Man sieht Gojibeeren auf einem Löffel.
© iStock

Goji-Beeren: Wie gesund ist das Superfood wirklich?

Goji-Beeren findet man inzwischen fast in jedem Supermarkt – denn die kleinen roten Trockenfrüchte sind beliebt. Dem Superfood werden zahlreiche positive Effekte auf die Gesundheit nachgesagt. Was ist dran am Goji-Hype?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Effekte auf die Gesundheit

Man bekommt Goji-Beeren in unterschiedlichen Formen: Als getrocknete Beeren, als Saft oder Tee, Pulver oder Kapseln. Auch in vielen Lebensmitteln sind sie mittlerweile enthalten, etwa in Müsli oder Müsliriegeln. Geschmacklich ähneln Goji-Beeren Cranberrys.

Was sind Goji-Beeren?

Goji-Beeren sind die Frucht des Gemeinen Bocksdorns – einem Nachtschattengewächs, dessen wissenschaftlicher Name Lycium barbarum lautet und das früher hierzulande gern als Heckenstrauch eingesetzt wurde. Andere Bezeichnungen für den Gemeinen Bocksdorn sind Gemeiner Teufelszwirn oder Chinesische Wolfsbeere.

Ursprünglich stammen Goji-Beeren aus dem asiatischen Raum und kommen bereits seit Jahrhunderten sowohl in der chinesischen Küche als auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin zum Einsatz.

Welche Wirkung haben Goji-Beeren?

Goji-Beeren werden viele positive Effekte auf die Gesundheit zugesprochen. So sollen sie zum Beispiel

Doch wie haltbar sind diese gesundheitsbezogenen Aussagen? Gar nicht, wenn es zum Beispiel nach der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geht. Diese hat die für die jeweiligen Produkte eingereichten Studien unter die Lupe genommen und kommt zu dem Schluss, dass die angepriesenen Gesundheitseffekte der Goji-Beeren sich damit nicht bestätigen lassen.

Zwar gibt es zahlreiche Studien zum Thema Goji-Beeren, diese sind jedoch im Grunde durch ihren schlechten Aufbau allesamt ohne Aussagekraft. Die meisten dieser Untersuchungen fanden beispielsweise nicht am Menschen statt, sondern wurden an Zellen im Reagenzglas durchgeführt. Ein Effekt durch Goji-Beeren auf Zellen im Reagenzglas ist jedoch noch kein Beweis dafür, dass sich diese auch auf den Menschen positiv auswirken.

Eine andere Studie aus China zum Thema Krebserkrankungen untersuchte zwar die Wirkung auf den Menschen, war jedoch sehr uneinheitlich aufgebaut. Hier war die Probandenzahl zum einen sehr klein, zum anderen hatten die Probanden unterschiedliche Arten von fortgeschrittenen Krebserkrankungen. Zudem erhielten die Testpersonen keine Krebsbehandlung, die dem heutigen Wissensstand entspricht und sich daran orientiert, wie groß der Tumor bereits ist. Stattdessen wurden alle Probanden gleichbehandelt.

Was steckt drin in Goji-Beeren?

Auf vielen Goji-Produkten und Webseiten wird vor allem der Nährstoffgehalt beziehungsweise die Nährstoffvielfalt lobend hervorgehoben. So ist etwa die Rede von einem beachtlichen Vitamin-C-Gehalt und von großen Mengen an Zeaxanthin (einem orangenen Farbstoff, der zu den Carotinoiden zählt). Daneben sollen in Goji-Beeren unter anderem 18 Aminosäuren sowie 21 Spurenelemente vorkommen.

Zum Thema Nährstoffe in Goji-Beeren findet man zahlreiche Studien, die recht uneinheitliche und dadurch wenig verlässliche Aussagen machen. Laut Angaben der US-amerikanischen Nährwertdatenbank enthalten 100 Gramm Goji-Beeren:

Das sind weit weniger Nähr- beziehungsweise Inhaltsstoffe, als manche andere Quellen den Goji-Beeren nachsagen. Tatsache ist, dass der Vitamin-C-Gehalt von getrockneten Goji-Beeren relativ hoch ist. Ähnlich hohe Gehalte bei Trockenfrüchten haben ansonsten nur noch Mangos.

Zum Vergleich: Der Vitamin-C-Gehalt von 100 Gramm Goji-Beeren entspricht dem von

  • 100 Gramm Orangen,
  • 100 Gramm Erdbeeren,
  • 75 Gramm Kohlrabi oder
  • 40 Gramm rote Paprika.

Allerdings haben 100 Gramm Goji-Beeren mit 349 Kilokalorien einen deutlich höheren Energiegehalt als beispielsweise Erdbeeren (32 kcal pro 100 g) oder Kohlrabi (18 kcal pro 75 g).

Verwendet man Goji-Pulver oder Goji-Extrakte, entstammt das angegebene Vitamin C zudem häufig nicht ausschließlich der natürlichen Frucht, sondern wurde auch künstlich hinzugesetzt. Problematisch an Goji-Extrakten ist außerdem, dass die genaue Zusammensetzung meist weder bekannt, noch standardisiert ist. Die Inhaltsstoffe können also schwanken – und Untersuchungen zu deren Wirkung gibt es keine.

Auch der Calcium-Gehalt von Goji-Beeren ist mit 190 Milligramm pro 100 Gramm Beeren relativ hoch. Zum Vergleich: In 100 Gramm Milch findet sich etwa 120 Milligramm Calcium. Wobei man hierbei berücksichtigen muss, wie viel man von dem jeweiligen Lebensmittel tatsächlich verzehrt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung geht bei Goji-Beeren von einer durchschnittlichen täglichen Verzehrmenge von 50 Gramm aus.

Lesetipp: Chia-Samen: Gesundes Superfood oder überteuerter Hype?

Goji-Beeren: Pestizide inklusive

Viele Goji-Beeren sind mit Pestiziden belastet. In Tests des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Stuttgart (CVUA) erwies sich der Pestizidgehalt teils sogar als durchaus hoch. Pro Beerenprobe ließen sich rund 13 Pestizide nachwiesen.

Die sogenannte Referenzdosis war jedoch nicht so hoch, dass man die Beeren offiziell als gesundheitsbedenklich einstufen müsste. Dennoch zählt das CVUA Goji-Beeren zu den Obstsorten mit höherer Pestizidbelastung. Dabei sollte man wissen: Auch als "Bio" oder "wilde Goji-Beeren unbehandelt" ausgezeichnete Ware ist zum Teil stark mit Pestiziden belastet.

Auf der sicheren Seite ist, wer Goji-Beeren selber anpflanzt. Bocksdorn-Sträucher überstehen Frost und gedeihen auch in deutschen Gärten gut.

Sind Goji-Beeren ein Gesundheitsrisiko?

Möglicherweise ja. Denn abgesehen von dem hohen, wenn auch nicht offiziell gesundheitsbedenklichen Pestizidgehalt gibt es ein Problem, das vielen nicht bewusst ist: Goji-Beeren vertragen sich mit bestimmten Medikamenten nicht – nämlich mit Blutverdünnern wie Phenprocoumon oder Warfarin.

Goji-Beeren können die Wirksamkeit von Blutverdünnern verstärken. Wer täglich Blutverdünner einnimmt und zusätzlich Goji-Beeren beziehungsweise Goji-Produkte verzehrt, muss mit einer erhöhten Blutungsneigung rechnen und riskiert unter Umständen starke Blutungen.

Wer blutverdünnende Wirkstoffe wie Phenprocoumon oder Warfarin einnehmen muss, sollte am besten auf alle Goji-Produkte verzichten, also auch auf Lebensmittel mit Goji-Beeren (wie Müsli oder Marmeladen).

Vorsicht gilt auch bei Goji-Produkten, die mit einer potenzsteigernden Wirkung beworben werden. Hier gibt es Berichte, dass diese nicht nur Goji-Extrakte enthalten, sondern auch Varianten des erektionsfördernden Wirkstoffs Sildenafil. Sildenafil ist eigentlich verschreibungspflichtig. Als Inhalt waren die Varianten zudem nicht angegeben.

Solche gepanschten Produkte sind illegal – und riskant. Die gesundheitlichen Folgen können unberrechenbar sein. Denn die Wirkstoffvarianten wurden nicht klinisch untersucht und es ist unbekannt, ob sie möglicherweise unerwünschte Nebenwirkungen haben.