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Abhängigkeit, Sucht

Letzte Änderung:
Verfasst von Wiebke Posmyk • Medizinredakteurin

Abhängigkeit und Sucht sind weit verbreitet. Abhängigkeit bezeichnet das zwanghafte Bedürfnis nach einer Substanz – egal, ob es sich dabei um Alkohol, Medikamente oder illegale Drogen wie Kokain oder Heroin handelt. Der Begriff Sucht hingegen kann sich allgemein auch auf stoffungebundene Süchte beziehen – etwa in Form von Spielsucht oder Internetsucht.

Allgemeines

Eine Abhängigkeit kann durch unterschiedliche Drogen ausgelöst werden – an erster Stelle rangiert in Deutschland die Alkoholabhängigkeit mit etwa 1,6 Millionen Betroffenen. Weitere suchtfördernde Drogen sind beispielsweise:

Aber auch Nikotin kann in die Abhängigkeit führen. Nikotinabhängigkeit macht neben Alkoholismus den größten Teil aller Abhängigkeiten in Deutschland aus.

Die Ursachen für Abhängigkeit und Sucht sind vielfältig. So spielen beispielsweise die Persönlichkeit und Lerngewohnheiten eine Rolle, aber auch das soziale Umfeld und die Art der Droge.

Den angenehmen Wirkungen wie Euphorie, Glücksgefühl, Abbau von Hemmungen, Leistungssteigerung und Halluzinationen weichen unerwünschte Nebenwirkungen. Hierzu zählen körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Organschädigungen und Infektionen, aber auch psychische und soziale Probleme.

Die Therapie einer Abhängigkeit erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst muss die Motivation gegeben sein, von der Droge loszukommen. Erst dann kann der Abhängige einen Entzug machen. In der anschließenden Entwöhnungsphase lernt er, auf Dauer ohne die schädigende Substanz zu leben. Um einen Rückfall zu vermeiden, ist die Nachsorge durch Ärzte, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen sehr wichtig.

Damit Abhängigkeit und Sucht gar nicht erst entstehen können, sollten Kinder und Jugendliche schon frühzeitig über die schädigende Wirkung von Drogen aufgeklärt werden. Ein gesundes Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, "Nein" sagen zu können, sind wichtige Voraussetzungen, um Drogen zu widerstehen. Nicht zuletzt können Eltern hier mit gutem Beispiel vorangehen.

Definition

Die Begriffe Abhängigkeit und Sucht meinen im Volksmund meist dasselbe. In der Fachwelt wurde der Begriff Sucht jedoch im Hinblick auf stoffgebundene Süchte wie Alkoholsucht oder Nikotinsucht durch den Begriff der Abhängigkeit ersetzt.

Eine Abhängigkeit ist immer auf eine bestimmte Substanz bezogen – zum Beispiel Alkohol oder Cannabis. Eine Sucht hingegen kann sich auch auf Verhaltensweisen beziehen, so etwa bei Kaufsucht, Sexsucht oder Arbeitssucht – sie muss also nicht stoffgebunden sein. Zudem kann mit Sucht auch eine menschliche Eigenschaft wie Streitsucht oder Eifersucht gemeint sein.

Da der Begriff Sucht mehrdeutig und unspezifisch ist, bezeichnet man substanzgebundene Süchte mittlerweile als Abhängigkeit.

Eine Abhängigkeit macht sich durch mindestens drei der folgenden Kriterien bemerkbar:

Der Konsum von Alkohol und Drogen hat eine lange Geschichte. Schon vor etwa 9.000 Jahren wurde Bier gebraut. Sowohl von den alten Ägyptern als auch von den Griechen sind Berichte über Trinkgelage überliefert. Homer beschrieb in seiner Odyssee die beruhigende Wirkung des Opiums. Und Freud verfasste eines seiner Hauptwerke, Die Traumdeutung, unter Kokaineinfluss.

Heute zählen Abhängigkeit und Sucht zu den größten gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Problemen unserer Zeit – insbesondere die Alkoholabhängigkeit. Einerseits entstehen durch verringerte Arbeitsleistung oder Unfälle hohe direkte und indirekte Kosten, andererseits hat Abhängigkeit auch im sozialen Umfeld schwer wiegende Folgen. Nicht zuletzt leiden auch nahestehende Angehörige und Freunde unter der Sucht.

Häufigkeit

Etwa fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung leiden unter einer Abhängigkeit. Dabei kommt der Alkoholabhängigkeit die größte Bedeutung zu. In Deutschland sind etwa 1,6 Mio. Menschen von Alkohol abhängig. Die Zahl der Medikamentenabhängigen liegt bei etwa 1,4 Millionen. Etwa 250.000 Menschen in Deutschland sind von harten Drogen wie Kokain oder Heroin abhängig. Unter den Alkohol- und Drogenabhängigen finden sich mehr Männer, Frauen hingegen sind häufiger von Medikamentenabhängigkeit betroffen.

Ursachen

Abhängigkeit und Sucht haben viele Ursachen. Sie entwickeln sich durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren, so zum Beispiel:

Es ist also eine Kombination verschiedener Risikofaktoren und Ursachen, welche die Entstehung einer Abhängigkeit oder Sucht wahrscheinlich machen. Kinder lernen den Konsum von Drogen wie Alkohol oft von ihren Eltern. Sie erleben, dass Alkohol zur Freizeit gehört und auch zur Problemlösung eingesetzt wird und übernehmen später häufig dieses Verhalten. Aber auch der Einfluss von Gleichaltrigen ist groß.

Medikamentenmissbrauch beruht häufig auf körperlichen Beschwerden und psychosomatischen Störungen (z.B. Angst, Unruhe, manisch-depressive Erkrankung). Diese Beschwerden entstehen oft durch Arbeits- und Lebensbedingungen wie Zeitdruck, emotionale Belastung und Isolation, die zu Konflikten und Spannungen führen. Gegen die Symptome nimmt der Betroffene selbstgewählte oder vom Arzt verordnete Medikamente unkontrolliert ein, bis schließlich eine Abhängigkeit entsteht.

Ob sich eine Abhängigkeit entwickelt, hängt unter anderem von bestimmten Merkmalen der Droge ab. Zum einen ist entscheidend, wie leicht verfügbar eine bestimmte Substanz ist. Die Tatsache, dass Alkoholabhängige den größten Teil der Abhängigen ausmachen, ist zumindest teilweise darauf zurückzuführen, dass Alkohol in Deutschland sehr leicht zu beschaffen ist. Andererseits scheint häufig auch der "Reiz des Verbotenen" besonders groß zu sein, wenn eine Substanz nur schwer verfügbar ist. Darüber hinaus spielt die Wirkung der jeweiligen Substanz eine wichtige Rolle. So führt zum Beispiel Alkoholkonsum zur Enthemmung und löst Ängste. Bei Medikamentenabhängigkeit steht zumindest am Anfang die schmerzlindernde oder beruhigende Wirkung im Vordergrund.

Ein weiteres einflussreiches Merkmal der Substanz ist ihr Abhängigkeitspotenzial, das heißt wie leicht sie zu psychischer oder körperlicher Abhängigkeit führt.

Auch bestimmte Lebenssituationen und soziale Umfelder können suchtfördernd wirken. So wird beispielsweise in unserer Gesellschaft Alkoholkonsum nicht nur toleriert, sondern gehört fast schon zum Alltag. In bestimmten Gruppen (z.B. Vereinen) gibt es feste Trinkrituale, Abstinenz wird verlacht, Trinkfestigkeit gelobt. Auch ideologische Faktoren spielen eine Rolle – in der Hippie-Bewegung gehörte Haschisch zum Lebensgefühl.

Symptome

Abhängigkeit und Sucht äußern sich durch vielfältige körperliche und psychische Symptome. Während eine Abhängigkeit immer an eine bestimmte Substanz gebunden ist – zum Beispiel an Alkohol oder ein Medikament – kann sich eine Sucht auch auf ein bestimmtes Verhalten richten, etwa in Form einer Kaufsucht.

Die Betroffenen zeigen häufig charakteristische Verhaltensweisen, indem sie die Situation beschönigen, verleugnen oder verheimlichen. Abhängigkeit hat auch häufig soziale Auswirkungen wie Kriminalität oder beruflichen Abstieg zur Folge. Die Selbstmordgefahr ist bei Abhängigen hoch.

Bei einer Abhängigkeit treten häufig Symptome auf wie:

Häufig kommt es im Rahmen einer Abhängigkeit zu Vergiftungserscheinungen bis hin zum Koma und Entzugssymptomen, die mit schweren Krampfanfällen einhergehen können.

Formen der Abhängigkeit

Je nach Droge unterscheidet man folgende Formen der Abhängigkeit:

Zunehmend dienen auch Lösungsmittel, Klebstoffe oder Lacke als Suchtmittel ("Schnüffelsucht").

Manche Betroffene leiden unter einer Mehrfachabhängigkeit ( Polytoxikomanie). So konsumieren viele Drogenabhängige zusätzlich zu anderen Drogen Alkohol und Medikamente als Ersatzstoffe gegen Entzugserscheinungen. Dadurch wird die Entzugsbehandlung erheblich erschwert.

Nicht zuletzt spielen auch nicht-stoffgebundene Süchte eine große Rolle, so zum Beispiel:

Therapie

Bei einer Abhängigkeit beziehungsweise Sucht dient die Therapie dazu, den Betroffenen in seiner Persönlichkeit zu stabilisieren, ihn zu rehabilitieren und vor allem zu reintegrieren. Ziel ist die vollständige Abstinenz. Entscheidend ist dabei, die Person zu motivieren und Rückfällen vorzubeugen.

Die Therapie einer Abhängigkeit von Substanzen wie Alkohol, Medikamente oder harten Drogen gliedert sich in mehrere Phasen:

In der ersten Phase der Therapie (Kontakt- und Motivationsphase) geht es darum, die Abhängigkeit zu erkennen, was aufgrund der Tendenz zur Verheimlichung oft erst sehr spät geschieht. Der Betroffene muss zur Therapie motiviert werden, wobei der Einfluss von Selbsthilfegruppen hilfreich sein kann.

In der Entgiftungsphase, die meist stationär erfolgt, muss besondere Aufmerksamkeit auf Entzugserscheinungen gerichtet werden. In der Entwöhnungsphase soll der Betroffene lernen, ohne die Droge zu leben; dabei kommen vielfältige psychotherapeutische Maßnahmen zum Einsatz. Der Abhängige soll beispielsweise durch die Gruppentherapie erneut Eigenverantwortung entwickeln und größeres Selbstbewusstsein aufbauen.

In der folgenden Nachsorge- und Rehabilitationsphase geht es um eine langfristige Stabilisierung des Betroffenen – dabei spielen die Unterstützung beim Wiedereinstieg in den Beruf und das gewohnte Umfeld eine entscheidende Rolle. Um Rückfällen vorzubeugen, ist das Treffen mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oft hilfreich.

Bei der Therapie von Abhängigkeit arbeiten verschiedene Stellen eng zusammen: Der erste Kontakt erfolgt meist durch Drogenberatungsstellen, Hausärzte und Psychiater. Die Entzugs- und Entwöhnungsbehandlung erfolgt dann überwiegend in Kliniken mit ärztlicher und psychologischer Unterstützung. Bei der anschließenden Nachsorge und Rehabilitation kommt Suchtberatungsstellen und Selbsthilfegruppen eine entscheidende Bedeutung zu. Der Wiedereinstieg in den Beruf wird in der Regel von Sozialarbeitern unterstützend begleitet.

Verlauf

Sucht und Abhängigkeit nehmen häufig einen chronischen Verlauf. Liegt eine Abhängigkeit vor – das heißt, eine Person ist abhängig von einer bestimmten Substanz – schafft nur ein geringer Prozentsatz den Selbstentzug. Die Lebenserwartung von Alkohol- und Drogenabhängigen ist deutlich reduziert.

Aber auch Personen, die nicht von einer Substanz abhängig, sondern süchtig nach etwas anderem sind – zum Beispiel Einkaufen, Spielen oder Arbeiten – leiden sehr unter ihrem Verhalten und schaffen es ohne Hilfe oft nicht, davon loszukommen. Sie geraten beispielsweise in finanzielle Schwierigkeiten oder isolieren sich zunehmend.

Suchtprävention

Suchtprävention hat das Ziel, Sucht und Abhängigkeit vorzubeugen – egal, ob es sich um Alkoholsucht, Spielsucht oder eine andere Suchterkrankung handelt.

Je stärker die Persönlichkeit eines Kindes oder eines Jugendlichen ist, desto eher kann die Person eine Abhängigkeit von bestimmten Substanzen verhindern. Daher ist es in der primären Suchtprävention wichtig, junge Menschen entsprechend zu fördern und ihnen entsprechende Kompetenzen an die Hand zu geben, um verantwortungsvoll mit Suchtmitteln umzugehen. Ein gesundes Selbstbewusstsein ist Voraussetzung dafür, "Nein" sagen zu können.

Eltern sowie andere Vertrauenspersonen sollten Vorbild sein und Kinder und Jugendliche frühzeitig über die Risiken von Drogenkonsum aufklären. Aufklärende Programme an Schulen und gemeinnützigen Zentren können dies unterstützen.

Wenn jemand bereits gefährdet ist, abhängig oder süchtig zu werden, setzt die sogenannte sekundäre Suchtprävention an: So können beispielsweise Sozialarbeiter dabei helfen, Jugendliche zu stärken und ihnen alternative Freizeitmöglichkeiten bieten.

Bei Menschen, die abhängig waren, greift die tertiäre Suchtprävention: Ziel ist es, einen Rückfall zu verhindern, so zum Beispiel in Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen.

Damit eine Sucht gar nicht erst entsteht ist es wichtig, schon bei den ersten Anzeichen zu reagieren. Im Zweifelsfall sollte man sich an eine Beratungsstelle oder den Arzt seines Vertrauens wenden. Die Experten helfen dabei, die Ursachen für die drohende Abhängigkeit beziehungsweise Sucht zu erkennen und zeigen mögliche Lösungswege auf.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Bundesverband der Elternkreise suchtgefährdeter und suchtkranker Söhne und Töchter e.V. (BVEK)
Postfach 20 14 23
48095 Münster
02 51/1 42 07-33
(02 51/6 09 02 31
www.bvek.org/Al-Anon Familiengruppen
Emilienstr. 4
45128 Essen
0201/77 30 07
0201/77 30 08
ZDB@Al-Anon.dehttp://www.Al-Anon.deFachverband Drogen und Rauschmittel e.V. (fdr)
Odeonstr. 14
30159 Hannover
0511/18333
mail@fdr-online.infowww.fdr-online.infoBlaues Kreuz in Deutschland e.V. (BKD)
Schubertstraße 41
42289 Wuppertal
0202/62003-0
0202/62003-81
bkd@blaues-kreuz.de www.blaues-kreuz.de Kreuzbund e.V.
Münsterstr. 25
59065 Hamm
02381/6 72 72-0
02381/6 72 72-33
Guttempler in Deutschland
Adenauerallee 45
20097 Hamburg
040/24 58 80
040/24 14 30
info@guttempler.dewww.guttempler.deAnonyme Alkoholiker Interessengemeinschaft e.V.
Waldweg 6
84177 Gottfrieding-Unterweilnbach
08731/3 25 73-0
08731/3 25 73-20
aa-kontakt@anonyme-alkoholiker.dewww.anonyme-alkoholiker.deStiftung SYNANON
Bernburger Straße 10
10963 Berlin
030/5 50 00-0
030/5 50 00-2 20
info@synanon.dewww.synanon.deDeutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahr (DHS) e.V.
Westenwall 4
59065 Hamm
02381/9015-0
02381/901530
info@dhs.de www.dhs.de

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Quellen:

Online-Informationen des Fachverbands Sucht e.V.: www.sucht.de (Stand: 2010)

Möller, H., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2009

Online-Informationen des Blauen Kreuzes Deutschland e.V.: www.blaues-kreuz.de (Stand: 2007)

Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2007

Letzte inhaltliche Prüfung: 25.01.2011
Letzte Änderung: 25.06.2020