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Coronavirus: Achtung vor Fake News

Letzte Änderung:
Verfasst von Brit Weirich • Gastautorin

Das Coronavirus beherrscht weltweit die Medien. Insbesondere in den sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook und Co. kursieren auch einige Falschinformationen rund um die Pandemie. Lesen Sie hier, warum Fake News vor allem in Krisenzeiten viral gehen und wie Sie sich vor ihnen schützen können.

Überblick

Zurzeit ist besondere Vorsicht geboten. Wir haben einige Fake News zusammengetragen, die momentan in aller Munde sind. Achtung: Diese Meldungen über das Coronavirus sind falsch! Sie wurden entweder bereits offiziell dementiert und als Falschaussagen entlarvt – oder es existieren keine wissenschaftlichen Studien dazu, die diese Meldungen bestätigen. 

Ibuprofen kann die Vermehrung des Coronavirus begünstigen.

Vor einigen Wochen war eine Falschmeldung im Umlauf, laut derer die Uniklinik Wien angeblich vor Ibuprofen gewarnt hatte. Obwohl sich die Uniklinik schnell von der Behauptung distanzierte, empfahl kurze Zeit später auch die Weltgesundheitsorganisation WHO, anstatt Ibuprofen andere Schmerzmittel wie Paracetamol einzunehmen. Inzwischen wurde diese Warnung allerdings zurückgenommen.

Haustiere sind stärker gefährdet als Menschen. 

Diese Falschinformation führte in China sogar dazu, dass Haustiere eingeschläfert wurden. Dabei deutet derzeit nichts darauf hin, dass Haustiere das Coronavirus auf den Menschen übertragen. Bei gesunden Personen besteht also keine Notwendigkeit, den Kontakt zum Tier einzuschränken. Die allgemeinen Hygieneregeln sollten natürlich trotzdem beachtet werden. 

Luftanhalten funktioniert als Corona-Selbsttest.

Seit einiger Zeit ist ein Kettenbrief im Umlauf, laut dem man sich in Sekundenschnelle selbst auf Corona testen könne  und zwar durch Luftanhalten. Wer zehn Sekunden die Luft anhalten kann, sei nicht infiziert. Ein solcher "Test" ist laut Robert-Koch-Institut nicht aussagekräftig. Bislang verspüren nur drei Prozent der in Deutschland infizierten Personen Atemnot. Deutlich häufiger sind Symptome wie Fieber und trockener Husten. Zudem verbreitet sich das Virus zu Beginn der Ansteckung vor allem im Rachen und nicht in der Lunge. 

Zwiebeln und Knoblauch schützen vor einer Coronavirus-Infektion.

Vietnamesische Wissenschaftler haben im Zuge einer Studie getestet, inwieweit Heilpflanzen wie Zwiebeln und Knoblauch das Virus eindämmen könnten. Bislang lässt sich daraus aber keine klinische Wirksamkeit ableiten. Ein Heilmittel gibt es noch nicht.  

Ein heißes Bad hilft dabei, Coronaviren abzutöten.

Die Idee dahinter: Das Virus stirbt durch heißes Wasser. Das ist falsch, da unsere Körpertemperatur immer rund 37 Grad beträgt und ein heißes Bad nichts daran ändert. Im Übrigen ist es auch egal, ob wir uns mit heißem oder kaltem Wasser die Hände waschen. Wichtig ist vor allem eine gründliche Handhygiene

Bleichmittel wie Chlordioxid töten das Virus im Körper ab.

US-Präsident Trump spekulierte öffentlich darüber, ob die Injektion von Bleichmitteln wie Chlordioxid, auch "Miracle Mineral Solution" (kurz: MMS) genannt, gegen das Virus helfen könnte. Zum Glück schalteten sich auf der Stelle Wissenschaftler ein, die auf sämtlichen Kanälen vor diesem fragwürdigen "Tipp" warnten.

Händetrockner zerstören das Coronavirus auf der Haut. 

Zu diesem Mythos meldete sich die Weltgesundheitsorganisation WHO zu Wort: Elektronische Händetrockner seien zwar durchaus geeignet, um sich die Hände zu trocknen  allerdings ist diese Option nicht unbedingt hygienischer, als herkömmliche Papiertücher zu verwenden. In jedem Fall gilt: Wenn die Hände nicht gründlich mit Seife gewaschen werden, hilft auch ein gründliches Abtrocknen nichts. 

Schnupfen ist ein sicheres Zeichen dafür, nicht an Covid-19 erkrankt zu sein.

Obwohl Fieber und trockener Husten hierzulande die häufigsten Symptome für das Coronavirus sind, haben rund ein Viertel der Betroffenen auch Schnupfen. Von einem Ausschlusskriterium kann also keine Rede sein. 

Das Coronavirus ist auch über importierte Waren aus China übertragbar.

Nach derzeitigem Wissensstand gibt es keinen Beleg dafür, dass importierte Waren wie Lebensmittel oder Spielsachen eine Infektionsquelle darstellen. Dies wird unter anderem von Wissenschaftlern der Universität Greifswald und Bonn bestätigt, die sich auf die verhältnismäßig geringe Überlebensdauer der Viren beziehen. 

Fake News: Warum glauben wir sie?

Fakten und Fake News voneinander zu unterscheiden, ist mitunter knifflig. Das Problem bei Fake News: Oft wirken sie auf den ersten Blick seriös und werden von vermeintlichen Experten gestützt. Diese "Experten" beziehen sich mitunter zwar auf bekannte Fakten – diese werden dann aber schlichtweg in einen falschen Zusammenhang gebracht. 

Angesichts der unüberschaubaren Informationsflut ist es oft schwierig, den Wahrheitsgehalt der dargebotenen Inhalte zu erkennen. Laut einer US-Amerikanischen Studie, die an einer Highschool durchgeführt wurde, konnten rund 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler nicht zwischen gefakten und nicht-gefakten Artikeln unterscheiden. Glaubwürdig erschienen den Teilnehmenden vor allem detailreiche Texte, die außerdem mit Bildern untermauert waren  und genau damit arbeiten Verfasser von Fake News, weshalb vor allem diese Informationen viral gehen. 

Gerade in Krisensituationen und Zeiten der Unsicherheit, wie wir sie gerade erleben, verbreiten sich Fake News teils rasend schnell. Zum einen verharmlosen viele Fake News die Situation oder locken mit angeblichen Heilmethoden und können dadurch auf den Leser beruhigend wirken. Zum anderen neigen wir dazu, in schwierigen Situationen nach einem "Schuldigen" zu suchen, den Verfasser von Fake News häufig liefern.

Fake News erkennen

Umso wichtiger ist ein kritischer Umgang mit Informationen und Quellen. Mit diesen drei Tipps können Sie Fake News in Zukunft besser identifizieren.

  1. Wer steckt hinter dem Artikel? Um glaubwürdig zu erscheinen, ahmen Ersteller von Fake News mitunter das Design seriöser Magazine nach. Wer hier ganz genau hinsieht, wird aber Unstimmigkeiten entdecken, etwa in der URL.  
  2. Überprüfen Sie die Quellen. Sind sie fehlerhaft oder womöglich gar nicht vorhanden, kann dies ein Hinweis auf einen Fake-Artikel sein. 
  3. Überprüfen Sie die Fakten. Oft sorgen reißerische Überschriften dafür, dass wir auf einen Artikel aufmerksam werden. Lesen Sie nicht nur die Überschrift, sondern den gesamten Text und gleichen Sie den Inhalt mit seriösen und renommierten Seiten ab. 

Wenn Sie einen Fake-Artikel enttarnt haben, heißt es: Bloß nicht teilen, um den Falschinformationen nicht noch mehr Reichweite zu verschaffen. Am besten, Sie melden den entsprechenden Beitrag. So können Administratoren auf den Verfasser aufmerksam werden und falsche Inhalte entfernen. Übrigens teilte auch der Nachrichtendienst Twitter vor Kurzem mit, dass er verstärkt gegen Fake News vorgehen will. Nur, wenn jeder mithilft, können wir statt gefährlichem Halbwissen hilfreiche, wissenschaftlich geprüfte Fakten verbreiten.  

Quellen

Online-Informationen des European Centre for Disease Prevention and Control: www.ecdc.europa.eu (Abrufdatum: 12.5.2020)

Online-Informationen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung: www.bmbf.de (Abrufdatum: 12.5.2020)

Online-Informationen der Weltgesundheitsorganisation: www.who.int (Abrufdatum: 12.5.2020)

FAQ SARS-CoV-2/ Covid-19: Welche Rolle spielen Haus- und Nutztiere? Online-Informationen des Friedrich-Loeffler-Instituts: www.fli.de (Stand: 2.4.2020)

Verschwörungstheorien. Böse Mächte und trojanische Pferde. Online-Informationen der Tagesschau: www.tagesschau.de (Stand: 2.4.2020)

Terra X: Ibuprofen und Coronavirus – Was sagt die Wissenschaft? (Stand: 31.3.2020)

Shellenbarger, S.: Most Students Don’t Know When News Is Fake. The Wall Street Journal (Stand: 21.11.2016)

Weitere Informationen

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Letzte inhaltliche Prüfung: 12.05.2020
Letzte Änderung: 13.05.2020