Jemand schneidet auf einem Holzbrett verschiedene Gemüsesorten mit einem Messer klein.
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Nachhaltige Ernährung – gut für Mensch und Umwelt

Gesunde Ernährung und umweltverträgliche Lebensmittelproduktion weltweit? Klingt gut, doch in Wirklichkeit trifft genau das Gegenteil zu. Mit schwerwiegenden Folgen für Gesundheit und Umwelt. Was wäre nötig, um nachhaltig etwas daran zu ändern?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Das Problem

Wie wir Menschen uns ernähren, hat Auswirkungen auf unsere Gesundheit und auf die Umwelt. Wenn alles so weitergeht wie bisher, werden sich Gesundheits- und Umweltprobleme weltweit zunehmend verschärfen. Schuld sind vor allem ungesunde und nicht nachhaltig produzierte Nahrungsmittel.

Das Problem mit der Nahrungsmittelproduktion

Die Nahrungsmittelproduktion gehört zu den Hauptursachen globaler Umweltveränderungen – denn sie trägt bei zu:

  • Klimawandel
  • Energie- und Ressourcenverschwendung
  • Zerstörung der biologischen Vielfalt
  • Süßwasserverbrauch
  • Boden- und Wasserverschmutzung (z. B. durch Stickstoff und Phosphor)

Damit ist die weltweite Nahrungsmittelproduktion die größte Umweltbelastung, die der Mensch zu verantworten hat. Besonders negativ wirkt sich dabei der hohe Fleischkonsum aus. Ein paar Beispiele:

  • Die Fleischproduktion ist besonders energie- und ressourcenintensiv: So dienen beispielsweise 60 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland der Erzeugung von Futtermitteln für Rinder, Schweine und andere Tiere.
  • Bei der Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch entstehen 7 bis 28 Kilogramm Treibhausgase, bei der Produktion von derselben Menge Obst oder Gemüse weniger als 1 Kilogramm.
  • Infolge der Massentierhaltung gelangen Nitrate ins Grundwasser, Antibiotika in die Böden und Ammoniak in die Luft.

Letzteres macht die Massentierhaltung auch zum Hauptverursacher für Feinstaub. Denn das Ammoniak aus Gülle und Dünger entweicht als Gas in die Atmosphäre und verbindet sich dort mit anderen Gasen (wie Schwefel- und Salpetersäure) – so entstehen Feinstaubpartikel. Und die Feinstaubbelastung sorgt allein in Deutschland jedes Jahr für 120.000 vorzeitige Todesfälle.

Neben der Umweltbelastung fördert die Nahrungsmittelproduktion auch Hunger und Unrecht. Denn wenn beispielsweise die weltweite Nachfrage nach Mais, Soja und Weizen als Futtermittel zunimmt, verteuern sich diese Grundnahrungsmittel – und die Bevölkerung in den Entwicklungsländern kann die Preise nicht mehr zahlen.

Und das, obwohl rein rechnerisch weltweit genug Nahrungsmittel produzieren werden können, um trotz des Bevölkerungswachstums alle Menschen ausreichend mit Kalorien zu versorgen. Doch tatsächlich haben derzeit mehr als 820 Millionen Menschen weltweit nicht genug zu essen.

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Die Folgen ungesunder Ernährung

Weitaus mehr Menschen können zwar auf ein reiches Essensangebot zugreifen, ernähren sich aber so ungesund, dass sie sich regelrecht krank machen: Ernährungsbedingte Gesundheitsprobleme wie Fettleibigkeit, Diabetes, koronare Herzkrankheit und Schlaganfall nehmen weltweit zu. Auch hier gilt übermäßiger Fleischkonsum als wichtiger Risikofaktor.

Ungesunde Ernährung verursacht mehr Erkrankungen und Todesfälle als ungeschützter Sex, Alkohol-, Drogen- und Tabakkonsum zusammen.

Video: 5 Regeln für eine gesunde Ernährung

Die Lösung

Ein internationales Forscherteam hat untersucht, wie man es bis zum Jahr 2050 erreichen kann, 10 Milliarden Menschen gesund zu ernähren und gleichzeitig die Umwelt zu schützen. Danach sind folgende globale Maßnahmen notwendig:

  • Ernährung umstellen – mehr pflanzliche Lebensmittel und gleichzeitig deutlich weniger tierische Lebensmittel verbrauchen.
  • Prioritäten in der Landwirtschaft neu ausrichten – weg von der Erzeugung großer Mengen an Nahrungsmitteln hin zur Erzeugung gesunder Nahrungsmittel.
  • Lebensmittelproduktion nachhaltig intensivieren – unter anderem mit dem Ziel,
    • Ernteerträge zu steigern,
    • Wasser und Düngemittel nutzbringender einzusetzen und
    • Treibhausgasemissionen zu mindern.
  • Land und Ozeane gemeinsam verwalten – dabei zum Beispiel:
    • keine neuen landwirtschaftlichen Flächen schaffen,
    • degradierte Flächen aufforsten/wiederherstellen,
    • die biologische Vielfalt schützen,
    • die Fischerei kontrollieren und
    • Fischbestände verantwortungsvoll nutzen.
  • Verlust und Verschwendung von Lebensmitteln um 50 Prozent senken.

Das Ziel dieser Maßnahmen ist aber nur dann erreichbar, wenn jeder Einzelne durch die eigene Ernährungsweise dazu beiträgt, die Ernährungsprobleme weltweit zu beheben. Aber wie ernährt man sich gesund und gleichzeitig ökologisch nachhaltig? Indem man sicherstellt, dass

  • die Nahrung den Energie- und Nährstoffbedarf des Körpers deckt,
  • eine Vielfalt pflanzlicher Lebensmittel enthält,
  • nur zu einem geringen Anteil aus tierischen Lebensmitteln besteht,
  • ungesättigte statt gesättigter Fettsäuren liefert und
  • kaum raffiniertes Getreide (wie Weißmehl), stark verarbeitete Lebensmittel oder Zuckerzusätze enthält.

Um zu veranschaulichen, wie eine gesunde und ökologisch nachhaltige Ernährung für alle aussieht, hat das Forscherteam einen universellen Ernährungsplan entwickelt, der sich bei Bedarf leicht anpassen lässt (z. B. an unterschiedliche Esskulturen).

Dieser Ernährungsplan ist auf einen Energiebedarf von 2.500 Kilokalorien pro Tag ausgerichtet. Je nach Körpergröße und körperlicher Aktivität kann der Tagesbedarf also höher oder niedriger sein – dann muss man die Nahrungsmenge entsprechend anpassen.

Der Ernährungsplan besteht zum größten Teil aus Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Ölen mit ungesättigten Fettsäuren. Er enthält geringe Mengen Fisch und Geflügel, verzichtet aber weitgehend auf rotes oder verarbeitetes Fleisch sowie auf Zuckerzusätze, raffiniertes Getreide und stärkehaltiges Gemüse.

Die Forscher rechnen damit, dass eine solche Ernährungsumstellung weltweit etwa bis zu 11,6 Millionen Todesfälle pro Jahr verhindern kann.

Und so sieht der tägliche Ernährungsplan für gesunde Ernährung und ökologische Nachhaltigkeit aus:

  • 232 Gramm Vollkornprodukte wie Reis, Weizen oder Mais und 125 Gramm Linsen, Nüsse und Erbsen
  • 350 Gramm Gemüse, davon
    • 50 Gramm stärkehaltige Sorten (Kartoffeln, Maniok)
    • 100 Gramm grünes Gemüse
    • 100 Gramm gelbes/orangefarbenes Gemüse
    • 100 Gramm sonstiges Gemüse
  • 200 Gramm Obst
  • 250 Gramm Milchprodukte
  • 7 Gramm Schweinefleisch
  • 7 Gramm Rind- oder Lammfleisch
  • 29 Gramm Geflügel
  • 13 Gramm Eier
  • 28 Gramm Fisch
  • Hülsenfrüchte, davon
    • 50 Gramm getrocknete Bohnen, Linsen oder Erbsen
    • 25 Gramm Sojaprodukte
    • 25 Gramm Erdnüsse
  • 25 Gramm Nüsse (z. B. Walnüsse, Haselnüsse)
  • 51-53 Gramm Öle und Fette (davon 40 g mit überwiegend ungesättigten Fettsäuren)
  • 31 Gramm Zuckerzusätze

Kurz zusammengefasst

Um eine gesunde Ernährung mit nachhaltig produzierten Lebensmitteln für alle zu erreichen, sind starke Veränderungen notwendig – hin zu:

  • gesunden Essgewohnheiten,
  • starker Verringerung von Lebensmittelverlusten und -verschwendung sowie
  • erheblichen Verbesserungen bei der Lebensmittelproduktion.