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Ich weiß nicht mehr weiter

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  • Ich weiß nicht mehr weiter

    Hallo, ich bin neu hier.
    Durch dieses Forum erhalte ich viel Unterstützung, weil ich nun weiß dass es anderen Angehörigen genauso geht wie mir, nämlich manchmal bis zum " ich weiß nicht mehr weiter".
    Meine Schwiegermutter ist 80 und wir leben seit über 20 Jahren in einem Haus. Sie wohnt in einer eigenen 2 Zi-Whg. mit einer direkten Verbindungstür in unsere Wohnung.
    Ich war 20 Jahre lang immer nur die Schwiegertochter, die ihrer Meinung nach nur wenig richtig machte. Seit einigen Jahren (ca.5-6)bemerken wir wie immer mehr die Vergesslichkeit zunimmt. Seit Herbst vergangenen Jahres ist es nun soweit, dass wir sie nicht mehr alleine lassen können. Sie vergaß dass der E-Herd an ist,
    Holz in den Herd und nicht oben drauf auf die heiße Platte gehört. usw.
    Ich bin halbtags berufstätig und in dieser Zeit wird sie von einem Sozialen Dienst betreut.
    ( Sonst bin ich oder jemand von der Familie da)
    Sie nimmt es zwar hin, aber sie beschwert sich immer öfter, sie hätte keine Zeit um ihre "Arbeit" zu machen. Sie hat keine Hobbys sie war es zeit ihres Lebens gewohnt nur Nützliche Arbeiten zu verrichten. ( Garten, Haushalt, Stall, Feld, Kinder) Da sie das heute alles fast nur noch unter Anleitung kann hat sie somit immer weniger Beschäftigung. Sie bekommt seit einigen Wochen Aricept 10 mg nachdem ich beim Hausarzt endlich eine Überweisung zum Neurologen bekam.
    Ich wurde dort jahrelang immer vertröstet, das seien ganz normale Altersbeschwerden. Der Neurologe untersuchte sie nur kurz und stellte einige Fragen zu ihrem persönlichen Umfeld und sagte mir sofort, dass das keine normale Alterser-scheinung sondern Alzheimer Demenz sei.
    Der Hausarzt ist immer noch gegen das Medikament, 1. weil sie schon lange Probleme mit dem Magen/Darm hat und 2. würden diese Medikamente ja doch nichts nützen. Eine wirkliche Besserung ist bis jetzt auch nicht eingetreten, aber wenigstens muss ich ihr seither nicht mehr täglich ihr Bett suchen helfen. Nachts geistert sie nach wie vor durch ihre Wohnung. Sie hat überhaupt keine zeitliche und örtliche Orientierung mehr. Nur in der Wohnung findet sie sich noch einigermaßen zurecht.Sie hat nicht mehr Beschwerden mit ihrem Magen/Darm wie vorher.
    Sie läuft überhaupt nicht gerne.
    Ein Spaziergang ist etwas Unvorstellbares für sie.
    ( Macht sie nur mit Sozialem Dienst wenn sie unbedingt darauf bestehen.)
    Auch wenn sie aus dem Haus muss, z.B. zum Arzt sind 20 m vom Parkplatz in die Praxis fast nicht zu schaffen, sie jammert immer wie weit geht's denn noch.
    Jetzt ist etwas passiert, mit dem ich nie gerechnet hatte.
    Sie ist abends um 20.30 Uhr alleine aus des Haus und wollte in die Kirche. Sie geht normal immer gegen 19.00 Uhr ins Bett und als ich ca. 20.00 nachschaute war auch alles i.O. Um 20.15 steht sie plötzlich in meiner Küche und meint es sei schon wieder morgens. Ich habe sie beruhigt und gesagt sie soll wieder zu Bett gehen. (Macht sie bis jetzt noch allein). Dananch war alles wieder ruhig. Um 21.00 hat eine Nachbarin angerufen, (ca. 400 m, bergab,) meine Schwiegermutter wollte gerade bei ihr vorbei zur Kirche. (Sie ist bestimmt seit über 10 Jahren nicht mehr zu Fuß aus dem Haus) Mein Mann hat sie dann mit dem Auto abgeholt, sie war körperlich völlig erschöpft, konnte aber auch nicht mehr sagen, als dass sie in die Kirche wollte. Ich schließe nun zwar alles ab, aber nun weiß ich wirklich nicht mehr weiter.
    Viele Grüße an alle
    Johanna


  • Re: Ich weiß nicht mehr weiter


    Hallo Johanna,

    leider muss man damit rechnen, dass das mit der Orientierungslosigkeit, ob örtliche oder zeitliche von alleine nicht mehr besser werden wird. Es gibt zwar Medikamente wie z.B. Antidepressiva die gegeben werden, damit zumindest der Anfang der Nacht so startet wie man es sich vorstellt, nämlich schlafend (die Medis wirken einschläfernd, aber nicht so stark sedierend wie Schlafmittel), aber das sollten Sie wiederum mit Ihrem Neurologen besprechen. Nichtsdestotrotz wird das Thema Alleinsein in der Wohnung Ihrer Schwiegermutter über kurz oder lang ein problematisches, da einfach niemand da ist und sie verunsichert sein wird, und auch niemand sie ggf. wieder zurück ins Bett begleitet oder schickt. Das mit dem Absperren (und Schlüssel abziehen) machen wir auch schon seit ein paar Monaten, bei uns eher weil mein Vater einen ganz schnell aus den Augen verliert und meint er müsste "hinterher". Ansonsten geht das schon eine Zeitlang gut, d.h. in unserem Fall zumindest stellt mein Vater überhaupt nichts an, ausser dass er ab und zu was ißt oder auf die Toillette geht, oder wenn er es dahin nicht mehr geschafft hat, sich einfach auszieht. Jedenfalls morgens ist er wieder im Bett zu finden Übrigens, auch mein Vater läuft jetzt viel mehr als er früher bereit war zu laufen; er geht sogar relativ gern spazieren, und hat die Natur entdeckt.
    Ein Tipp, vielleicht hilft es etwas, achten Sie wenn Sie können darauf, dass die Schwiegermutter viel trinkt; von alleine tut sie das sicher nicht (mehr). Bei vielen alten Menschen hat das auf Dauer Wunder gewirkt
    Alles Gute
    Flieder

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    • Re: Ich weiß nicht mehr weiter


      Sehr geehrte Johanna,

      wenn Sie bereits nach "einigen Wochen" nach Ansetzen von Aricept sogar eine Verbesserung bemerken ist das ein gutes Zeichen. Achten Sie darauf, daß die Zieldosis von 10 mg erreicht wird. Achten Sie auch darauf, daß das Medikament regelmäßig eingenommen wird und lassen Sie es sich nicht gleich wieder vom Hausarzt ausreden. Die erreichbaren Effekte sind vergleichsweise gering, wenn Sie es z.B. mit einem Schmerzmitttel oder Antibiotikum vergleichen. Die Aussage, das Präparat oder sogar gleich alle Antidementiva "nützten nichts" entspricht weder meinen Erfahrungen noch der wissentschaftlichen Datenlage.

      Mit freundlichen Grüssen,

      Spruth

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      • Re: Ich weiß nicht mehr weiter


        Hallo zusammen,

        der Verwirrungszustand meiner Schwiegermutter, war jetzt einige Wochen konstant. Es war für mich eine kleine Erholung. Doch seit ein paar Tagen ist es wieder schwerer geworden. Sie geistert jetzt wieder fast jede Nacht durch ihre Wohnung.
        Es ist zwar noch nie wirklich was passiert, aber wenn ich dran denke was sie tagsüber so alles "anstellt",( Nasse Zeitung auf heißer Herdplatte trocknen, fällt im Garten um und kann nicht mehr alleine aufstehen usw.) kann ich kaum noch schlafen. Meine Nerven sind mittlerweile sehr überstrapaziert.
        Wenn ich vormittags arbeiten gehe, wird sie von einem sozialen Dienst betreut. 1 x wchtl. geht sie einen 1/2 Tag in eine Betreuungsgruppe für Demente. Immer beschwert sie sich, egal ob sie dort hin muss oder zuhause betreut wird. Den Rest des Tages ( beginnt um 5.30 Uhr - ?) betreue ich sie. Mein Mann und meine Kinder unterstützen mich schon, aber auch er und 2 Töchter sind ganztags berufstätig. Was mich aber am meisten belastet ist das Verhältnis zu den Geschwistern (5) meines Mannes. Manchmal dauert es Wochen bis sich mal jemand anbietet die Mutter am Sonntag zu betreuen. Wenn wir es anderst nicht auf die Reihe bekommen und wir die Geschwister um Hilfe bitten, kriegen wir von den meisten Absagen. Ich bin schon richtig mürbe.
        Bis vor einiger Zeit haben sie sich wenigstens telefonisch bei mir gemeldet und nach ihrer Mutter gefragt aber das hat auch aufgehört.
        Wie geht es anderen? Habt ihr bessere Erfahrungen mit euren Familienangehörigen bezügl. Unterstützung. Ich würde mich sehr über Antworten freuen, brauche unbedingt Aufmunterung und Motivation.

        Gruß Johanna

        Kommentar



        • Re: Ich weiß nicht mehr weiter


          Hallo Johanna,

          Ich kann dich wirklich sehr sehr gut verstehen. Bei uns ist es ganz ähnlich. Meine Großeltern, Eltern und meine Familie leben alle in einem Haus zusammen. Als ich noch ein Kind war wuchs ich bei meinen Großeltern auf , weil meine Eltern am arbeiten waren, also habe ich natürlich zu ihnen ein besonders herzliches Verhältnis.
          Soo, mein Opa , der immer der Chef war ist jetzt 86 Jahre alt und seit kurzem dement. Zuerst bemerkt man es ja kaum, aber als es dann schlimmer wurde und man nachdenkt,weiß man plötzlich. "Hoppla, da waren doch schon viel früher Anzeichen da" Nur man hat sie einfach übersehen.
          Seit 8 Wochen ist es jetzt ganz schlimm geworden, so daß wir ihn wirklich nicht mehr unbeaufsichtigt lassen können. Er fängt auch teilweise nachts an zu halluzinieren.Er war aber auch vom Krankenhaus her vollgepumpt mit Medikamenten. Wir haben jetzt fast alles abgesetzt an Schmerzmittel. Er bekommt jetzt nur noch tagsüber Dipiperon-Saft zur Beruhigung und Nachts Melporon Saft zum Schlafen.
          ER ist eigentlich jetzt ganz brav und handsam geworden.Versucht es bei deiner Schwiegermutter doch auch mal mit leichten Beruhigungsmittel die du auch tagsüber verabreichtst.Man muß die Dosis langsam steigern,bis man das richtige Maß gefunden hat. So daß sie nicht müde sind, sondern einfach ruhiger.
          Bei meinem Opa ist halt ganz schlimm, daß er vergessen , daß er hier bei uns Zuhause ist. Er läuft sehr oft weg, teilweise bis zu 3 mal am Tag und will nach Hause.
          Du mußt dir unbedingt Hilfe von den Geschwistern deines Mannes holen. Schließlich ist sie ja auch deren Mutter. Kann da dein Mann nicht mal ein Machtwort sprechen?????
          Ihr müßt auch einen Antrag auf Pflegestufe stellen und euch eine Patientenverfügung vom Amtsgericht holen. Wenn ihr das nicht schon getan habt...
          Versuch einfach mal, die Krankheit an dich ranzulassen und sie zu verstehen. Auch zu verstehen, dass deine Schwiegermutter das alles ja nicht absichtlich macht um euch zu ärgern. Denn in den lichten Augenblicken leiden diese Menschen sehr unter ihrem Nichtswissen.
          Ich weiß, dass ist alles leichter gesagt als getan. Vor allem spielt es auch eine Rolle daß es nicht die eigene Mutter ist, sonder "nur" die Schwiegermutter.
          Wir waren die Anfangszeit auch alle komplett durch den Wind.Als meine Mutter dann auch noch auf Kur gefahren ist und ich alleine war mit Opa und Oma, war das schon sehr schwierig. Aber in der Zeit sind wir auch sehr zusammengewachsen.
          Was habe ich Heulkrämpfe, schlaflose Nächte , Hilflosigkeit ,hinter mir. Dachte manchmal, ich kann nicht mehr lachen....sondern nur noch traurig sein.War mir einfach auch alles zuviel. Hab ja selbst einen 5 Personen Haushalt.
          Und plötzlich......Siehe da, als ich versucht habe mich mit der Krankheit auseinanderzusetzten......gings mir plötzlich wieder gut.
          Klar sind wieder mal schwere Tage dabei, aber das Leben geht wieder einigermaßen seinen gewohnten Gang.
          Du kannst mir auch gerne eine priv. Nachricht schreiben, indem du dein Herz mal richtig ausschüttest. Bin ein sehr guter Zuhörer

          Liebe Grüße und laß dich nicht unterkriegen
          Von Karin

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          • Re: Ich weiß nicht mehr weiter


            Liebe Johanna,
            haben Sie schon mal darüber nachgedacht den Hausarzt zu wechseln?
            Schließlich scheint er Ihnen und auch Ihrer Schwiegermutter eher Stöcke in den Weg zu legen, statt zu helfen.
            Übrigens auf einer Überweisung können Sie bestehen. Zur Not gehen Sie im folgenden Quartal als erstes mit der Chipkarte zum Neurologen und zahlen dort die Praxisgebühr. So können Sie den Stress mit dem Hausarzt umgehen. Die Überweisungen gibt Ihnen dann z.B. der Neurologe.
            Ihrem Schreiben entnehme ich, dass eine Heimunterbringung nicht zur Debatte steht, oder?
            Haben Sie eigentlich Unterstützung von seiten Ihres Mannes?

            Ich wünsche Ihnen viel Kraft

            becki

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            • Re: Ich weiß nicht mehr weiter


              Hallo zusammen,

              danke für eure Beiträge.

              Den Hausarzt wechseln ? Wo gibt's denn noch einen der sich wirklich für den Patienten interessiert?
              Und dann noch einen mit Alzheimer Demenz in dem Alter. Diese Erfahrung habe ich leider schon öfters gemacht. Die jetzige Hausärztin kennt sie wenigstens noch wenn sie sie sieht. Außerdem ist der Neurologe in der Stadt, ( Einfache Fahrt ca. 25 Min. + Parkplatzsuche) Da ist mir der Aufwand viel zu groß mal ganz abgesehen von den Praxiszeiten nur 1 x wöchentlich Nachmittags v. 15-17 Uhr und sonst vormittags v. 9-12 Uhr.

              Ich habe mich jetzt dazu durchgerungen mich nach einem Kurzzeitpflegeplatz umzusehen. Um mich vielleicht ein bischen zu erholen. Aber auch das sind keine rosigen Aussichten. Die nächsten 6 Wochen ist im Pflegeheim in unserer Nähe kein Platz zur Verfügung erst wieder Anfang September, aber da muss ich dann auch wieder arbeiten. Danach wird das Heim umgebaut, d.h.noch weniger Pflegeplätze stehen zur Verfügung.
              Außerdem graut mir, falls es wirklich mir einem Pflegeplatz klappen sollte, davor wie wird es sein wenn sie wieder zurück nach Hause kommt.
              Hat damit jemand Erfahrung?
              Meine Schwiegermutter war immer nur Zuhause, Urlaub gab es kaum, (3 Tage Wallfahrt). Ich denke deshalb fühlt sie sich auch nur Zuhause noch einigermaßen wohl. Jede örtliche Veränderung die über mehrere Stunden dauert, bedeutet mehr Aufwand in der Betreuung.(ein Zeitraum von ca.
              3-4 Stunden werden von ihr akzeptiert, wenn sie mit dem Umfeld gut klarkommt).
              Was ich weiß, ist dass es so wie es die letzten Wochen gelaufen ist, nicht mehr weiter geht.
              Ich merke wie ich jetzt an meine psychischen Grenzen stoße.

              Gruß Johanna

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              • Re: Ich weiß nicht mehr weiter


                Hallo Johanna,

                das erinnert mich so ein bißchen an meine eigene Situation. Ich betreue meine 83jährige, demente Mutter. Bin ganztags berufstätig und lasse sie tagsüber mehr oder weniger allein, was so einigermaßen geht. Nachdem sie letztes Jahr im Krankenhaus war (wo ihre Demenz festgestellt wurde), hab ich in der ersten Zeit zuhause die Hölle durchgemacht - bis ich gelernt hab, damit umzugehen. Das braucht seine Zeit - vor allem wenn man beruflich eingespannt ist. Wichtig ist: Für leichtes, gesundes Essen (Obst, Gemüse, Fisch - natürlich auch mal was Süßes) und reichlich zu Trinken sorgen. Für guten Schlaf sorgen (gar nicht so einfach - ich habe es über Monate durch mühsames Arbeiten erreicht - möglichst zur gleichen Zeit ins Bett, nachts bei Umherlaufen konsequent wieder ins Bett stecken - entspannte Atmosphäre im Schlafraum schaffen - nicht zu grelles Nachtlicht brennen lassen, evtl. Zimmerbrunnen/Sprudelsäule aufstellen, Duftaromen einsetzen oder leise Geräuschkulisse wie Meeresrauschen (nicht lachen: Manchen Leuten hilft das tatsächlich) - abends nicht mehr soviel zu Trinken geben, nur leichte Kost am Abend essen - keine aufregenden Sendungen im Fernsehen!). Dazu habe ich Unmengen von Büchern verschlungen über Validation usw., mit Leuten geredet (v.a. in Selbsthilfegruppen). Man lernt jeden Tag neu dazu. Mittlerweile ist Mutti ganz verträglich. Ab und zu wird sie aggressiv, wenn ihr z.B. - wie jetzt - die Hitze zu schaffen macht (könnte auch bei Ihrer Schiwegermutter der Grund sein). Essen bekommt sie mittags geliefert. Herd ist abgeschaltet (Sicherung raus). Für Tee usw. hat sie einen Wasserkocher.
                Wegen eines Arztes würde ich mal den Pflegedienst fragen oder die Diakoniestation am Ort. Habe ich auch gemacht - glücklicher Zufall: Die kannten eine Ärztin, die selbst ihre an Alzheimer erkrankte Mutter betreute. Was die Familie angeht: Da habe ich ähnliche geschwister, die halten sich komplett raus und melden sich auch kaum noch. Ich würde mich darüber nicht zu sehr aufregen. Lieber Hilfe dort suchen, wo gerne geholfen wird, anstatt sich über Egoismus und Feigheit anderer zu ärgern.

                Viele Grüße,
                Petra H.

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                • Re: Ich weiß nicht mehr weiter


                  Hallo Johanna,

                  laß dich doch mal in einer Alzheimerstelle beraten. Bei uns wird jetzt im Herbst ein neues Tagespflegeheim eröffnet. Wir haben uns jetzt angemeldet und werden unseren Opa wenigstens 2-3 Tage dort unterbringen. Wir bringen ihn morgens hin und holen ihn abends wieder ab. So hat man wenigsten ein paar Tage für sich um wieder alles in Ruhe zu erledigen oder einfach mal nur zu entspannen.
                  Wir bringen aber unseren Opa morgen ins Krankenhaus, wo er jetzt mal wirklich richtig medikamentös eingestellt wird. Denn die letzten Nächte waren wirklich grausam. Er hat so gut wie gar nicht geschlafen und ist nur rumgegeistert. Er hat sich mit Familienangehörigen unterhalten, die längst schon verstorben sind.
                  Ich hoffe, daß sie ihn wenigstens nachts soweit einstellen, daß er wieder einigermaßen durchschläft.
                  Ich halt dich mal auf dem Laufenden und wie gesagt hör dich mal um wegen einem Tagespflegeheim

                  Liebe Grüße und Kopf hoch
                  Silverbird

                  Kommentar


                  • Re: Ich weiß nicht mehr weiter


                    Liebe Johanna,
                    zunächst mal zum Brennpunkt: Kurzzeitpflege
                    Auch ich hatte lange Zeit Bedenken für meinen alzheimerkranken Vater davon Gebrauch zu machen und habe mich vor Kurzem zum ersten Mal für 10 Tage dazu durchgerungen.Vater war dort sehr viel orientierter als zu Hause, weil die Tagesstruktur klarer gegliedert war und er sehr viel mehr Ablenkung als zu Hause hatte (er wohnt noch allein).Ich habe ihm den Aufenthalt als "Probewohnen in einem Seniorenhaus" schmackhaft gemacht und verschwiegen, dass man noch einiges drauf zahlen muss (seine Sparsamkeit wird unter der Krankheit zum Verarmungssyndrom...).Die Eingliederung wieder zu Hause ging auch deshalb gut, weil eine gute Bekannte bereit war für 3 Wochen bei ihm zu bleiben.Ich kann Sie nur ermutigen es einmal zu versuchen und wenn, dann nutzen Sie die Zeit zur Erholung und gönnen Sie sich etwas. Wenn Sie oder ich unter der Belastung zusammenbrechen, ist der oder dem Kranken keinesfalls geholfen! - Und nun noch kurz zu den Verwandten...ich bin mit dem Problem Alzheimer völlig allein.Ich habe keine Geschwister und keinen Mann. Ich bin alleinerziehende Mutter eines 18jährigen Jungen. Darüberhinaus habe ich noch eine 81jährige vom Vater geschiedene Mutter, die 200km weit weg wohnt und ebenfalls hilfsbedürftig ist, aber Gott-sei-Dank geistig fit.Die nächsten Verwandten meines Vaters sind seine 5 Brüder, die aber allesamt in Brandenburg leben und ich und Vater sind in Hessen. Also gibt es keine Unterstützung.
                    Ich habe schon manches Mal gedacht, dass alles keinen Sinn mehr hat, zumal mein Vater immer eine gewisse Vorbildfunktion für mich hatte und mir in schwierigen Situationen half...aber es gibt Dinge, gegen die kommt man nicht an. So versuche ich mich immer wieder selbst zu motivieren und irgendwie weiter zu machen. Um meine eigene Gesundheit zu schützen (ich hoffe,es ist noch rechtzeitig) bemühe ich mich jetzt verstärkt um eine Heimunterbringung für Vater. Klar, mit Schuldgefühlen im Nacken - aber es geht nicht anders, auch wenn der finanzielle Druck immens sein wird. Ich ermutige Sie, an sich selbst zu denken,Sie haben nur dieses eine Leben! Binden Sie zumindest die anderen Familienmitglieder stärker mit in die Betreuung ein. Ich wünsche Ihnen alles Gute und lassen Sie von sich hören. Gruß Leona

                    Kommentar



                    • Re: Ich weiß nicht mehr weiter


                      Hallo Leona,

                      ich danke Ihnen für die ermutigende Worte.
                      Also dass ich mit einigen Geschwistern wirklich nicht mehr rechnen kann, das habe ich inzwischen kapiert. Das sollen die jetzt mit ihrem eigenen Gewissen vereinbaren. Ich habe jetzt eine Empfehlung w/Kurzzeitpflege für ein Pflegeheim (auch auf dem Land) bekommen, allerdings ist die Entfernung ca. 35 km.
                      Mein Gedanke war auch, wenn sie in das örtliche Pflegeheim zur Kurzzeitpflege könnte, wäre es für sie einfacher auch im Hinblick auf evtl. doch notwendig werdende Vollzeitpflege.
                      Was mir jetzt noch mitgeteilt wurde, ist dass sie angeblich noch gar keinen Anspruch auf Kurzzeitpflege hat, weil sie noch kein Jahr in Pflegestufe 1 ist. Weiß dazu jemand mehr?
                      Meine Kinder möchte ich eigentlich nicht noch mehr fordern. Mit 17 u. 19 (w)sollte man eigentlich seine Freizeit ausnützen dürfen. Und meinem Sohn ( 13) kann ich soviel Verantwortung einfach noch nicht zumuten. Und wie schon erwähnt, mein Mann nimmt mir zwar die Betreuung stundenweise ab. Aber er kann mit der Situation nicht sehr gut umgehen. Zumal sie immer nach mir fragt und wenn ich nicht da bin, meint sie dann noch sie müßte sich um ihren Sohn und Enkelkinder kümmern weil diese ja sonst nichts zu essen bekommen.
                      Ich kämpfe weiter
                      liebe Grüße an alle
                      Johanna

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                      • Re: Ich weiß nicht mehr weiter


                        Hallo Johanna,
                        daß man 1 Jahr in Pflegestufe 1 sein muß, um Anspruch auf Kurzzeitpflege zu haben, stimmt gottseidank nicht. Meine Mutter war in der Klinik, sollte anschließend in die Reha und gleich daran anschließend in die KZP, der Antrag auf Einstufung in eine Pflegestufe lief parallel, war alles ein bißchen chaotisch. Ging aber problemlos.
                        Bei der Kurzzeitpflege ist es so: Für maximal 4 Wochen im Kalenderjahr kann ein Pflegebedürftiger in eine Kurzzeitpflege gehen (stationäre Unterbringung). Er muß dazu in eine Pflegestufe eingestuft sein (ein laufender Antrag wird meist akzeptiert). Dafür zahlt die Pflegekasse bis zu 1.432 Euro/Jahr. Meist kostet ein Kurzzeitpflegeplatz für 4 Wochen aber etwa das Doppelte. Wenn man die 4 Wochen innerhalb eines Kalenderjahres nicht nutzt, verfallen die Tage.
                        Daneben gibt es die sogenannte Verhinderungs- oder Ersatzpflege. Diese wird zusätzlich zur Kurzzeitpflege gewährt. Voraussetzungen: Die Pflege wird seit mindestens 12 Monaten im häuslichen Umfeld erbracht, die pflegende Person ist erkrankt oder überlastet und benötigt Urlaub. Dann gibt es von der Pflegekasse wiederum für max. 28 Tage im Jahr maximal 1.432 Euro. Achtung: Es werden aber nur die pflegebedingten Aufwendungen übernommen. Kosten für Unterkunft und Verpflegung oder für vereinbarte Zusatzleistungen müssen selbst bezahlt werden. Die Ersatzpflege kann durch einen Familienangehörigen erbracht werden oder durch ambulante Pflegedienste oder durch stationäre Unterbringung.
                        Ich würde diese Angebote auf jeden Fall nutzen, sonst ist man ganz schnell ausgebrannt. Viel Erfolg!
                        Petra H.

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                        • Re: Ich weiß nicht mehr weiter


                          Hallo Johanna,
                          schön, wieder von Ihnen zu hören.
                          Das mit dem Anspruch auf Kurzzeitpflege ist wohl richtig, man muss quasi den Angehörigen mindestens 1 Jahr betreut haben, um Anspruch auf Zuschuss zu haben. Ich würde mich trotzdem mal bei dem Seniorenhaus erkundigen, wieviel es kostet. Wie lange dauert es noch, bis ein Jahr voll ist? Im schlimmsten Fall müssen Sie so lange durchhalten. Gibt es ansonsten irgendeine Anlaufstelle/ Sozialstation/Frauenbüro (meistens von Caritas o.ä./Kirche etc oder Selbsthilfegruppe an die sich wenden könnten? Wenn das Jahr rum ist, können Sie allerdings 2x 4 Wochen in Anspruch nehmen (Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege), das können Ihnen aber oben genannte Stellen ganz genau sagen, aber auch der/die Sachbearbeiter der Pflegekasse.Eine Pflegestufe hat die Schwiegermutter doch bereits, oder? - Was Sie zu den Kindern sagen, kann ich sehr gut nachvollziehen. Mein Sohn ist ebenfalls 18 und er muss - da wir beide alleine sind - sehr viel mit anpacken. Er geht noch zur Schule und es ist auch für ihn sehr schwer, zumal der Großvater sein Vaterersatz war. Mein Sohn tut es meist für mich,weil er sieht, dass ich langsam in die Knie gehe.Ich kann Sie nur ermutigen Ihren Kindern offen zu begegnen, sie sind oft einfühlsamer als wir denken und sie sind mit 18 junge Erwachsene.
                          Noch eine Frage zur Medikation: geben Sie der Schwiegermutter noch irgendwelche Präparate aus der Naturheilkunde? Ich habe noch ein hochdosiertes Gingkopräparat, hochdosiertes Lecithin, Folsäure, hochdosiertes Vit.E und ein Kupferpräparat (Studie der Universität Saarbrücken)zugezogen. Die Schwestern, die morgens die Medikamentengabe machen, meinen, dass es etwas bringt, zumindest wenn sie es mit anderen Patienten - ohne diese Zusätze - vergleichen.Vielleicht ist es einen Versuch wert.Wenn Sie mehr wissen wollen, müssten wir uns vielleicht mal privat anschreiben, denn ich glaube , ich darf hier keine Präparatnamen nennen. Aber ein Cholinesterasehemmer sollte auf jeden Fall durch einen Neurologen verordnet werden. Der hat uns zumindest 2 Jahre Aufschub geschenkt. Verzweifeln Sie nicht, denken Sie daran, wie verbreitet die Krankheit inzwischen ist und wie viele Angehörige - genau wie Sie - belastet sind. Bleiben Sie in Kontakt! Alles Liebe,Leona

                          Kommentar


                          • Re: Ich weiß nicht mehr weiter


                            Liebe Johanna,
                            mein Mann kam am 11.4.2007´, nach 4 jähriger Pflege von mir und meiner Tochter in ein Pflegeheim...es war schlimm, ganz schlimm (diese Entscheidung sowie die Ausführung)aber im Nachhinnein möchte ich die Zeit nicht wieder zurückdrehen.Wir standen kurz vor dem Zusammenbruch (meine Tochter und ich). Er kam mit der zweiten Pflegestufe ins Heim, diese wurde aber ganz schnell in die 3. geändert.
                            Es gibt und gab keine andere Alternative....es wäre Böses passiert! Die Nerven liegen blank!
                            liebe Grüsse von
                            Arielle

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                            • Re: Ich weiß nicht mehr weiter


                              Hallo zusammen,

                              wollte mich wieder einmal melden.
                              Meine Schwiegermutter war im August für 18 Tage in Kurzzeitpflege. Als wir sie dort wieder abholten war der erste Eindruck schon sehr depremierend. Sie wirkte nur noch wie ein Schatten ihrer selbst. Die ersten Tage zuhause waren natürlich sehr aufwendig aber nach ca. 1 Woche hatte sich alles stabilisiert und sie war wieder die "Alte". Wie vor der Kurzzeitpflege.
                              Sie konnte uns aber nicht mitteilen wie es ihr dort erging. Ich hatte den Eindruck, dass sie alles über sich ergehen ließ, und mehr oder weniger schlafend auf das wartete was kommen mag.
                              Als wir kamen hat sie uns wenigstens gleich erkannt auch wenn sie uns gesiezt hat.
                              Danach kamen ca. 4 Wochen in denen alles ziemlich ruhig seinen Gang ging. Sie schlief zwar häufiger aber ansonsten kam sie mit meiner Hilfe ganz gut zurecht und sie war auch gut zufrieden und hatte kaum Schmerzen( Rheuma). Auch ihre Magen/Darmprobleme tauchten kaum noch auf.
                              Doch nun seit ca. 8-10 Tagen merke ich doch wie sie wieder einen Schub hat. Sie läßt den Fernseher laufen, findet selbstständig nichts zum Essen (obwohl immer etwas Essbares sichtbar gerichtet ist z.B. Obst o. Gebäck). Was aber am schwersten ist, sie verliert wieder zunehmend die zeitliche Orientierung. Beispiel: Sie steht um 6.30 Uhr auf und frühstückt, anschließend legt sie sich wieder ins Bett und schläft. Eine 1/2 Stunde später steht sie wieder auf und beschwert sich weil kein Frühstück gerichtet ist, sie hat Hunger und fängt ihren Tag wieder an. Auch vergisst sie immer häufiger, dass sie sich morgens wäscht und die Haare macht, (Haarknoten) muss immer öfter von mir gemacht werden.
                              Das setzt mich alles sehr unter Druck, weil ich ja auch noch meine Familie habe und auch um 8.00 Uhr an meinem Arbeitsplatz sein sollte.
                              Ich merke auch wie dort immer öfter meine Konzentration zu wünschen übrig läßt.
                              Kann es sein, dass die Wirkung von Aricept jetzt schon wieder nachläßt.
                              Ich freue mich auf Antworten.

                              Liebe Grüße Johanna

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                              • Re: Ich weiß nicht mehr weiter


                                Sehr geehrte Johanna,

                                entschuldigen Sie bitte die späte Antwort.
                                Theoretisch muß Ihre Frage mit "Ja" beatwortet werden.
                                Bei einer raschen klinischen Verschlechterung sollte zunächst aber einmal immer nach einer Ursache gesucht werden: Infekt, Medikamentennebenwirkungen, etc.. Erst wenn eine solche nicht gefunden und ein Fortschreiten der Grunderkrankung vermutet wird, sollte eine Umstellung der Therapie erwogen werden. Diese könnte z.B. in einer Umstellung von Aricept auf einen anderen Acetylcholinesterasehemmer (Exelon, Reminyl) bestehen, oder auch auf Memantine (je nach Verlauf und Stadium).

                                Mit freundlichen Grüssen,

                                Spruth

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