Blätter und Stiele des Moringa

Moringa: Gesundes Superfood aus Indien?

Der "Wunderbaum" Moringa soll die nährstoffreichste Pflanze der ganzen Welt sein. Hierzulande liegt das angebliche Superfood enorm im Trend. Ob als Kapsel, Pulver oder Öl – Moringa findet großen Anklang. Ist das teure Nahrungs- und Heilmittel sein Geld wert?

Moringa: Der Baum des Lebens

Moringa (Moringa oleifera) stammt ursprünglich aus Indien. Angebaut wird der Baum inzwischen aber auch in anderen Regionen mit tropischem Klima, etwa in Afrika, Asien und Südamerika. Moringa gehört zur Familie der Bennussgewächse. Sie ist die einzige Pflanze dieser Gattung.

Moringa wird auch als "Wunderbaum" oder "Baum des Lebens" bezeichnet, weil die essbaren Pflanzenteile als besonders nährstoffreich gelten. Zudem ist der Moringabaum sehr robust: Er gedeiht selbst in Dürreperioden und unter schlechten Bodenbedingungen. Deshalb spricht man auch vom "Baum der Unsterblichkeit".
Moringa ist außerdem als Meerrettichbaum bekannt. Sowohl Moringa als auch Meerrettich enthalten sogenannte Senfölglykoside. Das sind schwefel- und stickstoffhaltige Verbindungen, die für den stechenden Geruch sorgen und charakteristisch würzig-scharfen Geschmack sorgen. Englische Kolonialherren führten den Begriff Meerrettichbaum ein, weil sie Moringa als Ersatz für das scharfe Gemüse verwendeten, als sie in Indien waren.

Welche Nährstoffe enthält Moringa?

Fast alle Teile des Moringabaumes sind essbar oder anderweitig nutzbar. Vor allem die Blätter weisen eine hohe Nährstoffdichte auf.

Moringa ist reich an

  • den Mineralstoffen und Spurenelementen Kalzium, Kupfer, Eisen, Kalium, Magnesium, Mangan und Zink,
  • den Vitaminen A, B1, B2, B3, B6, B7, C, D, E und K,
  • Proteinen und essenzielle Aminosäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann,
  • Sekundären Pflanzenstoffen und Chlorophyll,
  • sowie Antioxidantien und Zeaxanthin.

Insgesamt enthält der Moringabaum rund 90 Nährstoffe, die für den menschlichen Körper wertvoll sind. Wie gesund die Pflanze ist, wird vor allem im direkten Vergleich deutlich. Moringa enthält auf 100 Gramm gerechnet

  • 4-mal mehr Vitamin A als Karotten,
  • 7-mal mehr Vitamin C als Orangen,
  • 3-mal mehr Eisen als Spinat
  • und 3-mal mehr Kalium als Bananen.

Darüber hinaus ist Moringa äußerst fettarm (5 g Fett/100 g). Aufgrund des relativ hohen Kohlenhydratanteils (28,5 g/100 g) weist die Pflanze mit knapp 300 Kilokalorien auf 100 Gramm allerdings eine ziemlich hohe Energiedichte auf.

Interessant bei vegetarischer und veganer Ernährung

Moringa besteht zu rund 23 Prozent aus Protein. Der hohe Eiweißgehalt macht die Pflanze vor allem für Menschen interessant, die sich vegetarisch oder vegan ernähren. Denn bei dieser Ernährungsweise kann es schnell zu einem Proteinmangel kommen, da Eiweiß vor allem in tierischen Produkten steckt.

Wirklich ein Superfood?

Die Nährwerte, mit denen Moringa beworben wird, sind zweifellos beeindruckend. Trotzdem sollte man sich nicht blenden lassen. Die tägliche Verzehrempfehlung von Moringa-Pulver liegt nämlich nur bei rund fünf bis zehn Gramm. Entsprechend gering fällt dann auch die Aufnahme der angepriesenen Vitamine, Mineralstoffe und Co. aus.

Zudem sind Menschen hierzulande grundsätzlich gut mit den nötigen Nährstoffen versorgt. Zumindest, bei einer ausgewogenen Ernährung. In Ländern, deren Bevölkerung an einer Unterversorgung leidet, ist Moringa sicherlich ein wertvoller Zugewinn. Inwieweit die Pflanze unseren westlichen Speiseplan bereichert, muss wohl jede*r für sich selbst entscheiden.

Wirkung und Anwendung von Moringa

In ihren Anbaugebieten sind die gesundheitlichen Vorteile der Moringa oleifera schon lange bekannt. Hierzulande wird die Pflanze erst seit Kurzem als Superfood vermarktet – mit Erfolg. Die Nachfrage ist hoch.

Moringa ist aufgrund ihrer Inhaltsstoffe besonders bei Sportler*innen beliebt. Die Pflanze soll

  • Energie spenden,
  • die Leistungsfähigkeit steigern,
  • und den Muskelaufbau fördern.

Außerdem gilt Moringa als sehr figurfreundlich. Die Nähr- und Vitalstoffe sollen nämlich die Verdauung anregen und die Fettverbrennung ankurbeln. Zudem enthält die Pflanze Bitterstoffe, die den Appetit hemmen. Der hohe Eiweißgehalt sorgt zusätzlich für eine länger anhaltende Sättigung.

Medizinische Verwendung: Moringa als Heilpflanze?

Einige Studien weisen darauf hin, dass Moringa möglicherweise auch einen therapeutischen Nutzen hat. In der Alternativmedizin wird die Pflanze schon lange als ayurvedisches Heilmittel verwendet. Viele Erkrankungen gehen beispielsweise mit einem Nährstoffmangel einher. Mithilfe von Moringa sollen Betroffene ihren Nährstoffbedarf wieder auffüllen können. Daneben soll Moringa das Immunsystem stärken und bei

helfen. Auch in der Krebsforschung besteht Interesse an Moringa: Fachleute stellten ein natürliches Arzneimittel aus den Blättern der Pflanze her. Das destillierte Wasser-Extrakt soll das Tumorzellwachstum hemmen. Medizinisch zugelassen ist das Mittel allerdings noch nicht. Generell ist die Studienlage zur medizinischen Verwendung von Moringa noch sehr dünn. Zahlreiche Untersuchungen wurden etwa im Auftrag von Produkt-Herstellern durchgeführt.

Wie wird Moringa eingenommen?

Traditionell wird Moringa ähnlich zubereitet, wie bei uns Spinat oder Kohl. Die Blätter der Pflanze lassen sich kochen, anbraten oder auch zu Suppe, Saft oder Tee verarbeiten. Hierzulande ist es schwierig, frisches Moringa zu bekommen. Gute Chancen haben Sie womöglich online oder in gut sortierten Asiamärkten.

Tipp: Sie können Moringa-Samen kaufen und die Pflanze selbst anbauen.

Kapseln, Pulver, Öl: Moringa als Superfood

Leichter ist es hier, Moringa in Pulverform zu kaufen. Auch als Kapseln oder Öl ist das Superfood erhältlich. Die extrahierten Produkte können beispielsweise in den Joghurt oder Smoothie gemischt werden. Alternativ können Sie Moringa-Pulver auch in ein Glas Saft oder Wasser rühren. Die Bitterstoffe der Pflanze schmecken allerdings nicht jeder*jedem gut.

Was kostet Moringa?

Angesichts der vielen verschiedenen Moringa-Produkte kann man schnell den Überblick verlieren. Eines haben die grünen Pulver, Tees und Kapseln aber gemeinsam: den hohen Preis. 500 Gramm Moringa-Pulver kostet im Schnitt 15 bis 20 Euro. Erhältlich sind die Produkte online und in Drogeriemärkten. Am besten hält sich Moringa-Pulver, wenn Sie es lichtgeschützt, kühl und trocken lagern.

Moringa in der Kosmetik

Auch in der Beauty-Industrie ist Moringa beliebt. So wird die Pflanze zum Beispiel zu Hautpflegeprodukten, Massageölen oder Parfüms verarbeitet. Auch im Haarpflegebereich wird man immer öfter fündig: Shampoos, Spülungen und Kuren aus Moringa sind auch hierzulande keine Seltenheit mehr.

Mögliche Nebenwirkungen von Moringa

Bislang sind keine eindeutigen Neben- und Wechselwirkungen von Moringa bekannt. Das grüne Superfood scheint unbedenklich. Grundsätzlich wird aber dazu geraten, die empfohlene Dosis nicht zu überschreiten, um Durchfall und Verdauungsbeschwerden zu vermeiden. Zudem sollten Diabetiker*innen aufpassen: Moringa kann den Blutzucker senken.

Die Studienlage ist aber auch hier noch sehr dünn. So wurden die Folgen einer Überdosierung lediglich an Tieren erforscht. Bei diesen kam es zu Nebenwirkungen, nachdem die empfohlene Verzehrmenge um drei- bis viermal überschritten wurde. Inwieweit diese Ergebnisse auf den menschlichen Organismus übertragbar sind, ist allerdings fragwürdig.