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Covid-19: Doch gefährlich für Schwangere?

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Schwangere müssen sich keine allzu großen Sorgen machen. Sie und ihr Kind seien nicht besonders gefährdet in der Corona-Pandemie – so hieß es noch vor Kurzem. Nun sieht die Lage anders aus. Eine Studie bescheinigt Schwangeren, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, ein höheres Risiko für Präeklampsie und Schwangerschafts-Diabetes. Auch Frühgeburten kommen offenbar häufiger vor.

Die Risiken

Die Meta-Analyse hat Erfahrungen aus 42 Beobachtungsstudien mit 438.548 Schwangeren zusammengefasst, von denen 7.569 mit SARS-CoV-2 infiziert waren. Das Ergebnis: Ist eine Schwangere mit Covid-19 infiziert, ist ihr Risiko für eine Präeklampsie um 33 Prozent erhöht – egal, ob sie Symptome zeigt oder nicht. Eine Präeklampsie geht mit Bluthochdruck, vermehrter Eiweißausscheidung über den Urin sowie verschiedenen weiteren möglichen Symptomen wie einer starken Gewichtszunahme der Schwangeren, Oberbauchschmerzen und neurologischen Symptomen wie Kopfschmerzen und Übelkeit einher. Frühgeburten traten bei infizierten Schwangeren ebenfalls häufiger auf.

Symptome zeigten zwar nur wenige der betroffenen Frauen. Wenn es allerdings zu einem schweren Verlauf kam, war das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen noch einmal deutlich erhöht. Neben der Wahrscheinlichkeit, eine Präeklampsie zu entwickeln, stieg auch das Risiko, an einer Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken. Die Kinder hatten außerdem häufiger ein niedrigeres Geburtsgewicht. 

Warum die Infektion mit Covid-19 zu den genannten Risiken führen kann, ist noch nicht klar. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass das Virus die Plazenta angreifen kann. Das macht Sinn, wenn man bedenkt, dass das Virus auch Blutgefäße schädigen und zu Thrombosen führen kann. Ein beschädigter Mutterkuchen hätte aber vor allem Folgen für das ungeborene Kind.

Seltener Symptome, dafür häufiger schwere Verläufe

Dass schwangere Frauen generell gefährdeter in Bezug auf Atemwegsinfekte sind, leuchtet ein, wenn man bedenkt, dass ihre Lungenkapazität potenziell verringert ist. Außerdem befindet sich eine Schwangere immunologisch gesehen in einem Ausnahmezustand. Genetisch stammt das Baby schließlich zur Hälfte vom Vater, seine Zellen sind deshalb für den Körper der Mutter fremd. Damit sie nicht abgestoßen werden, muss der Körper der Schwangeren sie tolerieren, aber dennoch weiterhin fremde Erreger bekämpfen, um sich und das Ungeborene zu schützen.

Das wäre ein Grund dafür, warum die Immunantwort von Schwangeren geringer ausfällt und sie seltener Symptome zeigen. Wenn sie allerdings schwer erkranken, dann die Wahrscheinlichkeit für einen Verlauf mit Aufnahme auf eine Intensivstation und für eine invasive Beatmung dem Robert-Koch-Institut zufolge möglicherweise höher. Das zeigen auch Studien: Während in der Altersgruppe der Schwangeren die Sterblichkeit durch Covid-19 normalerweise gering ist, ist sie in der Gruppe der infizierten Schwangeren erhöht.

Eine weitere Studie kommt zu dem Schluss, dass das Sterberisiko von Kindern bei einer Infektion während der Schwangerschaft nicht erhöht ist – wohl aber das Risiko für eine Frühgeburt. Den Forschern zufolge könnte das aber auch daran liegen, dass sich mehr Gynäkologen aufgrund der Infektion der Mutter für einen frühzeitigen Kaiserschnitt entscheiden. Außerdem haben Infektionen in der späteren Schwangerschaft generell häufig Frühgeburten zur Folge. 

Eine gute Nachricht gibt es jedoch: Neugeborene stecken sich offenbar nur sehr selten vor oder während der Geburt bei der Mutter an. Bei einer Untersuchung mit 62 positiv getesteten Schwangeren ließ sich das Virus weder in der Nabelschnur nachweisen, noch wurde eins der später geborenen Babys positiv getestet.

Warum werden Schwangere nicht geimpft?

Ebenso wie Kinder dürfen Schwangere nicht an Zulassungsstudien teilnehmen. Weil noch keine Daten darüber vorliegen, wie sich eine Impfung auf das Ungeborene auswirkt, gibt es für Schwangere in Deutschland derzeit noch keine generelle Impfempfehlung, während sie in vielen US-amerikanischen Staaten sogar bevorzugt geimpft werden. Im Einzelfall dürfen Ärzte jedoch auch hierzulande Schwangere impfen, wenn diese zum Beispiel aufgrund von Vorerkrankungen zu einer Risikogruppe gehören. Frühzeitig geimpft werden sollen dagegen bis zu zwei enge Kontaktpersonen von Schwangeren. 

Lesetipp: Corona-Impfung für Schwangere?

Mittlerweile gibt es jedoch auch Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit von Covid-19-Impfstoffen bei Schwangeren angelaufen. Mit positiven Ergebnissen: Die Impfung von Schwangeren und Stillenden hatte eine ähnlich gute Wirkung wie bei anderen Frauen und auch die Nebenwirkungen fielen nicht schwerer aus. Es könnte also sein, dass sich schwangere Frauen auch in Deutschland bald impfen lassen können.

Eine Impfung schützt nicht nur die Mutter, sondern auch das Ungeborene: Die Antikörper der Mutter übertragen sich bereits vor der Geburt über den Blutkreislauf auf das Kind und werden auch später über die Muttermilch weitergegeben. Der Säugling ist durch die Mutter also vermutlich passiv vor SARS-CoV-2 geschützt.

Quellen

Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Abrufdatum: 31.3.2021)

Online-Informationen des Berufsverbands der Frauenärzte: www.frauenaerzte-im-netz.de (Abrufdatum: 31.3.2021)

Geimpfte Schwangere geben Antikörper an Babys weiter. Online-Informationen der Pharmazeutischen Zeitung: www.pharmazeutische-zeitung.de (Stand: 25.3.2021)

Meta-Analyse: COVID-19 in der Schwangerschaft gefährlich für Mutter und Kind. Online-Informationen des Deutschen Ärzteblatts: www.aerzteblatt.de (Stand: 22.3.2021)

Subbaraman, N.: Pregnancy and COVID: what the data say, Online-Veröffentlichung der Nature: www.nature.com (9.3.2021)

Mullins, E., et al.: Pregnancy and neonatal outcomes of COVID‐19: co‐reporting of common outcomes from PAN‐COVID and AAP SONPM registries. Ultrasound Obstet Gynecol. (21.2.2021)

Wei, S.Q., et al.: The impact of COVID-19 on pregnancy outcomes: a systematic review and meta-analysis. Online-Veröffentlichung dea Canadian Medical Association Journal: www.cmaj.ca (19.3.2021)

COVID-19-Schutzimpfung von Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch. Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG): www.dggg.de (Februar 2021)

Jering, K. S., et al.: Clinical Characteristics and Outcomes of Hospitalized Women Giving Birth With and Without COVID-19. Online-Veröffentlichung des JAMA Network Open: jamanetwork.com (15.1.2021)

Edlow, A.G., et al.: Assessment of Maternal and Neonatal SARS-CoV-2 Viral Load, Transplacental Antibody Transfer, and Placental Pathology in Pregnancies During the COVID-19 Pandemic. JAMA Network Open, Vol. 3, No. 12 (1.12.2020)

Allotey, J., et al.: Clinical manifestations, risk factors, and maternal and perinatal outcomes of coronavirus disease 2019 in pregnancy: living systematic review and meta-analysis. The BMJ, Vol. 370, iss. 8261 (26.9.2020)