Das Bild zeigt eine junge Frau, die das Etikett eines Tiefkühl-Eis liest.
© Jupiterimages/iStockphoto

Nährwert-Kennzeichnung

Am 19.01.2007 ist in den Ländern der Europäischen Union (EU) eine Verordnung zur Nährwertkennzeichnung (Verordnung (EG) Nr. 1924/2006) in Kraft getreten, die seit dem 01.07.2007 gilt und 2008 und 2010 erweitert wurde.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Nährwert-Kennzeichnung (Health-Claims-Verordnung)

Die sogenannte Health-Claims-Verordnung soll einheitliche Kriterien hinsichtlich der Kennzeichnung von Lebensmitteln auf europäischer Ebene schaffen.

Mit diesen Angaben soll sich der Verbraucher über den Gehalt von Kalorien, Fett, Eiweiß, Kohlenhydraten, Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und anderen gegebenenfalls genannten Nährstoffen informieren können, wie zum Beispiel über den Gehalt von Salz/Natrium, Zucker oder gesättigten Fettsäuren. Durch die Verordnung für die Nährwertkennzeichnung soll der Verbraucher besser vor Irreführung und Täuschung beim Lebensmittelkauf geschützt werden. Darüber hinaus soll die Verordnung die Bedingungen für den freien Warenverkehr im Binnenmarkt verbessern, die Rechtssicherheit für Wirtschaftsakteure steigern und den fairen Wettbewerb im Lebensmittelbereich garantieren.

Voraussetzung ist, dass die Angaben weder irreführend noch falsch, sondern für den Verbraucher klar verständlich sind. Den Angaben auf Verpackungen müssen wissenschaftlich gesicherte Daten zugrunde liegen.

Weiterhin muss der Stoff, über den Angaben auf der Verpackung zu finden sind, auch tatsächlich im Endprodukt enthalten sein, und zwar in einer solchen Konzentration, dass die auf der Verpackung angepriesene gesundheitsfördernde Wirkung (wie z.B. "Stärkt die Abwehrkräfte ihres Körpers") durch den Verzehr einer realistischen Menge des Produkts auch gewährleistet ist. Außerdem muss die Substanz vom Körper verwertbar sein.

Eine Ausnahme bilden Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent: Hierfür sind gesundheitsbezogene Angaben und eine Nährwertkennzeichnung auf der Verpackung nicht zulässig.

Nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben

Die Health-Claims-Verordnung unterscheidet bei der Nährwertkennzeichnung zwischen sogenannten nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben.

Nährwertbezogene Angaben

Nährwertbezogene Angaben sind alle Angaben auf einem Produkt, die direkt oder indirekt aussagen, dass ein Lebensmittel aus bestimmten Gründen besondere Nährwerteigenschaften hat.

Beispiel 1:

  • „Brennwertreduziert“
  • „Leicht“

Hier ist die Aussage, dass der Kaloriengehalt des Lebensmittels sehr niedrig ist oder extra reduziert wurde.

Beispiel 2:

  • „Fettarm“
  • „Zuckerfrei“
  • „Natriumarm“

Solche Produktangaben sagen aus, dass bestimmte (ungesunde) Nährstoffe oder andere Stoffe, in diesem Fall Fett, Zucker und Natrium, nicht im Lebensmittel vorkommen beziehungsweise reduziert wurden.

Beispiel 3:

  • „Hoher Vitamingehalt“
  • „Reich an Vitamin C

Diese Angaben vermitteln dem Verbraucher, dass bestimmte gesunde Nährstoffe oder andere gesunde Stoffe (in diesem Fall Vitamine) dem Lebensmittel extra zugefügt wurden oder dort in großen Mengen enthalten sind.

Nährwertbezogene Angaben dürfen nur dann auf einem Lebensmittel verwendet werden, wenn sie die Anforderungen der EU-Verordnung erfüllen. Beispielsweise ist auf einem Produkt die Aussage "energiereduziert" nur dann zulässig, wenn der Brennwert des Lebensmittels um mindestens 30 Prozent reduziert ist.

Gesundheitsbezogene Angaben

Gesundheitsbezogene Angaben sind alle Angaben auf einem Lebensmittel, die direkt oder indirekt aussagen, dass zwischen der Gesundheit und einer Lebensmittelkategorie, einem Lebensmittel beziehungsweise den Lebensmittelbestandteilen ein Zusammenhang besteht.

Solche Angaben sind zum Beispiel:

  • "Stärkt die Abwehrkräfte ihres Körpers"
  • " Calcium stärkt die Knochen"
  • "Vollkornkost kann ihr Herz gesund erhalten und das Risiko einer Herzerkrankung verringern"

Solche Angaben dürfen zum Schutz des Verbrauchers nicht falsch oder irreführend sein und müssen auf allgemein anerkannten Forschungsergebnissen basieren und durch diese abgesichert werden.

Wird ein Stoff auf einem Lebensmittel als gesundheitsförderlich beschrieben „Calcium stärkt die Knochen“), muss er:

  • im Lebensmittel in ausreichenden Mengen vorhanden sein, um positiv wirken zu können,
  • in einer Form vorliegen, die der Körper auch verwerten kann,
  • in solchen Konzentrationen vorkommen, dass die Wirkung des Stoffs durch den Verzehr einer vernünftigen Menge eintreten kann.

Bei Getränken, die mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol enthalten (z.B. die meisten Biere), dürfen keine gesundheitsbezogenen Angaben mehr gemacht werden.

Die EU-Verordnung unterscheidet bei der Nährwertkennzeichnung drei Kategorien von gesundheitsbezogenen Angaben.

  1. Angaben, die zur Verringerung eines Krankheitsrisikos gemacht werden. Dazu zählen zum Beispiel die Aussage: "Der regelmäßige Verzehr von ausreichenden Calciummengen reduziert Ihr Risiko, im Alter an Osteoporose zu erkranken" oder auch Angaben, die sich auf die Entwicklung von Kindern beziehen (z.B. die Aufschrift "Extra-Portion Milch" auf der Schokocreme). Solche Aussagen dürfen erst nach der Zulassung durch die EU verwendet werden und sind bis dahin nach dem aktuellen Gemeinschaftsrecht unzulässig.
  2. Angaben, die sich auf die Rolle eines Nährstoffs oder eines anderen Stoffs beziehen. Dazu gehört zum Beispiel die Angabe "Calcium stärkt die Knochen". Solche Angaben sollen in eine sogenannte Positivliste der Europäischen Kommission aufgenommen werden. Erfüllen diese Angaben die geltenden Voraussetzungen, können sie allgemein verwendet werden. Eine Ausnahme sind Angaben, bei denen die im Einzelfall zugrunde liegenden Daten dem Datenschutz unterliegen. Die Erstellung der Positivliste basiert auf wissenschaftlich gesicherten Aussagen.
  3. Angaben, die als Basis neu entwickelte wissenschaftliche Daten (sog. "innovative Angaben") haben. Sie werden einem beschleunigten Registrierungsverfahren unterzogen, um zu prüfen, ob sie zugelassen werden können.

Nährwertprofile

Mithilfe von Nährwertprofilen legt die EU bei der Nährwertkennzeichnung fest, wann nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben nicht auf Produkten angegeben werden dürfen. Die Nährwertprofile werden nicht auf den Lebensmitteletiketten abgedruckt.

Überschreitet zum Beispiel ein Produkt mit seinem Fett- oder Zuckergehalt das festgelegte Nährwertprofil, dürfen auf dem Produkt keine nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben gemacht werden. Überschreitet jedoch nur ein einzelner ungünstiger Nährstoff das Nährwertprofil, sind nährwertbezogene Angaben wie "mit Vitamin C angereichert" noch zulässig, sofern die Angabe zusammen mit dem Hinweis "Hoher Gehalt an Stoff xy" gemacht wird.

Durch die Nährwertprofile sollen Hersteller den Lebensmitteln nicht mehr den Anschein geben können, dass diese besonders gesund sind, nur weil sie bestimmte Nährstoffe – wie zum Beispiel zugesetzte Vitamine – enthalten, obwohl sie durch ihre Gesamtzusammensetzung in der täglichen Ernährung besser nur in kleinen Mengen aufgenommen werden sollten.

Die Nährwertprofile werden von der Europäischen Kommission festgelegt, welche die Profile auf Basis von Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) unter Beteiligung der Mitgliedsstaaten erstellt. Die Gutachten berücksichtigen dabei verschiedene Punkte, wie zum Beispiel:

  • die komplette Nährwertzusammensetzung des Lebensmittels,
  • die Bedeutung des Lebensmittels im Rahmen der Gesamternährung,
  • das Vorhandensein von einzelnen Nährstoffen, sowie
  • die Bedürfnisse von Kindern als besonders schützenswerte Verbrauchergruppe.

Im Rahmen der EU-Verordnung zur Lebensmittelkennzeichnung hat die Europäische Kommission außerdem ein öffentliches Gemeinschaftsregister der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben über Lebensmittel eingerichtet.

Seit 2008 sieht die Verordnung bei der Nährwertkennzeichnung außerdem vor, dass der Energiegehalt und die Gehalte an Zucker, Fett, gesättigten Fettsäuren und Salz in Bezug auf die Packungsgröße als absolute Menge angegeben werden. Außerdem soll ihr prozentualer Anteil am Richtwert der empfohlenen Tageszuführ auf der Packung ausgegeben werden. In Hinblick auf angegebene Portionsgrößen wurden Mindestkriterien aufgenommen, um die Bezugsmengen des Lebensmittels festzulegen.

Diese Bezugsgrößen sollen es dem Verbraucher erleichtern, Energie- und Nährstoffgehalte besser erfassen zu können. Jetzt sieht der Verbraucher direkt, wie viele Kilokalorien ein Becher Joghurt oder eine Scheibe Wurst enthält.