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Nitrat im Grundwasser

Letzte Änderung:
Nächste Aktualisierung von Jasmin Krsteski • Medizinredakteurin

Das Grundwasser in Deutschland weist teilweise hohe Nitratwerte auf. Eine neue Düngeverordnung soll nun dafür sorgen, dass das Grundwasser in Deutschland besser geschützt ist. Wie gefährlich ist Nitrat für die Gesundheit?

Überblick

Alle EU-Länder müssen ihre Gewässer überwachen und offenlegen, welche verschmutzt sind. Außerdem sind sie verpflichtet, Maßnahmen umzusetzen, um Nitrat-Verunreinigungen zu verhindern und zu verringern. Seit Jahren bereits rügt die EU-Kommission Deutschland, weil es diesen Verpflichtungen nicht ausreichend nachkommt.

2018 hat der Europäische Gerichtshof Deutschland schließlich verurteilt, weil es zu lange zu hohe Nitratwerte geduldet hat. Das Urteil bezieht sich auf Messergebnisse von 2011 bis 2014. Viel verbessert hat sich an den hohen Werten seitdem jedoch nicht.  

Als Schwellenwert für Nitrat im Grundwasser sollen 50 Milligramm pro Liter nicht überschritten werden. In 28 Prozent der Messstellen wurden dem Nitratbericht 2016 zufolge zwischen 2012 und 2014 jedoch zu hohe Nitratwerte für die Grundwasserqualität gemessen. Deutschland meldet den Nitratgehalt seines Grundwassers alle vier Jahre an die EU. Aus ersten Meldungen zum Nitratbericht 2020 geht hervor, dass von den 692 Messtellen des EU-Nitratnetzwerks 2018 noch immer 26,7 Prozent über dem von der EU-Nitratrichtlinie geforderten Wert von 50 Milligramm lagen – das sind nur 1,5 Prozentpunkte weniger als 2016. 

EU-Umweltkommissar Karmenu Vella mahnte 2019, die Qualität des Grundwassers in Deutschland gehöre zu den schlechtesten in Europa. Verantwortlich für die hohen Werte sind Stickstoffdünger, die in der Landwirtschaft verwendet werden.

Mit dem neuen Düngerecht will Deutschland ein weiteres Vorgehen der EU-Kommission und damit verbundene Strafzahlungen verhindern. Es ist seit dem 1. Mai 2020 in Kraft. Die Verordnung sieht vor, dass die Landwirte in sogenannten roten Gebieten mit besonders hoher Belastung mindestens 20 Prozent weniger Dünger ausbringen. Zwischen Düngeflächen und Gewässern müssen sie einen größeren Abstand einhalten. Außerdem sollen die Abstände zwischen den Düngergaben größer sein. Einige Punkte müssen erst ab Januar 2021 umgesetzt werden. 

Nitrat selbst schadet der Gesundheit zunächst nicht. Es besteht aus Stickstoff und Sauerstoff und ist ein natürlicher Bestandteil des Bodens. Pflanzen benötigen den Stickstoffanteil aus Nitrat, um Eiweiße zu bilden. In der Landwirtschaft wird Nitrat auch als Dünger verwendet – als Kunstdünger oder als organischer Dünger in Form von Gülle oder Jauche. Auf diesem Weg gelangt Nitrat ins Grundwasser. Erhöhte Nitratwerte im Trinkwasser treten deshalb vornehmlich in der Nähe von landwirtschaftlich genutzten Flächen mit intensiver Düngung auf.

Wann wird Nitrat gefährlich?

Gesundheitsschädlich wird Nitrat, wenn es im Körper (z.B. durch Bakterien im Mundraum oder Magen) zu Nitrit umgewandelt wird. Nitrit gefährdet möglicherweise die Gesundheit von Säuglingen in den ersten Lebensmonaten: Es behindert den Sauerstofftransport durch rote Blutkörperchen, wodurch es zu einem Sauerstoffmangel in den Geweben und im schlimmsten Fall zur inneren Erstickung kommen kann. Auch wenn Kinder an bakteriellen Magen-Darm-Infektionen erkrankt sind, kann durch die Nahrung aufgenommenes Nitrat vermehrt in Nitrit umgewandelt werden.

Nitrat reagiert außerdem im Körper mit chemischen Verbindungen wie Aminen oder Amiden zu N-Nitroso-Verbindungen (z.B. zu Nitrosaminen). Diese Verbindungen stehen unter Verdacht, krebserregend zu sein.

Aus diesen Gründen ist es wichtig, die Nitrat- und Nitritzufuhr beim Menschen möglichst gering zu halten – zum Beispiel durch entsprechende Ernte- und Anbaumaßnahmen und eine schärfere Regelung des Einsatzes von Düngemitteln.

Grundwasser gleich Trinkwasser?

Nein, Trinkwasser ist nicht gleich Grundwasser. Allerdings muss das Trinkwasser in Deutschland zu fast zwei Dritteln aus dem Grundwasser gewonnen werden. Für Trinkwasser gelten in Deutschland strenge Nitratgrenzwerte.

Das Trinkwasser in Deutschland ist also sicher – allerdings kostet es viel Geld, aus mit Nitrat verunreinigtem Grundwasser sauberes Trinkwasser zu machen. Je mehr Nitrat  im Grundwasser ist, desto teurer wird es, sicheres Trinkwasser zu gewinnen. Falls die Nitratbelastung höher wird, wird Trinkwasser also teurer. Damit Trinkwasser in deutschland sicher und gesund bleibt, muss das Grundwasser also besser geschützt werden.

Quellen

Michel, J.: Nitratbericht 2020: Nitratwerte im Grundwasser nur minimal verbessert, Online-Information von agrarheute: www.argrarheute.com. (Stand: 30.06.2020)

Häufig gestellte Fragen zur Düngeverordnung. Online-Informationen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. www.bmu.de (Stand: 02.04.2020)

Kommission begrüßt Abstimmung im Bundesrat zur Düngeverordnung. Pressemitteilung der Europäischen Kommission: ec.europa.eu. (Stand: 27.3.2020)

Nitrat im Grundwasser: Kommission mahnt Deutschland zur Umsetzung des EuGH-Urteils. Pressemitteilung der Europäischen Kommission: ec.europa.eu (Stand: 25.7.2019)

Nitratbericht 2016: Keine Entwarnung bei Gewässerbelastung. Pressemitteilung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (3.1.2017)

Nitratbericht 2016. Gemeinsamer Bericht der Bundesministerien für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie für Ernährung und Landwirtschaft (September 2016)

Martin, H.-H.: Nitrat im Essen. Vom Saulus zum Paulus? Online-Publikation der Vereine für Unabhängige Gesundheitsberatung: www.ugb.de (Stand: September 2013)

Fragen und Antworten zu Nitrat und Nitrit in Lebensmitteln. Online-Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung (Stand: 11.6.2013)

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Letzte inhaltliche Prüfung: 02.07.2020
Letzte Änderung: 02.07.2020