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Wundarten und ihre Erstversorgung

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Nächste Aktualisierung von Astrid Clasen • Medizinredakteurin

Schnittwunden entstehen durch die Einwirkung scharfkantiger Gegenstände, wie zum Beispiel Messer, Scheren oder auch Glasscherben. Die Wundränder sind glatt, die Wunde klafft häufig auseinander und blutet stark. Es kommt nur selten zu Wundinfektionen.

Schnittwunden

Kleinere Schnittwunden können Sie mit einem Pflaster verarzten. Um den Blutverlust bei stärkeren Blutungen so gering wie möglich zu halten, ist die sofortige Hochlagerung des verletzten Körperteils besonders wichtig. Als nächste Maßnahme erfolgt darauf die Abdeckung der Wunde mit sterilem Verbandsmaterial. Sollte die Blutung durch diese Maßnahmen nicht zum Stehen kommen, muss auf die Wunde, und damit auf die Arterien im Wundbereich, Druck ausgeübt werden. Durch festes Aufdrücken des Verbandsmaterials mit der Hand reduzieren Sie im Notfall eine Blutung am einfachsten und am sichersten.

Der nächste Schritt der fachgerechten Wundversorgung ist das Anlegen eines Druckverbands. Mit einem richtig angelegten Druckverband ist es möglich, über einen längeren Zeitraum einen kontinuierlich wirkenden Druck auf die Wunde einwirken zu lassen. Durch diese äußerst einfachen Maßnahmen können auch vom Ersthelfer die meisten Blutungen gestoppt werden. Allerdings ist ein Druckverband nicht bei allen Schnittwunden möglich. Bei Verletzungen im Bereich des Halses muss das Verbandsmaterial durch einen Helfer so lange direkt auf die Wunde gedrückt werden, bis die Blutung steht. Die weitere Versorgung muss dann aber innerhalb kürzester Zeit durch einen Arzt erfolgen.

Bei extrem starken Blutungen mit Verletzungen großer Arterien kann es gut möglich sein, dass weder das Aufpressen des Verbandsmaterials mit der Hand noch ein Druckverband die Blutung zum Stehen bringen. Um den Verletzten zu retten bis ärztliche Hilfe eintrifft, bleibt in diesen Fällen nur die Unterbrechung der Blutzufuhr zur verletzten Stelle. Dabei wird der Puls der zuführenden Schlagader aufgesucht und die Arterie gegen den darunter liegenden Knochen gedrückt. Die geeignete Stelle beispielsweise für den Oberarm befindet sich an der Innenseite des Oberarms. Bei großen Blutungen des Beins ist die Mitte der Leistenbeuge zum Abdrücken besonders gut geeignet.

Wegen schwerster Folgeschäden, die nicht selten zum Verlust von Gliedmaßen führen können, ist vom Abbinden eines Arms oder Beins jedoch abzuraten. Sollten aber keinerlei Zweifel bestehen, dass der Verletzte zum Beispiel auf Grund von abgetrennten Gliedmaßen verbluten wird und das Abdrücken der betroffenen Arterie keine ausreichende Wirkung zeigt, dann soll die betreffende Gliedmaße abgebunden werden. Dabei ist zu beachten: Verwenden Sie mehrere Zentimeter breite Tücher (wie Dreieckstuch oder Krawatte) und auf keinen Fall Schnüre oder Drähte. Lockern Sie die einmal angelegte Abbindung nicht, sondern warten Sie auf den Rettungsdienst, der über weitere Maßnahmen entscheiden wird.

Schürfwunden

Schürfwunden sind oberflächliche Verletzungen der Haut, verursacht durch das Einwirken rauer Gegenstände oder Flächen. Schürfwunden schmerzen häufig sehr, bluten aber nur wenig.

Es ist ausreichend, die Schürfwunde mit Wasser von grobem Schmutz zu befreien. Fremdkörper, die in der Verletzung festsitzen, müssen durch einen Arzt entfernt werden. Sind keine Fremdkörper mehr in der Wunde, tragen Sie Desinfektionsmittel auf (in der Apotheke erhältlich) und lassen die Wunde vor Anlegen eines Verbands oder Pflasters trocknen. Die Wunde wird mit keimfreiem (sterilen) Verbandsmaterial verbunden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Wunde nicht mit den Fingern berührt wird, um weitere Verunreinigungen zu vermeiden.

Stellen Sie unbedingt sicher, dass der Verletzte gegen Tetanus geimpft ist!

Verbrennungen

Verbrühungen und Verbrennungen entstehen durch Einwirkung von Hitze auf das Gewebe. Dabei steigt die Temperatur soweit an, dass es zu einer Zellschädigung beziehungsweise zum Zelltod kommt. Die Eiweißpartikel im Gewebe gerinnen oder verkohlen in schlimmen Fällen sogar. Das Ausmaß und die Tiefe der Schädigung hängen von der Höhe der Temperatur und der Dauer der Hitzeeinwirkung ab, der das Gewebe ausgesetzt war.

Zunächst sollten Sie die Verbrennungsquelle ausschalten oder beseitigen. Anschließend sind die Verbrennungswunden möglichst sofort zu kühlen, da das Gewebe auch nach Ausschalten der Verbrennungsquelle durch anhaltend hohe Temperaturen in der Haut weiter geschädigt werden kann. Aus diesem Grund gilt das Motto: "Sofort unter den Wasserhahn!". Dabei sollte möglichst normales kaltes Leitungswasser (zwischen 15 bis 25°C) auf die verbrannte Körperstelle laufen. Damit keine Unterkühlung oder Erfrierung des Gewebes auftritt, tauchen Sie die betroffene Region nicht direkt in kaltes Wasser ein. Auch die Verwendung von Eiswasser ist nicht zu empfehlen. Die Verbrennungswunden können so lange gekühlt werden, bis die Schmerzen gelindert sind. Im Regelfall sollten Sie jedoch nicht länger als 20 Minuten kühlen. Da bei kleineren Kindern die Gefahr einer raschen Auskühlung besteht, ist die Kühlung mit kaltem Wasser vorsichtiger durchzuführen. Darüber hinaus zeigt bei Kindern auch eine verspätete Kaltwasserbehandlung häufig noch positive Effekte.

Decken Sienach erfolgter Kühlung die Verbrennungswunden mit sterilem Verbandsmaterial ab. Wundauflagen aus Mull, Metallintüchern oder speziellen Burn-Pac-Tüchern sind – soweit vorhanden – zu empfehlen. Fusselndes, nicht steriles Material (z.B. Papiertaschentücher) ist nicht geeignet. Auf keinen Fall dürfen Sie Salben, Puder, Öl, Zahnpasta oder ähnliches auf die Verbrennungswunde auftragen. Öffnen Sie den Wundverband nicht vor einer Behandlung durch medizinisches Personal, beispielsweise im Krankenhaus. Da Gewebeverbrennungen häufig zu einem Anschwellen der betroffenen Körperregion (Ödeme) führen, legen Sie einengende Kleidungs- oder Schmuckstücke unbedingt ab.

Platzwunden

Platzwunden sind Riss-Quetsch-Wunden. Sie treten nach Einwirkung stumpfer Gewalt dort auf, wo direkt unter der Haut ein Knochen liegt. Die Wundränder sind leicht unregelmäßig. Die Schmerzen sind vor allem dann stark, wenn der Knochen verletzt wurde.

Um die Blutung möglichst zum Stillstand zu bringen und eine weitere Wundverschmutzung durch eindringende Krankheitserreger zu verhindern, sollten Sie unbedingt einen geeigneten Notverband anlegen lassen. Die Art des Verbands hängt dabei von der Stärke der Blutung ab.

Risswunden

Durch die Einwirkung spitzer Gegenstände und eine gleichzeitige Überdehnung der betreffenden Hautpartie kommt es zum Einreißen der Haut. Die Wundränder sind sehr unregelmäßig und die Wunde schmerzt stark.

Um die Blutung möglichst zum Stillstand zu bringen und eine weitere Wundverschmutzung durch eindringende Krankheitserreger zu verhindern, sollten Sie unbedingt einen geeigneten Verband angelegen. Die Art des Verbands hängt dabei von der Stärke der Blutung ab. Große Risswunden sollten Sie ärztlich versorgen lassen, entweder mit einem Zugpflaster oder einer Naht mit mehreren Stichen.

Stichwunden

Stichwunden entstehen durch das Einwirken spitzer Gegenstände, wie zum Beispiel Messer oder Spieße. Die Wundränder sind glatt, und häufig bluten Stichwunden nur wenig. Doch Stichwunden sind meist tief und bluten nach innen. Die Schmerzen sind kein Indiz für die Schwere der Verletzung!

Handelt es sich um eine Stichwunde, bei der sich der die Verletzung verursachende Gegenstand (wie Messer, Nagel, Pfeil) noch in der Wunde befindet, sollten Sie diesen nicht selbsttätig entfernen, da hierdurch starke Blutungen ausgelöst werden könnten. Lassen Sie sich stattdessen umgehend im Krankenhaus ärztlich behandeln.

Um die Blutung möglichst zum Stillstand zu bringen und eine weitere Wundverschmutzung durch eindringende Krankheitserreger (z.B. Bakterien) zu verhindern, sollte Sie unbedingt einen geeigneten Notverband anlegen. Die Art des Verbands hängt dabei von der Stärke der Blutung ab.

Blasen

Blasen entstehen durch Hitzeeinwirkung, entweder durch eine Verbrühung beziehungsweise Verbrennung, oder aber durch falsches Schuhwerk und die beim Laufen auftretende Reibung. Blasen sind immer flüssigkeitsgefüllt.

Stechen Sie Blasen keinesfalls auf, denn so können Keime in die Wunde gelangen. Wechseln Sie, falls es sich um Blasen an den Füßen handelt, stattdessen für einige Tage Ihr Schuhwerk und verwenden Sie spezielle Blasenpflaster, um den Druckschmerz zu lindern.

Erfrierungen

Eine Erfrierung ist ein lokaler Kälteschaden des Gewebes, zum Beispiel an den Händen, den Füßen oder den Ohren, der durch ein einmaliges, intensives Kältetrauma zustande kommt. Die Folge ist ein Sauerstoffmangel in der entsprechenden Körperregion. Dieser Mangel bewirkt einen Gewebeschaden, der bis zum Absterben der Zellen führen kann.

Liegen Erfrierungswunden vor, sollten Sie die betroffenen Stellen mit einem trockenen, sterilen Verband (wie Mullauflagen) abdecken und möglichst druckfrei hochlagern. Wichtig ist, den erfrorenen Körperteil vor weiterer Kälteeinwirkung zu schützen und nasse Kleidung durch trockene zu ersetzen. Wärmen Sie das erfrorene Körperteil am eigenen Körper (z.B. die Hand in die Achselhöhle legen) oder am Körper des Helfers. Suchen Sie geheizte Räumlichkeiten auf.

Unbedingt vermeiden sollten Sie:

Eine Weiterbehandlung im Krankenhaus ist bei fortgeschrittenen Erfrierungen absolut notwendig, um bleibende Schäden zu vermeiden.

Verätzungen

Verätzungen entstehen durch Säureeinwirkungen auf Haut oder Schleimhaut. Die betroffenen Stellen röten sich, bilden eventuell Schorf oder Blasen aus, außerdem treten Schmerzen auf.

Bei Verätzungen der Haut oder Schleimhaut mit Säuren oder Laugen ist es notwendig, möglichst sofort die ätzende Substanz an der betroffenen Körperregion zu verdünnen. Hierfür sind intensive und anhaltende Spülungen der Verätzungswunde mit Leitungswasser nötig. Anschließend sollte Sie die Wunde, ähnlich wie bei Verbrennungswunden, mit einem sterilen Verband abdecken. Verwenden Sie hier keinerlei Salben, Puder, Gele oder ähnliches. Die weitere Behandlung der Verletzungen sollte von medizinischem Personal durchgeführt werden.

Bisswunden

Bisswunden entstehen meist durch Tierbisse, wobei oft Bakterien von den Tierzähnen in die Wunde gelangen. Auch Menschenbisse sind möglich – Bisse durch Menschen zählen zu den besonders infektiösen Bissverletzungen, gefolgt von Katzen- und Hundebissen.

Die Infektionsgefahr bei Bisswunden ist allgemein sehr hoch; daneben besteht die Gefahr der Übertragung von Tetanus und Tollwut. Die Schmerzen sind meist stark. Schlangenbisse sind eine Besonderheit: Hier ist zwar die Verletzung klein, doch es besteht Vergiftungsgefahr.

Decken Sie die Wunde steril ab und begeben Sie sich zu einem Arzt oder ins Krankenhaus, um eine Infektion mit Tetanus oder Tollwut beziehungsweise eine lokale Infektion auszuschließen.

Schusswunden

Bei einer Schusswunde, ist an der Eintrittsstelle des Geschosses eine eher kleine Wunde zu finden, an der Austrittsstelle ein größeres unregelmäßiges Wundgebiet mit Quetschungen und Hautrissen. Das Geschoss kann sich aber auch noch im Körper befinden. In den meisten Fällen gehen Schussverletzungen mit großen Blutverlusten einher.

Decken Sie die Wunde steril ab, legen Sie gegebenenfalls einen Druckverband an. Rufen Sie unbedingt sofort den Rettungsdienst, es besteht die Gefahr innerer Blutungen!

Weitere Informationen

Quellen:

Müller, M.: Chirurgie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2013

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie: Wunden und Wundbehandlung. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 006/129 (Stand: April 2011)

von Hintzenstern, U.: Notarztleitfaden. Urban & Fischer, München 2010

Rothe, L., Skwarek, V.: Erste Hilfe konkret. Bildungsverlag EINS, Troisdorf 2007

Keggenhoff, F.: Erste Hilfe – das offizielle Handbuch: Sofortmaßnahmen bei Babys, Kindern und Erwachsenen. Südwest Verlag, Berlin 2007

Köhnlein, E., Weller, S.: Erste Hilfe. Thieme, Stuttgart 2004

Letzte inhaltliche Prüfung: 26.02.2013
Letzte Änderung: 13.03.2018