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Depression: Starker Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

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Verfasst von Wiebke Posmyk • Medizinredakteurin

Depressionen beeinträchtigen vor allem die Psyche erheblich, aber auch körperlich wirkt sich die Erkrankung aus. Forscher konnten jetzt anhand einer Studie nachweisen, dass Depressionen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen – und zwar in einem ähnlich starken Ausmaß wie Übergewicht und Cholesterin.

Depression: Starker Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Hohe Cholesterinwerte, Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht … all diese Faktoren können sich negativ auf die Herzgesundheit auswirken. Aber auch der Einfluss der Psyche spielt eine Rolle: „Mittlerweile gibt es kaum einen Zweifel daran, dass Depressionen ein Risikofaktor für Herzkreislauferkrankungen sind“, so Professor Karl-Heinz Ladwig, der unter anderem am Helmholtz Zentrum München tätig ist. Unbekannt war bisher jedoch, in welchem Ausmaß dieses Risiko steigt. Dieser Frage sind Ladwig und sein Forscherteam in einer Studie auf den Grund gegangen.

Das Ergebnis der Forscher: Das Risiko für eine tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankung ist für Depressive fast genauso hoch wie für Personen, die fettleibig sind oder zu hohe Cholesterinwerte haben.

Die Schlussfolgerungen der Forscher beziehen sich ausschließlich auf Männer – denn die Teilnehmer der Studie sind alle männlich. Inwieweit diese Ergebnisse auch auf Frauen übertragen werden können, geht aus der Studie nicht hervor. Insgesamt nahmen über 3.000 Männer im Alter zwischen 45 und 74 Jahren teil. Die Wissenschaftler um Ladwig analysierten und beobachteten unterschiedliche Daten über einen Zeitraum von 10 Jahren.

Die Studie wurde von Wissenschaftlern des Münchener Helmholtz Zentrums zusammen mit Forschern des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung und der Technischen Universität München durchgeführt.

Depressionen weit verbreitet

Depressionen sind weit verbreitet: Schätzungen zufolge erleben 16 bis 20 von 100 Menschen irgendwann in ihrem Leben mindestens eine depressive Episode. Wenn Personen ein hohes Herz-Kreislauf-Risiko haben, sollte das Thema Depression berücksichtigt werden: "Bei Hochrisikopatienten sollte die diagnostische Abklärung einer Depression als Begleiterkrankung Standard werden. Das könnte man mit einfachen Mitteln erfassen.", empfiehlt Ladwig.

Je früher eine Depression behandelt wird, desto besser. Wenn Sie das Gefühl haben, an einer Depression zu leiden: Scheuen Sie sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erster Ansprechpartner kann Ihr Hausarzt, ein Psychologe oder eine Beratungsstelle sein!

Quellen

Pressemitteilung des Helmholtz Zentrums München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt: Depressionen schlagen auf das Herz wie Übergewicht und Cholesterin (12.1.2017)

Ladwig, K. et al. (2016): Room for depressed and exhausted mood as a risk predictor for all-cause and cardiovascular mortality beyond the contribution of the classical somatic risk factors in men. Atherosclerosis, Online-Publikation (5.12.2016)

Patientenleitlinie zur S3-Leitlinie/Nationalen VersorgungsLeitlinie der Bundesärztekammer: Unipolare Depression. AWMF-Reg. Nr. nvl/005 (Stand: Dezember 2016)

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Letzte inhaltliche Prüfung: 17.01.2017
Letzte Änderung: 24.08.2020