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Händewaschen

Letzte Änderung:
Verfasst von Dr. rer. nat. Geraldine Nagel • Medizinredakteurin

Sich regelmäßig die Hände zu waschen, kann das Risiko für Infektionskrankheiten wie Erkältung, Grippe oder Durchfall nachweislich deutlich verringern. Die meisten waschen sich die Hände jedoch entweder viel zu selten, ohne Seife – oder einfach zu kurz.

Überblick

Mit den Händen fassen wir tagtäglich tausende von Dingen an. Ob wir Oberflächen wie Türklinken, Tastatur, Computermaus, Telefon, Klodeckel, Münzen oder das eigene Gesicht berühren, anderen die Hände schütteln, in die Hände niesen oder husten – die wenigsten denken darüber nach, welche Keime man dabei aufnimmt oder weitergibt.

So berührt ein Mensch statistisch gesehen zum Beispiel etwa sechsmal pro Stunde allein seine Nase – vom restlichen Gesicht ganz zu schweigen. So können Krankheitserreger von den Händen an die Nasenschleimhäute gelangen und eine Infektion hervorrufen. Aber genauso kann man auch Keime von der eigenen Nase über die Hände an andere Menschen weitergeben. Wobei die Hände für sich genommen bereits ein wahrer Hort an Mikroorganismen sind: Auf nur einem Quadratzentimeter Haut tummeln sich rund 10 Millionen Bakterien, von denen die meisten zum Glück jedoch harmlos sind.

Infekte wie Erkältungen, Grippe oder Durchfall verbreiten sich tatsächlich häufig dadurch, dass Hände zu selten mit Wasser und Seife gewaschen werden. Ein verbreiteter Fehler ist zu kurzes Händewaschen: Viele Menschen seifen die Hände höchstens 5 Sekunden ein und spülen sie danach mit Wasser ab. Das reicht jedoch nicht aus, um Keime von den Händen zu bekommen.

Aber erst rund 20 Sekunden, besser noch 30 Sekunden Händewaschen führen zu einer Verringerung der Keimzahl um 90 bis 99 Prozent. Wer Infektionskrankheiten vorbeugen will, muss die Hände also länger waschen.

Wie man sich die Hände idealerweise waschen sollte:

© iStock
Schritte beim Händewaschen: 1. Hände nass machen, 2. Seife zwischen den Handflächen verreiben, 3. Auch die Handrücken einseifen, 4. Seife zwischen den Fingern und darum (inklusive Daumen) verreiben, 5. Hände gut mit Wasser abspülen, 6. Hände abtrocknen.

Stückseifen sind insbesondere in öffentlichen Waschräumen häufig mit Keimen belastet – aus hygienischer Sicht sind Flüssigseifen daher vorzuziehen. Antimikrobielle beziehungsweise antibakterielle Zusätze in Seifen oder ähnlichen Handreinigungsmitteln sind jedoch normalerweise nicht notwendig. In der Regel reicht es vollkommen, sich die Hände mit "normaler" Seife gründlich zu waschen: Auf diese Weise lässt sich die Keimzahl auf den Händen bereits sehr effektiv so weit reduzieren, dass das Risiko für Atemwegsinfekte oder Magen-Darm-Infekte sinkt.

Wichtig: Vergessen Sie nach dem Händewaschen die Pflege nicht! Eine gepflegte Haut ist weniger anfällig für kleine Verletzungen. Eincremen nach dem Händewaschen sollte deshalb selbstverständlich sein. Andernfalls kann häufiges Händewaschen zu trockener Haut oder sogar Hautschäden führen.

Wann ist Händewaschen zu empfehlen?

Insbesondere, wenn Sie selbst gerade an Erkältung, Grippe, Durchfall oder anderen Infektionskrankheiten leiden, sollten Sie sich aus Rücksicht auf Ihre Mitmenschen vermehrt die Hände waschen.

Tipp: Husten oder niesen Sie am besten in Ihre Ellenbeuge, anstatt sich die Hand vor den Mund zu halten. Versuchen Sie außerdem, sich nicht allzu oft ins Gesicht zu fassen. So verringern Sie das Risiko, andere über Ihre Hände anzustecken, noch mehr.

Wenn Seife fehlt

Wenn möglich, sollten Sie sich die Hände mit Seife waschen. Denn das Händewaschen mit Seife ist deutlich effektiver, wenn es darum geht, die Verbreitung von Keimen zu verringern. Ist jedoch keine Seife vorhanden, sollten Sie sich die Hände trotzdem mit Wasser waschen und die Hände am besten genauso gründlich reiben, wie mit Seife, und anschließend gut trocknen. Auf diese Weise können Sie bereits eine gewisse Menge an Keimen auf den Händen entfernen – und beispielsweise bereits das Risiko von Durchfallerkrankungen senken.

Wenn Wasser und Seife fehlen

Im Alltag ist Händewaschen mit Wasser und Seife die beste Methode, um die Keimzahl auf den Händen zu verringern. Wenn jedoch Seife und (sauberes) Wasser nicht zur Hand sind, können Sie die Hände alternativ mit einem Händedesinfektionsmittel "reinigen". Das Händedesinfektionsmittel sollte dafür 60- bis 95-prozentigen Alkohol enthalten.

Auf diese Weise verringern Sie die Keimzahl auf den Händen ebenfalls, auch wenn Sie dadurch nicht alle Keimarten auf den Händen loswerden. Außerdem wichtig zu wissen: Wenn die Hände sichtbar dreckig oder sehr fettig sind, ist die Wirkung von Händedesinfektionsmitteln nicht so effektiv wie bei sauber wirkenden Händen.

Sofern nicht anders angegeben, desinfizieren Sie Ihre Hände mit einem Händedesinfektionsmittel am besten so:

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Händehygiene. Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.infektionsschutz.de (Abrufdatum: 11.8.2015)

FAQ rund um das Händewaschen. Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.infektionsschutz.de (Abrufdatum: 11.8.2015)

Händewaschen. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.wir-gegen-viren.de (Abrufdatum: 11.8.2015)

Handwashing: Clean Hands Save Lives. Online-Informationen der Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov (Stand: 22.7.2015)

Epidemiologisches Bulletin 17/2012: Maßnahmen zur Händehygiene. Robert Koch-Institut, Berlin (30.4.2012)

Händewaschen und Lüften können vor Erkältung schützen. Online-Informationen der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände: www.abda.de (Stand: 15.10.2010)

Pressemitteilung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Start der Aktion "Wir gegen Viren" – Richtiges Händewaschen schützt (30.3.2009)

Hände sind Paradies für Bakterien. Online-Informationen des Bundesverbands Deutscher Internisten e.V.: www.internisten-im-netz.de (Stand: 24.11.2008)

Letzte inhaltliche Prüfung: 12.08.2015
Letzte Änderung: 09.09.2020