Onmeda.de Logo

Enzymtherapie

Letzte Änderung:
Zuletzt bearbeitet von Astrid Clasen • Medizinredakteurin

Die Enzymtherapie ist eine naturheilkundliche Behandlungsmethode, die aus der Gabe von Enzympräparaten besteht. Enzyme sind bestimmte Eiweiße (Proteine), die sich in allen pflanzlichen und tierischen Organismen finden und eine wichtige Rolle für deren Stoffwechsel und für viele andere Funktionen spielen.

Allgemeines

Jede Zelle des menschlichen Organismus – wie Leber-, Muskel- oder Nervenzelle – bildet Enzyme. Die verschiedenen Enzyme dienen als sogenannte Biokatalysatoren: Sie können biochemische Reaktionen im Organismus beschleunigen, hemmen oder auf andere Weise beeinflussen. Wie bedeutend Enzyme für den menschlichen Körper sind, zeigt sich bei Enzymdefekten: Fehlen bestimmte Enzyme oder sind sie nur eingeschränkt funktionsfähig, kann dies deutliche gesundheitliche Folgen haben – Beispiele hierfür reichen

Viele Enzymdefekte kann man jedoch durch eine frühzeitige gezielte Behandlung in den Griff bekommen. Unter dem Begriff "Enzymtherapie" versteht man allerdings etwas anderes.

Eine Enzymtherapie kommt für unterschiedliche Einsatzgebiete infrage: Die verabreichten Enzyme können zum Beispiel dazu dienen,

Zur Enzymtherapie kommen sowohl tierische als auch pflanzliche Enzympräparate zum Einsatz, wie zum Beispiel:

Die Grundlage der Enzymbehandlung zeigt sich vor allem bei ihrer Anwendung gegen Entzündungen: Letztere sind meist Reaktionen des Immunsystems, an der auch Enzyme beteiligt sind. Bei der Enzymtherapie geht man davon aus, dass die eingenommenen Präparate unangemessene Reaktionen des Immunsystems regulieren können. Als begleitende Enzymtherapie bei Krebs sind bestimmte eiweißspaltende Enzyme geeignet, welche die Aktivität der weißen Blutzellen erhöhen und auf diese Weise die Ausbreitung der Tumorzellen erschweren sollen.

Geschichte

Die Enzymtherapie hat eine lange Geschichte: Die Menschen in Südamerika wissen schon seit mehreren Tausend Jahren um die naturheilkundliche Bedeutung mancher dort heimischen Pflanzen (Ananas bzw. Papaya: aus ihnen gewinnt man die Enzyme Bromelain und Papain) und nutzen sie als Bestandteil ihrer traditionellen Medizin, um zum Beispiel die Wundheilung zu fördern.

Im 19. Jahrhundert fanden Wissenschaftler heraus, dass Enzyme bestimmte chemische Reaktionen beschleunigen können, ohne selbst an der Reaktion beteiligt zu sein. Im Jahr 1939 begründete der Forscher Max Wolf (1885-1975) dann die moderne Geschichte der Enzymbehandlung, indem er als Erster eine Enzymtherapie bei Krebs als systemische Behandlung einsetzte: Dabei nutzte er eine Mischung aus pflanzlichen und tierischen eiweißspaltenden Enzymen. Dahinter steckte die Idee, vielleicht mit solchen Enzymen die tumorzerstörende Aktivität des Serums, die bei Menschen mit Krebs nicht mehr gegeben ist, wiederherstellen zu können. Hintergrund dieser Idee war, dass der Mensch mit zunehmendem Lebensalter ein höheres Krebsrisiko hat und gleichzeitig weniger eiweißspaltende Enzyme (z.B. in der Bauchspeicheldrüse) bildet.

Durchführung

Bei einer Enzymtherapie können viele verschiedene pflanzliche und tierische Enzyme zum Einsatz kommen. Die Durchführung der Enzymbehandlung ist einfach: Die Enzympräparate stehen in Form von Tabletten, Dragees oder Kapseln zur Verfügung – Sie können sie also über den Mund (oral) einnehmen. Wahlweise besteht auch die Möglichkeit, sich die Enzyme per Spritze verabreichen zu lassen.

Enzympräparate sind zwar rezeptfrei erhältlich – trotzdem gilt für die Enzymtherapie: Vor einer Durchführung in Eigenregie ist es ratsam, Rücksprache mit Ihrem Arzt zu halten – vor allem dann, wenn:

  • Sie eine Gerinnungsstörung haben,
  • die Funktion Ihrer Leber stark gestört ist oder
  • Ihre Niere nur noch eingeschränkt arbeitet.

Meist sind die Enzyme sehr hoch dosiert. Der Arzt legt für jede Enzymtherapie die Dosierung und Kombination der Präparate individuell fest.

Wenn beispielsweise eine Enzymtherapie bei Krebs zum Einsatz kommt, dann in der Regel ergänzend (d.h. komplementär) zur Durchführung einer Strahlen- und/oder Chemotherapie. Dabei verabreichen Ärzte entweder ein Enzympräparat, das nur ein pflanzliches eiweißspaltendes Enzym enthält (sog. Monopräparat: v.a. Bromelain aus der Ananas, z.T. auch Papain aus der Papaya), oder Kombinationspräparate mit mehreren Enzymen (wobei auch tierische Enzyme wie Trypsin, Chymotrypsin oder Pankreatin enthalten sein können) als systemische Enzymtherapie.

Anwendungsgebiete

Eine Enzymtherapie bietet sich für verschiedene Anwendungsgebiete an, da die verfügbaren Enzympräparate auf vielfältige Weise wirken: Bestimmte eiweißspaltende Enzyme und Enzymgemische beeinflussen nachweislich das Immunsystem und steigern so die natürlichen Abwehrkräfte, können Entzündungen entgegenwirken und außerdem das Wachstum von Tumoren und die Bildung von Tochtergeschwulsten (Metastasen) hemmen. Belegt ist auch, dass Enzympräparate gegen Ödeme wirken und Blutgerinnsel auflösen können.

Entsprechend kommt eine Enzymtherapie zum Beispiel für folgende Anwendungsgebiete infrage:

Nebenwirkungen

Bei einer Enzymtherapie können verschiedene Nebenwirkungen auftreten. So kann die Einnahme der Enzympräparate besonders Magen-Darm-Beschwerden verursachen – wie:

Wenn eine Überempfindlichkeit gegenüber einem oder mehreren Inhaltsstoffen im Enzympräparat besteht, kann die Enzymtherapie außerdem allergische Reaktionen hervorrufen.

Weitere Informationen

Quellen:

Online-Informationen des Berufsverbandes Deutscher Internisten e.V.: www.internisten-im-netz.de (Abrufdatum: 13.1.2015)

Schmiedel, V., Augustin, M. (Hrsg.): Leitfaden Naturheilkunde. Urban & Fischer, München 2012

Holzhauer, P., Gröber, U. (Hrsg.): Checkliste Komplementäre Onkologie. Hippokrates, Stuttgart 2010

Federspiel, F., Herbst, V. : Die andere Medizin. Stiftung Warentest, Berlin 2005

Letzte inhaltliche Prüfung: 13.01.2015
Letzte Änderung: 24.01.2020