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Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen

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  • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


    Hi,
    ich bin schockiert - gibt es wirklich Heime in denen so gearbeitet wird?
    Heimaufsicht oder MDK (je nach Bundesland) machen doch Heimbegehungen bzw. Prüfungen.
    Der Personalschlüssel ist in den Pflegesatzverhandlung ausgehandelt worden und muß eingehalten werden. Mindestens alle 6 Monate müssen diese Zahlen auch gemeldet werden.
    Also woran liegt es?
    Bei einer Beschwerde bei der Heimaufsicht erfolgt aus der Reihe eine anlassbezogene Prüfung. Fand so eine Prüfung schon mal statt?

    LG

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    • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


      Liebe Wildrose, es gibt sogar Heime, die einen an Alzheimer erkrankten Menschen nur mit einer gestzten Magensonde wieder aufnehmen wollen....es wäre praktischer für die Medikamentengabe des Pflegepersonals!!!!!!!!!!
      Arielle

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      • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


        Hallo alle miteinander,
        durch einen seltsamen Zufall ist es nun so gekommen, dass ich am 8.April 2008 ein Zusammentreffen mit dem Geschäftsführer Deutschand des meinen Vater betreffenden Pflegeheimes habe.
        Ich bin aufgeregt - aber sehe es auch als Chance, meine Beobachtungen und Fragen vielleicht an der richtigen Stelle loszuwerden. Trotzdem habe ich Angst - denn ich habe ja noch keine Alternative für meine Vater - was, wenn er raus gesetzt wird? Ich glaube, die nächsten Nächte werde ich noch schlechter schlafen...denkt am 8.4. bitte alle an mich! Leona

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        • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


          Liebe Leaona, ich erfreue mich an deinen Mut und an deiner Entschlossenheit....du mußt keine Angst vor diesem Gespräch haben, eher müssen sich das Pflegepersonal bzw. die 'oberen Kopfe' Gedanken machen, dass in der Gesamtpflege etwas nicht stimmt....dir werden viele Menschen, viele Angehörige sowie zu Pflegende dankbar für deine Einsatzbereitschaft sein. Du machst es für deinen Vati, für einen hiflosen Menschen aber in Wirklichkeit machst du es für Tausende!!! Ich bestärke dich in deiner Entschlossenheit, in deinem Mut, bin in Gedanken bei dir und stehe dir zu jeder Zeit zur Seite. Du zeigst mit deinem Handeln Charakterstärke, die leider bei so vielen Politikern zu suchen ist....
          Bei mir hat sich in den letzten Tagen soviel verändert....ich hole meinen Mann im nächsten Monat wieder aus dem Pflegeheim. Ich kann für die Heimkosten nicht mehr aufkommen....gestern habe ich mit der Heimleitung gesprochen. Sie brachten mir viel Einsicht entgegen und wenn ich ein Heim empfehlen kann, dann ist es dieses! Aber so ist es nun mal....
          Ich muss aber ganz ehrlich sagen, ich hatte ein gutes Gefühl, als ich das Heim verliess, sind es doch die letzten Monate oder Wochen, wer weiss das, die mein Mann noch in Aussicht hat. Ich habe ihm ins Ohr geflüstert, du bist bald wieder zu haus, bei unserem Hund und kannst im Garten sitzen....ich hoffe nur, ich kann dieses Versprochene einhalten. Es wird nicht einfach sein, ihn in den Garten zu bringen aber ich schaffe das, ich weiss es! ....bestimmt sein letztter Sommer! Ich mag nicht daran denken, muss weinen....
          liebe Grüße
          Arielle

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          • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


            Liebe Leona,
            wie bist du denn zu dem Gesprächstermin gekommen? Ich denke nicht, dass sie deinen Vater einfach so raus setzen können, da müsstest du schon ausfallend werden dass das passiert.. und ich hoffe du bist nicht so derart temperamentvoll?! Wird noch jemand teilnehmen, wäre sicherlich besser. Natürlich denken wir an dich, aber ich würde mir nicht so viele Gedanken machen; durchdacht hast du sowieso schon alles
            Liebe Grüße, Flieder

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            • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


              Liebe Arielle, das sind ja Neuigkeiten. Hast du daheim Unterstützung? Ich weiss nicht, wie tragbar die Situation insgesamt für Dich ist. Vielleicht ist es auch nicht der letzte Sommer für Deinen Mann, sollte es ihm besser gehen will ich das hoffen.
              Nachdenkliche Grüße von Flieder

              P.S.
              Schreibe dir noch PN

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              • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                Hallo Flieder,
                der Termin kam auf sonderlichen Wegen zustande.Nach einem niederdrückenden Besuch bei Vater im Heim (um den 16.3. herum), saß ich schlaflos und verzweifelt hier am PC und überlegte, was ich denn noch tun könnte,um Vater aus dieser unwürdigen Situation heraus zu holen. Ich schrieb an die Pflege-Charta, an die Alzheimer Gesellschaft und schließlich fiel mir ein, dass meine Heimatgemeinde in naher Zukunft (2009/2010) ebenfalls ein Altenheim plant. So schrieb ich meine Erfahrungen nieder und bat darum, bei der Auswahl des Trägers kritisch zu sein und genau hinzuschauen...ich äußerte mich nicht gerade diplomatisch zu dem Haus/Träger meines Vaters. - Kurz später hatte ich wieder ein Gespräch mit der Heimleitung, was erfahrungsgemäß immer wieder zu einer temporären Besserung der Situation führt. So auch dieses Mal. Ich vergaß um meine Nachricht an die Gemeinde...bis vorgestern. Ich erhielt einen Anruf vom 1.Beigeordneten und ließ mich in der Überraschung überzeugen, dass ein Gespräch am runden Tisch das Beste sei - zumal man tatsächlich diesen Träger ins Auge gefasst habe. Und - was ich jetzt bereue - stimmte ich im Eifer des Gefechts zu, dass der Herr Beigeordnete meine Nachricht weiterleiten dürfe...das war keine gute Idee, denn sie ist in erschöpftem, wütendem Zustand geschrieben und ich hatte sie in ihrer ganzen Härte gar nicht mehr im Kopf...
                Einen Tag später rief mich der Geschäftsführer Deutschland persönlich an. "So kann man das nicht im Raum stehen lassen, hier besteht dringend Gesprächsbedarf..."
                Ja, so kommt es nun am 8.4. zu dem Termin. Ich sagte in meiner Nachricht die Wahrheit - aber sehr drastisch und nicht sehr differenziert, weil ich mit dieser Entwicklung nicht gerechnet habe. Nun liegt die Beweislast bei mir - und das ist gar nicht einfach, denn das Personal hat Angst um seinen Job und macht den Mund nicht auf und ich habe nur meinen Sohn und eventuell eine andere Angehörige sowie bei einem Ereignis eine Dame von den sozialen Diensten als Zeuge.
                Solche Dinge sind mir unangenehm - ich regele derlei lieber diplomatisch. Die alte Nachricht ist ein bisschen wie eine vergessene Tellermine hochgegangen...aber nun ist es so. Wenn ich eine Alternative für Vater hätte, wäre ich ruhiger.
                Ich werde berichten...
                Gruß Leona

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                • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                  Ohje, das ist natürlich eine ungute Situation. Kann mir vorstellen, wie das Gespräch verlaufen soll in den Augen des Geschäftsführers. Ich meinte übrigens, ob am 8.4. dir jemand zur Seite stehen wird, nicht unbedingt als Zeuge für irgendwelche Verfehlungen, sondern als Zeuge des neuen Gesprächs. Ich glaube auch nicht, dass du wie vor Gericht Beweise bringen musst an Ort und Stelle, aber relevant wäre schon ob bisher bestritten wird, was du vermutest. Apropos, was hat sich denn ergeben bzgl. der Verabreichung vor dem letzten so desolaten Zustand bei deinem Vater, bzw. bzgl. der Niederschriften über die Verabreichungen (und was war wegen dem Baldrian, wieviele Tropfen?)?
                  Letztendlich ist es aber doch so, dass man als "normaler" unbetroffener Bürger davon ausgeht, dass in einem Heim (zumindest in Deutschland) seinem Angehörigen eine adäquate Pflege geboten wird, bis auf die "paar" Pflegeskandale. Das Dilemma ist sicherlich, dass jemandem der nicht betroffen ist, nicht klar ist, was adäquat bedeuten kann, nämlich ein riesiger Aufwand der betrieben werden müsste, um die Patienten/Heimbewohner wirklich menschenwürdig zu versorgen, mit viel Zeit und individueller Behandlung sowie fachmännischer Unterstützung. Mal (wieder) ganz naiv gerechnet würde ich sagen, dass dazu im Schnitt 1 Kraft für 4 Menschen notwendig ist, und das 3 Schichten am Tag, würde bedeuten dass auf 1 Patienten allein mind. eine 3/4-Kraft entfällt, mit Urlaub-Krankheit etc. also 1 vollbezahlte Kraft. Dazu der Heimplatz etc., da kommt man schon auf die Summe die ein Heimplatz kostet. Wenn aber nun bzgl. der Personalpolitik warum auch immer hier gespart wird, dann kann das nur darin enden, dass einige darunter leiden müssen wenn vereinzelt Patienten gerade mehr Aufmerksamkeit benötigen, d.h. um den Betrieb überhaupt noch am Laufen zu halten müssen die anderen "ruhig" sein. Dass das "ruhig" sein sollen aber auf keinen Fall zu einer Ruhigstellung durch das Personal führen darf, ist denke ich gesellschaftlicher Konsens. Das wird das Heim denke ich auch nie zugeben; da müsste man schon individuell seine Abmachungen mit dem Heim und deren Bevollmächtigungen betrachten, wie auch mit was geworben wird und was vertraglich geregelt wurde.
                  Vielleicht wäre es ratsam zu dem Gespräch Vergleiche aufzeigen zu können, zu anderen Heimen, anderen Zuständen?
                  Liebe Grüße, Flieder

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                  • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                    Hallo Leona,

                    ich habe Ihnen eine PN geschrieben wg. jur. Tips. Man weiß ja nie, wer hier mitliest;-)

                    Gruss
                    Egon-Martin

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                    • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                      Lieber EgonMartin, ich lese ihre Nachrichten erst heut und möchte in Bezug auf Pflegeheime einen kleinen Komentar ablassen. Mein Mann kam im April 2007 in ein Pflegeheim, welches ich im Oktober kündigen mußte bzw. das Pflegeheim mit meinem Mann überfordert war. Es gibt ein langes Vorspiel, nur kurz....dieses Pflegeheim wollte meinen Mann nur mit einer Magensonde wieder aufnehmen, als er aus der geschlossenen Psychiatrie entlassen werden sollte. Es gab einen enormen Kampf zwischen der behandelnden Ärztin und mir, sie drohte mir mit Betreuerenziehung und keiner Weiterbehandlung meines Mannes, wenn ich der Magensonde nicht zustimme....ich blieb standhaft und bin froh darüber.
                      Ganz interessant ist ein Artikel von Michael de Ridder im Ärzteblatt. Medizin am Lebensende: Sondenernährung steigert nur selten die Lebensqualität. (habe dieser Ärztin diesen Artikel zukommen lassen)
                      liebe Grüße
                      Arielle

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                      • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                        Hallo leona
                        Für den 8 April wünsche ich dir viel Kraft und Mut.
                        Ich bewundere dich und finde das du das einzig richtige tust.
                        Auch wir haben ständig für meinen Vater im Pflegeheim gekämpt.
                        Um sein Wohl um seine Menschenwürde denn er war hilflos.
                        Mach weiter so
                        Gruß celine

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                        • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                          Hallo Leona,kämpfe für uns alle mit!Wenn man auch nicht alle Heime schlechtreden möchte,so bleibt doch in den meisten Heimen vieles zu bemängeln.Leider trifft es immer das schwächste Glied!!Ich wünsche dir viel Erfolg und denke an dich!
                          Liebe Grüße Kondor

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                          • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                            Hallo Leona,
                            ich würde den Termin auch eher als Chance sehen. Vielleicht ändert sich ja danach endlich was. Das ist ja dann wirklich "Schmitt".
                            Als meine Mutter noch im Heim untergebracht war, hatte ich mir über alle Vorkommnisse immer eine Aktennotiz gemacht mit allen Details, die ich dann bei Gesprächen an der Hand hatte. Sie haben doch hier im Forum immer wieder über die jeweiligen Mißstände berichtet, nehmen Sie doch ihre Einträge einfach mit. Wird ja wohl keiner behaupten können, dass Sie sich das alles nur ausgedacht haben.
                            Und das Ihr Vater "rausgesetzt" wird, kann ich mir nun überhaupt nicht vorstellen. Das wäre ja wohl ein Skandal, den sicher auch die Öffentlichkeit interessieren würde.

                            Alles Gute
                            Adelheid

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                            • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                              Ganz herzlichen Dank für den Zuspruch! Ich werde nach dem Gespräch berichten. Liebe Grüße, Leona

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                              • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                                Liebe Celine,
                                ich danke Dir für Deinen lieben Zuspruch. Ich melde mich, wenn das Gespräch hinter mir liegt. Alles Liebe, Leona

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                                • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                                  Hallo an alle,

                                  ich wende mich heute nur in Kürze an euch, da es mir gesundheitlich nicht sehr gut geht. Viele von euch haben mir Mut gemacht und mir Ratschläge zum bevorstehenden David-gegen-Goliath-Gespräch gegeben. So möchte ich wenigstens berichten, dass es statt gefunden hat und dass es einigermaßen befriedigend ausging. Ich hoffe nur, dass die Zugeständnisse von Heim-Trägerseite nicht nur wegen des anwesenden Kommunalpolitikers gemacht wurden und dass die gemachten Versprechen auch gehalten werden.

                                  Leider klappte ich einen Tag nach dem Gespräch (das fast 4 Stunden dauerte) zusammen. Ich hoffe, ich erhole mich und kann dann denen, die es interessiert, mehr berichten.

                                  Grüße und Danke!
                                  Leona

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                                  • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                                    Lieber Leona, irgendwann ist für uns alle die Kraft am Ende...erhole dich gut, ich bin in Geanken bei dir. Lass uns wissen, was gesagt wurde.....
                                    liebe Grüße
                                    Arielle

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                                    • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                                      Liebe Forumsmitglieder,
                                      nachdem es mir wieder etwas besser geht, will ich kurz über das Gespräch und die jüngsten Ereignisse berichten.

                                      Beim Gespräch anwesend waren von Trägerseite der Geschäftsführer Deutschland, die Qualitätsbeauftragte H. und T., die Heimleitung, ein von mir alarmierter Kommunalpolitiker, eine weitere betroffene Angehörige, mein Sohn und ich.

                                      Nachdem ich all die bitteren Erfahrungen und Mängel der letzten Monate vorgetragen hatte, schloss sich auch die andere Betroffene an. Es folgte eine angedeutete Entschuldigung seitens der Geschäftsführung mit Hinweis darauf, dass viele Mängel an der Aufbauphase (inzwischen 7 Monate)lägen und es bei meinem Vater in der Tat zu einer unglücklichen Ansammlung von Missgeschicken gekommen sei. Dies wolle man nun aber verbessern und meinen Vater besonders im Auge behalten. Die Qualitätsbeauftragte griff mich wegen der Email an meine Gemeinde ziemlich massiv an, sprach von Rufschädigung und möglichen Konsequenzen, verteidigte ihr Konzept und konnte sich nicht vorstellen, dass meine Schilderungen der Wahrheit entsprächen. Mein Eindruck war, dass sie selbst zwar sehr engagiert schien, aber zu oft und zu weit von der Praxis entfernt ist. Sie deutete immer wieder an, dass man mit dem Vertrauensverlust, der offenbar bei mir vorliege, nur noch schwer zusammen arbeiten könne...

                                      Die Heimleitung verhielt sich eher still, warf nur hin und wieder eine wenig relevante Bemerkung ein. Der Politiker verhielt sich vermittelnd neutral, er hatte aber die Plattform zu diesem Gespräch geboten, was ich ihm hoch anrechne.

                                      Die Runde ließ sich dann noch auf die von mir vorbereiteten Fragen zur Zukunft der Versorgung in dem Haus ein (Ich hatte jedem ein Arbeitspapier mit den Fragen vorbereitet) und hier ergaben sich durchaus gemeinsame Vorstellungen und es zeigten sich auch viele Berührungpunkte zwischen mir und der Qual.Beautragt., die mich vorher noch unsanft angegangen hatte.

                                      Das Gespräch dauerte fast 4 Stunden und verlief insgesamt fair und friedlich.

                                      In der Woche davor war auch ein Herr von der Heimaufsicht bei meinem Vater, allerdings auf Voranmeldung und wie mir von einer anwesenden Bekannten gesagt wurde, war mein Vater nie netter, sauberer, ansprechender zurecht gemacht, als an diesem Vormittag...dazu brauche ich sicher nichts zu kommentieren.

                                      Trotzdem setzte ich Hoffnungen auf unser Gespräch und dachte, dass zumindest in den nächsten Wochen Ruhe herrschen würde...

                                      Irrtum.
                                      Als ich Vater gestern aufsuchte, war er wieder völlig am Ende, konnte nicht laufen (4 Tage vorher war noch alles o.k.!!!),war unfähig ein Glas zu halten und zum Mund zu führen, konnte nicht selbständig essen, brabbelte nur Unverständliches, selbst gerade sitzen war nicht drin, er kippte immer wieder um.

                                      Mein Sohn und ich waren entsetzt. Inzwischen klüger geworden, hielten wir den Zustand diesmal bildlich fest. Ich fragte höflich, wo man die Ursachen für diese erneute Verschlechterung sähe (wie gesagt, 4 Tage vorher ging noch alles - Vater fand sogar in einem mitgebrachten Text mehrere Rechtschreibfehler und machte mich darauf aufmerksam!)und ob irgendetwas Besonderes vorgefallen sei. Das Personal gab sich hilflos und meinte, dies sei wohl krankheitsbedingt, sie könnten es sich auch nicht erklären...

                                      Also tat ich wieder meinen Job - fütterte, flößte Tee,Wasser, Saft ein, massierte und redete bis ich Vater endlich soweit hatte (nach Stunden), dass wir ein paar Schritte zu dritt zur Terrasse gehen konnten - ein bisschen frische Luft, die ersten zusammenhängenden Sätze an diesem Tag, ganz langsam lüftete sich der Schleier.

                                      Ich blieb auch noch zum Abendbrot, fütterte Vater wieder und man reichte mir die abendlichen Tabletten...tja, und da stellte ich fest, dass das entscheidende Medikament, das Antidementivum Exelon, nicht dabei war!!! Ich fragte sofort nach - Überraschung seitens des Personals, leichte Unruhe, Kruschpeln in den Unterlagen...hm..hm..

                                      Offenbar waren die Medikamente für die gesamte Woche falsch zusammengestellt worden und keiner hatte es bemerkt. Vater hat sein wichtigstes Medikament über Tage nicht erhalten. Von Exelon ist bekannt, dass man es überhaupt nicht einfach absetzen darf, wenn überhaupt, muss es ausgeschlichen werden...des weiteren stellte sich heraus, dass Vater auch morgens seine Medikamente n i c h t bekommen hatte, weil er sie wieder ausgespuckt habe und man nicht gewusst habe, wie man sie ihm denn verabreichen könne...no comment!

                                      Ich gab meinem Vater dann die Medikamente selbst, es erforderte Geduld, aber es war möglich. Einen Teil kann man sogar in Flüssigkeit auflösen.

                                      Da war nun die Erklärung für die massive Verschlechterung seines Zustandes, aber es kam noch nicht mal eine Entschuldigung.

                                      Wenig später fand ich dann in seinem (sehr schmuddeligen) Zimmer eine Stofftasche mit einem geöffneten und ausgelaufenen Fresubinpäckchen...es war abgesprochen, dass Vater wegen seines Untergewichtes täglich ein solches kontrolliert bekommt, also im Glas/Tasse serviert und unter Beisein eines Pflegers o.ä.

                                      Bezahlt habe ich die 60 Päckchen, wer das Mittel kennt, weiß, es ist kostspielig. Wenn die Dinge dann so laufen, wie beschrieben, kostet es fast unmenschliche Kraft - nach allem was voraus gegangen ist - ruhig zu bleiben.

                                      Ich heulte erst auf der Heimfahrt im Auto.

                                      Ich bin seit 10 Tagen im Gespräch mit einer WG in einer nahen Kleinstadt und hoffe - auch wenn die Räumlichkeiten gewisse Mängel haben und auch wenn die Kosten etwas höher liegen - dass ich Anfang kommender Woche eine Zusage für Vater bekomme.

                                      Dort, wo er ist,kann er nicht bleiben. Das wurde mir gestern nochmals drastisch klar. Es wird sich nichts ändern in diesem Haus, noch nicht einmal Grundpflege und Grundversorgung funktionieren, von den Bedürfnissen eines Demenzpatienten ganz zu schweigen.

                                      Haltet mir die Daumen, dass ich eine Zusage bekomme und dass ich meine Restkräfte nochmal mobilisieren kann und das durchziehe und vor allem - dass es für Vater nochmal ein wenig besser wird.

                                      Euch allen einen lieben Gruß
                                      Leona

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                                      • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                                        Liebe Leona, ich habe deinen Bericht gelesen und fühle deine Ohnmacht!
                                        Schalte doch einfach die Betreuungsbehörde ein!!! Diese nimmt nach deiner Kritik am Heim garantiert Einblick in das dortige Geschehen. Ich muss zugeben, ich habe mit dieser damals, als das mit meinem Mann wegen der Magensonde war, nur gute Erfahrungen gemacht. Mach es!!!
                                        Heute kam mein Mann nach haus zurück. Ich habe das Gefühl, er hat es gemerkt. Eigentlich sollte das schon zum 15.4. passieren aber am 14. am Nachmittag wurde er wegen des Verdachts auf ein Magengeschwür in das Krankenhaus eingeliefert. Er hatte Blut erbrochen....so kam wieder einmal alles anders. Nun ist er hier und ich hoffe, ich kann ihm das geben, was ein Mensch in diesem Zustand benötigt.
                                        Er hat so gut gegessen, dass es mir ein unwahrscheinlich gutes Gefühl gibt.
                                        Liebe Leona, befolge meinen Rat, ich glaube, du wirst positiv überrascht sein.
                                        liebe Grüße
                                        Arielle

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                                        • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                                          Liebe Leona,
                                          ich bin echt entsetzt!!! Ich glaube nicht, dass ich sehr naiv bin, aber das hätte ich mir nicht träumen lassen. Das ist wirklich die Höhe. Sollte es wirklich in den meisten Heimen so gehen, dann braucht einen wirklich gar nichts mehr wundern. So ist das zwar nicht nur im Gesundheitswesen sondern auch in der Industrie, dass es schöne Zertifikate und Qualitätsbeauftragte hin oder her gibt aber letztendlich alles nur auf dem Papier gepflegt wird, aber da ist es schlicht und einfach nicht so tragisch. Ich sagte ja schon ein paar Mal, es ist nicht schlecht sich die Verabreichungspläne für Medikamente zeigen zu lassen, bzw. um das Personal nicht ganz so vor den Kopf zu stossen, einfach mal nachzufragen "was hat sie/er denn heute schon für Medikamente bekommen", dann müssen sie nachsehen und man sollte mit rein schauen können, aber bei ganz gewieftem Personal und wenn das die Regel wird, dann würden solche Pläne wohl einfach "nachgepflegt" werden. Dass so etwas vorkommt, liegt sicherlich an überfordertem Personal, aber vor allem auch an der Pflegeleitung; es ist ein großer Unterschied, ob das Personal mal nicht zum Rasieren oder Zahnpflege kommt, oder so etwas wesentliches wie die absolute Regelmäßigkeit und strikte Einhaltung der verordneten Medikamente mißachtet wird. Und dass nach all der vorangegangenen Geschichte... die trauen sich was.
                                          Das einzige was sich an der traurigen Wahrheit positives sehen läßt ist, dass du nun weißt warum dein Vater so oft total in den Seilen hing. Von meiner Seite habe ich glaube ich relativ ausführlich beschrieben wie es bei meinem Vater aussah, als er die Medis zwar von uns bekam, aber klammheimlich weil sie sich in seinem Mund aufgelöst haben und das bestimmt nicht gut schmeckt aus dem Mund gepopelt hat. Diese Schwankungen sind unerträglich, und auch jetzt merken wir bei der kleinsten Änderung schon die offensichtlichen Auswirkungen.
                                          Natürlich drücken dir alle die Daumen, dass es mit der WG klappt, und es wird ihm dort bestimmt besser gehen!
                                          Liebe Grüße, Flieder

                                          P.S. Auch wenn das jetzt durch diese Wendung untergeht, ein 4-Stunden Gespräch durchzuziehen, wow!

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                                          • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                                            Hallo, liebe Flieder, ich freue mich dich zu sehen...ich schreibe dir in den kommenden Tagen wieder einmal eine Mail.
                                            ...was passiert nur mit den Menschen, die keine Angehörigen haben, die sich um einen kümmern. Man mag gar nicht daran denken.
                                            liebe Grüße
                                            Arielle

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                                            • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                                              Hallo,
                                              ich drücke Ihnen die Daumen das es mit der WG für Ihren Vater klappt und er wieder etwas mehr lebensfreude bekommt und er dort die Zuwendung , richtige Medigabe ect. bekommt , damit er in Würde , seinen Lebensabend verbringen kann !!!!!!!!!!!!!

                                              Bin auch total schockiert was ich gelesen habe, sowas darf nicht vorkommen !!!!!!!!!!!!!!

                                              Lieben Gruß
                                              Blumenkind

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                                              • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                                                Liebes Blumenkind,
                                                danke für Ihren Zuspruch. Sind Sie selbst in der Pflege tätig? Übrigens zu Ihrem eröffneten Thema, wie es mit der Erblichkeit von Demenz steht, gibt es einen aktuellen Bericht hier bei onmeda.Schauen Sie mal auf der Themenseite rechts - unter Alzheimer. Demnach sieht es offenbar so aus, dass Kinder beiderseits von Alzheimer betroffener Eltern deutlich höhere Erkrankungsraten haben als der Durchschnitt. Aber lesen Sie am besten selbst. Trotzdem würde ich sagen: Ruhe bewahren. Es wird gerade in Sachen Alzheimer fieberhaft geforscht und irgendwann wird man fündig werden. Auch wenn ich ansonsten die Gentechnologie kritisch sehe, so könnte doch gerade im Bereich Demenz hier eine Chance liegen.
                                                Alles Liebe
                                                Leona

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                                                • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                                                  Hallo, Leona ,
                                                  danke für Ihren Hinweis , werde ich mir durchlesen .
                                                  Njan , habe zwar meine Ausbildung in der Pflege gemacht aber in Kinderpflege / keine Altenpflege , habe 15 Jahre in meinen erlernten Beruf gearbeitet und musste in aus gesundheitlichen Gründen aufgeben , habe dann 2 Jahre bei der Diankonie gearbeitet in dieser Zeit meinen an Alzheimererkrankten Vater Zuhause gepflegt , dann wurden bei der Diakonie auch Stellen gekürzt , so wurde ich wieder arbeitslos. Also machte ich bei meinem Vater einen Vollzeitjob , meine Mutter erkrankte in dieser Zeit an Krebs , konnte durch die Chemo nicht so mithelfen . Wie das Schicksal es wollte , sollte ein Heim für Demenz und Alzheimererkrankte Menschen bei uns in der Nähe erbaut werden ( früher war es ein "normales Altenheim ")
                                                  Da ich durhc die Pflege meines Vaters auch viele negative Erfahrrunen gemacht habe sei es die damligen sogenannten guten Freunde und die Umwelt , habe ich mir geschworen diese Menschen und ihren Angehörigen zuhelfen durch Angehörigentreffen usw. , wie geschrieben , bei so einem Angehörigentreffen kam es dann auch Zusprache mit diesem Heim , die damalige Leiterin der Gruppe , stellte das Konzept vor und ich war so angetan, das ich mich daraufhin beworben hatte und sie mich dann genommen haben *freu* das war vor 2,5 Jahren .
                                                  Nach einer internen Schulung habe ich nun eine Festanstellung und ich hätte meinen Vater dort auch hingegeben, erst einmal als Tagesgast , leider ist er während dieser Zeit verstorben, für ihn sicher eine Erlösung , aber ich hätte ihn dort untergeracht ! Ich bin froh das ich den Meschen nun bei Ihren letzten Lebensweg begleiten darf und das sie diesen / ihren Weg bei uns in Würde gehen dürfen !!!!!!!
                                                  Ich arbeite dort als Präsenzkraft , betreue und begleite die Bewohner durch den Tag , wir leben in einer WG mit 12 Bewohner , kochen , Malen , Singen , spielen Brettspiele ect. ,Vormittags werden hauswirtschaftliche Tätigkeiten angeboten wie Abwaschen , kochen , Blumenpflege ect. , Nachmittags Spiele, Blumenstecken, Malen , Singen ! Die Bewohner dürfen bei ns so lange auf bleiben wie sie wollen .
                                                  Mittlerweile ist unser Haus vollständig belegt und es stehen viele Auf unser Warteliste !
                                                  Sie merken , ich mache meine Beruf so gerne , das ich noch Romane schreiben könnte , es macht mir sehr viel Spaß auch wenn es eine schwere Arbeit ist, aber es gibt mir so viel , wenn mich ein Bewohner einfach nur anlächelt oder mich einfach so in den Arm nimmt und sagt "Du bist lieb " .

                                                  Lieben Gruß
                                                  Blumenkind

                                                  Lieben Gruß
                                                  Blumenkind

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                                                  • Re: Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen


                                                    Liebes Blumenkind,
                                                    Ihre Einstellung und Ihr Engagement zu Ihrer Arbeit ist bewundernswert.Glücklich alle jene, die in ein Haus Ihrer Beschreibung kommen! Wenn Sie meinen Thread zur Erfahrung mit Pflegeheimen (Seniorenresidenzen!)gelesen haben, wissen Sie, wie traurig, aber auch empörend das Leben der alten Menschen dort sein kann. Es gäbe viel zu tun - aber zu wenige engagieren sich oder zeigen Zivilcourage. Die alten Menschen können in der Regel nicht mehr für sich selbst sprechen, sie brauchen die Unterstützung der jüngeren Generation, unsere Unterstützung. Ihnen weiter viel Erfolg bei Ihrer nicht leichten Arbeit und einen lieben Gruß, Leona

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