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LSD

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Verfasst von Wiebke Posmyk • Medizinredakteurin

LSD öffnet das Tor zu einer völlig neuen Welt: Die Umgebung erscheint bunter, die Stimmung ist euphorisch und Farben werden bisweilen als Töne wahrgenommen. Ein LSD-Trip kann jedoch zum unkontrollierbaren Albtraum werden.

Allgemeines

1943: Der schweizerische Chemiker Albert Hofmann experimentiert in seinem Labor mit einer Substanz, an der er bereits vor einigen Jahren geforscht hatte. Plötzlich nimmt er seine Umwelt anders wahr und fühlt sich sonderbar ruhelos. Die Vermutung, dass die merkwürdigen Symptome mit seinem Untersuchungsobjekt zusammenhängen, liegt nahe: Offenbar waren beim Experimentieren kleinste Mengen LSD in seinen Körper geraten und hatten einen Rausch ausgelöst. Hofmann nimmt zum Beweis eine geringe Dosis der Substanz ein – und erlebt somit den zweiten LSD-Rausch der Weltgeschichte.

Dass LSD (Lysergsäurediethylamid) schon in geringen Dosen hoch wirksam ist, erkennt man daran, dass schon Mengen im Mikrogramm-Bereich ausreichen, um einen Rausch zu erzielen. Bis zu seiner Entdeckung galt das Halluzinogen Mescalin als stärkste psychoaktive Substanz – LSD wirkt jedoch etwa 4.000 Mal stärker.

LSD macht zwar in der Regel nicht körperlich abhängig, ist jedoch mit vielen Gefahren verbunden – vom Horrortrip bis zum Auftreten einer sogenannten drogeninduzierten Psychose. Die Wahrnehmung verzerrt sich während eines Rausches derart, dass Unfälle die Folge sein können, etwa weil der Konsument plötzlich der Meinung ist, fliegen zu können.

Besonders empfindliche Personen können unter Umständen von LSD psychisch abhängig werden. Darüber hinaus kommt es nach mehreren Einnahmen zu einer Toleranzentwicklung: Nach kurzer Zeit benötigt man immer höhere Dosen, um die gleiche Wirkung zu erreichen. Wer LSD einnimmt, sollte sich bewusst sein, dass jeder Rausch eine potenzielle Gefahr darstellt und dass es von verschiedenen Faktoren abhängig ist, wie ein Rausch erlebt wird.

LSD gilt als illegale Droge und darf nach dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) weder hergestellt, gekauft oder besessen werden. Auch der Handel mit LSD ist strafbar.

Was ist LSD?

LSD ist die Abkürzung von Lysergsäurediethylamid und wird umgangssprachlich auch "Acid" (engl. für sauer, Säure) genannt. Weitere Bezeichnungen, mit denen LSD-Produkte gemeint sein können, sind "Pappen", "Trips", "Sheets" oder "Mikros".

LSD zählt zu den sogenannten Halluzinogenen, zu denen auch Substanzen wie etwa Mescalin oder Psilocybin gehören. Halluzinogene beeinträchtigen die Wahrnehmung und das Erkennungsvermögen und können zu Verhaltensweisen führen, die auch im Rahmen von Psychosen wie zum Beispiel Schizophrenie auftreten. Typisch für Halluzinogene ist, dass sie zu einer stark veränderten Wahrnehmung von Zeit und Raum führen.

Die berauschende Substanz LSD wird aus dem sogenannten Mutterkorn gewonnen. Unter Mutterkorn versteht man die Sporenkapsel eines bestimmten Pilzes (Claviceps purpurea), der auf Getreideähren wie etwa Roggen vorkommt. Man kann LSD jedoch auch völlig synthetisch gewinnen, was zuerst im Jahr 1938 gelang – die berauschende Wirkung von LSD entdeckte man jedoch erst fünf Jahre später.

Mit der Hippie-Bewegung in den 1960er Jahren wurde LSD immer beliebter, bis die meisten Länder die Droge verboten. Seit 1966 gilt LSD als illegale Droge. Anfang der 1990er Jahre war LSD – neben Ecstasy – insbesondere unter Techno-Anhängern in Mode. Wie viele LSD-Konsumenten es heute gibt, ist nicht bekannt.

Im Blut kann man LSD noch etwa 12 Stunden nach der Einnahme nachweisen, im Urin ist es bis zu 24 Stunden nachweisbar. Strukturell ähnelt LSD dem Botenstoff Serotonin, der für seine positive Wirkung auf die Stimmungslage bekannt ist.

Einnahme und Anwendung

Die illegale Droge LSD wird in der Regel auf kleinen, mit Motiven bedruckten "Pappen" (Blotter) oder als kleine Pillen ("Mikrotabletten", "Mikros") oder Kapseln verkauft. Der Wirkstoffgehalt kann dabei schwanken, meist beträgt er zwischen 20 und 150 Mikrogramm, manchmal auch bis zu 300 Mikrogramm.

Die Konsumenten lassen die Substanz auf der Zunge zergehen oder schlucken sie herunter. Auch das Auflösen oder Eintauchen in Getränken ist möglich. LSD sind häufig Tollkirschenextrakte oder Amphetamine beigemischt. Die Droge kann auch intravenös verabreicht werden.

Schon bald nach der Entdeckung von LSD versuchte man sich die psychischen Wirkungen der Droge zunutze zu machen: Im Rahmen der Psychotherapie sollte LSD bewirken, dass die Patienten ihre psychischen Abwehrmechanismen kurzzeitig verlieren und sich besser öffnen können. Diese Methode wurde auch Psycholyse genannt. In diesem schutzlosen Zustand sollten die Psychotherapeuten besser an die Persönlichkeit des Patienten gelangen und diese verändern können. Aber auch Erkrankungen wie Depressionen, Krebs oder Schizophrenie versuchte man mithilfe von LSD in den 1950er Jahren zu behandeln.

© Jupiterimages/PhotoDisc
Schon geringe LSD-Mengen können zum Rausch führen.

LSD könnte – als entsprechend bearbeitete Substanz ohne berauschende Wirkung – auch bei der Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen Anwendung finden, wie Forschungsergebnisse gezeigt haben. Bei einem Cluster-Kopfschmerz verspüren die Betroffenen schwere einseitige Schmerzen. Zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerz und auch von Migräne ist derzeit der Wirkstoff Ergotamin auf dem Markt, welcher ein Grundstoff des LSD ist, jedoch keinen berauschenden Effekt hat.

Wirkung

Die Wirkung von LSD ist von vielen Faktoren abhängig. In geringeren Dosen hat LSD eine eher euphorisierende Wirkung. Bei größeren Mengen ist die Wirkung eher halluzinogen, das heißt, es stehen beispielsweise optische Sinnestäuschungen im Vordergrund.

LSD zeigt schon bei einer sehr geringen Menge Wirkung und gilt als hochpotentes Rauschmittel, auch wenn nur ein geringer Prozentsatz das Gehirn erreicht. Bereits eine Dosis von 25 Mikrogramm LSD kann einen intensiven Rauschzustand hervorrufen, in der Regel werden zwischen 50 und 100 Mikrogramm LSD verwendet. Die Wirkung hält etwa sechs bis acht Stunden lang an.

LSD beeinflusst das neurochemische Gleichgewicht im Gehirn. Da LSD dem Botenstoff Serotonin ähnelt, kann es das Serotoninsystem im Gehirn entsprechend beeinflussen und aktivieren. Hierfür aktiviert es einen bestimmten Serotoninrezeptor.

LSD-Trip

Bei einem LSD-Trip fühlt sich der Konsument wie auf einer Reise ("Trip"). Kein LSD-Trip gleicht dem anderen. So ist es unter anderem von der Dosis, aber auch von der Situation und der psychischen Verfassung des Konsumenten abhängig, wie ein LSD-Trip verläuft.

© Jupiterimages/PhotoDisc
Unter LSD-Einfluss verändert sich die Wahrnehmung.

Nach etwa 30 Minuten zeigen sich die ersten Symptome eines LSD-Trips: Der Konsument nimmt Farben und Formen anders wahr. Hinzu kommen leichte körperliche Anzeichen des beginnenden LSD-Trips wie Übelkeit, Kältegefühle und ein seltsamer Geschmack im Mund. Puls, Blutdruck und die Körpertemperatur steigen beim LSD-Trip an, die Pupillen weiten sich.

Viele Konsumenten werden bei einem LSD-Trip euphorisch und lachen unkontrolliert. Die räumliche Wahrnehmung verändert sich zunehmend. Personen auf einem LSD-Trip nehmen verzerrte, zerfließende Bilder sowie bewegliche bunte und fluoreszierende Muster wahr, die an den Blick durch ein Kaleidoskop erinnern können. Gegenstände scheinen sich zu bewegen, Geräusche werden als lauter empfunden.

Der LSD-Trip führt dazu, dass sich die Sinneswahrnehmung verändert: So nehmen Betroffene beispielsweise Töne als Farben wahr, während sie Farben "schmecken". Dieses Phänomen wird auch als vorübergehende Synästhesie bezeichnet. Viele Konsumenten haben das Gefühl, kreativer denken zu können als normal.

Zu weiteren möglichen Symptomen bei einem LSD-Trip zählen:

Gefahren

Die Einnahme von LSD ist mit vielen Gefahren verbunden. Zwar macht LSD nicht körperlich abhängig, es besteht jedoch bei empfindsamen Personen die Gefahr, eine psychische Abhängigkeit zu entwickeln. Darüber hinaus sind bei mehrfacher Einnahme immer höhere Dosen nötig, um die gleiche Wirkung zu erzielen (Toleranzentwicklung). Unklar ist bislang, inwieweit LSD die Gehirnstrukturen verändern kann. Nicht jeder LSD-Trip ist mit positiven Empfindungen verbunden – vielmehr machen Konsumenten auch negative und bisweilen angstmachende Erfahrungen.

Weitere mögliche Gefahren einer – auch einmaligen – LSD-Einnahme sind:

Achtung: Ein Horrortrip gilt als Notfall! Rufen Sie vorsichtshalber den Notarzt, wenn Sie vermuten, dass sich jemand auf einem Horrortrip befindet.

Schwere Vergiftungen treten nach LSD-Einnahme in der Regel nicht auf. Jedoch sind die Gefahren, die mit einem LSD-Rausch verbunden sind, nicht zu unterschätzen.

Weitere Informationen

Quellen:

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.drugcom.de (Stand: 2011)

Möller, H., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2009

Tretter, F.: Suchtmedizin kompakt. Schattauer, Stuttgart 2008

Möller, H.: Therapie psychischer Erkrankungen. Thieme, Stuttgart 2006

Reichl, F.: Taschenatlas der Toxikologie. Thieme, Stuttgart 2002

Parnefjord, R.: Das Drogentaschenbuch. Thieme, Stuttgart 2001

Letzte inhaltliche Prüfung: 07.02.2011
Letzte Änderung: 25.06.2020