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Corona und Krebs: Wann gehören Erkrankte zur Risikogruppe?

Letzte Änderung:
Verfasst von Lydia Klöckner • Medizinredakteurin

Die Corona-Erkrankung Covid-19 kann sehr unterschiedlich verlaufen: von unbemerkt bis lebensbedrohlich. Eine Gefahr für einen schweren Verlauf besteht unter anderem für Krebspatientinnen und -patienten. Allerdings zählt nicht jede Person, die an Krebs erkrankt ist oder war, zur Risikogruppe. Hier erfahren Sie, wovon das abhängt.

Corona und Krebs

Gefährlich ist das Coronavirus vor allem für Menschen, deren natürliche Abwehr geschwächt ist. Wenn sie sich anstecken, ist ihr Körper unter Umständen nicht schlagkräftig genug, um sich gegen die Erreger zu wehren. Diese können sich dann schneller ausbreiten und stärkere Beschwerden auslösen, als es bei Menschen mit gesundem Immunsystem zu befürchten wäre. 

Auch eine Krebserkrankung kann zu einer Immunschwäche führen – sowohl direkt als auch indirekt durch die belastende Behandlung. Im Falle einer akuten oder chronischen Form von Leukämie, eines Lymphoms oder einem Tumor, der ins Knochenmark streut, ist die Erkrankung selbst die Ursache: Wenn im Knochenmark nicht mehr genügend neue Blutzellen gebildet werden, mangelt es dem Körper an weißen Blutkörperchen – also an Abwehrzellen. 

Bei vielen anderen Krebsarten wirkt sich vor allem die Therapie auf das Immunsystem aus. Allerdings gibt es inzwischen zahlreiche verschiedene Krebstherapien. Nicht jede beeinträchtigt das Immunsystem gleichermaßen. Und selbst nach einer belastenden Therapie ist die körpereigene Abwehr nicht zwangsläufig dauerhaft geschwächt: Nach der Behandlung erholt sich das Immunsystem wieder. 

Krebspatientinnen und Krebspatienten zählen somit nicht unbedingt zur Risikogruppe. Wie hoch das eigene Risiko tatsächlich ist, kann nur die Ärztin oder der Arzt sicher beurteilen. Für eine erste Einschätzung reicht es aber, zunächst folgende Fragen zu klären:

Welche Therapien erhöhen das Risiko?

Zu den Therapien, die das Immunsystem schwächen können, zählen unter anderem ...

Weniger belastend für die körpereigenen Abwehrkräfte sind:

Nach kleineren operativen Eingriffen, etwa zur Beseitigung eines Hauttumors, ist das Immunsystem normalerweise nicht beeinträchtigt.

Risiko nach abgeschlossener Behandlung

Wenn eine Krebsbehandlung abgeschlossen ist, wird sich das Immunsystem wieder erholen. Bis es sich vollständig regeneriert hat, können Monate bis Jahre vergehen. Wie lange die oder der Betroffene nach der Therapie noch anfällig für Infekte ist, lässt sich jedoch nicht pauschal sagen. Das hängt von zahlreichen Einflüssen ab – unter anderem von der Art der Krebserkrankung und der Behandlung. 

Grundsätzlich gilt: Je länger die Krebsbehandlung zurückliegt und je besser die allgemeine Gesundheit der oder des Betroffenen, umso besser funktioniert auch ihre oder seine körpereigene Abwehr. 

Ärztinnen und Ärzte können den Zustand des Immunsystems anhand bestimmter Blutwerte genauer beurteilen. Als Hinweis für eine Immunschwäche gelten vor allem:

Welche Risikofaktoren gibt es noch?

Manche Krebspatientinnen und Krebspatienten haben noch weitere gesundheitliche Probleme, die ihr Risiko für eine schwer verlaufende Corona-Infektion erhöhen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen

Tipps für Risikopersonen

Krebspatientinnen und -patienten, die befürchten, zur Risikogruppe zu gehören, sollten zunächst bei der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt anrufen und einen Termin vereinbaren. Die Ärztin oder der Arzt kann zum einen feststellen, ob und inwieweit das Immunsystem tatsächlich beeinträchtigt ist.

Zum anderen ist es eventuell möglich, den Ablauf der Behandlung umzugestalten. Ein Aufschub der Therapie ist zwar in den meisten Fällen nicht sinnvoll, weil die Krebserkrankung dann fortschreitet. In einigen Fällen lässt sich aber die Reihenfolge der therapeutischen Maßnahmen verändern. Manchmal besteht etwa die Option, den belastenderen Teil der Behandlung zu verschieben.

Darüber hinaus gibt es einiges, was Betroffene selbst tun können, um

Für manche Krebspatientinnen und -patienten können außerdem bestimmte Impfungen sinnvoll sein, etwa gegen Pneumokokken. Mehr dazu erfahren Sie hier: Coronavirus – Warum die Pneumokokken-Impfung helfen kann

Quellen

Online-Informationen von Amboss: www.amboss.com (Abrufdatum: 2.4.2020)

Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums: www.krebsinformationsdienst.de (Abrufdatum: 2.4.2020)

People at Risk for Serious Illness from COVID-19. Online-Informationen des Center for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov (Stand: 31.3.2020)

Corona und Krebs: Antworten auf häufig gestellte Fragen. Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums: www.krebsinformationsdienst.de (Stand: 30.3.2020)

Coronavirus (COVID-19) und CLL-Patienten. Online-Informationen des CLL Advocates Network: www.clladvocates.net (Online-Publikation, Stand: 25.3.2020)

Informationen für Krebspatienten – Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19). Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V.: www.dgho.de (Stand: 18.3.2020)

Gustafson, C. E., et al.: Immune cell repertoires in breast cancer patients after adjuvant chemotherapy. Journal of Clinical Investigation Insight, Online-Publikation, Nr. e134569 (Februar 2020)

Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation. Online-Informationen der Krebsgesellschaft: www.krebsgesellschaft.de (Stand: 14.9.2014)

Weitere Informationen

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Letzte inhaltliche Prüfung: 02.04.2020
Letzte Änderung: 03.04.2020