Eine Frau beißt in eine Tafel Schokolade.
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Schokolade ohne Zucker: 5 unangenehme Wahrheiten über zuckerfreie Schokolade

Schokolade essen, ohne sich um Zähne und Figur sorgen zu müssen: Klingt traumhaft, oder? Genau damit werben Hersteller zuckerfreier Schokoladen. Angeblich sind diese gesünder als normale Schokolade. Auch beim Abnehmen sollen sie helfen. Stimmt das? Wir verraten Ihnen fünf Fakten, die Sie über das Trendprodukt wissen sollten.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Was steckt drin?

Zucker ist ungesund und wird von vielen sogar als Suchtmittel oder Gift bezeichnet: Rund um die weiße Süße kursieren viele Mythen, weshalb man inzwischen sogar zuckerfreie Schokolade in fast jedem größeren Supermarkt findet. Meist in der Frei-von-Abteilung, gleich neben dem laktosefreien, glutenfreien und veganen Sortiment. Sie ist ein wenig teurer als normale Schokolade, unterscheidet sich aber sonst kaum vom Original, weder optisch noch von der Konsistenz her.

Nicht einmal in puncto Süße schmeckt man einen großen Unterschied. Denn natürlich haben die Firmen bei der Herstellung nicht einfach den Zucker weggelassen, sondern ihn durch Süßungsmittel ersetzt – meist durch Xylit, Erythrit, Maltit, Stevia oder eine Mischung aus verschiedenen Zuckerersatzstoffen.

Was die anderen Zutaten betrifft, ist zuckerfreie Schokolade dem Original recht ähnlich. Und damit wären wir schon bei Punkt 1:

1. Zuckerfreie Schokolade enthält Fett, und zwar ganz schön viel

Dass Schokolade so himmlisch schmeckt, verdankt sie etwa zur Hälfte ihrem Zuckergehalt, zur anderen Hälfte dem beträchtlichen Fettanteil: Je nach Sorte sind es zwischen 40 und 50 Gramm Fett, und zwar hauptsächlich gesättigte – und damit nicht gerade gesunde – Fettsäuren.

Das ist bei zuckerfreien Produkten genauso. Sie enthalten so viel Fett wie normale Schokoladen. Figurfreundlich sind sie also nicht unbedingt:

2. Zuckerfreie Schokolade ist eine Kalorienbombe

Anders als zuckerfreie Limonaden ist zuckerfreie Schokolade leider nicht "zero", also frei von Kalorien. Sie ist noch nicht mal kalorienärmer als normale Schokolade, jedenfalls nicht deutlich: Eine 100-Gramm-Tafel von Milka, Ritter Sport oder Lindt liefert 500 bis 600 Kilokalorien. Der Kaloriengehalt der gängigen zuckerfreien Schokoladen liegt zwischen 470 und 560 kcal pro 100 Gramm.

Das liegt vor allem am Fett, aber auch an den anderen Zutaten: Zuckerersatzstoffe wie Maltit und Xylit liefern jeweils 240 Kilokalorien je 100 Gramm. Außerdem kann Schokolade ohne Zucker unverschämterweise durchaus Zucker enthalten:

3. Schokolade "ohne Zucker" oder "ohne Zuckerzusatz" ist nicht unbedingt zuckerfrei

Wenn "zuckerfrei" auf dem Etikett steht, stimmt das auch. Auch 100-prozentige-Bitterschokoladen sind normalerweise wirklich zuckerfrei. Heißt es aber "ohne Zuckerzusatz" oder "ohne Zucker" auf der Verpackung, bedeutet das nur, dass kein Haushaltszucker unter den Zutaten ist. Zucker kann dann trotzdem drinstecken, nämlich in Form von

  • Milchzucker (Laktose) aus Vollmilchpulver oder
  • Fruchtzucker aus Früchten (z. B. Datteln, Beeren, Orangenstückchen, etc.).

Wie viel Zucker insgesamt enthalten ist, verrät die Nährwerte-Tabelle. Meist sind es höchstens 10 bis 15 Gramm je Tafel – also deutlich weniger als in normaler Schokolade, die locker auf 40 bis 50 Gramm Zucker pro Tafel kommt. Doch von zuckerarm oder Low Carb kann trotzdem nicht die Rede sein. Das ist gerade für Diabetiker wichtig zu wissen. Und auch im Hinblick auf die Zahngesundheit:

4. Aufs Zähneputzen kann man trotzdem nicht verzichten

Zahnfreundlich ist Schokolade ohne Zucker nicht unbedingt. Denn zum einen kann sie Milchzucker und Fruchtzucker enthalten, die Karies fördern. Zum anderen begünstigt vor allem dunkle Schokolade Verfärbungen.

Übrigens: Bestimmten Zuckerersatzstoffen wird nachgesagt, dass sie besonders gut für die Zähne sind, weil sie Karies vorbeugen. Xylit und Erythrit zum Beispiel. In den 1990er und frühen 2000er Jahren lieferten Studien tatsächlich Hinweise darauf, dass diese Süßstoffe die Vermehrung von Karies-Bakterien hemmen.

Neueren Untersuchungen zufolge ist dieser Effekt aber eher gering, zumindest der von Xylit. Erythrit hat möglicherweise wenigstens eine leichte Schutzwirkung vor Karies.

5. Diese unangenehmen Beschwerden können auftreten

Wie auf Kaugummi- und Bonbon-Verpackungen steht auch auf zuckerfreier Schokolade die Warnung: "Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken." Doch im Gegensatz zur Bonbon- oder Kaugummi-Orgie ist der übermäßige Verzehr von Schokolade keineswegs ein unwahrscheinliches Szenario. Tatsächlich neigen ziemlich viele Menschen dazu, übermäßig viel Schokolade zu verzehren. Nach wie vielen Stücken (oder Tafeln ...) müssen sie sich Sorgen um ihre Verdauung machen?

Das hängt vor allem davon ab, mit welchem Zuckerersatzstoff die Schokolade gesüßt ist. Xylit oder Maltit können bereits ab 30 Gramm pro Tag Durchfälle und Blähungen verursachen. So viel steckt schon in einer 100-Gramm-Tafel. Mit Erythrit kommt der Darm in der Regel besser klar: Der abführende Effekt setzt erst nach etwa 70 Gramm ein – also nach etwas mehr als zwei Tafeln.

Das heißt: Auch mit zuckerfreier Schokolade sollte man keine Exzesse veranstalten. Höchstens eine halbe Tafel pro Tag ist ein guter Richtwert. (Ja, ja, schon klar: Dann lieber gar nicht ...!)