Das Bild zeigt diverse Süßigkeiten.
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Farbstoffe (Lebensmittelfarbstoffe)

Je bunter und farbenprächtiger ein Produkt, umso größer ist die Signalwirkung – vor allem auf Kinder. Doch auch beim Erwachsenen isst das Auge mit. Deshalb bringen Farbstoffe (Lebensmittelfarbstoffe) zwar vor allem bei Süßwaren das Angebot in allen Regenbogenfarben zum Leuchten, aber auch viele andere Lebensmittel und Getränke.

Allgemeines

Die Nahrungsmittelindustrie setzt den Lebensmitteln häufig Farbstoffe zu, um die optischen Erwartungen ihrer Kunden zu befriedigen. Viele Lebensmittel werden entweder insgesamt als Masse oder nur oberflächlich eingefärbt.

Lebensmittelfarbstoffe machen ein Nahrungsmittel zwar optisch ansprechend – ähnlich wie natürliche Aromastoffe und Bitterstoffe beeinflussen sie aber auch viele Stoffwechselvorgänge. Ob man Farbstoffe in einem Lebensmittel einsetzt, sollte daher immer gründlich bedacht werden.

Gesundheitsrisiko oder nicht? Farbstoffe erhalten in Deutschland nur dann eine Zulassung als Lebensmittelzusatzstoff, wenn diese für gesundheitlich unbedenklich erklärt wurden. Diese Einschätzung wird regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst. Für die meisten Menschen sind Farbstoffe in Lebensmitteln unproblematisch. Dennoch kann der Verzehr mancher Lebensmittelfarbstoffe unter Umständen vereinzelt Probleme bereiten – etwa wenn man sehr große Mengen davon verzehrt.

Einige Lebensmittelfarbstoffe lösen bei empfindlichen Personen pseudoallergische Reaktionen aus. Darunter versteht man Beschwerden, die wie eine allergische Reaktion wirken, aber in diesem Fall keine Allergie als Ursache haben. Pseudoallergische Beschwerden äußern sich zum Beispiel in Form von Juckreiz, Hautrötungen oder Atemwegsbeschwerden nach dem Verzehr eines Nahrungsmittels. Pseudoallergien gegen Lebensmittelzusatzstoffe wie Farbstoffe treten jedoch insgesamt selten auf: Nur etwa 0,01 bis 0,23 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen, von einer Pseudoallergie gegen natürliche Lebensmittel und Zusatzstoffe schätzungsweise 1 Prozent.

Der Verdacht, dass bestimmte Lebensmittelfarbstoffe in Zusammenhang mit ADHS bei Kindern stehen, hat sich in den letzten Jahren erhärtet. Bei Verwendung dieser Farbstoffe müssen Hersteller deshalb seit Juli 2010 den Warnhinweis "Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen" auf der Verpackung anbringen.

Chemisch gesehen lassen sich Lebensmittelfarbstoffe in verschiedene Gruppen einteilen:

  • Azofarbstoffe
  • Nicht-Azofarbstoffe
  • natürliche Farbstoffe (z.B. Karotin oder das Blattgrün Chlorophyll)

Als problematisch gelten vor allem viele Azofarbstoffe, da diese Histamin aus bestimmten körpereigenen Zellen (Mastzellen) freisetzen können. Bei empfindlichen Personen kann es dadurch zu pseudoallergischen Beschwerden kommen.

Aber auch beim Verzehr von Nicht-Azofarbstoffen treten vereinzelt pseudoallergische Symptome auf, wenn auch im Vergleich nicht so häufig wie bei den Azofarbstoffen. Bei zwei Nicht-Azofarbstoffen (Cochenille, Karmin) sowie seltener auch bei natürlichen Farbstoffen sind Fälle von echten, IgE-vermittelten allergischen Reaktionen bekannt.

Azofarbstoffe

Bei den Lebensmittelfarbstoffen steht vor allem die Gruppe der Azofarbstoffe unter Verdacht sowohl Allergien als auch Pseudoallergien auslösen und bei Kindern die Aufmerksamkeitsstörung ADHS verursachen zu können.

Kinder und empfindliche Personen sollten daher künstliche Farbstoffe nach Möglichkeit vermeiden. Das gilt auch für Personen, die Acetylsalicylsäure (ASS) nicht vertragen, denn sie reagieren oft auch auf Azofarbstoffe mit pseudoallergischen Beschwerden.

Folgende Farbstoffe, sollten speziell Kinder möglichst gar nicht oder nur wenig zu sich nehmen:

  • die fünf Azofarbstoffe
    • Gelborange S (E 110),
    • Azorubin (E 122),
    • Allurarot AC (E 129),
    • Tartrazin (E 102) und
    • Cochenillerot A (E 124)
  • sowie den Nicht-Azofarbstoff Chinolingelb (E 104).

Seit Juli 2010 müssen Lebensmittelhersteller folgenden Warnhinweis auf der Verpackung anbringen, wenn das Produkt einen der sechs genannten Lebensmittelfarbstoffe enthält: "Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen." Als Reaktion haben viele Hersteller ihre Rezepturen bereits verändert. Die Farbstoffe sind vor allem in grellbunten Süßigkeiten zu finden. Chinolingelb ist zwar kein Azofarbstoff, für ihn gelten jedoch die gleichen Gesundheitsbedenken wie für die fünf genannten Azofarbstoffe.

Was sind Azofarbstoffe?
Azofarbstoffe sind künstlich hergestellte organische Farbstoffe, die vor allem den Farbbereich gelb bis rot abdecken. Der Name Azofarbstoffe bezieht sich auf die chemische Struktur dieser Farbstoffe, die alle eine sogenannte Azobrücke besitzen. Unter einer Azobrücke versteht man zwei Stickstoffatome, die über eine Doppelbindung miteinander verbunden sind (–N=N–). Der Wortteil Azo- geht auf den französische Begriff für Stickstoff zurück: azote.

Verwendung

Aktuell finden über 40 verschiedene Farbstoffe (Lebensmittelfarbstoffe) in Lebensmitteln Verwendung. In der nachfolgenden Liste sind einige Farbstoffe näher beschrieben.

E-Nummer Name Eigenschaft Verwendung
E 102 Tartrazin Zitronengelb. Künstlich hergestellter Azofarbstoff. Gilt als unbedenklich. Pseudoallergische Beschwerden möglich, problematisch v.a. bei Personen, die Acetylsalicylsäure (ASS) nicht vertragen. Enthält ein Lebensmittel Tartrazin, muss seit Juli 2010 der Warnhinweis "kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen" auf der Packung angebracht sein. u.a. in Süßwaren
E 110 Gelborange S Gelborange. Künstlich hergestellter Azofarbstoff. Pseudoallergische Beschwerden möglich. Problematisch bei Personen, die Acetylsalicylsäure nicht vertragen. Enthält ein Lebensmittel Gelborange S, muss seit Juli 2010 der Warnhinweis "kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen" auf der Packung angebracht sein. u.a. in Surimi, Süßwaren, Knabbergebäck, Lachsersatz, Senf, Nahrungsergänzungsmittel
E122 Azorubin Rot. Künstlich hergestellter Azofarbstoff. Pseudoallergische Beschwerden möglich, v.a. problematisch bei Personen, die Acetylsalicylsäure nicht vertragen. Enthält ein Lebensmittel Azorubin, muss seit Juli 2010 der Warnhinweis "kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen" auf der Packung angebracht sein. u.a. in Lachsersatz, Senf, Pudding, Getränke, Süßwaren
E 123 Amaranth Dunkelrot. Künstlich hergestellter Azofarbstoff. Pseudoallergische Beschwerden möglich, v.a. problematisch bei Personen, die Acetylsalicylsäure nicht vertragen. nur bei Kaviar, Likören und Spirituosen
E 124 Cochenillerot A Rot. Künstlich hergestellter Azofarbstoff. Pseudoallergische Beschwerden möglich, v.a. problematisch bei Personen, die Acetylsalicylsäure nicht vertragen. Enthält ein Lebensmittel Cochenillerot A, muss seit Juli 2010 der Warnhinweis "kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen" auf der Packung angebracht sein. u.a. in Lachsersatz, Senf, Getränke, Süßwaren, Konfitüren
E 127 Erythrosin Rosarot. Künstlich hergestellter Nicht-Azofarbstoff. Liegen Schilddrüsenprobleme vor, kann ein Verzehr großer Mengen Auswirkungen haben, da E 127 jodhaltig ist. Kann Komplexe mit Eiweißen bilden und so die Blut-Hirn-Schranke überwinden. nur bei Cocktailkirschen, kandierten Kirschen, Kaiserkirschen (Obstkonserven)
E 129 Allurarot AC Rot. Künstlich hergestellter Azofarbstoff. Pseudoallergische Beschwerden möglich, v.a. problematisch bei Personen, die Acetylsalicylsäure nicht vertragen. Enthält ein Lebensmittel Allurarot AC, muss seit Juli 2010 der Warnhinweis "kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen" auf der Packung angebracht sein. u.a. in Getränken, Süßwaren, Kosmetika
E 151 Brilliantschwarz FCF Schwarz. Künstlich hergestellter Azofarbstoff, gilt als unbedenklich. Pseudoallergische Beschwerden sind möglich, v.a. problematisch bei Personen, die Acetylsalicylsäure nicht vertragen. u.a. in Fischrogenprodukte, Soßen, Süßwaren
E 120 Echtes Karmin Rot. Natürlicher Farbstoff aus der Schildlaus. Pseudoallergische Beschwerden möglich, v.a. problematisch bei Personen, die Salicylsäure oder Benzoesäure nicht vertragen. u.a. in Süßwaren, Marmelade, Wurst, Kosmetika
E 171 Titandioxid Weiß. Nicht-Azofarbstoff, wird chemisch aus dem natürlich vorkommenden Metall Titan gewonnen. Gilt als gesundheitlich unbedenklich. Wird unverdaut wieder ausgeschieden. u.a. in Dragees, Kaugummi, Überzüge