Ein junges Mädchen trinkt aus einer Dose
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Braucht es ein Kinder-Verkaufsverbot für Energydrinks?

In vielen europäischen Ländern ist es verboten, Energy Drinks an Kinder und Jugendliche zu verkaufen. In Deutschland gibt es noch keine Altersbeschränkung. Wie gefährlich sind die koffeinhaltigen Getränke wirklich? Und was steckt eigentlich drin?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Braucht es ein Kinder-Verkaufsverbot für Energydrinks?

Gerade bei Jugendlichen sind Energydrinks voll im Trend. Nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) trinken fast 70 Prozent aller Jugendlichen regelmäßig solche aufputschenden Getränke. Dass gerade junge Menschen gerne Energydrinks kaufen, ist kein Zufall. Die Marketingtrommel rührt seit Jahren auf Hochtouren. So gibt es mittlerweile kaum eine Extremsportart, die der Konzern Red Bull noch nicht für die eigene Eventstrategie genutzt hat. Immer mehr Grundschüler schütten die süße Aufputsch-Brause in sich hinein – bereits jedes sechste Kind unter zehn Jahren trinkt pro Woche im Schnitt fast einen Liter davon.

Doch die Muntermacher entpuppen sich in vielerlei Hinsicht immer mehr zu Krankmachern. In den USA soll es durch Energydrinks sogar schon zu mehreren Todesfällen gekommen sein, nachdem Jugendliche die süßen Wachmacher teilweise literweise in sich hineingekippt hatten.

Immer mehr europäische Länder reagieren darauf. Zum Beispiel in Litauen dürfen Händler schon seit Jahren keine Aufputsch-Brausen mehr an Minderjährige verkaufen. In Großbritannien haben viele Handelsketten den Verkauf von Energydrinks an Jugendliche unter 16 Jahren eingestellt, weil sich Kreislaufkollaps-Fälle gehäuft hatten: eine freiwillige Selbstbeschränkung, der sich immer mehr Handelsketten anschließen.

Auch in den Niederlanden bekommen Kinder unter 14 Jahren keine Energydrinks mehr im Laden. Die deutsche Bundesregierung setzt bislang auf Aufklärung statt Verbote.

Wie gefährlich sind Energy-Drinks wirklich?

In der wissenschaftlichen Literatur finden sich mittlerweile Hunderte Studien zu den möglichen Wirkungen und Risiken von Energydrinks – teilweise mit unterschiedlichen Ergebnissen. Für die Wissenschaftler ist es sehr schwierig, eindeutig festzustellen, ob der Konsum von Energydrinks nun tatsächlich einen direkten Einfluss auf die Gesundheit hat oder nicht. Schließlich spielen hierbei auch viele weitere Faktoren eine Rolle, etwa die sonstige Ernährungsweise oder wie sportlich aktiv man ist.

Berücksichtigt man nur die qualitativ hochwertigen Studien, so lassen sich die aktuellen Forschungsergebnisse wie folgt zusammenfassen:

  • Unmittelbar nachdem man einen Energydrink getrunken hat, steigt der Blutdruck und der Körper schüttet mehr Stresshormone (Katecholamine) aus. Dies kann langfristig zu ernsthaften Herzproblemen wie Herzrhythmusstörungen führen.
  • Die großen Mengen an Koffein, die man über Energydrinks schnell zu sich nimmt, führen zu Herzklopfen, Nervosität, Übelkeit und Schlafproblemen.
  • Energydrinks erhöhen langfristig das Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes
  • Personen, die Energydrinks mit Alkohol mischen, haben ein höheres Unfallrisiko als diejenigen, die nur Alkohol konsumieren.
  • Kurz vor dem Sport getrunken, erhöhen Energydrinks die Muskelkraft und die Ausdauerleistungsfähigkeit – insbesondere wenn die Aufputschgetränke Taurin enthalten.

Inhaltsstoffe und ihre Wirkungen

Die genaue Zusammensetzung kann zwar von Marke zu Marke variieren, die Hauptinhaltsstoffe sind aber immer die Gleichen: Wasser, Zucker, Koffein, Taurin, Glucuronolacton, Inosit, Vitamine (häufig B-Vitamine) sowie Aroma- und Farbstoffe. Einige Hersteller setzen ihren Produkten außerdem Ginseng, L-Arginin oder Guarana hinzu.

Zucker

Zucker ist ein Grund dafür, dass man sich nach einem Energydrink fit und leistungsfähig fühlt. Er liefert dem Körper schnell verfügbare Energie.

Eine einzige Dose (250 ml) Energydrink enthält im Schnitt fast 30 Gramm Zucker – das entspricht nicht nur etwa 10 Stück Würfelzucker, sondern auch in etwa dem von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Grenzwert für die tägliche Zuckerzufuhr. Mit Folgen: Werden dem Körper langfristig zu große Mengen Zucker zugeführt, kann dies zu Adipositas und Insulinresistenz führen.

Koffein

Alle Energydrinks enthalten Koffein, das für die stimulierende Wirkung verantwortlich ist. Die leistungssteigernde Wirkung tritt bereits bei etwa drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht auf. Bis zu dieser Grenze sind keine Nebenwirkungen zu erwarten.

Ein zwölfjähriger Junge mit einem Körpergewicht von 50 Kilogramm überschreitet nach dieser Rechnung allerdings schon mit nur einer 0,5 Liter-Dose eines Energydrinks diese Grenze.

Höhere Mengen können zu gesundheitlichen Problemen führen, gerade bei empfindlichen Personen – zum Beispiel zu Schlaflosigkeit, Muskelzuckungen, Herzrasen, Magenbeschwerden oder Unruhe.

Taurin

Um Taurin rankt sich eine Vielzahl an Gerüchten. Zum Beispiel wird gelegentlich behauptet, der Eiweißbaustein würde aus Stierhoden gewonnen. Stimmt nicht! Taurin wird vom menschlichen Organismus selbst produziert und ist für den Gallenfluss und für die Fettverdauung von Bedeutung.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet die Verwendung von Taurin in geringen Dosen als nicht gesundheitsgefährdend. Es gibt Hinweise, dass Energydrinks mit Taurin die sportliche Leistungsfähigkeit erhöhen können.

Glucuronolacton

Glucuronolacton ist ein Kohlenhydrat, das in geringen Mengen auch in Lebensmitteln vorkommt. In erster Linie bildet der Körper es selbst aus Glukose (Traubenzucker). Der Mensch benötigt Glukose, um Energie herstellen zu können. Eine Leistungssteigerung oder Aufputschwirkung durch die zusätzliche Aufnahme von Glucuronolacton konnte bislang allerdings nicht festgestellt werden.

Fazit:

Wie bei so vielem gilt auch bei Energydrinks die Devise: Die Dosis macht das Gift. Doch gerade Kinder und Jugendliche gehen häufig etwas zu sorglos mit dem koffeinhaltigen Zuckerwasser um. Hin und wieder mal einen Energydrink zu trinken, ist für die meisten gesunden Jugendlichen und Erwachsenen unbedenklich.

Wer allerdings täglich zu Energydrinks greift, bei dem können unerwünschte Wirkungen durch den hohen Zucker- und Koffeinkonsum nicht ausgeschlossen werden. Nachvollziehbar also, dass Eltern und Ärzte eine Altersbeschränkung wie bei Alkohol und Zigaretten fordern.