• *** Aus aktuellem Anlass ***

    Haben Sie Fragen zum Coronavirus, die Sie gerne von einem Experten beantworten lassen würden? In unserem neuen Corona-Forum beantwortet unsere Expertin Frau Dr. med. Athanassiou kostenlos all Ihre Fragen zum Thema!

  • Sie können sich hier registrieren, um Beiträge zu schreiben. Registrierte Nutzer können sich oben rechts anmelden.

BAL-Werte

Einklappen

X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • BAL-Werte

    Sehr geehrter Herr Dr. Hagen,

    aufgrund eines seit nunmehr 8 Monaten bestehenden trockenen Reizhustens (oder mitunter nur unterschwelligem Hustenreiz, der def. aus der Lunge kommt) wurde bei mir eine BAL durchgeführt mit dem Ergebnis: lymphozytäre BAL mit niedriger CD4/CD8-Ratio. Kein Nachweis Bakterien, Tbc, Pilze. Die pathologischen Werte im Einzelnen:
    Alveolarmakrophagen: 75 - (>84)
    Lymphozyten: 18 + (>13)
    T-Zellen CD3 97 + (63-83)
    cytotoxische Zellen CD8 46 + (20-48)
    Ratio CD4/CD8 1 - (1,1-3,5)
    NK-Zellen CD16/56 1 - (2-14)

    Alle anderen Werte, insbes. Augenschein der Broncho sowie sonstige Lungendiagnostik (Röntgen, Lungenfunktion, Blutgase) waren o.B.
    Ca. 3 Wochen vor der BAL wurden in der Sono minimale Pleuraergüsse re>li festgestellt sowie gering Aszites, in einer weiteren Sono am gleichen Tag jedoch nicht mehr, auch nachfolgende Sonos o.B.
    Ich bin wbl., 42, seit jeher Nichtraucherin.
    Nun meine Fragen:
    Gibt es chronische (Viren-)Infektionen, die neben dem genannten Husten wechselnder Intensität auch mit neurologischen und Gastro-Symptomen einhergehen? Wenn ja, welche?
    Was könnte die Werte noch erklären?
    Ich wäre über eine hilfreiche Antwort sehr dankbar.

    LG
    JuraSchaf



  • Re: BAL-Werte

    Hallo,

    jeder Husten, der über eine Zeit von mehr als 4-6 Wochen besteht, sollte sicherlich bronchoskopisch abgeklärt werden.

    Im Vorfeld sollte aber ausgeschlossen werden, ob nicht ganz banale Ursachen wie z.B. zu wenig Trinken, ein Reflux (nicht ausreichender Verschluss des Mageneingangs, wodurch Magensäure über Speiseröhre/Kehlkopf in die Lungen gelangen kann. Meist mit Sodbrennen aber nicht immer).
    Die Refluxsymtpomatik verstärkt sich meist im Liegen und nach dem Genuss von bestimmten Speisen.

    Hauptsymptom eines Asthmas ist ein Husten, etwa 30 - 40 % der Patienten die eine Allergie haben können ein Asthma im Laufe ihres Lebens entwickeln. Meist findet sich ein Asthma im Kindesalter, ein zweiter Häufigkeitsgipfel etwa ab dem 40sten Lebensjahr ist bekannt.

    Eine weitere Ursache für einen trockenen Husten ist z.B. Schnarchen. Insgesamt alles was zur Austrocknung der Atemwege führen kann (Klimaanlage, berufliche Belastung, etc.) können einen trockenen Husten verursachen.

    Zum Ausschluss eines Asthmas wäre eine Asthmadiagnostik in Form einer NO-Messung und einer unspez. Provokation zu empfehlen. Falls Sie Schnarchen und Aussetzer haben sollte man evtl. an eine Schlafapnoediagnostik denken.

    Auch sollte daran gedacht werden, was in den letzten Wochen und Monaten sich bei Ihnen in Haus/Wohnung/Umfeld geändert hat (neue Möbel, Schimmelpilzbelastung, Renovierung, etc.)
    Das wären die insgesamt eher harmlosen Möglichkeiten.

    Bei einer Lymphozytose in der BAL möchte ich Sie auf folgenden Artikel verweisen:

    http://www.praxishellmann.de/seiten/...ere_lavage.pdf

    Hier finden Sie nahezu 20 Diagnosen, die bei einer Lymphozytose möglich sind.

    Das Ergebnis einer BAL kann insgesamt nicht einzeln gewertet werden, sondern nur in Zusammenschau mehrerer Befunde.

    CD4/CD8 Quotient: Der CD4/CD8-Quotient gibt das numerische Verhältnis der LymphozytensubpopulationenCD4 und CD8 an, also der Quotient der T-Helfer- zu zytotoxischen T-Zellen. Er wird im Vollblut oder in der bronchoalveolären Lavage bestimmt. Der Normalwert des CD4/CD8-Quotienten beträgt 2.

    Erhöhter CD4/CD8-Quotient

    Erniedrigter CD4/CD8-Quotient

    Exogen allergische Alveolitis: Hierbei handelt es sich um eine Entzündung in den Lungenbläschen, meist hervorgerufen durch allergenisierende Stoffe, meist lässt sich die Ursache einer solchen Erkrankung aber auch nicht finden. Gelegentlich wird so eine Alveolitis durch einen z.B. Zimmerspringbrunnen hervorgerufen, wir sprechen dann von einer Zimmerspringbrunnenalveolitis.
    Aber auch verkeimte Klimaanlagen aber auch berufliche Belastung wie z.B. Landwirtschaft oder auch Schimmelpilzbelastung können eine exogen allergische Alveolitis hervorrufen.

    Sie sollten also prüfen, ob in irgend einer Weise ein Verdachtsmoment hierfür bestehen könnte.
    Mittels einer Blutuntersuchung kann zumindest eine s.g. Farmerlunge oder auch Schimmelpilzbelastung nachgewiesen werden.

    Hinsichtlich einer HIV-Infektion müssen Sie selber entscheiden ob die Notwendigkeit besteht eine weitere Diagnostik durchzuführen.

    Eine exogen allergische Alveolitis als auch eine BOOP (Bronchiolitis obliterans) lassen sich meist mit einem Röntgenbild NICHT nachweisen. Hierzu ist eine weiterführende Diagnostik i.F. einer Computertomographie zu erwägen.

    Insgesamt ist es schwierig hier in diesem Forum eine genaue Diagnostik und Empfehlung zu geben.

    Solche Erkrankungen wie die exogen allergische Alveolitis und die Bronchiolitis obliterans sind in der Regel sehr seltene Krankheiten.
    Man sollte daher die einfachen, banalen Ursachen nicht ausser Acht lassen.

    Eigenartig finde ich das plötzliche Verschwinden Ihrer Ergüsse noch am selben Tag, was ich mir überhaupt nicht erklären kann?!

    Natürlich können alle möglichen viralen und bakteriellen Infekte zu einem Husten führen.
    Hatten Sie in der letzten Zeit Kontakt mit Personen mit Infektionen? Waren Sie im Ausland?

    Zuletzt möchte ich noch darauf verweisen, dass auch ein Keuchhusten eine mögliche Ursache für den Husten sein kann, welcher je nach Stadium in unterschiedlicher Stärke und Intensität sich ausdrückt, aber auch hier gibt es eine einfache Blutuntersuchung.

    Mit freundlichen Grüssen
    Thomas Hagen

    Kommentar


    • Re: BAL-Werte

      Hallo, Herr Dr. Hagen,

      vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort. Dennoch einige Rückfragen bzw. Erläuterungen:
      Ich war im Vorfeld nicht im Ausland.
      Diese Art des Hustens hatte ich bereits Anfang 2011, nach ca. 4 Wochen verschwanden die Beschwerden. Vor 5 Jahren hatte ich den Keuchhhusten und ich gehe davon aus, dass noch Immunität besteht, dies kann also nicht Ursache sein. Allerdings fühlt sich der Husten genauso an wie damals bei Pertussis, nur nicht so anhaltend und intensiv.
      HIV liegt nicht vor, da ich im Juli infektiologisch untersucht worden bin, HIV negativ. Auffallend nur hohe IgM-Titer Herpes simplex, obwohl keinerlei für Herpes typische Symptome vorhanden. Können Herpesviren auch mal atypische Symptome hervorrufen über so langen Zeitraum?
      Kann es sein, dass Sono-Geräte unterschiedliche Auflösungen/Qualität haben??? Die zweite Sono am gleichen Tag erfolgte mit anderem Gerät und anderem Arzt. Man wollte die Lokalisation der Ergüsse präzisieren zwecks Punktion für Laboruntersuchung und fand dann eben nichts mehr.

      Mit freundlichen Grüßen
      JuraSchaf

      Kommentar