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Zahnimplantate

Veröffentlicht von Onmeda-Redaktion

Zahnimplantate sind heute fester Bestandteil der zahnmedizinischen Behandlung. Sie sind lange haltbar, gesundheitlich unbedenklich und ermöglichen einen optisch sehr ansprechenden und funktionstüchtigen Zahnersatz.

Überblick

Implantation (lat. implantare = einpflanzen) bedeutet, dass der Arzt körperfremdes Material (z.B. Kunststoff, Metall oder auch biologisches Gewebe) in den menschlichen Körper "einpflanzt", wo es dann eine bestimmte Funktion übernimmt. Im Falle von Zahnimplantaten verankert der Zahnarzt oder Kieferchirurg einen Metallstift aus Titan fest im Kieferknochen, wo er mit dem umliegenden Knochengewebe verwächst (sog. Osseointegration). Das Zahnimplantat dient nun als Zahnwurzel für einen Zahnaufbau, der die Zahnlücke schließt.

Zahnimplantate können die Grundlage für Zahnkronen, Zahnbrücken, Teil- sowie Vollprothesen bilden.

Auf die einzelnen Zahnimplantate kann der Zahnarzt zum Beispiel Einzelkronen oder komplette Brücken aufsetzen. Daher ist diese Möglichkeit des Zahnersatzes bei Zahnverlust im Frontzahnbereich besonders vorteilhaft. Außerdem können die Zahnimplantate als "Anker" für Prothesen dienen. Sie befriedigen somit nicht nur ästhetische Ansprüche, sondern stellen die Kaufunktion des Gebisses wieder her und verhindern die Rückbildung des Kieferknochens, die bei einem Zahnverlust häufig auftritt. Auf diese Weise können Zahnimplantate auch das allgemeine Wohlbefinden steigern.

Nur wenn der Gesundheitszustand des Ober- oder Unterkiefers es zulässt, kann der Zahnarzt oder der Kieferchirurg die Zahnimplantate in den Kieferknochen einbringen. Nach einer Einheilungsphase von etwa drei bis acht Monaten sind die Zahnimplantate endgültig im Kiefer verankert.

© Jupiterimages/iStockphoto
Aufbau eines Zahnimplantats

Bei den meisten Patienten wächst ein Zahnimplantat problemlos und ohne Komplikationen in den Kieferknochen ein. Betroffene können dann wieder ganz normal kauen. Auch die Zahnpflege ist bei Zahnimplantaten nach zahnärztlicher Einweisung in der Regel kein Problem.

Implantattypen

Material

Zahnimplantate bestehen fast immer aus Titan. Der Grund dafür sind die – im Vergleich zu anderen Metallen – guten mechanischen und statischen Eigenschaften. Titan ist ein idealer Werkstoff für Implantate aufgrund seiner Vorteile bezüglich:

Mit Titan ist ein Zahnimplantat stabil genug, um den späteren Kaubelastungen standzuhalten. Zudem ist Titan sehr gut verträglich und löst selten Allergien aus.

Unterschiede zwischen den heute verfügbaren Zahnimplantaten beruhen hauptsächlich auf ihrer Form und der Oberflächenbeschaffenheit. Um die Verträglichkeit des Metalls zu steigern, wird die Oberfläche des Implantats zum Beispiel durch eine spezielle Beschichtung, Bestrahlung (z.B. Aluminiumoxidstrahlung) oder Ätzung behandelt. Auch die Einarbeitung von Wirkstoffen, die das Knochenwachstum anregen, kann das Einheilen des Zahnimplantats erleichtern.

Form

Zahnimplantate, die der Zahnarzt oder Kieferchirurg direkt in den Kieferknochen einbringt, gibt es in unterschiedlichen Formen:

Die meisten Zahnimplantate sind schraubenförmig. Diese Schrauben unterscheiden sich wiederum untereinander – zum Beispiel in Länge, Breite oder Gewindeprofil. So steht für jedes Gebiss ein jeweils passendes Modell zur Verfügung.

Suprakonstruktion

Die sogenannte Suprakonstruktion (lat. supra = oberhalb, über) entspricht einer künstlichen Zahnkrone, die man auf die künstliche Zahnwurzel – das Zahnimplantat – aufsetzt. Mehrere Schrauben und Fassungen greifen ineinander und ermöglichen die individuelle Gestaltung dieses Zahnersatzes.

Einzelne Zahnlücken lassen sich mit einem Einzelzahnimplantat schließen, bei größeren Lücken beziehungsweise verkürzten Zahnreihen sind zwei oder mehrere Zahnimplantate nötig. Als Suprakonstruktion schraubt der Zahnarzt dann Kronen oder Brücken als festsitzenden Zahnersatz auf. Ein wichtiges Ziel ist, eine gute Kaufunktion zu erhalten beziehungsweise wiederherzustellen.

Falls nur noch wenige eigene Zähne im Mund sind – oder der Kiefer gar komplett zahnlos ist – kommt eine kombiniert festsitzende und herausnehmbare Suprakonstruktion infrage. Gerade für Menschen mit zahnlosem Unterkiefer erhöht sich der Kaukomfort dadurch enorm, da Totalprothesen bei diesen Patienten weniger Halt finden und möglicherweise Druckschmerzen verursachen können.

Wann kein Implantat?

Möchte man Zahnimplantate einsetzen, ist es wichtig, zuvor auch die Erfolgsaussichten abzuschätzen: Der behandelnde Arzt wägt dabei zuerst ab, ob ein Zahnimplantat für den jeweiligen Patienten überhaupt geeignet ist. Typische Gegenanzeigen für Zahnimplantate sind zum Beispiel:

Nicht zuletzt muss der Patient auch mit den besonderen Maßnahmen bei der Mundhygiene nach der Zahnimplantation zurechtkommen.

Auch spezielle anatomische Verhältnisse im Mundraum können die Implantation erschweren. So können eine zu große Zunge sowie krankhafte Kaubewegungen ebenfalls gegen Zahnimplantate sprechen. Zudem muss eine ausreichende Knochendicke gewährleistet sein, um die Implantate in den Kieferknochen einsetzen zu können.

Ist nicht ausreichend Knochen im Unter- oder Oberkiefer vorhanden, spricht man auch von einem unzureichenden "Knochenbett" für das Zahnimplantat. Es besteht dann die Möglichkeit, bessere knöcherne Voraussetzungen durch eine chirurgische Voroperation zu schaffen. Bei dieser sogenannten Knochenaugmentation setzt der Kieferchirurg Knochensubstanz in den Kiefer ein beziehungsweise lagert sie auf den Kiefer auf. Die entsprechenden Operationstechniken haben sich in den vergangenen Jahren so weit verfeinert und als zuverlässig erwiesen, dass zu wenig Knochensubstanz heute meist kein Hinderungsgrund mehr für ein Zahnimplantat ist. Die Chance auf einen dauerhaften Behandlungserfolg ist lediglich geringfügig schlechter.

Alter bei Implantationen

Zahnimplantate sind bei jugendlichen Patienten kritisch zu bewerten, da das Knochenwachstum noch nicht abgeschlossen ist. Bei männlichen Jugendlichen ist dieser Prozess mitunter erst mit dem 20. Lebensjahr abgeschlossen ist. Bei Mädchen früher, etwa ab dem 18. Lebensjahr.

Gegen Zahnimplantate im hohen Alter gibt es nichts einzuwenden. Liegt der Zahnverlust allerdings sehr lange zurück, kann die Verankerung des Zahnimplantats unter Umständen erschwert sein, da eine fehlende Zahnwurzel auch den Abbau der Knochenmasse im Kiefer mit sich bringt.

Ablauf der Implantation

Sowohl Zahnärzte als auch Kieferchirurgen können Zahnimplantate einsetzen. Zunächst erstellt der Arzt mit einer speziellen Abdruckmasse einen Abdruck der Kiefer. Anhand dieser Abformung kann der Zahntechniker dann messen und planen, was die optimale Position für die Zahnimplantate im Kiefer ist und wie er die Suprakonstruktion (künstliche Zahnkrone auf dem Implantat) am besten platziert. Das restliche Gebiss sollte vor der Implantation frei von Karies und Zahnfleischentzündung (Parodontitis) sein.

Mithilfe von Röntgenaufnahmen und einer speziell angefertigten Bohrschablone setzt der Arzt die Zahnimplantate während einer Operation in den Knochen ein. Die Schleimhaut vernäht er anschließend dicht über der Bohrung. Nach circa drei Monaten legt der Zahnarzt (bzw. Kieferchirurg) die künstlichen Zahnwurzeln frei und kann so kontrollieren, ob das Implantat gut in den Knochen eingeheilt ist. Außerdem versieht er die Implantate mit sogenannten Mundschleimhaut-Formern – das sind Schrauben, um die das Zahnfleisch dann herum wächst. Schmerzen sind während der Implantation nicht zu erwarten, da die gesamte Operation unter lokaler Betäubung abläuft.

Häufig nutzt der behandelnde Arzt auch einen Laser, um das Zahnfleisch für das Einsetzen der Zahnimplantate zu eröffnen. Da der Laser Blutgefäße sofort "verschweißen" kann, blutet das Gewebe fast gar nicht. Meist erübrigt sich so auch ein Verschluss mit einer Naht und die Heilung läuft schneller und narbenfrei ab.

Die Suprakonstruktion erstellt der Zahntechniker im Zahnlabor anhand der angefertigten Abformungen. Nach Ablauf der sogenannten Einheilphase (drei Monate im Unterkiefer, etwa sechs bis acht Monate im Oberkiefer) kann der Zahnarzt die fertige Suprakonstruktion auf die Implantate aufsetzen. In manchen Fällen kann der Patient für die Dauer der Einheilphase einen provisorischen Zahnersatz tragen.

Eine Sofortbelastung der Zahnimplantate ist nur beim zahnlosen Unterkiefer möglich. Hier verteilt sich Belastung dank einer Stegkonstruktion auf mehrere einzelne Implantate.

Haltbarkeit

Ein Zahnimplantat ist ein lohnenswerter, zukunftsorientierter Zahnersatz für mehrere Jahre bis hin zu Jahrzehnten. Die meisten Zahnimplantate heilen in den Kieferknochen binnen der ersten sechs Monate nach der Implantation ein und können dort viele Jahre verbleiben.

So wie das natürliche Gebiss, bedürfen auch Zahnimplantate einer täglichen Mundpflege. Eine halbjährliche professionelle Zahnreinigung durch den Zahnarzt kann die Mundhygiene bei einem Zahnimplantat sinnvoll ergänzen. Die Kosten hierfür müssen Sie jedoch selbst tragen.

Bei sorgfältiger Pflege halten Zahnimplantate bei den meisten Patienten problemlos mehr als zehn Jahre. Sollte sich das Gebiss durch den Verlust weiterer Zähne verändern, ist das kein Problem: Der Zahnarzt kann den alten Zahnersatz entfernen und einen neuen, nun passenden Aufbau (sog. Suprakonstruktion) anfertigen lassen, den er dann auf die verbliebenen Zahnimplantate aufsetzt.

Richtige Pflege des Implantats

Direkt nach der Implantation

Bis die Betäubung abgeklungen ist, sollten Sie keine heißen Speisen oder Getränke zu sich nehmen.

In der ersten Woche

In der zweiten bis sechsten Woche

Wenn Sie unsicher sind oder sich mit der Pflege Ihrer Zahnimplantate überfordert fühlen, sprechen Sie Ihren Zahnarzt darauf an! Er kann Ihnen nützliche Pflegetipps für den Alltag geben.

Zahnimplantate – Übernahme der Kosten

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen für Zahnersatz einen Festzuschuss, der sich nach dem Zahnbefund, nicht jedoch nach der gewählten Therapie (z.B. dem Zahnimplantat) richtet. Als Zahnersatz gelten:

Ebenso zählen die Zahnersatz-Formen, die sich auf Implantaten im Kieferknochen abstützen, dazu. Nicht dazu gehören:

Die Höhe des Festzuschusses orientiert sich an den Kosten der sogenannten Regelversorgung. Unter Regelversorgung verstehen die Krankenkassen jene zahnärztlichen und zahntechnischen Leistungen, die zur Gesunderhaltung bei einem bestimmten Befund medizinisch notwendig und in diesem Behandlungsfall üblich sind. Die Kasse übernimmt dann 50 Prozent dieses festgesetzten Betrags und zahlt sie dem Patienten – unabhängig von seiner gewählten Zahnersatz-Form – als Zuschuss aus.

Wer in seinem Bonusheft durch regelmäßige Teilnahme an den jährlichen Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt Bonuspunkte sammelt, wird dafür von seiner gesetzlichen Krankenkasse belohnt. Der Festzuschuss zu den Zahnimplantat-Kosten kann dann bis zu 65 Prozent der Regelversorgung betragen.

Für Versicherte mit geringem Einkommen gilt die sogenannte Härtefallregelung, bei der die Krankenkassen dann die gesamten Kosten der Regelversorgung übernehmen.

Wenn sich Patient und Zahnarzt für ein Zahnimplantat entscheiden, erstellt der Arzt zunächst einen Heil- und Kostenplan, den der Patient bei seiner Krankenkasse einreicht. Die Kasse informiert dann über die Höhe des bewilligten Zuschusses.

Die Erstellung des Heil- und Kostenplans ist für den gesetzlich krankenversicherten Patienten kostenlos. Privatpatienten müssen unter Umständen eine Gebühr bezahlen. Über alle im Heil- und Kostenplan aufgeführten Posten muss der Zahnarzt genau informieren. Etwa die Hälfte der Zahnimplantat-Kosten entfällt meist auf die Arbeit des Zahnlabors.

Zu berücksichtigen sind auch Folgekosten, die sich eventuell aus Nachuntersuchungen ergeben können. Manche Zahnimplantate enthalten darüber hinaus Verschleißteile, die man in geregelten Abständen auswechseln muss. Das kann den Patienten im Einzelfall finanziell belasten. Falls allerdings der kronenähnliche Aufbau auf dem Zahnimplantat (sog. Suprakonstruktion) erneuert werden muss, hat der Patient Anspruch auf einen weiteren Festzuschuss seiner Krankenkasse.

Historisches

Im Wesentlichen beginnt die Geschichte der Zahnimplantate Anfang des 19. Jahrhunderts. Damals stellte man die Implantate aus Metallen wie Silber, Gold, Platin oder Blei her. Es gab aber auch Zahnimplantate aus Gummi, Kautschuk und Keramik. Die künstlichen Zähne waren meist der natürlichen Zahnform nachempfunden. Man platzierte diese Zahnnachbildungen direkt nach dem Zahnziehen in das entstandene Loch im Kieferknochen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die Entwicklung von lokalen Betäubungsmitteln, zahnärztlichen Bohrmaschinen und Apparaten für Röntgenaufnahmen den Fortschritt in der Zahnmedizin vorantrieben, entwickelte sich auch die Implantologie weiter. Im Jahr 1937 gelang es dem US-Amerikaner Alvin Edward Strock dann zum ersten Mal, ein schraubenförmiges Zahnimplantat aus einer Chrom-Kobalt-Molybdän-Verbindung im Kiefer zu verankern.

Durch überzeugende Studienergebnisse hat sich – neben Keramik – seit 1960 das Metall Titan als geeignetes Material für Zahnimplantate im Kieferknochen durchgesetzt.

Weitere Informationen

Quellen:

Online-Informationen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung: www.kzbv.de (Abruf: 7.11.2014)

Zahnarzt. Online-Information des Bundesministeriums für Gesundheit: www.bmg.bund.de (Stand: 17.1.2014)

Gernet, W., et al.: Zahnärztliche Prothetik. Thieme, Stuttgart 2011

Schwenzer, N., et al.: Zahnärztliche Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2009

Implantate – Patienteninformationen der Bundeszahnärztekammer und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: www.dgzmk.de (Stand: 19.6.2008)

Reitemeier, B., Schwenzer, N., Ehrenfeld, M.: Einführung in die Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2006

Ott, R., Vollmer, H.P., Krug, W. Klinik- und Praxisführer Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2003

Stand: 20. November 2014