• Sie können sich hier registrieren, um Beiträge zu schreiben. Registrierte Nutzer können sich oben rechts anmelden.
  • Liebe Forennutzer,
    wir möchten unser Forum noch besser an Ihre Bedürfnisse und Wünsche anpassen. Dazu haben wir eine kurze Online-Umfrage erstellt. Die Teilnahme ist selbstverständlich anonym und dauert nur wenige Minuten. Vielen Dank!

    Hier geht's zur Umfrage

81jähriger Vater pflegt 80jährige Mutter

Einklappen

X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • 81jähriger Vater pflegt 80jährige Mutter

    Hallo, ich weiß momentan kaum noch weiter und suche dringend Hilfe.Meine Mutter (80)hat seit ca 4 Jahren Alzheimer.Mein Vater kümmert sich um alles.Er versorgt beide, kauft mit ihr ein, kocht-macht den Haushalt.Seit März diesen Jahres ist sie inkontinent.Er war damals zu einer Hüft-Op im Krankenhaus und sie in der Kurzzeitpflege.Die Erkrankung schritt immer schneller voran.Mein Vater bekam von mir alle nötigen Informationen und Hilfsangebote wie Pflegedienst/Alzheimer-Angehörig-Gruppen/Broschüren zur Erklärung/Facharztadressen usw.ich übernehme oft den Schriftverkehr und die Organisation.Er macht mir allerdings immer mehr Sorgen, da er immer starrsinniger und sturer wird.Er lehnt alle Hilfsangebote ab, jammert, schimpft mit meiner Mutter-"weil sie nicht tut, was er ihr sagt"Er reagiert zunehmend aggressiv und ist total überfordert.Ich habe ihm zB eine Tagespflege angeboten.Dort machte ich eine Besichtigung und war begeistert von dem Angebot-meine Mutter hätte bestimmt Spaß daran."Nein-das kostet zuviel"oder-"nein, sie will ja doch immer hinter mir herlaufen"Ständig hat er Ausreden.Ich glaube, er erfaßt selber das ganze Ausmaß der Erkrankung nicht mehr-will auch gar nichts Genaues erklärt haben.Er verleugnet es und weiß selbst nicht, was er will.Bei anderen Leuten wie Ärzten und Pflegedienst tut er immer so, als hätte er alles im Griff-bei mir jammert er wieder.Ich stecke gerade selbst in einer Depression wg Mobbing und beschriebener Situation.Mein Vater akzeptiert meine Krankheit auch nicht.Er sieht, dass ich krankgeschrieben bin, und meint, ich könne dann doch öfter kommen.Mich schafft es immer total, wenn ich den mittlerweile unsauberen Haushalt sehe, seine Schimpftiraden gegenüber m Mutter mitkriege und seine Sturheit.Die nötigen Entwässerungstabletten gibt er ihr nicht regelmäßig, weil sie ja dann noch mehr "Pinkelt"Ihr Nicht-Verstehen bezeichnet er als Sturheit und denkt, sie will ihn ärgern.Kann es sein, dass sein Verhalten auch nicht mehr ganz"normal" ist?Was soll ich nur tun?Ärzte und Berater helfen auch nicht weiter-es gibt halt kein "Jugendamt"für alte Leute.Sie hat seit einem Jahr die Pflegestufe 1, 2 haben wir jetzt beantragt.Ich hoffe, dass der med Dienst die Situation erkennt und mit der Höhereinstufung andere Wege machbar sind-lange geht das sonst nicht mehr gut.Traurige Grüße-Ginger


  • Re: 81jähriger Vater pflegt 80jährige Mutter


    Hallo Ginger,

    meine Gattin ist mit 54 Jahren nach 1 1/2 Jahren M-Alzheimer Krankheit kürzlich verstorben.

    Bedenken Sie bitte bei Ihrer Mutter, dass es eine sehr schlimme Krankheit ist und die Pflege einer solchen Schwerstkranken durch ihren Vater von diesem Ungeheuerliches und Unmögliches abverlangt.
    Machen Sie viel Druck auf den MDK und noch mehr Druck an Ihre Pflegeversicherung mit immer neuen Widersprüchen zu Gutachten, wenn Sie nur einen kleinsten Fehler im Gutachten erlennen. Lassen Sie sich die Gutachten von Ihrer Pflegeversicherung zusenden. Es besteht hierzu ein sofortiger Rechtsanspruch. Druck machen!!!

    Die Pflegeversicherungen versuchen durch Verzögerungen Zeit zu schieben. Beantragen Sie alle Hilfsmittel bei ihrem Neurologen. Dieser wird Ihnen in jeglicher Form von Rezepten Sie sofort bei hilfsmitteln, Pflegebett, Toilettenrollwagen, Dekubituskissen zur Vermeidung von Durchsitzen usw. unterstützen.

    Meine Gattin wurde Pflegestufe mit 1 eingestuft. Anhand von sehr starkem Druck über Fax an die Pflegeversicherung wurde bereits nach ca. 7 Wochen die Pflegestufe 3 "Plus" gewährt, welches sich auch durch die Höhe der Zahlung aus der Pflegeversicherung für die Pflege positiv auszahlt. Nehmen Sie sich für morgens und abends ambulante Pflegehilfe. Hierzu reicht das Geld aus der Pflegeversicherung!

    Somit wird Ihr Vater entlastet. Es ist für mich voll verständlich, dass Ihr Vater anhand seiner Überforderung starrsinnger usw. wird. Ihr Vater muss unbedingt durch Hilfsmaßnahmen entlastet werden.

    Meine Gattin habe ich aus Liebe nicht in ein Pflegheim gegeben, weil aus eigenen Erfahrungen katastropahle Zustände bei einer Kurzzeitpflege von mir innerhalb von 4 Tagen dort festgestellt wurden.

    Bei aller Trauer und unendlicher sehr sehr strapazöser 1/1 Pflege ist meine Gattin liebevoll bei noch gutem geistigem Zustand bei mir zu Hause liebe- und würdevoll an meiner Hand verstorben. Absolut unvorhersehbar!

    Tun Sie Ihrer Mutter auch bei aller Liebe nicht an, menschenunwürdig in ein Pflegheim abgeschoben zu werden. Finden Sie und Ihr Vater Kraft darin, indem Ihre Frau Mutter bei Ihnen zu Hause sein kann und genießen Sie bei aller Schwere der Schwerstkranken noch jeden Tag mit Ihr zusammen sein zu können.

    Finden Sie Kraft in organisierter Arbeitsteilung und bedenken Sie immer wieder, dass ihr Herr Vater und auch Sie selbstverständlich bei einer Schwerstkranken sich freuen sollten, Ihre Frau Mutter zu Hause pflegen zu können. Seien Sie großzügig über Simpftiraden Ihres Vaters. Dieses zeigt die Überforderung Ihres Herrn Vaters im gesetzten Alter. Dieses wird Ihnen alles erst nachträglich bewußt, wenn Ihre Frau Mutter einmal nicht mehr bei Ihnen ist.

    Genießen Sie jede Stunde und Minute mit Ihrer Schwerstkranken und versuchen Ihren Herrn Vater in seiner Überforderung zu verstehen. Machen Sie Ihrem Vater aber immer wieder ruhig klar, dass seine

    Gattin eine Schwerstkranke ist

    und nicht anders kann! Dieses weckt vielleich das Verständnis bei einem liebenden Ehegatten.

    Ich wünsche Ihnen viel, viel, viel Kraft, aber überfordern Sie Ihren Vater in seinem Alter nicht. Hier muss unbedingt zusätzliche unterstützende Pflegekräfte zu Ihnen nach Hause helfend kommen.

    Viel, viel, viel Glück, Ihre Mutter ist noch da, dieses ist bei aller Schwerstpflege ein großer Trost!!!

    Walter Hilger

    Ich schreibe aus Erfahrung von Schwerstpflege meiner Gattin !!!

    Kommentar


    • Re: 81jähriger Vater pflegt 80jährige Mutter


      Hallo Walter,
      es tut mir sehr leid was ich über Ihre noch so junge Frau und Ihr
      Schicksal lesen musste, aber dennoch finde ich, dass es einen Unterschied darstellt, ob es sich bei der Pflege um die Ehefrau oder der Mutter handelt! Soweit ich Ginger verstanden habe, hat Sie ja selber große gesundheitliche Probleme und es hat auch nicht jeder die Kraft seinen Angehörigen selber zu pflegen!
      Meine Mutter ist auch von Pflegestufe 1 innerhalb kürzester Zeit auf PFST 3 gekommen ( was ist eigentlich 3 "Plus"?)also ein
      Schwerstpflegefall ! Da ich auch meinen Vater in Pflege habe, musste ich meine Mutter in ein Pflegeheim geben. Was mir wirklich
      auch nicht leicht gefallen ist. Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht und man kann nicht jedes Heim als schlecht bewerten! Ich kann Ginger nur raten individuell, nach Ihren eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen zu handeln, sonst ist niemanden geholfen. Dazu wünsche ich allen Angehörigen viel Kraft!!

      Herzliche Grüsse
      Rosenmädchen

      Kommentar


      • Re: 81jähriger Vater pflegt 80jährige Mutter


        Hallo Walter, hallo Ginger,
        bei aller Schwere der Krankheit und aller Hochachtung gegenüber Dir, lieber Walter, muss ich doch Rosenmädchen Recht geben - man kann nicht alle Seniorenhäuser über einen Kamm schären! Es gibt durchaus Einrichtungen, die mehr als gute Arbeit leisten (z.B.anthroposophisch ausgerichtete Häuser u.a.). Es ist auch durchaus möglich, dass man als Ehepaar in solch eine Einrichtung einzieht, was im Falle von Gingers Eltern vielleicht zu erwägen wäre.
        Wichtig ist, dass man als Angehöriger häufig anwesend ist, besonders in der Eingewöhnungsphase und dass man sich aktiv ins Heimgeschehen einbringt.
        Liebe Ginger, holen Sie sich Rat beim Psychosozialen Dienst und versuchen Sie eine Selbsthilfegruppe für Angehörige zu finden.Ich wünsche Ihnen Kraft und Gesundheit. Leona

        Kommentar



        • Re: 81jähriger Vater pflegt 80jährige Mutter


          Sehr geehrte Ginger,

          ohne auf die Einzelheiten Ihrer Schilderung einzugehen: ich teile Ihre Meinung, daß Ihr Vater noch nicht erkannt hat, wie schwer krank Ihre Mutter ist. Hier könnte es helfen einen gemeinsamen Termin beim Hausarzt, Neurologen oder Nervenarzt zu vereinbaren, in der dieser Ihren Vater nocheinmal aufklärt. Dabei kann m.E. ruhig der Begriff "Alzheimer-Krankheit" fallen, da sich auch ältere Generationen oft etwas darunter vorstellen können. In diesem Rahmen, könnte der Arzt auch versuchen zu beurteilen, inwieweit auch Ihr Vater Hinweise auf eine Hirnleistungsstörung bietet. Dann sollten so viele KOSTENLOSE Hilfen organisiert werden, wie möglich, damit Ihr Vater sie annimmt. Beispielsweise kann der Hausarzt eine Verordnung für eine Medikamentenzuteilung durch eine Sozialstation/Hauskrankenpflege ausstellen, durch welche eine regelmäßige Medikamenteneinnahme sichergestellt wird. Diese wird nicht durch die Pflegestufe finanziert.
          Weiterhin: so wie Sie den klinischen Status Ihrer Mutter beschreiben, könnte es sein, daß sie nicht mehr geschäftsfähig ist. In diesem Fall sollten Sie eine Betreuung beim Amtgericht beantragen, sofern keine Vorsorgevollmacht vorliegt. Dabei könnten Sie sich als Betreuerin zur Verfügung stellen.
          Wenn Sie das Gefühl haben, daß es durch die fehlende Krankheitseinsicht Ihres Vaters in Bezug auf Ihre Mutter zu einer Gefährdung derselben kommt, wäre das von Ihnen angesprochene "Jugendamt für alte Menschen" der Amtsarzt bzw. der Sozialpsychiatrische Dienst. Dieser kann, wenn er von Ihnen informiert wird, im Ernstfall einen Arzt zu Ihren Eltern nach Hause schicken, der sich vor Ort selbst ein Bild von der Situation macht.

          Mit freundlichen Grüssen,

          Spruth

          Kommentar