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Augeninnendruck­messung (Tonometrie)

Veröffentlicht von Onmeda-Redaktion

Im Inneren des Augapfels herrscht der Augeninnendruck, welcher auch als Augenbinnendruck oder Augendruck bezeichnet wird.

Allgemeines

Der Augeninnendruck entsteht durch das Kammerwasser – eine wässrige Flüssigkeit – welche die Hornhaut mit Nährstoffen versorgt und in ihrer Form erhält. Sie wird im sogenannten Ziliarkörper im Augeninneren gebildet, fließt in die vordere Augenkammer und wird dort wieder aus dem Auge in die Blutbahn aufgenommen. Produktion und Abfluss des Kammerwassers halten sich beim gesunden Auge im Gleichgewicht, weswegen der Augeninnendruck als Indikator für Störungen gelten kann.

Die Augeninnendruckmessung, auch Tonometrie oder Applanationstonometrie genannt, führt der Arzt mit dem sogenannten Tonometer durch. Die Maßeinheit ist Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Als normal gelten in der Regel Werte von 10 bis 21 mmHg.

Die Augeninnendruckmessung (Tonometrie) ist eine Untersuchung mit sehr geringem Risiko. Durch den Kontakt des Sensors mit der Hornhaut kommt es nur in seltenen Fällen zu kleinen Hornhautverletzungen oder Infektionen des Auges.

Es ist umstritten, ob eine Augeninnendruckmessung als reine Vorsorgemaßnahme – also ohne konkreten Krankheitsverdacht – den erhofften Nutzen bringt: Augenärzte empfehlen jedem Patienten ab dem 40. Lebensjahr eine augenärztliche Untersuchung inklusive Augeninnendruckmessung. Damit soll erreicht werden, dass ein unbemerkt vorliegendes Glaukom (Grüner Star) früh erkannt und damit rechtzeitig behandelt werden kann. Die Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen sehen in einer Routine-Augeninnendruckmessung hingegen keinen belegbaren Nutzen – die Kassen übernehmen die Kosten für diese Vorsorgeuntersuchung deshalb nicht. Die Augeninnendruckmessung ist somit eine sogenannte individuelle Gesundheitsleistung, kurz IGeL. Das heißt: Wer keine Beschwerden hat, die auf einen erhöhten Augeninnendruck (Glaukom) hinweisen, und zudem auch kein erhöhtes Risiko für diese Erkrankung aufweist, muss die Kosten für Augeninnendruckmessung selber tragen. Besteht aber begründeter Glaukomverdacht, wird die Augeninnendruckmessung von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Durchführung

Um eine Augeninnendruckmessung (Tonometrie) durchzuführen, gibt es verschiedene Methoden. Die gängigste Methode ist die Messung mit dem Applanationstonometer nach Goldmann. Vor der Untersuchung betäubt der Arzt die Hornhaut der Augen mithilfe von Augentropfen und drückt anschließend einen kleinen Sensor in die Rundung der Hornhaut in einem Bereich von drei Millimetern ein. Der Druck, der hierfür nötig ist, entspricht dem Augeninnendruck.

Eine weniger genauere Augeninnendruckmessung kann mit dem Impressionstonometer erfolgen. Auch hier drückt der Augenarzt die Hornhaut mit einem Stempel ein und zieht die Tiefe und das Volumen der Verformung zur Bestimmung des Augeninnendrucks heran. Um aussagekräftige Werte zu erhalten, muss die Messung mehrfach erfolgen.

Eine weitere Methode zur Augeninnendruckmessung ist das Non-Contact-Tonometer (ohne Hornhautkontakt), das mit einem Luftstoß arbeitet. Dieser Luftstoß flacht die Hornhaut ab und der Arzt errechnet den Augeninnendruck anhand der Stärke und Dauer des Luftstroms. Die Vorteile dieser Methode bestehen darin, dass sie ohne Betäubung und ohne das Risiko einer Hornhautverletzung oder Infektion durchgeführt werden kann. Sie ist jedoch nicht so genau wie das Applationstonometer und erfordert mehrere Messungen.

Eine grobe Einschätzung des Augeninnendrucks kann ebenfalls durch Abtasten (Palpation) des Augapfels erfolgen. Dabei drückt der Augenarzt nacheinander vorsichtig auf beide Augäpfel. Bei einem Grünen Star (Glaukom) ist der Augapfel aufgrund des hohen Augeninnendrucks verhärtet.

Außerdem besteht die Möglichkeit, den Augeninnendruck mit Hilfe der Selbsttonometrie zu Hause selbst zu messen. Der Augenarzt erklärt in einem ersten Termin das Verfahren genau, danach kann der Patient selber zum Beispiel den Verlauf eines Glaukoms kontrollieren. Das Selbsttonometer funktioniert nach demselben Prinzip wie das Applanationstonometer. Die Messung erfolgt nach einem Knopfdruck automatisch, wobei die Berührung des Auges etwa dem Einsetzen einer Kontaktlinse entspricht.

Anwendungsgebiete

Am häufigsten wird die Augeninnendruckmessung (Tonometrie) bei Verdacht auf Grünen Star (Glaukom) angewendet. Beim Grünen Star ist das Gleichgewicht zwischen Produktion und Abfluss des Kammerwassers gestört. Das Kammerwasser staut sich und der Augeninnendruck steigt an. So eignet sich die Augeninnendruckmessung schon zur Erkennung eines Grünen Stars im Frühstadium, in dem die Erkrankung häufig noch keine Schmerzen verursacht, jedoch den Sehnerv bereits schädigen kann.

Häufigkeit

Ab dem 40. Lebensjahr empfehlen Augenärzte eine augenärztliche Untersuchung inklusive Augeninnendruckmessung im Abstand von höchstens drei Jahren. Ziel solcher Untersuchungen soll sein, ein unbemerkt vorliegendes Glaukom früh zu erkennen und notfalls eine drucksenkende Therapie so früh wie möglich zu beginnen. Risikogruppen, etwa Personen, die an Diabetes mellitus oder Herzerkrankungen leiden oder in deren Familie Grüner Star häufig vorkommt, sollten noch häufiger Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Ob diese Maßnahmen ohne konkreten Krankheitsverdacht sinnvoll sind, ist umstritten. Die Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen sehen in einer Routine-Augeninnendruckmessung keinen belegbaren Nutzen – die Kassen übernehmen die Kosten für diese Vorsorgeuntersuchung deshalb nicht. Die Augeninnendruckmessung ist daher eine der am häufigsten angebotenen sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen, kurz IGeL. Das heißt: Wer keine Beschwerden hat, die auf einen erhöhten Augeninnendruck (Glaukom) hinweisen, und zudem auch kein erhöhtes Risiko für diese Erkrankung aufweist, muss die Kosten für Augeninnendruckmessung selber tragen. Besteht aber begründeter Glaukomverdacht, wird die Augeninnendruckmessung von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Patienten sollten nach Augenverletzungen einige Zeit lang jährlich der Augeninnendruck überprüfen lassen, da es durch Verletzungen zu einem Sekundärglaukom kommen kann. Eine längere Behandlung mit kortisonhaltigen Augentropfen oder anderen kortisonhaltigen Medikamenten führt in fünf bis zehn Prozent der Fälle zum sogenannten Kortisonglaukom, weswegen auch hier eine regelmäßige augenärztliche Untersuchung empfehlenswert ist.

Risiken und Komplikationen

Die Augeninnendruckmessung (Tonometrie) ist eine Untersuchung mit sehr geringem Risiko. Durch den Kontakt des Sensors mit der Hornhaut kann es in seltenen Fällen zu kleinen Hornhautverletzungen oder Infektionen des Auges mit der Folge einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) oder einer Hornhautentzündung (Keratitis) kommen.

Weitere Informationen

Quellen:

Messung des Augeninnendrucks zur Glaukom-Früherkennung. IGeL-Monitor – Aufklärungsseite des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V.: www.igel-monitor.de (Stand: 23.1.2012)

Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer, Heidelberg 2011

Augustin, Albert J.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2007

Stand: 18. Dezember 2012