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Exelon von heute auf morgen einfach weglassen

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  • Exelon von heute auf morgen einfach weglassen

    Guten Abend, Dr.Spruth,

    ich sehe, Sie sind gerade online.
    Aus gegebenem Anlass wüsste ich gerne, was man zu erwarten hat, wenn einem Demenzpatienten, der über Jahre auf einen Cholinesterasehemmer (hier Exelon 6.0) eingestellt ist, dieser plötzlich von einem Tag auf den anderen über eine Woche entzogen wird.

    Vielleicht können Sie mir rasch antworten.
    Gruß und Dank für Ihr Engagement

    Leona


  • Re: Exelon von heute auf morgen einfach weglassen


    Sehr geehrte Leona,

    das kommt darauf an, ob der Patient noch von einer cholinergen Substitution profitiert, d.h.: ob das Medikament noch wirkt.

    Wir raten bei klinisch stabilen Patienten dringend von einem Absetzversuch ab, da sich im Falle einer (Rest-)Wirksamkeit bereits innerhalb weniger Tage eine erheblich Verschlechterung auf die Symptomatik (Orientierung, Gedächtnis, praktische Fähigkeiten, Sprache,...) einstellen kann. Nach Wiederansetzen läßt sich nicht immer garantieren, daß das alte Niveau wieder erreicht wird. Eine Woche ist allerdings noch eine recht kurze Pause. Wichtig ist, daß nach der Woche nicht wieder mit der vollen Dosis begonnen wird, sondern ein Einschleichen erfolgt (meiner Erfahrung nach kann man dabei aber die Dosis meist schneller steigern, als dies der Beipackzettel vorsieht, dies sollte jedoch nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Neurologen passieren).

    Beobachten wir allerdings ein Fortschreiten der Demenz unter Behandlung, z.B. mit Exelon, welches in etwa dem eines unbehandelten Patienten entspricht, führen wir einen Absetzversuch durch, bei dem wir (hier gibt es keine festen Regeln) das Präparat von einem auf den anderen Tag absetzen und die Angehörigen um besondere Aufmerksamkeit bezüglich etwaiger Veränderungen bitten. Sollten solche beobachtet werden und über die üblichen (geringen) Schwankungen hinausgehen, empfehlen wir, das Medikament wieder einzudosieren.

    Was nach Absetzen übrigens nicht selten auftritt, sind vorübergehende Obstipationen (Verstopfungen).

    Ich muß jetzt los, bin aber irgendwann morgen wieder im Forum; falls ich Ihre Frage noch nicht ausreichend beantworten konnte, lassen Sie es mich bitte wissen.

    Mit freundlichen Grüssen,

    Spruth

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    • Re: Exelon von heute auf morgen einfach wegla


      Sehr geehrter Dr.Spruth,
      leider kam es bei meinem Vater im Pflegeheim durch eine falsche Medikamentenstellung zu einem ungewollten Absetzen von Exelon. Ich entdeckte es gestern Abend durch Zufall, nachdem man mir täglich von einer nicht erklärbaren Verschlechterung berichtete.
      Ich konnte nicht genau herausfinden, seit wann das Medikament nicht mehr gegeben wurde.

      Zumindest kann ich sagen, dass Vater vor 6 Tagen noch orientierter war, laufen konnte, sich hinsetzen konnte, selbständig essen konnte und sogar einen Rechtschreibfehler in einem mitgebrachten Schriftstück entdeckte.

      Gestern fand ich nur noch einen stark sturzgefährdeten, völlig desorientierten, brabbelnden Menschen vor - es war erschreckend.

      Ich blieb viele Stunden und päppelte Vater mit Flüssigkeit und weicher Nahrung so lange auf, bis wir gemeinsam wieder ein paar Schritte gehen konnten.

      Das Personal überließ mir dann auch die Medikamentengabe, dabei entdeckte ich das fehlende Präparat und fragte nach.
      Beim Personal daraufhin Unsicherheit und Verlegenheit und nur die Rechtfertigung, dass sie nichts dafür könnten, die Pflegedienstleitung habe die Medikamente das letzte Mal gestellt (dies geschieht immer von Dienstag bis Dienstag).

      Nachdem der Fehler entdeckt war, wurde ohne Rücksprache mit dem Arzt die volle Dosis wieder gegeben...

      Ich kann nur hoffen, dass Vater sich wieder erholt und die erneute Gabe der vollen Dosis keine Nachteile bringt.

      Nach ungewöhnlich vielen Pannen in diesem Haus (ich berichtete in meinem Thread zur Unterbringung von Demenzkranken darüber)versuche ich Vater jetzt in einer kleinen WG unterzubringen, die einen recht guten Ruf hat.

      Ich habe das Thema sogar auf die lokalpolitische Ebene gezerrt, weil der Träger dieses unzulänglichen Hauses auch in meiner Heimatgemeinde ein Pflegeheim plant. Es kam zu einem David-gegen-Goliath-Gespräch, bei dem man mir subtil mit juristischen Maßnahmen drohte.

      Mein Vertrauensverlust ist inzwischen so groß, dass ich meinen Vater dringend anderweitig unterbringen möchte, was sicher nachvollziehbar ist.

      Danke für Ihre Ausführungen zur Absetzproblematik von Exelon. Ich wollte einfach die Meinung eines Fachmanns dazu hören und sehe mich in meinen Beobachtungen und Vermutungen bestätigt.

      Alles Liebe

      Leona

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      • Re: Exelon von heute auf morgen einfach wegla


        Sehr geehrte Leona,

        das Hauptproblem, welches bei zu schnellem Aufdosieren oder eben Wiederansetzen der vollen Dosis auftreten kann sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle. Wählen Sie bei Autreten eines dieser Symptome eine niedrigere Dosis und/oder behandeln Sie symptomatisch, z.B. mit MCP, Loperamid, etc.
        Ich drücke Ihnen die Daumen, daß es gar nicht erst dazu kommt.

        Mit freundlichen Grüssen,

        Spruth

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        • Re: Exelon von heute auf morgen einfach weglassen

          Alles neu hier... ich finde mich nur schwer zurecht. Ich war lange Zeit nicht hier, brauchte eine Auszeit. Wer von den alten Gesprächspartnern ist denn noch da? Frage: Gibt es inzwischen neue Cholinesterasehemmer (außer Reminyl, Exelon und Aricept) oder andere Medikamente, die man bei Alzheimer einsetzen kann?

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          • Re: Exelon von heute auf morgen einfach weglassen

            Hallo, Avaleona,
            zu Medikamenten kann ich Ihnen nichts sagen, meine Mutter bekommt keine. Meines Erachtens ist der Schaden, den sie anrichten, mindestens genauso groß wie der Nutzen, der meist über eine Sedierung nicht hinausgeht.

            OT: Oft bringt es schon viel, wenn der Kranke gut versorgt wird, daran hapert es in vielen Heimen. Unsauberkeit, unzureichende Ernährung, vor allem zu wenig Flüssigkeitszufuhr ... Da liegen die Leute z. B. viel zu warm eingepackt im Bett oder sitzen schwitzend auf dem Kunststoffbezug des Rollstuhls. Da kann man mit guter hochkaloriger Nahrung (Trinknahrung z. B.) schon viel erreichen. Ich habe es erst kürzlich bei meiner Mutter erlebt - 2x in kurzen Abständen "leichte Lungenentzündung". Ursache? Schulterzucken beim Personal. Ich fuhr dann mal extra zur Essenszeit ins Heim: Sie hatte Schluckstörungen, konnte kaum reden, Mund total trocken, Speisereste landeten in der Lunge. Will keiner gemerkt haben.
            Nach einer Woche Aufpäppeln konnte sie wieder einwandfrei schlucken, sprechen und ist auch geistig deutlich besser dabei.
            LG louisanne

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            • Re: Exelon von heute auf morgen einfach weglassen

              Hallo Louisanne,
              da es bei uns akut wird: in welcher Art Heim ist Ihre Mutter?

              Hallo Leona,
              schön, dass Sie mal wieder auftauchen ...

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              • Re: Exelon von heute auf morgen einfach weglassen

                Hallo, Eva Franziska,
                in welcher Art Heim ... hm, ein ganz "normales" für Demente und Nichtdemente (das in der Bewertung mit sehr gut abgeschnitten hat, haha). Ich glaube, wie gut ein Heim wirklich ist, kann man erst sagen, wenn der Kranke einige Zeit drin ist. Schicke Ausstattung, schöner Garten, Fischteich etc. wären für mich kein Kriterium ;-) Am allerwichtigsten ist mir, dass es nahebei ist, damit ich schnell mal nach dem Rechten sehen kann. Ich glaube, ohne diese Möglichkeit des raschen Eingreifens stünde es inzwischen schlecht um meine Mutter
                LG louisanne

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