Neben einer Kokosnuss steht ein Glas Kokosfett.
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Kokosfett: Gesunder Trend – oder alles erfunden?

Kokosfett und Kokosöl sind voll im Trend und gelten als gesund. Anbieter behaupten sogar, Kokosfett habe eine gesundheitsfördernde Wirkung. Zum Beispiel soll es vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Dabei enthält es vor allem gesättigte Fettsäuren, die als ungesund gelten. Was ist also dran an den Werbeaussagen?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Kokosfett: Gesunder Trend – oder alles erfunden?

Was ist Kokosfett?

Kokosfett wird in Form von Plattenfett angeboten und in weißen Blöcken als Brat- und Frittierfett verkauft. So ist es hierzulande bekannt geworden. Dazu wird es nach der Gewinnung aus dem Fruchtfleisch der Kokosnuss industriell verarbeitet: Es wird raffiniert, gebleicht und desodoriert. Der typische Kokosgeruch wird also neutralisiert.

Inzwischen wird Kokosöl vielfach als weißliches streichfestes Fett in Gläsern verkauft. Das Öl ist bei Zimmertemperatur nicht flüssig, sondern cremig.

Sogenanntes natives Kokosöl wird hingegen aus dem frischen, nicht getrockneten Fruchtfleisch oder der Kokosmilch extrahiert und nicht weiter chemisch behandelt. Der Zusatz "nativ" besagt, dass das Öl kaltgepresst und naturbelassen ist. Auch das Kokosöl ist bei Raumtemperatur fest und schmilzt erst ab circa 25 Grad Celsius.

Kokosöl und -fett ist beliebt, weil es sehr hitzebeständig und wohlschmeckend ist. Aber es wird auch behauptet, Kokosöl würde kariesauslösende Bakterien im Mund zerstören, könne der Demenzerkrankung Alzheimer und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Dafür gibt es jedoch keinerlei Belege. Während die Mehrheit der Bevölkerung glaubt, dass Kokosöl besonders gesund ist, sind nur wenige Ernährungswissenschaftler davon überzeugt.

Auch wenn Kokosöl ein Naturprodukt ist, kann es bedenkliche Substanzen enthalten. Die Zeitschrift Ökotest beispielsweise bemängelt bei ihrem Test bei der Hälfte der Kokosöle sehr hohe Gehalte an Mineralölbestandteilen. Auch die Stiftung Warentest hat Kokosöl unter die Lupe genommen.

Was sagt die Stiftung Warentest?

Die Stiftung Warentest hat 15 Sorten Kokosöl auf Schadstoffe und gesundheitliche Wirkungen hin getestet. Hier die zentralen Ergebnisse:

  • Fünf Kokosöle haben ein "gutes" Testergebnis erhalten, sieben sind "befriedigend".
  • Das Kokosöl GutBio Bio Natives Kokosnussöl von Aldi Nord erzielt als einziges Produkt im Test ein "mangelhaft". Die Tester wiesen fünf verschiedene Schadstoffe in "hohen oder sogar sehr hohen Gehalten" nach, unter anderem einen Weichmacher und Mineralölbestandteile, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein.
  • Das Bio Kokosöl nativ von dm ist mit einer Note von 2,1 eines der günstigsten und zugleich das beste Öl im Test.

Wo kommt Kokosöl zum Einsatz?

Als Brat- und Frittierfett wird es häufig bei der Herstellung von Kartoffelchips, Pommes frites und süßen Backwaren verwendet. Es kommt zudem häufig in der industriellen Fertigung von Süßigkeiten zum Einsatz. So ist es etwa fester Bestandteil von Eiskonfekt und verleiht diesem die kühlende Wirkung. Denn das in dem Konfekt enthaltene Kokosfett schmilzt bereits bei unter 24 Grad Celsius und liegt damit deutlich unter der Körpertemperatur von 37 Grad. Das bedeutet, dass es im Mund beim Schmelzen Wärme entzieht – so entsteht der beliebte kühlende Effekt.

Die Kosmetikindustrie verwendet Kokosöl in Haut- und Haarpflegeprodukten.

Kokosöl enthält mehrfach gesättigte Fettsäuren

Die in Kokosfett oder -öl enthaltenen Fettsäuren sind zu rund 90 Prozent mehrfach gesättigt. Butter enthält dagegen gut 50 Prozent gesättigte Fettsäuren.

Gesättigte Fettsäuren gelten jedoch als weniger günstig für den Körper, weil sie bestimmte Blutfettwerte steigern, nämlich das LDL-Cholesterin (sog. „schlechtes“ Cholesterin) und die Triglyceride. Ein erhöhter Spiegel kann zu einem gesteigerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle führen.

Die WHO warnt vor Kokosfett

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor dem übermäßigen Verzehr von Kokosfetten und -ölen und verweist dabei auf ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Die Empfehlung lautet deshalb ganz klar, den Verbrauch von Kokosöl zu begrenzen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt ebenfalls die Empfehlung, sparsam mit gesättigten Fettsäuren zu sein: "Verwenden Sie feste Pflanzenfette wie Kokosfett und Palmkernfett, wenn überhaupt, nur selten. Sie erhalten einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, die für den Körper ungünstig sind."

Es sollten stattdessen mehrfach ungesättigte Fettsäuren bevorzugt werden, raten die Ernährungsexperten der DGE. Dies sind Pflanzenöle wie Raps-, Oliven-, oder Sonnenblumenöl.

Ist Kokosöl wirklich gesund?

Die Studienlage bestätigt die Empfehlungen von WHO und DGE. Eine Übersichtsstudie hat ergeben, dass Kokosnussöl grundsätzlich das Gesamtcholesterin im Blut erhöht und außerdem das LDL-Cholesterin. Dieser Effekt ist stärker als bei ungesättigten Pflanzenölen. Allerdings steigt das LDL-Cholesterin durch Kokosöl weniger stark, als dies bei Butter der Fall ist. Das tierische Streichfett ist demnach mit Blick auf den Fettstoffwechsel noch ungeeigneter als Kokosöl beziehungsweise Kokosfett.

Dass es nicht genügend aussagekräftige Studien zur Wirkung von Kokosöl beim Menschen gibt, beklagt auch die Stiftung Warentest. Versprechen wie jenes, dass Kokosöl Viren und Bakterien bekämpfen kannl, seien nicht zu belegen. Einige Wissenschaftler warnen sogar davor, zuviel Kokosfett zu sich zu nehmen, da es dem Herz-Kreislauf-System schaden kann.

Es spricht sicherlich nichts dagegen, aus geschmacklichen Gründen hin und wieder Kokosfett zu verwenden – aus gesundheitlichen Gründen auf das tropische Öl umzusteigen, macht aber keinen Sinn.