Auf einem Holztisch liegen ein paar ganze Strauchtomaten neben geschnittenen Tomatenstücken.
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Grüne Teile von Tomaten: Gesund, ungesund oder gar giftig?

Warum soll man bei Tomaten eigentlich den Stielansatz entfernen? Und wie riskant ist es wirklich, unreife, noch grüne Tomaten zu essen? Wir haben die wichtigsten Infos zu dem Thema zusammengestellt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Giftstoff Solanin

Grüne Teile von Tomaten zu essen ist tatsächlich nicht gerade gesund. Denn Tomaten enthalten einen Giftstoff namens Solanin.

Neben Tomaten bilden auch andere Nachtschattengewächse Solanin – etwa Kartoffeln. Das Gift dient den Pflanzen als natürlicher Abwehrstoff gegen Schädlinge und hemmt außerdem das Wachstum von Bakterien und Schimmelpilzen.

Risiko Solaninvergiftung

Solanin hilft also, Nachtschattengewächse wie Tomatenpflanzen gesund zu halten. Doch beim Menschen kann der Verzehr solaninhaltiger Lebensmittel zu Vergiftungs­erscheinungen führen. Typische Symptome für eine Vergiftung durch Solanin (Solaninintoxikation) sind beispielsweise:

Ob es zu einer Solaninvergiftung kommt und wie schwer sie verläuft, hängt von der Giftmenge und dem Körpergewicht ab. Um Vergiftungserscheinungen auszulösen, ist im Schnitt mindestens ein Milligramm Solanin pro Kilogramm Körpergewicht nötig. Nach dem Verzehr solaninhaltiger Lebensmittel dauert es meist 4 bis 19 Stunden, bis die ersten Symptome auftreten.

In großen Mengen kann Solanin sogar tödlich für den Menschen sein: Die tödliche Dosis liegt bei rund 3 bis 6 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Kinder haben wegen ihres geringen Gewichts ein höheres Risiko. Erwachsene sind – soweit bekannt – bisher noch nie an einer Solaninvergiftung gestorben.

Insgesamt sind Solaninvergiftungen aber selten.

Grüne Tomaten: Das sollten Sie wissen

Solanin findet sich hauptsächlich in grünen Pflanzenteilen, wie Blättern und Stängeln. Bei Tomaten steckt Solanin in den unreifen Früchten und im Stielansatz.

Ein einzelner Stielansatz kann allerdings noch keinen gesundheitlichen Schaden anrichten. Sogar kleine Kinder müssten wohl deutlich mehr als zehn reife Tomaten mit Stielansätzen essen, um vielleicht Anzeichen einer Solaninvergiftung zu entwickeln.

Unreife, noch grüne Tomaten zu essen kann hingegen – je nach Menge – schneller zu Vergiftungserscheinungen führen. Denn

  • während reife Tomaten gar kein bis höchsten 0,7 Milligramm Solanin pro 100 Gramm Frucht enthalten,
  • sind es bei unreifen Tomaten 9 bis 32 Milligramm Solanin pro 100 Gramm Frucht.

Darum sollte man unreife, grüne Tomaten grundsätzlich gar nicht essen und – vor allem bei größerer Verzehrmenge und wenn das Essen für Kinder gedacht ist – aus reifen Tomaten den grünen Stielansatz herausschneiden.

Wenn Sie Tomaten grün ernten und nachreifen lassen, sinkt der Solaningehalt zwar. Nachgereifte Früchte enthalten aber immer noch mehr Solanin als solche, die in vollreifem Zustand geerntet wurden.

Auch die Art der Zubereitung kann das Solanin in Tomaten nicht zerstören:

  • Solanin ist hitzestabil. Wenn Sie Tomaten braten oder kochen, ändert das also nichts an deren Solaningehalt.
  • Solanin ist säurebeständig. Es bringt also auch nichts, wenn Sie Tomaten etwa süß-sauer einlegen.
  • Tomaten zu schälen verringert den Solaningehalt nur geringfügig.

Übrigens ...

Grüne Tomaten sind nicht automatisch giftig. Denn es gibt Tomaten, die auch im voll ausgereiften Zustand grün bleiben.

Reife grüne Tomaten – wie etwa die Sorte "Green Zebra" oder "Evergreen" – können Sie also bedenkenlos essen. (Unreife grüne Tomaten sind jedoch ebenso giftig wie unreife rote Tomaten.)