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Hilflos mit schwierigen Menschen

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  • Hilflos mit schwierigen Menschen

    Meine Mutter ist 89 und seit 4 Jahren dement. In diesem Jahr hat sich die Krankheit stark verschlechtert. Meine Mutter lehnt jede Hilfe ab, sie hat in ihrem Leben noch nie Verständnis für ihre Familie aufgebracht und hat selten die Meinung anderer akzeptiert. Alles musste sich um sie drehen. Sie ist dominant und herrschsüchtig. Sie weiß dass sie Defizite hat aber sie spielt uns ihre Rolle als selbstständige Frau vor, die noch ihren Verstand hat aber halt nicht mehr gut laufen kann und schlecht sieht (ihre Glitsichtbrille lehnt sie ab). Ich versorge sie mit Lebensmitteln, Trinken und Kleidung, sie geht nicht mehr allein auf die Straße. Die 5-Zimmer Wohnung sieht aus wie eine Müllhalde, aber das ist eben ihre eigene Ordnung. Ich darf nichts machen,sie kann ja alles noch selbst erledigen. Ich bemühe mich fast heimlich um den Kühlschrank und die Spüle sauber zu machen. Ich habe es aber geschafft, sie zum Nervenarzt zu bringen und die Test machen zu lassen. Wir haben sogar eine Pflegestufe beantragen können, wenns ums Geld geht ist sie am wenigsten vergesslich.
    Mutti hat also einen ärztlich bestätigten Alzheimer Typ soundso aber sie bekommt keine Medikamente. Es passieren immer wieder die üblichen Unfälle oder Vorfälle auch mit Wasserschaden und Feuerwehreinsatz. Ich konnte bisher alles immer regeln und habe Mutti immer wieder zu uns geholt, hier haben wir ein großes Haus, einen schönen großen Garten und Tiere. 16 Stunden war ich neben ihr beschäftigt mit Fernsehen und wiederholen von Sätzen und beantworten von Fragen und Ablehnung jeglichen guten Rates. Das ist für uns nicht ganz so schlimm, wir sind über die Krankheit informiert und versuchen Mutti möglichst nicht ständig zu verbessern oder ihr ihre Leistungsdefizite vorzuhalten, wir loben sie, erzählen ihr aus unserem ganz normalen Leben, bezioehen sie mit ein - und - wir haben uns ein dickes Fell wachsen lassen so gut es halt geht. Sie hat es leider nicht ausgehalten, sie wurde "bevormundet" war nicht mehr selbstständig und konnte nicht mehr machen was sie wollte. D.h. sie musste sich "zusammenreissen". Nach einigen bösen Streitereien in diesen 6 Wochen (sie hat z.B. behauptet das Haus gehört ihrer Mutter, die noch lebt und wir haben uns das auf kriminelle Art angeeignet)hat sie öfter randaliert, einmal sämtliche Stecker aus den Steckdosen gezogen und die Haus-Schlüssel verlangt. Die Schlüssel konnten wir ihr ja nicht geben, sie ist uns schon mal "abgehauen" um nach Hause zu laufen. Darum haben wir sie dann doch wieder nach Hause gefahren - allerdings mit gemischten Gefühlen. Aber es war sicher besser, denn sie wusste eigentlich nicht mehr wo sie überhaupt hingehört. Nun hole ich sie nicht mehr zu mir, seit drei Monaten fahre ich also wieder jeden 2. Tag nach München, das sind 60km einfach. Ich fahre dann mit ir an die oberbayer. Seen und wir gehen Essen (wenn sie das Essen überhaupt isst). Ich fahre also oft über 200km am Tag sinnlos in der Gegend herum, am Abend hat sie meist vergessen dass wir da waren. Es geht auch ganz schön ins Geld, alle 2 Tage Essen gehen und die vielen km. An den anderen Tagen rufen wir sie 5 - 6 mal an um sie ans Fernsehprogramm oder ihre Tabletten zu erinnern oder etwas total wichtiges mitzuteilen. Wir werden täglich beschimpft und verdächtigt und sind auch schon öfter garnicht in die Wohnung gelassen worden weil wir sie behandeln "wie das letzte *********". Besonders am nachmittag oder nach dem Schlafen ist sie sehr verwirrt und verstört. Ich mache mir große Sorgen wie es weitergehen soll, sie will niemanden um sich (wir werden gerade noch geduldet), keine Tagespflege und natürlich kein Heim. Sie hockt daheim ohne jegliche Beschäftigung und macht uns Vorwürfe dass sie allein ist und ich eine Familie habe. Was kann man denn mit so einem schwierigen Menschen machen, der vielleicht auch oft zu faul ist sich ein Brot zu machen oder den ausgelaufenen Honig aufzuwischen. Ich kann sie doch nicht zwingen fremde Menschen anzunehmen und auch nicht zwingen ins Heim zu gehen. Ich bin inzwischen fast kränker als meine Mutter, mir reichen auch die verbleibenden 3 Tage in der Woche kaum noch für meinen eigenen Haushalt, Familie und mein Hobby. Es gibt zwar viele amtliche und gerontopsychatrische Stellen aber keiner kann einem einen Rat geben ob es wirklich richtig ist sie in ihrer eigenen Umgebung zu lassen und ihre Wünsche und Abneigungen zu akzeptieren. Ich habe Angst dass sie das bisschen Vertrauen auch noch verliert, sie hat sowieso soviel Angst dass sie etwas falsch macht oder ihr die Menschen Böses wollen und in ihrer Wohnung alles wegnehmen, sogar die Heizung und den Strom. Lieber friert sie und hockt im Dunkeln.
    Muss sie denn nicht doch Medikamente bekommen? Auch mir wurde erklärt dass die nichts mehr nützen, aber man kann doch nicht jemand so mit der Krankheit im Stich lassen. Der Nervenarzt hat Distroneurin verschrieben, da konnte sie aber überhaupt nicht mehr allein gehen und ich habe ihr das Medikament nicht mehr gegeben. Kann mir jemand einen Rat geben wie man es am wenigsten falsch macht - und muss man sich alles gefallen lassen wenn ablenken nichts mehr bringt und sich die Person so in eine Hysterie steigert und nur noch angreift und laut herumschreit?
    Ich brauche einen Rat, wer kann mir helfen?


  • Re: Hilflos mit schwierigen Menschen


    Lieber Bbernau,

    das liest sich ja wie eine Horrorgeschichte!

    Vestehe ich das richtig , sie fahren mehrmals die Woche 200km, um die Mutter zu besuchen?

    Also, ich würde zunächst einmal zu einem Geriater

    gehen, der ERfahrung in der Behandlung von Demenzen hat. Distraneurin kenne ich nur alsMittel im Alkoholentzug??!
    Es gibt mit Sicherheit probatere Mittel gegen Alzheimer. Man gibt meist Mittel, die den Abbau von Acethylcholin(Botenstoff) hemmen. Zum Beispiel Reminyl...
    Ob Distran da ein gutes Medkament ist, wewiss ich nicht, habe ich noch nie gehört.
    Am besten warten Sie bis Dr. Spruth sich meldet. Der ist Fachman in dieser Sache.
    Ich würde mich um eine Betreuung bemühen(Amtsgericht), denn so wie sie die Situation schildern wird das nicht mehr lange gut gehen.
    Und dann ist es sinnvoll schon eine Betreuung erwirkt zu haben. Erfahrungsgemäß hat man nämlich in einer akuten Situation die Nerven dafür garnicht, außerdem dauert der Vorgang dann viel zu lange...

    Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Mut,
    denn diese Situation werden Sie nicht aug Dauer leben können.
    MfG
    becki

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    • Re: Hilflos mit schwierigen Menschen


      Hallo becki,
      nein, es ist natürlich kein Horror, manchmal ist sie ja ganz lieb und dankbar. Sie ist halt krank und das ist der Horror, dass man seine Mutter verliert und nicht helfen kann.
      Natürlich habe ich eine Betreuung beantragt. Da kamen dann Menschen, die meine Mutter "begutachtet" haben und ihr die üblichen Fragen gestellt haben, welcher Tag ist heute, was für einen Beruf hat Ihr Sohn usw. Meine Mutter antwortete immer: das geht Sie nichts an, das ist Privatsache. Da hat sie nicht ganz unrecht. Alle diese Fragen und die fremden Menschen, die ihr einreden dass sie betreut werden muss, verunsichern sie ja noch viel mehr. Sie denkt doch dass sie das alles noch alleine kann. Man muss die ganze Person kennenlernen, wie sie früher war und wie sie denkt. Die Demenz wurde beim Nervenarzt diagnostiziert, was sollen dann noch die vielen Begutachtungen. Wenn ich mit einem Psychologen reden will, will der immer zuerst die Mutter "sehen". Was sieht er denn? Einen verunsicherten, verängstigten oder widerspenstigen Menschen, aber nicht den Mut und Kampf für den immer schwieriger werdenden Alltag dieser Person. Sie bekocht sich noch selbst mit einfachen Dingen, wie kleinen Gemüsedosen und Wienerle und Kaffee. Man muss sehr vorsichtig neue Dinge einzubauen oder auszuwechseln, z.B. das Tablettenwochenkästchen, das neue Drucktasten-Telefon mit nur noch einer Telefonnummer auf allen Tasten, den Wecker mit Datumsansage, die 27. Warmhaltekanne die auf der Ofenplatte gelandet ist, die 5 TV-Fernbedienungen, die vielen Nachschlüssel, für sie existiert aber immer nur 1 Paar. Ich bzw. meine Familie sorgen in letzter Zeit dafür dass nicht zuviele verschiedene Eindrücke ihre eingeschränkte Welt belasten. Sie baut sofort die verschiedenen Geschehnisse in ihren starren Musterkreis ein und zwar immer nur negative Erlebnisse oder solche, die sie für negativ hält. Sie lebt in ihrer Kindheit und hat Angst vor der Mama (und das bin jetzt wahrscheinlich ich!).
      Ich habe mit dem Amtsrichter gesprochen und er hat mich bestätigt. Die Betreuung haben wir ein halbes Jahr vertagt, ich habe eine Bankvollmacht und bisher auch alles erledigen können. Falls es doch zur Einlieferung kommen muss, dann brauchen wir sowieso das Amtsgericht, der Antrag würde dann auch schnell genehmigt.
      Das Medikament habe ich ihr nicht mehr gegeben nachdem ich auch im Internet gelesen habe dass das ein Suchtmittel ist. Ich möchte sie ja auch nicht ruhigstellen, nur diese grässliche Angst nehmen und ihr Misstrauen den Menschen gegenüber. Sie ist keine pflegeleichte Oma, hat ihren eigenen starken Willen und redet mit uns noch in einem Wortschatz dass man nur so staunt. Wir glauben, dass unser Einbeziehen in unser Leben (intensiv schon seit 20 Jahren) hier der Grund dafür ist. Ein Fremder würde zuerst nicht vermuten dass sie krank ist.
      Die Betreuung nutzt mir ja nichts, die Arbeit und das Hinfahren bleibt. Ich führe manchmal Filme vor in Altenheimen, bin in der Nachbarschaftshilfe im Vorstand und habe 4 Jahre lang alte Leute betreut, leider passt meine Mutter zu keiner Gruppe. Im Altenheim würde sie in einem 2-Bettzimmer "eingehen" und seelisch gebrochen werden, das kann ich nicht verantworten, lieber fahre ich viel Auto.
      Mir gehts darum, wieviel Widerspruch darf von unserer Seite kommen wenn sie agressiv wird und welche Medikamente könnten die Angst ein wenig dämpfen ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Muss man Streit um jeden Preis vermeiden oder kann man auch mal seine Meinung lauter kundtun und ist es richtig, wenn wir bei schlimmen Vorwürfen oder Agressionen dann gehen und sie allein lassen, damit sie sich wieder beruhigt. Wie haben es andere geschafft mit schwierigen Patienten umzugehen ohne Ihnen (auch seelisch) Gewalt anzutun. Diese Fragen konnte mir auch von der Caritas hier niemand beantworten. "Es ist halt schwierig", ja das weiß ich selbst am besten.
      Für mich war es wichtig manche Dinge über meine Mutter noch zu ergänzen oder zu korrigieren. Natürlich brauchen wir in der Familie viel Liebe, Verständnis und Kraft und ich mehr Stunden Schlaf ohne Angst. Man hat ja fast kein eigenes Leben mehr.
      Ich bin froh, dass ich zufällig ein Forum gefunden habe, und darüber reden kann nach dieser langen Zeit des Funktionierens. Man bekommt hoffentlich wieder Kraft und Mut weil man ja weiß dass es so viele Menschen gibt denen es ähnlich geht. Danke fürs Durchhalten beim Lesen, Barbara

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      • Re: Hilflos mit schwierigen Menschen


        Liebe Bbernau,

        die von Ihnen geschilderten Probleme kenne ich genau.
        Ich kann ihre Situation nachempfinden und möchte Sie so gern trösten und Ihnen helfen.
        Meine Mutter verhielt sich ähnlich, bei mir kam noch hinzu, dass auch mein Vater noch lebte, der geistig etwas frischer, aber nicht weniger schwierig war.

        Geholfen hat mir eine Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige vor Ort. Ohne die hätte ich mir wahrscheinlich das Leben genommen. Vielleicht gibt es eine solche Gruppe ja auch bei Ihnen.

        Seit 1994 ist es äußerst schwierig, einen Menschen in ein Alten- oder Pflegeheim zu überweisen, da es ja keine Entmündigung mehr gibt.
        Holen Sie sich Rechtsbeistand!! Man kann sich sehr leicht strafbar machen wegen unterlassener Hilfeleistung.

        Ihre Mutter kann nicht mehr klar denken. Versuchen Sie nicht, mit ihr zu argumentieren. Das verunsichert sie.
        Akzeptieren Sie ihre Beschimpfungen und Beleidigungen (das ist unendlich schwer). Ihre Mutter meint nicht Sie, sondern ihre Krankheit. Auf die ist sie wütend und projiziert ihre Wut auf den nächstbesten Menschen, und das sind Sie.
        Sie ist auch wütend oder neidisch, dass Sie gesund sind und sie selber krank ist. All das ist Ihrer Mutter natürlich nicht bewusst.

        Widersprechen Sie ihr nie. Übergehen Sie ihre Anschuldigungen, versuchen Sie, sie abzulenken oder nehmen Sie sie einfach in den Arm. Bleiben Sie ruhig. (Das kann man sich antrainieren).

        Wenn Sie etwas saubermachen wollen bei ihr, tun sie es, wenn sie schläft oder beziehen Sie sie mit ein. Setzen Sie sich neben sie und wischen den Honig auf, geben Sie ihr auch ein Tuch zum Wischen. Manchmal klappt es.

        Das sind nur ein paar kleine Tips für die nächste Zeit.
        Auf längere Sicht brauchen Sie die Hilfe eines Amtsarztes. Wenn Ihre Mutter in ein Pflegeheim eingewiesen wird, schalten Sie Ihre Gewissensbisse aus, legen Sie einfach den Schalter um. Sie haben alles getan. Ihre Familie hat auch ein Anrecht auf Sie.
        Wenn Sie tot sind, hat Ihre Mutter gar nichts mehr von Ihnen.

        Ich wünsche Ihnen viel Kraft.

        Alles, alles Gute.

        Annemarie.

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        • Re: Hilflos mit schwierigen Menschen


          Sehr geehrte Barbara,

          wenn die Diagnose einer Alzheimer-Demenz gestellt wurde, so sollte Ihre Mutter auch daraufhin behandelt werden. Es gibt durchaus Medikamente (Aricept, Exelon, Reminyl, Axura, Ebixa), die je nach Krankheitsstadium und Begleiterkrankungen eingesetzt werden sollten. Die Behauptung "die nützten nichts mehr", stimmt in den meisten Fällen nicht, woher will der Arzt das wissen, wenn er sie nie angesetzt hat. Alle Leitlinien der Fachgesellschaften (DGN, DGPPN,...) empfehlen den Einsatz dieser Präparate. Es sind unter der Behandlung keine Wunder zu erwarten, oft lässt sich aber der Verlauf der Erkrankung dadurch stabilisieren. Daneben gibt es andere Medikamente, die eher gegen Ängste, Wahnideen, Aggression etc. gerichtet sind und besser verträglich sind als Clomethiazol (Distraneurin). Ich kann Sie aber ohne Ihre Mutter zu kennen nicht konkret beraten, sie müssten also hierüber mit dem behandelnden Arzt sprechen. Vielleicht finden Sie auch eine Gedächtnissprechstunde in Ihrer Nähe (Adressen unter www.alzheimerforum.de oder www.deutschealzheimer.de).

          Mit freundlichen Grüssen,

          Spruth

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