzt, da es anscheinend doch noch weh getan hat nach der ersten Spritze.
        Ich schreibe das alles, weil ich mir selber unsicher bin, ob ich hier richtig entscheide, dass ihn "bewußt" leiden lasse, statt ihn unter Vollnarkose setzen zu lassen. Aber jegliche Narkose ist eben auch nicht "ohne", und der Eingriff selber bei dem dann gleich alles gemacht werden würde, also 8 Zähne auf einmal, würde den Organismus dann auch kurzfristig schwerer belasten.
        Also zutrauen, mit seinem dementen Angehörigen zum Zahnarzt zu gehen, sollte man sich nur, wenn man wirklich ein menschlich über das normale Mass hinaus wirkende Team findet. Ansonsten kann das schon ein Gemüts-Fiasko werden. Auch die Helferinnen müssen Geduld haben, und z.B. die Zunge versuchen fern zu halten.
        Würde mich wie gesagt über weiter Erfahrungsberichte freuen
        Viele Grüße, Flieder

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        • Re: Narkosen/ Betäubungen/ Zahnarzt


          Hallo Flieder,
          ein großes Problem! Ihr Vater ist natürlich noch vergleichsweise jung - meiner ist bereits 83 und hat nur noch sehr wenige eigene Zähne. Aber es gibt immer wieder Probleme mit den beweglichen Brückenteilen, auch wegen der Veränderung des Kiefers durch massive Gewichtsabnahme. Letztes Jahr konnte ich Zahnarztbesuche noch mit ihm durchführen - inzwischen geht das nicht mehr. Erstens kann er nicht mehr laufen und zweitens lässt er sich das untere Teil nicht mehr einsetzen. Es fällt schon schwer, ihm einigermaßen regelmäßig das obere Teil zum Reinigen herauszunehmen und wieder einzusetzen.

          Die Schwierigkeiten erstrecken sich auch auf die Hörgeräte und die Brille.
          Hörgerät ist aussichtslos, er entfernt es sofort und wirft es weg und wegen der Brille war ich gerade beim Opitker, der mir aber wenig Hoffnung machte, dass man eine Messung mit einem an fortgeschrittener Demenz Leidenden durchführen könne.

          Auch mich würde interessieren, wie andere diese Problematik erleben und ob es Lösungsmöglichkeiten gibt.

          Leona

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