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Hörtest

Letzte Änderung:
Nächste Aktualisierung von Lydia Klöckner • Medizinredakteurin

Mithilfe von Hörtests kann der Arzt Hörstörungen beziehungsweise Hörprobleme feststellen. Hörtest ist aber nicht gleich Hörtest – es gibt verschiedene Verfahren, mit denen sich das Ausmaß und die Ursachen einer Hörstörungen herausfinden lassen.

Überblick

Beim Hören verarbeitet das Gehirn Schallwellen aus der Umwelt, die der Mensch dann als akustisches Signal – zum Beispiel als Sprache oder Musik wahrnimmt.

Die Schallwellen treffen über die Ohrmuschel und den äußeren Gehörgang auf das Trommelfell und versetzen dieses in Schwingung. Hinter dem Trommelfell liegt die Paukenhöhle, ein kleiner Hohlraum des Mittelohrs, der mit Schleimhaut ausgekleidet ist. Hier verbinden die drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel das Trommelfell mit dem Innenohr, genauer gesagt mit der Hörschnecke. In diesem Teil des Innenohrs wandeln kleinste Haarzellen die weitergeleiteten Schallwellen in elektrische Signale um. Über den Hörnerv gelangen diese elektrischen Signale dann ins Gehirn zur sogenannten Hörrinde, wo sie zu Höreindrücken verarbeitet werden.

Bei einer Hörminderung ist entweder die Schallübertragung im Mittelohr, die Sinneswahrnehmung im Innenohr, die Reizweiterleitung im Hörnerv oder auch die Reizverarbeitung im Gehirn erschwert oder verhindert. Mögliche Ursachen sind zum Beispiel:

Dem HNO (Hals-Nasen-Ohren)-Arzt stehen verschiedene Hörtests zur Verfügung, um die genaue Ursache der Hörstörung zu erkennen.

Die Audiometrie ist ein Hörtest, bei dem der Arzt das Hörvermögen misst – das heißt die gehörbezogene (auditive) Leistung des Ohrs.

Mediziner unterscheiden die subjektive Audiometrie von der objektiven Audiometrie. Bei der subjektiven Audiometrie muss der Patient aktiv auf einen Hörreiz reagieren; bei der objektiven Audiometrie handelt es sich um einen Hörtest, mit dem Mediziner die Funktion von Mittel-, Innenohr und Hörnerv prüfen können, ohne dass der Untersuchte selbst aktiv werden muss.

Tonschwellen-Audiometrie

Die gängigste Form eines subjektiven Hörtests, bei dem der Untersuchte auf bestimmte akustische Reize reagieren muss, ist die sogenannte Tonschwellen-Audiometrie. Dabei vergleicht der Arzt die Hörschwelle des Untersuchten, also die geringste Lautstärke, bei der er einen Ton gerade noch hört, mit der Hörschwelle “Normalhörender”.

Der Hörtest kann prinzipiell für beide Ohren gleichzeitig erfolgen (Freifeld-Audiometrie) – üblicherweise wird die Tonschwellen-Audiometrie jedoch für beide Ohren getrennt durchgeführt. Dazu spielt der Arzt nacheinander Töne mit zunehmender Lautstärke ab. Sobald der Getestete einen Ton hört, zeigt er dies mit Handzeichen oder per Knopfdruck an.

Die Hörschwelle wird in Dezibel (db) angegeben. Dabei entspricht 0 Dezibel der Hörschwelle. Die Lautstärke eines normalen Gesprächs beträgt etwa 60 Dezibel, die Schmerzgrenze beginnt ab 120 Dezibel.

Sprach-Audiometrie

Die Sprach-Audiometrie prüft die Hörfähigkeit von gesprochenen Wörtern. Über Kopfhörer spielt der Arzt dem Untersuchten Zahlen, einsilbige Wörter oder ganze Sätze vor. Anschließend vergleicht er die Anzahl von gehörten Wörtern mit den Testergebnissen Normalhörender, um eventuelle Abweichungen festzustellen.

Eine Sprach-Audiometrie erfolgt spätestens vor einer Anpassung eines Hörgeräts. Bei der Untersuchung spielt der Arzt dem Patienten über beide Ohren gleichzeitig Zahlen und einsilbige, ähnlich klingende Worte (wie Hund/Mund, Haus/Maus, rund/Pfund) vor. Mithilfe dieses Hörtests kann der Arzt herausfinden, ob der Getestete die Worte eindeutig erkennt beziehungsweise ab welcher Lautstärke er die Worte richtig versteht. Dies ist wichtig, um das Hörgerät individuell auf den Patienten einzustellen.

Stimmgabelprüfungen

Mit Stimmgabelprüfungen ist es möglich, zwischen Innenohr- und Mittelohrschwerhörigkeit zu unterscheiden. Hierzu nutzt der Arzt die Schallübertragung über die Schädelknochen, bei der die Sinneszellen des Innenohrs – die Haarzellen – die Schwingungen der Stimmgabel wahrnehmen, ohne dass diese über das Mittelohr weitergeleitet werden.

Bei Stimmgabelprüfungen setzt der Arzt eine schwingende Stimmgabel auf verschiedenen Stellen des Kopfs auf. Mit dem sogenannten Weber-Versuch kann er unter anderem feststellen, ob eine einseitige Schwerhörigkeit vorliegt. Der Rinne-Versuch erfolgt meist im Anschluss an den Weber-Test und vergleicht die vom Ohr aufgenommene Schallweiterleitung über die Luft mit der Schallübertragung über die Schädelknochen. Mit diesen beiden Hörtests kann der Arzt die Art der Schwerhörigkeit zuverlässig feststellen.

Überschwellige tonaudiometrische Prüfungen

Überschwellige tonaudiometrische Prüfungen dienen dazu, den Ort der Schädigung im Ohr festzustellen. Mit diesem Hörtest kann der Arzt eine Schädigung der Haarzellen im Innenohr von einer Schädigung des Hörnervs unterscheiden.

Bei einseitiger Schwerhörigkeit setzt der Arzt das schwerhörige Ohr einer höheren Lautstärkeintensität aus als das gesunde. Findet hierbei ein Ausgleich im Lautheitsempfinden beider Ohren statt, sind wahrscheinlich die Haarzellen verletzt, welche die Schwingungen der Gehörknöchelchen in elektrische Impulse umwandeln. Findet kein Ausgleich statt, kann der Hörnerv beschädigt sein, der diese elektrischen Impulse zum Gehirn transportiert. Zudem nehmen Personen mit einer Innenohrschädigung Lautstärke-Schwankungen stärker wahr als Menschen ohne Hörprobleme. Dies kann der Arzt ebenfalls nutzen, um Verletzungen im Innenohr näher zu bestimmen.

Stapedius-Reflexmessung

Bei der Stapedius-Reflexmessung testet der Arzt die Beweglichkeit eines bestimmten Gehörknöchelchens, des Steigbügels. Ist der Steigbügel als letzter Teil der Gehörknöchelchen-Kette unbeweglich am Übergang zum Innenohr festgewachsen, entsteht eine sogenannte Schallleitungs-Schwerhörigkeit.

Elektrische Reaktionsaudiometrie

Bei der objektiven Hörprüfung (Elektrische Reaktionsaudiometrie, ERA) misst eine spezielle Apparatur Gehirnaktivitäten, die durch Hörreize ausgelöst werden. Der Test ist völlig schmerzfrei und verursacht keine Nebenwirkungen. Dieser Hörtest ist daher besonders für Kinder geeignet sowie für Menschen, bei denen die notwendige Mitarbeit für einen interaktiven Hörtest (z.B. Tonschwellen-Audiometrie) nicht gewährleistet ist.

Simulationsproben, Taubheitstests

Um eine mögliche Taubheit zu überprüfen, stehen verschiedene Hörtests zur Verfügung. Beim Lombard-Test muss der Untersuchte einen Text vorlesen, während er über Kopfhörer Störgeräusche hört. Normalhörende lesen zum Ausgleich dieser Geräusche unbewusst lauter, stark schwerhörige oder taube Menschen nicht.

Beim Lee-Test muss der Untersuchte einen Text vorlesen, während er den gleichen Text zeitversetzt über Kopfhörer hört. Ein Normalhörender fühlt sich im Lesefluss gestört.

Hörtest bei Kindern

Um Hörschäden bei Säuglingen oder Kleinkindern festzustellen, gibt es spezielle Hörtests. Hierbei nutzt man den Effekt, dass das Innenohr im jungen Lebensalter Geräusche nicht nur aufnimmt, sondern auch in nicht hörbarer Intensität wieder wie ein Echo zurücksendet. Diese sogenannten otoakustischen Emissionen lassen sich mit Hochleistungsmikrofonen registrieren. Fehlen diese Emissionen, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine Innenohrschädigung.

Weitere Informationen

Buchtipps:

Audiometrie. Eine Anleitung für die praktische Hörprüfung

Dieter Mrowinski, Günther Scholz
167 Seiten Thieme 2006

Alle gängigen Verfahren der in Arztpraxen durchgeführten Hörprüfungen werden in Wort und Bild leicht verständlich vorgestellt. Der dikatische Aufbau ermöglicht dabei die Information direkt am Arbeitsplatz durch einen kurzen Blick auf die entsprechende Graphik. Die unterschiedlichen Patientengruppen werden an Fallbeispielen erläutert.

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Quellen:

Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 265. Auflage. De Gruyter, Berlin 2013

Lenarz, T., Boenninghaus, H.G.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012

Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008

Letzte inhaltliche Prüfung: 28.02.2014
Letzte Änderung: 15.03.2018