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Aga-Kröte

Letzte Änderung:
Zuletzt bearbeitet von Wiebke Posmyk • Medizinredakteurin

Die Aga-Kröte (Bufo marinus) kommt ursprünglich aus Süd- und Mittelamerika. Ihr Sekret enthält ein Gemisch verschiedener giftiger Substanzen, welche eine berauschende Wirkung haben.

Allgemeines

In einigen Fällen lecken die Konsumenten das giftige Sekret ab. Diese Art des Drogenkonsums wird auch in der deutschen Drogenszene, wenn auch nur vereinzelt, praktiziert. Sehr viel häufiger wird das Tier getötet und die Haut, entsprechend zubereitet, geraucht.

Aga-Kröten dürfen nur unter bestimmten Voraussetzungen nach Deutschland eingeführt werden. Sie werden aber in Deutschland legal vertrieben.

Eigenschaften der Kröte

Die Aga-Kröte (Bufo marinus) kommt ursprünglich aus Süd- und Mittelamerika. Sie wurde aus Südamerika im frühen 20. Jahrhundert eingeführt, um auf den Zuckerrohrplantagen in den nördlichen Territorien Australiens Schädlinge zu vernichten – insbesondere Zuckerrohrkäfer.

© Stock.xchng

Nicht zuletzt wegen ihrer unglaublichen Gefräßigkeit hat sich die Aga-Kröte in Australien mittlerweile selbst zu einem gefährlichen Schädling entwickelt, der Teile der einheimischen Tierwelt bedroht. Die Aga-Kröte ist eine der größten aus der Familie der Kröten (Bufonidae) und produziert zu ihrer Verteidigung ein giftiges Sekret, das ihre Hautoberfläche bedeckt.

Rauscherlebnis

Die Inhaltsstoffe des Sekrets der Aga-Kröte haben eine berauschende Wirkung und erfreuen sich in einigen Szenekreisen einer gefährlichen Beliebtheit. Dieses Sekret wird in der Regel geraucht oder zu einem Sud gekocht. In seltenen Fällen lecken die Konsumenten das Sekret direkt von der Kröte ab.

Die berauschende Wirkung tritt nach etwa 20 bis 30 Minuten ein. Die Halluzinationen ähneln denen, die durch LSD hervorgerufen werden. Die Konsumenten sind euphorisch, reden viel und neigen zur Selbstüberschätzung. Auch Farbhalluzinationen sind häufig.

Im Verlauf der Wirkung wandeln sich diese Symptome in eine Introvertiertheit, wie es auch nach dem Konsum von Haschisch und Phencyclidin (PCP, Angeldust) beschrieben wird. Horrortrips, Echoreaktionen und psychotische Zustände können nicht ausgeschlossen werden.

Inhaltsstoffe und Wirkungen

Im Sekret der Aga-Kröten sind Substanzen enthalten, die aus verschiedenen Stoffgruppen stammen:

Die Wirkungen der einzelnen Inhaltsstoffe greifen ineinander und verstärken sich teilweise. Die genaue Zusammensetzung der jeweiligen Sekrete ist von Tier zu Tier unterschiedlich, wodurch die hervorgerufene Wirkung bei dem einzelnen Konsumenten schwer vorzusehen ist, um so mehr, weil die Grundstimmung des Konsumenten eine wichtige Rolle spielt.

Bei den Bufotoxinen handelt es sich um verschiedene Substanzen, die eine, mit den Digitalispräparaten vergleichbare, Wirkung auf das Herz haben. Hierzu gehören eine Erhöhung der Schlagkraft des Herzens und eine Senkung der Herzfrequenz.

Nach den bestehenden Erkenntnissen sind die halluzinogenen Wirkungen des Aga-Sekrets im Wesentlichen auf die Substanzen DMT und 5-Methoxy-DMT zurückzuführen, wobei das DMT für das schnelle Eintreten der Halluzination verantwortlich ist, und die Stärke der Halluzination durch 5-Methoxy-DMT bestimmt wird. Bufotenin wirkt weniger halluzinogen und dafür stärker kardiotoxisch, also herzschädigend.

Als Katecholamineb> befinden sich in dem Krötensekret Adrenalin und Noradrenalin, die den Sympathikusnerven anregen, der als "Gegenspieler" des Parasympathikus Teil des autonomen Nervensystems ist. Die dadurch erfolgte Wirkung, wie zum Beispiel ein beschleunigter Herzschlag und erweiterte Bronchien, tritt circa 5 bis 10 Minuten nach der Aufnahme des Sekrets ein, und damit früher als die halluzinogene Wirkung, die erst nach 20 bis 30 Minuten einsetzt.

Symptome und Gefahren einer Vergiftung

Bei Personen, die das Sekret der Aga-Kröte (Bufo marinus) konsumieren, können folgende Symptome auftreten:

Neben der offenkundigen Tierquälerei besteht für den Anwender eine gesundheitliche Gefährdung durch das mögliche Auftreten von Herzrhythmusstörungen und psychischen Veränderungen. Einerseits steigern die Katecholamine im Sekret die Herzfrequenz, während die Bufotoxine andererseits die Herzfrequenz senken, sodass Herzrhythmusstörungen die Folge sein können. Eine vermutlich noch größere Gefahr geht aber von der psychotropen Wirkung des Krötensekrets aus.

Bei einer Vergiftung durch das Sekret sind eine lebensbedrohliche Verlangsamung der Pulsfrequenz auf bis zu 20 Schlägen pro Minute sowie ein Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen zu beobachten.

Therapie

Der Konsum des Sekrets der Aga-Kröte erfordert in der Regel keine Therapie, die Wirkung des Sekrets nur kurz anhält. Wenn sich dennoch behandlungsbedürftige Erscheinungen zeigen, kann aufgrund eines mangelnden Antiserums nur symptomorientiert behandelt werden.

Weitere Informationen

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Quellen:

Reichel, F.: Taschenatlas der Toxikologie. Substanzen, Wirkungen, Umwelt. Thieme, Stuttgart 2002

Letzte inhaltliche Prüfung: 04.06.2007
Letzte Änderung: 16.06.2015