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Enzyme

Letzte Änderung:
Nächste Aktualisierung von Lydia Klöckner • Medizinredakteurin

Für zahlreiche Funktionen des menschlichen Körpers sind chemische Reaktionen verantwortlich, bei denen Enzyme eine entscheidende Rolle spielen.

Allgemeines

Zum Beispiel spalten Enzyme den Zucker (Glukose) auf, welchen wir über die Nahrung aufnehmen. Erst mithilfe mehrerer chemischer Reaktionen können unsere Körperzellen die Energie aus dem Zucker überhaupt nutzen.

Unerlässlich für diese chemischen Reaktionen sind bestimmte Eiweiße, die Enzyme. Diese kleinen "Katalysatoren" beschleunigen chemische Reaktionen im Körper. Ohne Enzyme würden biochemische Reaktionen nicht oder nur sehr langsam ablaufen.

Für den Stoffwechsel, aber auch für viele andere Körperfunktionen sind Enzyme von zentraler Bedeutung. Deshalb produziert jede Zelle des Körpers Enzyme. Je nachdem aus welchem Organ die Zelle stammt (wie Leber-, Muskel- oder Nervenzelle) und was ihre Funktion ist, stellt sie unterschiedliche Enzyme her.
Sind bestimmte Enzyme im Blut mehr oder weniger vorhanden als normal, können Ärzte Rückschlüsse auf die Funktion oder den Zustand jenes Organs ziehen, dessen Zellen diese Enzyme bilden. Viele Enzyme werden aber gleichzeitig von Zellen verschiedener Organe gebildet. Weichen die Enzymwerte im Blut vom Normalwert ab, kann der Arzt dies nicht immer eindeutig einem Organ zuordnen. In diesem Fall ordnet er weitere Untersuchungen an.

Die Menge der Enzyme im Blut unterliegt zum Teil Schwankungen, zum Beispiel durch genetische oder ernährungsbedingte Ursachen. Die Enzymaktivität wird abhängig vom Labor unter unterschiedlichen Bedingungen (beispielsweise bei einer anderen Temperatur) bestimmt. Deshalb ist der Normbereich von Labor zu Labor oft unterschiedlich. Normalerweise steht der laborspezifische Normalbereich mit auf dem Ergebniszettel der Enzym-Analyse.

Enzyme
(Aktivität bei 37 °C)
Normalbereich Männer Normalbereich Frauen
GOT (AS(A)T) unter 38 U/l unter 32 U/l
GPT (ALT) unter 41 U/l unter 31 U/l
Gamma-GT (GGT) unter 60 U/l unter 40 U/l
Alkalische Phosphatase (AP) 40 - 130 U/l 35 - 105 U/l
Laktat-Dehydrogenase (LDH) unter 250 U/l  
Troponin T unter 0,1 ng/ml  
Kreatin-Kinase-MB
(CK-MB)
unter 25 U/l  

GOT (AS(A)T) und GPT (ALT)

Die GOT und GPT zählen zu den sogenannten Leberwerten. GOT steht für Glutamat-Oxalacetat-Transaminase und wird auch als AS(A)T (Aspartat-Amino-Transferase) bezeichnet. GPT steht für Glutamat-Pyruvat-Transaminase. Mediziner nennen die GPT auch ALT (Alanin-Amino-Transferase). Der Arzt bestimmt diese beiden Enzyme meist zusammen bei einer Blutuntersuchung. Sind die Werte dieser Enzyme im Blut verändert, ist dies ein Hinweis auf eine Schädigung der Leber. Beide Enzyme kommen zwar in allen Zellen des Körpers vor, ihre Konzentration ist in der Leber jedoch ungleich höher als in anderen Organen.

Zur Diagnostik von bestimmten Erkrankungen kann es wertvoll sein, die vorhandene Menge der beiden Enzyme in Beziehung zueinander zu setzen. So sind zum Beispiel bei besonders schweren Leberschäden die Werte der GOT stärker erhöht als die der GPT, während bei der sogenannten inaktiven chronischen Leberentzündung das Verhältnis genau andersherum ist. Da auch Herz und Muskulatur die GOT in relativ hohem Maße produzieren, können diese Laborwerte auch erhöht sein, wenn diese Organe beeinträchtigt sind. Geringfügig erhöhte Enzymwerte kommen sehr häufig vor und werden meist durch Alkoholkonsum oder Medikamente verursacht.

GOT und GPT sind zum Beispiel erhöht bei:

Sind GOT und GPT niedriger als normal, so deutet dies in der Regel nicht auf eine Krankheit hin.

Gamma-GT

Das Enzym Gamma-Glutamyl-Transferase (Gamma-GT) kommt in verschiedenen Organen wie Leber, Bauchspeicheldrüse, Niere oder Gehirn vor. Ist der Blutwert der Gamma-GT erhöht, ist das jedoch meist ein Hinweis auf eine Erkrankung der Gallenwege. Vor allem bei Gallenstau (Cholestase) steigt die Konzentration dieses Enzyms im Blut stark an. Erhöhte Gamma-GT-Werte sind aber auch charakteristisch für dauerhaften Alkoholmissbrauch und können zur Kontrolle eines Alkoholentzugs dienen.

Aber auch Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, der Niere oder des Herzens können zu erhöhten Gamma-GT-Werten führen, weshalb dieser Laborwert in manchen Fällen schwierig zu beurteilen ist.

Gamma-GT ist zum Beispiel erhöht bei:

Ist die Gamma-GT im Blut niedriger als normal, deutet dies in der Regel nicht auf eine Erkrankung hin.

Alkalische Phosphatase (AP)

Die alkalische Phosphatase kommt in höheren Konzentrationen in Knochen, in der Leber, in den Gallengängen und während der Schwangerschaft in der Plazenta (Mutterkuchen) vor. Bei krankhaften Veränderungen dieser Organe kann die Konzentration der alkalischen Phosphatase im Blut erhöht sein. Meist bestimmt der Arzt die alkalische Phosphatase zusammen mit Kalzium und Phosphat, um die Ursache von Knochenerkrankungen aufzudecken.

Spezielle Knochenzellen, die Osteoblasten, produzieren die alkalische Phosphatase. Osteoblasten sind Zellen, die den Knochen aufbauen. Sie sind die "Gegenspieler" der Osteoklasten, welche den Knochen abbauen. An vielen krankhaften Umbauprozessen des Knochens sind sowohl Osteoblasten als auch Osteoklasten beteiligt, was zu einer Erhöhung der alkalischen Phosphatase im Blut führt. Die Konzentration der alkalischen Phosphatase im Blutkreislauf steigt auch bei Lebererkrankungen.

Die Blut-Konzentration der alkalischen Phosphatase ist unter anderem erhöht bei:

Die alkalische Phosphatase im Blut ist zum Beispiel vermindert bei einer angeborenen Störung des Phosphat-Stoffwechsels, der sogenannten angeborenen Hypophosphatasie.

Laktat-Dehydrogenase (LDH)

Die Laktat-Dehydrogenase (LDH) kommt, im Gegensatz zu anderen Enzymen, in vielen Organen in hoher Konzentration vor. Besonders viel Laktat-Dehydrogenase findet sich in:

Entsprechend viele Erkrankungen können eine Steigerung der LDH zur Folge haben.

Andersherum lässt ein erhöhter LDH-Spiegel im Serum alleine keine Aussagen über die Ursache der Störung zu. Die LDH wird daher meist nicht zur Diagnose sondern als Kontrollparameter für den Verlauf von Erkrankungen verwendet, bei denen dieses Enzym im Blut erhöht ist. So können Ärzte anhand der LDH zum Beispiel den Verlauf eines Herzinfarkts oder die Rückbildung eines Tumors kontrollieren. Besonders hohe Spiegel der LDH treten zum Beispiel im Rahmen einer Blutarmut (Anämie) auf.

Die Laktat-Dehydrogenase kann erhöht sein bei:

Ist die Laktat-Dehydrogenase im Blut vermindert, ist dies in der Regel kein Hinweis auf eine Erkrankung.

Troponin T und Kreatin-Kinase MB (CK-MB)

Verschiedene Erkrankungen des Herzens, etwa ein Herzinfarkt oder eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis), schädigen unter anderem die Herzmuskelzellen. Da die sogenannten Herzenzyme Kreatin-Kinase MB und Troponin T speziell in den Herzmuskelzellen vorkommen, eigenen sie sich gut, um eine Schädigung der Herzmuskelzellen nachzuweisen. Bei Herzerkrankungen, welche die Herzmuskelzellen angreifen, kann der Arzt mit einer Blutprobe erhöhte Blutwerte feststellen. Neben den Enzymen Troponin T und CK-MB gibt es noch "unspezifische" Herzenzyme, das heißt sie sind auch bei einer Reihe von anderen Erkrankungen erhöht und erlauben somit keinen eindeutigen Nachweis einer Herzmuskelschädigung.

Wurde der Herzmuskel geschädigt, steigen die Herzenzyme im Blut erst mit einer Verzögerung von mehreren Stunden an. Der genaue Zeitpunkt des Anstiegs ist je nach Herzenzym unterschiedlich. Der Troponin-T-Wert erhöht sich nach drei Stunden, CK-MB etwa vier bis acht Stunden nachdem beispielsweise ein Herzinfarkt den Herzmuskel geschädigt hat.

Der Arzt beurteilt Troponin T und die Kreatin-Kinase MB immer im Verhältnis zur Gesamt-Kreatin-Kinase, also der Gesamtmenge dieser Gruppe von Enzymen. Ein Anteil von mehr als fünf Prozent CK-MB an der gesamten Kreatin-Kinase spricht für eine Herzmuskelschädigung.

Erhöhtes Troponin T kommt vor bei:

Verminderte Troponin T-Werte deuten normalerweise nicht auf eine Krankheit hin.

Stark erhöhte CK-MB-Werte können vorkommen bei:

Ursachen erhöhter CK-MB-Werte können sein:

Niedrige CK-MB-Werte deuten in der Regel nicht auf eine Erkrankung hin.

Weitere Informationen

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2014

Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Heidelberg 2007

Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 265. Auflage. De Gruyter, Berlin 2014

Letzte inhaltliche Prüfung: 12.02.2014
Letzte Änderung: 20.05.2020