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Alzheimer und keine Therapie

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  • Alzheimer und keine Therapie

    Hallo,

    mein Vater, mitte 60, hat Alzheimer. Es geht bei ihm rasant schnell bergab. Letztes Jahr waren die ersten Anzeichen bemerkbar und jetzt ist er schon im Stadium 2. Der Hausarzt hat ihn nie über seine Erkrankung aufgeklärt. Im jetzigen Zustand versteht er die ganze Situation auch nicht mehr. Er glaubt, dass die Ausfälle typische Alterserscheinungen sind. Ich finde den Hausarzt furchtbar. Die Überweisung zum Neurologen ist z.B. erst auf massiven Druck meinerseits erfolgt. Er bekommt keinerlei Therapie. Der Hausarzt meint, dass alle Medikamente wenig bringen und viele Nebenwirkungen haben. Außerdem hat mein Vater noch Begleiterkrankungen (Gefäßerkrankung, Zucker, Herz) und er würde uns und ihm wünschen, dass er möglichst bald an eine der Begleiterkrankungen stirbt.

    Was meint ihr zu den Aussagen des Arztes? Was kan ich noch unternehmen? Und wie finde ich evtl. einen Arzt, der sich mit Demenzerkrankungen auch auskennt?

    Danke vorab, Belinda


  • Re: Alzheimer und keine Therapie


    Hallo, Sie schreiben, dass eine Überweisung zum Neurologen erfolgt ist. Was sagt der denn, schlägt er eine Therapie vor? Vieleicht liegt Ihr Hausarzt nämlich gar nicht so falsch. Aus eigener bitterer Erfahrung kann ich nur sagen, die Krankheit nimmt ihren grausamen Verlauf - wir haben alle Medikamente durchprobiert, die es für die verschiedenen Stadien gibt. Null Erfolg. Es wurde immer schlimmer und es ist für mich als Angehörige jetzt fast unerträglich. Dies ist kein Mutmacherbeitrag, aber die Realität ist leider so. Erleichtern kann man sich und dem Kranken das Leben nur, indem man alle möglichen Betreuungsangebote sondiert (Tagespflege, stundenweise Betreuung, Kurzzeitpflege).
    Eine gute Nacht Preston

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    • Re: Alzheimer und keine Therapie


      Hallo Belinda,

      tststsss das klingt ja gar nicht gut, aber typisch für so viele Allgemein-Ärzte, da haben wir die gleichen Erfahrungen gemacht. Ein damaliger Hausarzt sagte vor 5 Jahren zu mir "bei Ihrem Vater ist es ja eh schon zu spät" usw. usw.. bei dem Arzt sind wir natürlich nicht mehr! Wohlgemerkt, das hat er vor 5 Jahren gesagt, mein Vater lebt immer noch, und das den Umständen entsprechend relativ gut. Natürlich ist die Demenz fortgeschritten, aber man kann nicht sagen, dass sein und unser Leben keine Lebensqualität hat!! Ihr erster Weg sollte natürlich selber zu einem Neurologen sein, bzw. am besten in die nächste größere Stadt in eine "Demenz-Ambulanz"! Sie sollten da nicht aufgeben, am besten sollte auch festgestellt werden, warum die Demenz so schnell fortschreitet, evtl. Überlagerungen mit den bestehenden Krankheiten. Auch da könnte er vielleicht besser eingestellt werden, es ist ja nicht gesichert, ob solche Krankheiten sogar Auslöser, aber auf alle Fälle "Mitspieler" für die Veranlagung für eine Demenz-Entwicklung sind. Also, am besten zu einem Endokrinologen zuerst, wg. Zucker, metabolisches Syndrom etc. (und nicht zuletzt, evtl. auch andere entzündliche Prozesse ausschließen, z.B. unerkannte Eiterherde im Kiefer)!! Und ein guter Neurologe wird auf alle Fälle versuchen eine gute Einstellung der Medikamente zu finden.
      Zum Beitrag von Preston: es hat auch bei uns wirklich gedauert bis wir die Medikation nun so haben (nicht zu viel und nicht zu wenig und was ist das richtige), dass es zwar bergab aber glatt geht, d.h. lebenswert. Es gab auch bei uns Probleme (z.B. reagiert mein Vater auf Risperidon beim Einsteigen bzw. hochdosieren paradox, nach ca. 1 Woche ist es dann gut), und Ärzte wissen sich auch nicht immer zu helfen (neigen dann dazu einfach noch höher zu dosieren, anstatt abzuwarten), aber ich war immer in sehr engem Kontakt und habe den Ärzten genau berichtet, dann konnte es ihnen einfach nicht ganz egal sein.

      Jedenfalls merke ich immer wieder, dass Gesellschaften, vor allem die nicht mehr ganz so jungen Mitmenschen, sehr stark dazu neigen, jegliche Lebensfreude von vornherein abzusprechen, einfach weil man "anderen zur Last fällt" bzw. nicht mehr richtig funktioniert!!
      Es ist tatsächlich sehr schwierig und von Zeit zu Zeit zu belastend als dass man es für alle Beteiligten als lebenswert bezeichnen könnte, aber man sollte versuchen das beste draus zu machen, dafür eben auch die Medikamente. Davon profitieren dann wohl schon die meisten, zumindest eine lange Zeit. Wir möchten uns gegenseitig jedenfalls nicht missen, d.h. mein Vater und die anderen Familienmitglieder! Das gilt natürlich nur, wenn man Liebe zu verschenken hat und diese in vielen Phasen auch zurück bekommt; wehe dem Demenz-Erkrankten oder sonstwie Erkrankten, wenn keiner einen Nerv oder Zeit für sie hat, denn die werden benötigt bis zu dem Punkt an dem dies auch nicht mehr reicht!
      Alles Gute für alle Betroffenen

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      • Re: Alzheimer und keine Therapie


        Also ich finde die Aussage von dem Arzt einfach unglaublich. Die Alzheimer Diagnose ist schlimm, bzw. die Krankheit ist für alle Beteiligte schlimm und zermürbend. Aber deswegen einen Menschen auf dem schnellsten Wege sterben lassen? Medikamente müssen halt erst auf den Erkrankten genau abgestimmt werden. Bei meiner Tante hat es eine kleine Ewigkeit gedauert bis das richtige Medikament (Remnyl) und in der richtigen Dosierung gefunden war. Aber seitdem geht es ihr gut, auch wenn sie weiterhin abbaut. Wechsel auf jeden Fall den Arzt. Es gibt inzwischen so gute Anlaufstellen die über Alzheimer und Demenz informieren und Hilfestellung leisten.

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        • Re: Alzheimer und keine Therapie


          Hallo,

          danke erstmal für Eure Anworten.

          Zu dem Neurologen will mein Vater auf gar keinen Fall mehr hin gehen. Er findet, der hätte nur blöde Fragen gestellt.

          Kann es sein, dass der Hausarzt die Medikamente nicht verschreibt, weil sie zu teuer sind und sein Buget belasten?

          Ich werde versuchen eine Demenz-Ambulanz zu finden. Aber wenn man im ländlichen Raum wohnt, ist das sehr schwierig.

          VG Belinda

          Kommentar


          • Re: Alzheimer und keine Therapie


            Hallo,

            danke erstmal für Eure Anworten.

            Zu dem Neurologen will mein Vater auf gar keinen Fall mehr hin gehen. Er findet, der hätte nur blöde Fragen gestellt.

            Kann es sein, dass der Hausarzt die Medikamente nicht verschreibt, weil sie zu teuer sind und sein Budget belasten?

            Ich werde versuchen eine Demenz-Ambulanz zu finden. Aber wenn man im ländlichen Raum wohnt, ist das sehr schwierig.

            VG Belinda

            Kommentar


            • Re: Alzheimer und keine Therapie


              Belinda schrieb:
              -------------------------------------------------------
              > Hallo,
              >
              > mein Vater, mitte 60, hat Alzheimer. Es geht bei
              > ihm rasant schnell bergab. Letztes Jahr waren die
              > ersten Anzeichen bemerkbar und jetzt ist er schon
              > im Stadium 2. Der Hausarzt hat ihn nie über seine
              > Erkrankung aufgeklärt. Im jetzigen Zustand
              > versteht er die ganze Situation auch nicht mehr.
              > Er glaubt, dass die Ausfälle typische
              > Alterserscheinungen sind. Ich finde den Hausarzt
              > furchtbar. Die Überweisung zum Neurologen ist z.B.
              > erst auf massiven Druck meinerseits erfolgt. Er
              > bekommt keinerlei Therapie. Der Hausarzt meint,
              > dass alle Medikamente wenig bringen und viele
              > Nebenwirkungen haben. Außerdem hat mein Vater noch
              > Begleiterkrankungen (Gefäßerkrankung, Zucker,
              > Herz) und er würde uns und ihm wünschen, dass er
              > möglichst bald an eine der Begleiterkrankungen
              > stirbt.
              >
              > Was meint ihr zu den Aussagen des Arztes? Was kan
              > ich noch unternehmen? Und wie finde ich evtl.
              > einen Arzt, der sich mit Demenzerkrankungen auch
              > auskennt?
              >
              > Danke vorab, Belinda

              Hallo Belinda,

              das ist ja eine Unverschämtheit, dass dein Vater keine Therapie bekommt. Das Medikamente Nebenwirkungen haben könne ist ja richtig, aber wenn dein Vater mit dem richtigen Medikament (mir fällt jetzt nur z.B. das Medikament Reminyl ein) behandelt wird, muss es nicht unbedingt Nebenwirkungen geben. Solche Ärzte gehören einfach verboten. Wenn man schon in solch einer schwierigen Situation ist, brauch man Hilfe und nicht solche dummen Aussagen.

              Kommentar



              • Re: Alzheimer und keine Therapie


                Hallo Belinda,

                meine Mutter wollte auch nicht weiterhin gehen zu den Neurologen, aber wir haben mit Ihr gesprochen, das diese Tests wichtig für sie sind um zu sehen, wo sie steht. Und Arztbesuche sind sehr wichtig, weil wir die Krankheit so weit wie möglich hinauszögern möchten.

                Wir haben, Gott sei Dank, einen Hausarzt, der sich mit Alzheimer auskennt. Versuche einen Hausarzt zu finden der sich mit Alzheimer auskennt. Es ist einfacher mit einem Arzt zusammen zu arbeitzen, wenn er Erfahrungen mit Alzheimer hat.Die Alzheimer Medikamente sind sehr teuer und wie Du geschrieben hast schlägt sich das auch in seinem Budget nieder. Für meine Mutti haben wir Reminyl und Axura verschrieben bekommen. Ein Medikament bezahlt die Krankenkasse und das andere bezahlen wir aus eigener Tasche.

                Ich hoffe es hilft dir weiter. Und lass Dich nicht unterkriegen.

                Juttalina

                Kommentar


                • Re: Alzheimer und keine Therapie


                  Liebe Belinda,

                  ja,Du liegst sicher mit Deiner Vermutung richtig. Auch der Hausarzt meines Vaters hat so schnell wie möglich versucht,die notwendigen Medikamente wieder aus seinem Budget heraus zu bekommen...

                  Der Patient ist alt und die Medikamente sind teuer und sie helfen in der Regel nur für eine begrenzte Zeit (im Schnitt 2 Jahre).Die Arbeit und die Möglichkeiten unserer Ärzte sind durch unser zweifelhaftes neues Gesundheitssystem mehr und mehr eingeschränkt, es ist ein unerträglicher Zustand.

                  Vielleicht könnte ein Gespräch bei der zuständigen Krankenkasse helfen. Ein Versuch ist es wert. Ich habe dort immer wieder darauf hingewiesen, dass ein schneller Verfall zu einer früheren Heimunterbringung führt und die Kosten dann erst recht explodieren. Aber es ist ein hartes Brot und oft ein Kampf gegen Windmühlenflügel.

                  Ohne die Arbeit von Hausärzten abzuwerten, so habe ich doch die Erfahrung gemacht, dass sie in der Regel sehr wenig Ahnung von Morbus Alzheimer haben und auch offenbar nicht die Zeit sich weiterzubilden. Ich rate unbedingt einen engagierte Neurologen zu suchen auch wenn der Angehörige das ablehnt. Vielleicht gibt es auch Angehörigen-Selbsthilfegruppen in Deiner Nähe, dort bekommt man immer wieder den ein oder anderen Tipp.

                  Es würde mich interessieren, wie es weiter geht.

                  LG

                  Leona

                  Kommentar


                  • Re: Alzheimer und keine Therapie


                    Sehr geehrte Belinda,

                    Adressen von Demenz-Ambulanzen/Gedächtnissprechstunden finden Sie nach PLZ geordnet z.B. unter www.alzheimerforum.de oder www.deutschealzheimer.de.

                    Mit freundlichen Grüssen,

                    Spruth

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                    • Re: Alzheimer und keine Therapie


                      Hallo,

                      mußte mich von Belinda in Belinda 1 umtaufen, weil mein Username nicht mehr zu aktivieren war.

                      Ich habe traurige Neuigkeiten zu berichten: mein Vater ist vor zwei Wochen ins Krankenhaus gekommen. Er hat Hirnblutungen an mehreren Stellen und liegt noch im künstlichen Koma. Seine Überlebenschancen sind sehr gering.
                      Die Ärzte im Krankenhaus bezweifeln die vor ca. 1,5 Jahren gestellte Alzheimerdiagnose. Momentan geht man eher von einem Tumor aus. Bei der OP wurde auch verdächtiges Gewebe entnommen. Das Ergebnis steht noch aus. Inzwischen ist klar, falls es ein Tumor war, dass er zu klein für ein CT war. Der Neurologe und Hausarzt hätten ein MRT veranlassen müssen. Zumal mein Vater starke Kopfschmerzen hatte und der geistige Verfall ja eigentlich viel zu schnell für eine Alzheimererkrankung war. Körperlich war er auch immer fit.

                      Momentan weis ich noch nicht, ob ich wütend oder traurig bin.



                      VG, Belinda 1

                      Kommentar


                      • Re: Alzheimer und keine Therapie


                        Hallo Belinda,
                        eine schlimme Nachricht,die man erst einmal verdauen muss, zumal Dein Vater noch gar kein hohes Alter hat. Ich weiß momentan nicht,was ich Dir Tröstliches sagen könnte, zu massiv, die Diagnose.Bleib in Verbindung mit uns hier im Forum - vielleicht hilft Dir das wenigstens ein bisschen. Gruß Leona

                        Kommentar


                        • Re: Alzheimer und keine Therapie


                          Zu dem Thema "Demenz" und medikamentöse Behandlung habe ich folgendes erlebt: Mir kam bei der ersten Untersuchung meiner Mutter (83, frontotempoal betonte Demenz vom Alz-Typ, Mischform) auch ein Neurologe mit der Ansicht, die Form der Demenz sei unerheblich, die Demenz sei bei ihr fortgeschritten und man habe dann ohnehin keine Behandlungsmöglichkeiten. Ich war darüber genauso empört. Als ich dann aber begriffen hatte, daß unter "Behandlung" meist die Gabe von Neuroleptika zu verstehen war und meine Mutter unter deren Wirkung zwar für die Außenwelt ruhig und kooperativ schien, jedoch stumme epileptische Anfälle (Absencen) bekam, fast nur noch schlief und Nahrung und Flüssigkeit zu verweigern begann, da habe ich eingegriffen. Sie war bei zwei verschiedenen Neurologen, auch in einer Memory-Klinik, und keiner hat jemals so etwas wie Reminyl oder gar Axura zur Behandlung ausprobiert oder empfohlen. Inzwischen haben wir eine Hausärztin, die eine Demenz an ihrer eigenen Mutter erlebt hat (gottseidank, man sollte sich nur an solche Leute halten!). Sie hatte seinerzeit an der Mutter alles mögliche ausprobiert und hat schließlich auf jegliche Behandlung verzichtet. So handhaben wir es jetzt auch. Insofern gebe ich Preston völlig recht.
                          Unverzichtbar ist aber eine intensive psychosoziale Betreuung. Ich mache die wunderbare Erfahrung, daß es meiner Mutter sehr gut geht, solange das Netzwerk aus Familie und sonstigen Hilfen sie auffängt. Ihre Aggressivität ist deutlich zurückgegangen und sie fühlt sich im allgemeinen wohl. Sie hat natürlich totalen realitätsverlust und nimmt ihre Krankheit nicht wahr. Insofern leiden die Angehörigen mehr als sie selbst.
                          Daß der Fall Ihres Vaters nun eine so schlimme Wendung nimmt, das tut mir furchtbar leid. Dagegen hätte man möglicherweise noch etwas tun können, wäre der Tumor früher erkannt worden. Das ist grausam!

                          Kommentar


                          • Re: Alzheimer und keine Therapie


                            Hallo Petra,
                            natürlich ist es wunderbar, wenn eine verständnisvolle Familie den/die Erkrankte/n auffangen kann und wenn sich die Last auf mehreren Schultern verteilen lässt. Leider ist dies in der heutigen Zeit der Scheidungen/Singlehaushalte u.ä. oft gar nicht mehr möglich.Ich stehe z.B. völlig allein mit meinem alzheimerkranken Vater da,bin alleinerziehend und berufstätig. Meine 82-jährige Mutter lebt zwar (Gott-sei-Dank!) noch, aber meine Eltern sind seit 30 Jahren geschieden...und meine Mutter lebt zu allem Übel auch noch 200 km weit weg und bräuchte auch weitaus mehr Unterstützung als ich ihr geben kann. Alleine gerät man sehr, sehr schnell an seine eigenen gesundheitlichen Grenzen. Uns hat der Cholinesterasehemmer (i.d. Fall Exelon) immerhin einen Aufschub von fast 2 Jahren geschenkt.Etliche Alltagsfertigkeiten kehrten bei Vater nach ca.3 monatiger Einnahme wieder zurück. Leider ist dies bislang nur eine zeitlich begrenzte Hilfe. Dämpfende Mittel hat mein Vater bisher nicht bekommen,aber ich habe selbst allerlei Naturheilkundliches hinzugezogen (Gingko, Lecithin, Vita Gerin, Vit.E, Folsäure, Carnosin u.a.)und sehr viel scheint auch an einer ausgewogenen und regelmäßigen Ernährung und Flüssigkeitsversorgung zu liegen. Jetzt, nach 2 1/2 Jahren der Krankheit, kommen wir an den Punkt, an dem Vater nicht mehr alleine leben kann und da ich - wie schon erwähnt - für meinen Sohn und mich sorgen muss, bleibt nur eine Unterbringung in einem Seniorenheim.Es fällt mir wahnsinnig schwer, aber für uns gibt es keine andere Lösung.Doch ohne die Medikamente wären wir bereits vor 2 Jahren an diesem Punkt gewesen.So denke ich,haben sie doch ihre Berechtigung. Gruß, Leona

                            Kommentar


                            • Re: Alzheimer und keine Therapie


                              Dem Beitrag von Leona kann ich mich nur anschließen. Sicherlich ist eine familiäre Betreuung und Unterstützung wichtig und wenn sei geleistet werden kann ein tolle Sache, allerdings bin ich heilfroh, dass es überhaupt Medikamente gibt, die den Krankheitsverlauf, wenn auch nich heilen, zumindest verlangsamen können. Wie schon erzählt wird meine Tante ja mit Reminyl behandelt und das sehr erfolgreich, denn im Moment kann sie dadurch nämlich noch in ihrer eigenen Wohnung bleiben. Und das ist viel Wert, wenn ein Mensch in seinem gewohnten Umfeld bleiben kann. Ich hoffe, dass ist auch noch eine ganze Weile weiter so möglich.

                              Kommentar


                              • Re: Alzheimer und keine Therapie


                                Meine Mutter hat Alzheimer.
                                Dazu ein paar gänzlich unwissenschaftliche Zeilen...

                                Vor 7 Jahren habe ich die ersten Symptome bemerkt.
                                Als ich die Veränderungen in der Familie ansprach, haben alle sehr ähnlich reagiert...:
                                Das kann nicht sein, laß Mutter in Ruhe, du spinnst,- usw.

                                Da führte unsere Mutter schon ihren unsichtbaren Kampf, leise, still und ganz für sich.
                                Irgendwann wurden die kleinen Zeichen aber doch sichtbar: eine Ecke voller Papier mit ihren Lutschbonbons, eine andere Ecke Schachteln von Gingkoesxtrakten und dem Buch: Reise ins Labyrinth....
                                Was muss sie durchgemacht haben, auf dem langen Weg bis heute?
                                Für mich als Angehöriger und Sohn war ein Besuch in der Psych. Abteilung eines Krankenhauses vor 3 Jahren, nach einer heftigen, aggressiven Attacke auf meinen Vater, sicher ein Schlüsselerlebnis:
                                Da lief sie, nach Krankenbesuch, immer wieder gegen die Glastür und wollte mit nach hause.
                                Ich würde nicht einmal meinen Hund dort gelassen haben, aber meine Mutter musste ich zurücklassen.

                                Was es für meine Mutter bedeutet haben mag, weiss ich nicht, mich persönlich hat es bis heute erschüttert.

                                Kurze Zeit später konnte sie nicht mehr laufen und heute liegt sie längst in einem Heim und wenn ich sie besuche, lächelt sie, als wäre ich gerade einem Traum entsprungen. Alles Leid scheint verschwunden....
                                Nicht nur sie, alle Beteiligten haben sich mit dem Weggang der Mutter aus dieser Welt verändert.
                                Es ist eine grausame Krankheit.
                                Alle Phasen habe ich durchlebt....warum meine Mutter, warum wir, warum jetzt, warumwarumwarum.
                                Darum! Weil das Leben ganz anders ist!
                                und doch:
                                seitdem ich damit lebe, schaue ich genauer hin, nicht mehr weg...
                                Niemals wegschauen!!!

                                Kommentar


                                • Re: Alzheimer und keine Therapie


                                  Hallo Vision,
                                  Ihre Schilderung traf mich mitten ins Herz.
                                  Ähnliche Etappen habe ich mit meinem Vater auch erlebt - nur gibt es bei uns keine "Familie" drumherum.
                                  Aber die stillen Kämpfe der Betroffenen, die verzweifelten Versuche, die Kontrolle über ihr Leben zu behalten...und letztlich doch zu verlieren, all das habe ich ebenfalls durchlebt und es hat mich und meinen noch jungen Sohn viel gekostet.
                                  Wir haben uns alle verändert - auch damit habe Sie Recht.Seit wenigen Wochen lebt mein Vater in einem Seniorenheim und ich komme mir wie sein Henker vor.
                                  Es schmerzt unsagbar, die Verlorenheit und Angst eines geliebten Menschen zu erleben und nur so wenig tun zu können.
                                  Mein Vater ist seit knapp 3 Jahren diagnostiziert. Er bekommt Exelon 6.0 und vielfältige alternative Mittel. Er ist noch gut zu Fuß, aber im Heim hat man das gar nicht so gerne, da die Weglaufgefahr dadurch erhöht ist . . .
                                  Sein Zustand ist noch immer sehr gemischt - Reales mischt sich mit Verwirrtem und Absurdem.
                                  Eine grausame Krankheit - da sind wir uns wohl alle einig.
                                  Und die Frage nach dem Warum sollten wir nicht verzweifelt hinausschreien, sondern ganz ernsthaft verfolgen - denn könnte man sie beantworten, kämen wir einen gigantischen Schritt voran - medizinisch gesehen.

                                  Kommentar


                                  • Re: Alzheimer und keine Therapie


                                    ...ein gutes Gefühl nicht allein zu sein, nicht wahr?
                                    Leider war keine Familie drum rum, das weiß man spätestens bei solch einschneidenden Erfahrungen...
                                    In der Familienaufstellung spielen eben leicht Schuld, Sühne und die Last der Verantwortung eine große Rolle.
                                    Gut dass Sie Ihren Sohn haben, lassen Sie ihn nicht aus dem Focus,welches Engagement Sie ihrem Vater auch immer zukommen lassen, mir sind die geistigen und physischen Energieverluste um diese Krankheit herum nur zu bekannt. Das kann einem die Seele wegessen.
                                    Über die medizinische Begleitung meiner Mutter könnte ich einiges sagen...
                                    irgendwie ist sie weggegangen und dort, wo sie jetzt verweilt, kann ich sie, wenn überhaupt, nur mittelbar erreichen...
                                    Pillen helfen nicht mehr, dafür ist es jetzt zu spät.
                                    Ich kann nur an alle Betroffenen apellieren, die Augen vor dieser Krankheit im familiären und sozialem Umfeld nicht zu verschliessen und bis zur Selbstverleugnung zu verbergen.
                                    Bei uns war das so...es bleibt soviel ungeklärt...
                                    und Schmerz.

                                    Kommentar


                                    • Re: Alzheimer und keine Therapie


                                      Hallo,

                                      mein Vater ist bis heute aus dem Wachkoma nicht mehr aufgewacht. Er hatte noch eine Frührehabilitation. Leider ohne Erfolg. Inzwischen bekommt er "kleine Schlaganfälle" und irgendwann kommt der Große und dann ist mein Vater hoffentlich erlöst.

                                      Die nächsten Tage kommt mein Vater nach Hause. Das haben wir gegen massive Widerstände durchgesetzt. Ohne die schon vor Monaten aufgesetzte Betreuungsverfügung (kann ich nur jedem empfehlen), wäre es nicht möglich gewesen. Es war immer der Wunsch meines Vaters zu Hause zu sterben. Außerdem ist das auch eine Maßnahme, damit mein Vater nicht noch länger künstlich am Leben gehalten wird. An die Patientenverfügung haben sich die Ärzte bisher nicht gehalten. Mit dem Hausarzt ist alles geklärt.

                                      Eine genaue Diagnose haben wir bis heute nicht bekommen. Vermutlich hatte er einen Tumor und Alzheimer. Wir werden uns um diese Thema kümmern, wenn mein Vater verstorben ist. Dazu fehlt momentan einfach die Kraft. Letztlich hatte der Hausarzt mit seiner Prognose recht. Wenn ich die letzten Beiträge hier lese, dann bin ich doch froh, dass es bei meinem Vater derartig schnell ging. Der Hausarzt ihn nie über seine Erkrankung aufgeklärt hat. Er selbst quasi nur in den letzten 3 Wochen feststellte, dass etwas mit seinem Gehirn nicht stimmte.

                                      VG, Belinda

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                                      • Re: Alzheimer und keine Therapie


                                        Liebe Belinda,
                                        Welch dramatischer Verlauf innerhalb von 6 Monaten -- und Ihr Vater ist vergleichsweise jung. Es nimmt mich immer wieder mit, wenn ich solche Krankheitsgeschichten höre und dabei ist das Leid des Erkrankten nur die eine Seite der Medaille.
                                        Ich kenne mich mit Wachkomma nur perifer aus, ein Mitschüler meines Sohnes verfiel in ein solches nach einem Sauerstoffmangel durch eine Verlegung der Luftröhre (durch ein Croissant!). Auch hier bahnt sich ein langer Leidensweg an und das gesamte Familienleben hat sich verändert. Trotzdem kann man konstatieren, dass dieser Junge zu Hause wieder winzige Fortschritte macht. Also sehe ich auch bei Ihrem Vater eine Verlegung nach Hause als richtigen Schritt. Ich verstehe Ihre Verzweiflung und Resignation, aber vielleicht können Sie auch ein winziges Bisschen Hoffnung investieren - vielleicht hilft die vertraute Umgebung und die Zuwendung der Familie dem verschütteten Bewusstsein wieder ein klein wenig an die Oberfläche zu kommen.Ich weiß, es ist wahnsinnig schwer, als Angehöriger nicht die Hoffnung zuverlieren und "gezwungenermaßen" gute Stimmung zu verbreiten...trotzdem, versuchen Sie es, auch gegen Ihre innere Traurigkeit, Wut und Resignation. Ich wünsche Ihnen alles, alles Gute mit Ihrer Entscheidung, die ja im Sinne des Vaters zu sein scheint (Vorsorgeverfügung) und hoffe, es kommen bessere Zeiten.Alles Liebe, Leona

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                                        • Re: Alzheimer und keine Therapie


                                          Man sollte Alzheimer auf jeden Fall von einem Facharzt behandeln lassen. Außerdem gibt es vielversprechende Ansätze für eine neue Therapie:
                                          http://www.suite101.de/content/ist-a...heilbar-a97249

                                          gruß andy

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