Teller mit Insekten
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Insekten essen: Wie gesund ist der Trend?

Heuschrecken, Mehlwürmer & Co. haben es in deutsche Supermärkte und Drogerien geschafft. Damit ist klar: Der Food-Trend geht nicht an uns vorüber. Doch sind Insekten wirklich das bessere Fleisch?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Insekten essen: Wie gesund ist der Trend?

Larven in der Nudel-Packung, Motten im Müsli, Würmer in der Schokolade – die meisten Menschen reagieren eher angespannt, wenn sie Krabbel- und Kriechtiere im Vorratsschrank entdecken. Dafür gibt es nun keinen Grund mehr: "Entomophagie", Insekten essen, liegt im Trend. Längst sind es nicht mehr nur die Biomärkte und Online-Händler, die Käfer-Kekse und Mehlwurm-Müsliriegel vertreiben, auch Discounter und eine große Drogeriemarkt-Kette bieten seit Neuestem Pasta aus Mehl- beziehungsweise Buffalowürmern an.

Es scheint sich also tatsächlich herumgesprochen zu haben, was Timon und Pumba schon in den Neunzigern wussten: Larven sind keineswegs ekelhaft, sondern schleimig, jedoch vitaminreich. Käfer? Delikatessen nur vom Feinsten!

Nur in der Wissenschaft sieht man den neuen Food-Trend nicht ganz so Hakuna Matata. Aus ökologischer Sicht spricht zwar einiges dafür, anstelle von toten Vierbeinern häufiger mal sechsbeinige Krabbel- oder beinlose Kriechtiere zu speisen. Ernährungswissenschaftler äußern jedoch auch Bedenken: Wie hygienisch sind die Insektensnacks? Bieten sie wirklich einen Vorteil zu anderen Eiweißquellen? Und welche Risiken bergen sie?

Fragen und Antworten

1. Welche Insekten gibt es bereits als Lebensmittel zu kaufen?

Zu den in Deutschland erhältlichen Speiseinsekten zählen

  • Buffalowürmer (Larven des Glänzendschwarzen Getreideschimmelkäfers)
  • Afrikanische Wanderheuschrecken sowie
  • getrocknete Mehlwürmer. (Ja, genau, Mehlwürmer: die weißlichen Viecher, die sich gerne in Mehl und Müsli ringeln.)

2. Wie schmecken Insekten?

Wie Hühnchen, behauptet nicht nur Timon: "Heuschrecken schmecken wie knusprige Hähnchenhaut und sind nach dem Rösten von der Konsistenz her wie knusprige Chips", heißt es auch auf dem Blog "Food Insects".

Mitunter wird das Aroma als "nussig" beschrieben. Laut der Verbraucherzentrale Hamburg erinnern geröstete Mehlwürmer an Pinienkerne und frittierte Heuschrecken an Shrimps.

3. Sind Insekten gesund?

Insekten sind eine gute Eiweißquelle. 100 Gramm Mehlwürmer oder Grillen liefern etwa 22 Gramm Protein, was etwa dem Eiweißgehalt eines kleinen Schweineschnitzels entspricht. In getrockneter Form ist der Proteinanteil von Insekten sogar fast doppelt so hoch (etwa 45 Gramm pro 100 Gramm Trockenmasse). Mit zwei Handvoll Heuschrecken kann ein 70 Kilogramm schwerer Erwachsener etwa die Hälfte seines Tagesbedarfs an Protein decken.

Neben Eiweiß enthalten Insekten noch andere wertvolle Nährstoffe: Vitamine wie Riboflavin, Pantothensäure und Biotin, Mineralstoffe wie Kupfer, Eisen, Magnesium, Mangan, Phosphor, Selen und Zink. Einige Insekten wie beispielsweise Heuschrecken sind darüber hinaus reich an Folsäure und mehrfach ungesättigten Fettsäuren.

Gesünder als Fleisch sind Insekten nicht unbedingt. Der Kaloriengehalt getrockneter Heuschrecken oder Mehlwürmer ist etwa so hoch wie der von Schokolade. Insekten-Nudeln und -Riegel sind sogar etwas hochkalorischer als herkömmliche Weizenmehl-Nudeln beziehungsweise Energieriegel.

Einige Insektenarten (etwa Heuschrecken) haben einen höheren Natriumgehalt als viele Fleischsorten. Auch liefern Insekten vergleichbare Mengen an gesättigten Fettsäuren. Der genaue Nährstoffgehalt schwankt jedoch stark von Art zu Art und hängt auch davon ab, womit die Insekten gefüttert und wie sie zubereitet werden: Getrocknetes Insektenfleisch liefert mehr Nährstoffe als gefrorenes, weil der Wasseranteil geringer ist.

Tipp: Wer seinem Körper etwas Gutes tun möchte, sollte anstelle von Fleisch nicht Insekten, sondern häufiger mal pflanzliche Kost essen. Viel Eiweiß steckt in Hülsenfrüchten wie Linsen, Erbsen und Bohnen. Die genannten Vitamine und Mineralstoffe sind größtenteils auch in Obst und Gemüse enthalten. Und gute Quellen für mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind Nüsse, Samen, pflanzliche Öle und Fisch.

4. Welche Gesundheitsrisiken birgt der Verzehr von Insekten?

In Panzern von Insekten steckt Chitin, ein unverdaulicher Stoff, der die Aufnahme von Nährstoffen behindern und Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen kann. Generell ist es möglich, dass Insekten Allergien oder Kreuzallergien auslösen. Auch besteht das Risiko, dass sie mit Schadstoffen belastet sind oder Krankheitserreger übertragen.

Es ist aber davon auszugehen, dass die auf dem deutschen Markt erhältlichen Speiseinsekten unter hygienischen Bedingungen gezüchtet, getötet und verarbeitet werden. Die Verbraucherzentrale Hamburg rät daher: "Sie sollten nur Insekten essen, die auch für den menschlichen Verzehr gezüchtet wurden. Vom Essen selbst gesammelter Insekten oder solchen aus dem Zoo-Fachhandel bzw. Angel-Geschäften raten wir aufgrund der fehlenden hygienischen Sicherheit dringend ab, obwohl diese häufig sehr viel preiswerter sind."

5. Sind Insekten besser für die Umwelt als Fleisch?

Ja. Denn Insekten …

  • ... sind Kaltblüter: Während Warmblüter viel Nahrung verbrennen, um ihre Körperwärme aufrecht zu erhalten, können Insekten den Großteil der aufgenommenen Nährstoffe in Körpermasse umwandeln: "Im Durchschnitt können Insekten 2 kg Futter in 1 kg Insektenmasse umwandeln, wohingegen Rinder 8 kg Futter benötigen, um 1 kg Körpermasse zu produzieren", heißt es in einer Publikation der Welternährungsorganisation. Daher benötigen Insekten insgesamt weniger Futter, was sich günstig auf den Energie- und Wasserverbrauch auswirkt.
  • ... brauchen weniger Wasser als Säugetiere und auch kein spezielles Futter, sondern können auf Kompost und organischen Abfällen gezüchtet werden.
  • ... setzen weniger Treibhausgase frei als Kühe, Schweine und andere Vierbeiner.
  • ... kommen mit wenig Platz aus, wohingegen Kühe, Schweine und Hühner unter der Massentierhaltung leiden.