Das Bild zeigt einen Forscher, der eine Blutprobe untersucht.
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Differentialblutbild

Um die Blutzusammensetzung zu untersuchen, stehen zwei Methoden zur Verfügung: das kleine Blutbild und das Differentialblutbild. Die Werte beider Untersuchungen zusammen ergeben ein großes Blutbild.

Allgemeines

Da viele Krankheiten die Anzahl und Beschaffenheit der Blutzellen oder anderer Blutbestandteile verändern, ist eine Blutuntersuchung für die Krankheitsdiagnose oft unentbehrlich. Dabei liefert ein kleines Blutbild einen Überblick über die Anzahl folgender Blutbestandteile: weiße und rote Blutkörperchen (Leukozyten und Erythrozyten) sowie Blutplättchen (Thrombozyten). Das Differentialblutbild hingegen dient dazu, die Unterarten der weißen Blutkörperchen zu differenzieren (d.h. zu unterscheiden) – daher der Name "Differentialblutbild". Da weiße Blutkörperchen ein wichtiger Teil des Immunsystems sind, kann man anhand der Anzahl und Verteilung der einzelnen Unterarten Rückschlüsse auf Krankheiten ziehen.

Außerdem zeigt das Differentialblutbild die Beschaffenheit aller Blutzellen: Dieser Befund ist ebenfalls wichtig für die Diagnose, denn wenn die Form oder Größe der Blutzellen verändert ist, kann dies auf verschiedene Erkrankungen oder Mangelzustände hinweisen. Sind zum Beispiel die roten Blutkörperchen verkleinert oder unterschiedlich geformt, kann ein Eisenmangel vorliegen, während ovale oder vergrößerte Blutzellen auf einen Vitamin-B12- oder Folsäuremangel hindeuten. Darüber hinaus ist es möglich zu prüfen, ob sich noch andere Bestandteile (z.B. Erreger der Malaria) im Differentialblut befinden.

Um ein Differentialblutbild zu erstellen, färbt man die Blutzellen mit einem speziellen Farbstoff an, da man sie so besser unterscheiden kann.

Unter Normalbedingungen liegen die Unterarten der weißen Blutkörperchen in einem Differentialblutbild bei Erwachsenen in folgenden Anteilen vor:

Leukozyten-Unterart Anteil im Blut
Granulozyten:
– stabkernige Neutrophile 3 bis 5%
– segmentkernige Neutrophile 54 bis 62%
– Eosinophile 1 bis 4%
– Basophile 0 bis 1%
Monozyten 3 bis 8%
Lymphozyten 25 bis 45%

Die für ein Differentialblutbild geltenden Normwerte können je nach Literatur um wenige Prozentpunkte abweichen. Die (möglichen) Nullwerte kommen dadurch zustande, dass in einer einzelnen untersuchten Blutprobe manchmal beispielsweise keine basophilen Granulozyten vorhanden sind.

Granulozyten

Wer ein Differentialblutbild erstellt, um die verschiedenen Unterarten weißer Blutkörperchen (Leukozyten) im Blut zu unterscheiden (d.h. zu differenzieren), findet vor allem Granulozyten: Diese Unterart macht in einer Blutprobe den größten Anteil an weißen Blutkörperchen aus. Je nachdem, wie sich die verschiedenen Granulozyten mit bestimmten chemischen Substanzen anfärben lassen, unterteilt man sie in:

  • Neutrophile,
  • Eosinophile und
  • Basophile.

Neutrophile Granulozyten kann man im Differentialblutbild weiter unterscheiden: in stabkernige und segmentkernige Neutrophile. Dabei stellen die stabkernigen eine frühere Entwicklungsstufe der segmentkernigen reifen Granulozyten dar.

Die Aufgabe der Granulozyten bei der körpereigenen Immunabwehr liegt darin, Bakterien, Viren und Pilze zu bekämpfen. Eosinophile und basophile Granulozyten spielen unter anderem bei allergischen Reaktionen eine wichtige Rolle. Darum tragen die im Differentialblutbild ermittelten Granulozyten-Werte zur Diagnose verschiedener Krankheiten bei:

Eine erhöhte Granulozyten-Zahl im Differentialblutbild kann zum Beispiel folgende Ursachen haben:

Ergibt das Differentialblutbild eine stark verminderte Granulozyten-Zahl im Blut, kann dies unter anderem folgende Gründe haben:

  • eine beginnende Infektionskrankheit, durch die der körpereigene Granulozytenverbrauch stark angestiegen ist
  • eine Knochenmarksschädigung, die eine verminderte Granulozytenproduktion nach sich zieht
  • Cushing-Syndrom
  • Vitamin-B12- oder Folsäuremangel
  • Stress
  • bestimmte Medikamente (wie Kortison)

Monozyten

Unter den im Differentialblutbild unterscheidbaren (bzw. differenzierbaren) Unterarten weißer Blutkörperchen bilden die Monozyten normalerweise den prozentual kleinsten Anteil. Monozyten spielen als typische Fresszellen des Körpers eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr: Sie können Erreger verdauen und – durch die daraufhin ausgesandten Botenstoffe – das Immunsystem zusätzlich aktivieren.

Eine erhöhte Monozytenzahl im Differentialblutbild ist typisch für die Mononukleose (auch bekannt als pfeiffersches Drüsenfieber). Zu den weiteren möglichen Ursachen für eine erhöhte Anzahl Monozyten im Blut gehören:

Eine verminderte Anzahl Monozyten im Differentialblut deutet auf ein Versagen des Knochenmarks hin.

Lymphozyten

Neben den Granulozyten und Monozyten ermöglicht es das Differentialblutbild, auch die dritte Unterart weißer Blutkörperchen (Leukozyten) im Blut zu unterscheiden – die Lymphozyten: Dies sind kleine, spezielle weiße Blutkörperchen, die der Körper im Knochenmark und in den lymphatischen Organen (wie Milz, Thymus und Lymphknoten) bildet. Im Rahmen der Immunabwehr erfüllen Lymphozyten zwei wichtige Aufgaben:

  1. Die B-Lymphozyten sind für die Bildung der Antikörper verantwortlich.
  2. Die T-Lymphozyten regeln wichtige Dinge in der Organisation der Abwehr, und zwar mithilfe von Botenstoffen, die für die Informationsweitergabe zwischen unterschiedlichen Zellen des Immunsystems zuständig sind.

Die Anzahl der im Differentialblutbild festgestellten Lymphozyten kann wie folgt zur Diagnose verschiedener Krankheiten beitragen:

  • Erhöhte Lymphozytenzahl:
    Eine erhöhte Anzahl Lymphozyten im Differentialblutbild kann Zeichen für eine lymphatische Leukämie sein. Solche Blutwerte treten jedoch auch in der Heilungsphase von Infektionskrankheiten auf. Finden sich mehr Lymphozyten im Differentialblut, als es die Normwerte vorgeben, kann dies vor allem auf Virusinfektionen hindeuten. Aber auch bei einigen bakteriellen Erkrankungen wie Tuberkulose oder Brucellose sind die Laborwerte für Lymphozyten im Blut erhöht.
  • Verminderte Lymphozytenzahl:
    Vor allem wenn das lymphatische System geschädigt ist (z.B. durch Strahlung, Vergiftungen, Medikamente oder Erreger wie das AIDS-Virus), ergibt das Differentialblutbild stark verringerte Werte für Lymphozyten. Auch ein Morbus Hodgkin oder das Cushing-Syndrom können für eine verringerte Lymphozytenzahl im Blutbild verantwortlich sein.