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MRT (Magnetresonanztomographie, Kernspintomographie)

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Nächste Aktualisierung von Lydia Klöckner • Medizinredakteurin

Die MRT (Magnetresonanztomographie), auch als Kernspintomographie bezeichnet, gehört zu den bildgebenden Verfahren. Mit einer MRT kann der ganze Körper durchleuchtet werden, aber auch einzelne Körperbereiche wie der Kopf oder das Knie lassen sich mittels der Schnittbilder darstellen.

Allgemeines

Der Begriff Tomographie stammt aus dem Griechischen und bedeutet Schnittbild. Die Untersuchung wird durch einen Computer gestützt und liefert ohne die Anwendung von Röntgenstrahlung (ionisierender Strahlung) eine detaillierte Darstellung von Organen und Geweben im Körperinneren.

Die MRT bedient sich der Tatsache, dass sich kleinste Bausteine des Körpers (Wasserstoffatome) durch Magnetfelder und Radiowellen beeinflussen lassen. Wasserstoffatome können sich um sich wie ein Kreisel um sich selbst drehen (englisch spin=drehen). Durch die Drehung entsteht ein eigenes kleines Magnetfeld.

Dieses Magnetfeld lässt sich mittels eines starken Magneten beeinflussen. Dieser Magnet befindet sich im Inneren des Magnetresonanztomographen – er umschließt eine Röhre, in die der Untersuchte auf einer Liege hineingeschoben wird.

© Jupiterimages/iStockphoto
Mit einer MRT lassen sich auch einzelne Körperbereiche wie der Kopf oder das Knie darstellen.

Die unterschiedlichen Körperschichten lassen sich im MRT gut unterscheiden, da sich je nach Gewebeart unterschiedlich viel Wasserstoff darin befindet. Besonders gut sind Weichteile wie zum Beispiel das Gehirn oder die inneren Organe auf den MRT-Bildern zu erkennen: Sie enthalten viel Wasserstoff und können deshalb gut abgebildet werden. Auch Tumoren und Entzündungen lassen sich in den meisten Fällen gut darstellen, da sich ihr Wasserstoffgehalt von dem von gesundem Gewebe unterscheidet. Knochen hingegen sind auf den Bildern nicht gut sichtbar, da sie wenig Wasserstoff enthalten. Je nach Wasserstoffgehalt erscheinen Gewebe heller oder dunkler auf den Bildern.

Um ähnliche Gewebe besser voneinander unterscheiden zu können, bekommt der Patient vor der Untersuchung ein sogenanntes Kontrastmittel gespritzt. Dieses gelangt über das Blut in den ganzen Körper. In den Schnittbildern ist es aufgrund seiner helleren Farbe gut zu erkennen, sodass es möglich ist, Blutgefäße vom umliegenden Gewebe abzugrenzen. Da sich das Kontrastmittel oft in Tumoren vermehrt sammelt, kann man auch diese auf den Aufnahmen erkennen.

Seit Anfang der 1980er Jahre wird die MRT in der medizinischen Diagnostik verwendet. Die Magnetresonanztomographie gehört in Deutschland und in den meisten Industrienationen mittlerweile zu den routinemäßig verwendeten Diagnoseverfahren. Generell ist die MRT aufgrund der hohen Kontraste von Weichteilen besonders für den Nachweis tumoröser, entzündlicher und traumatischer Erkrankungen geeignet.

Untersuchung

Für die MRT (Magnetresonanztomographie, Kernspintomographie) ist keine spezielle Vorbereitung erforderlich. Bei der Untersuchung sollte allerdings die Kleidung bequem sein – ohne Knöpfe oder Reißverschlüsse aus Metall. Auch andere Metallgegenstände wie Piercings, Schmuck, Hörgeräte, Uhren, Gebisse oder Schlüssel muss der Patient ablegen, bevor er den Untersuchungsraum betritt, da der Magnet des Tomographen diese anzieht und so Verletzungen entstehen können.

Metallteile können außerdem bei der MRT heiß werden und die Haut des Patienten verbrennen. Darüber hinaus können sie die Aufnahmen beeinträchtigen.

Bei Magnet- und Chipkarten besteht die Gefahr, dass sie beschädigt werden – sie sollten deshalb nicht mit in den Untersuchungsraum gebracht werden.

© Jupiterimages/Hemera
Mit einer MRT lassen sich entzündliche Prozesse, Tumoren und Fehlbildungen im Kopf darstellen.

Wenn Sie Metallteile im Körper tragen, besprechen Sie vor einer MRT-Untersuchung mit Ihrem Arzt, ob diese die MRT-Aufnahme behindern. Das gilt zum Beispiel für Prothesen, Implantate, Spiralen zur Verhütung, Klammern, Stents oder Metallsplitter. Auch auf Wundverbände, Medikamenten- oder Nikotinpflaster sollten Betroffene den Arzt vor einer MRT-Untersuchung hinweisen, da diese mit Metall beschichtet sein können und Probleme bereiten könnten.

Bei Betroffenen, die einen Herzschrittmacher oder andere implantierte Geräte tragen, kann in der Regel keine MRT erfolgen. Über Ausnahmen muss der Arzt entscheiden.

Sehr selten treten bei einer MRT-Untersuchung Behinderungen durch Tätowierungen auf, da in der Farbe metallhaltige Teile vorkommen können, die Hautreizungen und im schlimmsten Fall Verbrennungen hervorrufen. Deshalb sollte der Arzt vorher über eine vorhandene Tätowierung informiert werden, um das Risiko abschätzen zu können. Das Gleiche gilt für Permanent-Make-up.

Darüber hinaus sollte der Patient vor der Untersuchung Kosmetika und Schminke entfernen, sofern sie metallhaltige Inhaltsstoffe aufweisen. Diese können die MRT-Bilder unter Umständen beeinträchtigen.

Für die Magnetresonanztomographie legt sich der Patient in eine enge tunnelähnliche Röhre (dem Magnetresonanztomograph). Während der Untersuchung sind in gewissen zeitlichen Abständen immer wieder starke Klopfgeräusche zu hören. Um diese zu dämpfen, erhalten die Patienten während der Untersuchung Ohrstöpsel oder Kopfhörer. Es ist notwendig, dass der Patient während der Untersuchung absolut ruhig liegt, da jede Bewegung die Qualität der Aufnahmen beeinträchtigt.

Eine vollständige MRT-Untersuchung kann zwischen einigen Minuten und bis zu über einer Stunde dauern. Die Differenz kommt dadurch zu Stande, dass zwischen den einzelnen Untersuchungssequenzen Messpausen von bis zu zehn Minuten entstehen. Die MRT verursacht keine Schmerzen – vielmehr spürt der Betroffene nichts davon, dass er "durchleuchtet" wird. Manchen Betroffenen bereitet unter Umständen das lange Stillliegen in der engen Röhre Probleme. Wenn Patienten unter Raumangst (umgangssprachlich Platzangst) leiden, können sie vor der Untersuchung ein Beruhigungsmittel bekommen.

Eine MRT in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft sollte nur in Notfällen erfolgen. Es ist zwar nicht erwiesen, dass die Radiowellen das Ungeborene schädigen, aber Auswirkungen konnten bislang auch nicht ausgeschlossen werden. Zu einem späteren Zeitpunkt der Schwangerschaft ist eine MRT-Untersuchung unbedenklich.

Anwendungsgebiete

Die MRT (Magnetresonanztomographie, Kernspintomographie) wird vor allem für die Diagnosefindung der folgenden Gewebe, Organe beziehungsweise Körperregionen und Erkrankungen eingesetzt:

Körperregion Einsatz bei folgenden Fragestellungen
Becken, Harnblase Prostatahyperplasie und Prostatakrebs, gynäkologische Tumoren, perirektale Lymphknoten, Rektum-Karzinome, Hüftgelenksentzündungen, Beckengefäße, Funktionsdiagnostik von Transplantaten (Niere, Pankreas). Ovarialzysten, freie Flüssigkeit
Brust Ergänzung zu Mammographie und Sonographie, präoperativer Ausschluss von mehreren Karzinomherden in verschiedenen Quadranten (Multizentrizität) oder in einem Quadranten (Multifokalität), postoperativer Ausschluss von Rückfällen (Rezidivdiagnostik), insbesondere bei Frauen mit Brustimplantaten
Blutgefäße arterielle und venöse Gefäße bezüglich Thrombosen, Fehlbildungen, Entzündungen, Verschlüssen, Darstellung der Herzkranzgefäße
Gelenke Diagnostik traumatischer, degenerativer, entzündlicher und tumoröser Gelenkerkrankungen
Hals-Nasen-Ohren insbesondere Tumoren, entzündliche Prozesse
Knochenmark Markraumverfettungen, Lymphome, Plasmozytome, Metastasen, Hämangiome
Kopf vor allem entzündliche Prozesse, Tumoren, Fehlbildungen und Angiographien, für den Nachweis einer akuten Blutung wird dagegen eine Computertomographie (CT) empfohlen, frühe Erkennung von ischämischen Prozessen (Hirninfarkt)
Leber, Niere, Milz, Bauchspeicheldrüse und Gallengänge so gut wie alle Fragestellungen, vor allem Tumoren, Entzündungen, Gefäßfehlbildungen
Magen-Darm-Trakt bildliche Darstellung der Gallenwege (Cholangiographien), bildliche Darstellung von Gallenwegen, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse (Pankreatographien), Tumoren, Schilddrüsenvergrößerungen, sowie pathologische Lymphknoten
Sehnen Entzündungen, Degenerationen, Rupturen
Thoraxwand Tumoren
Weichteile Musculo-skelettale Tumoren, wie z.B. Sarkome, Entzündungen
Wirbelsäule Bandscheibendegenerationen, intra- oder extraaxiale Spinaltumoren, Entzündungen, neurologische Erkrankungen des Rückenmarks (Myelopathien), Syringomyelie, anatomische Variationen und Fehlbildungen, Wirbelkörperfrakturen, Knochenmetastasen

Risiken und Komplikationen

Nach aktuellen Erkenntnissen sind bei der MRT (Magnetresonanztomographie, Kernspintomographie) keinerlei länger anhaltende Risiken und Nebenwirkungen zu erwarten. Im Gegensatz zur Computertomographie entstehen bei der MRT keine Röntgenstrahlen (ionisierende Strahlen).

Gefahren können durch Metalle wie Münzen, Schlüssel, Haarspangen und andere am oder im Körper oder in der Nähe des Magnetresonanztomographen entstehen. Durch das starke Magnetfeld werden diese Dinge in das MRT hineingezogen. Sie können so den Patienten verletzen (Geschosswirkung) und das Gerät beschädigen.

Das Magnetfeld des MRT ist grundsätzlich immer in Betrieb und daher potenziell immer gefährlich. Dies gilt auch für den Fall, dass sich das Untersuchungsgerät in Wartestellung befindet oder die Untersuchungskonsolen abgeschaltet sind.

Bei Schwangeren gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass bei Untersuchungen mit dem MRT irgendwelche schädigende Folgen für das Ungeborene zu erwarten sind. Um sicher zu gehen, sollten Untersuchungen bei Schwangeren jedoch nur in dringenden Fällen durchgeführt werden. Stillende Frauen sollten nach der Einnahme des Kontrastmittels etwa 24 Stunden mit dem Stillen aussetzen, da ein Übertritt in die Muttermilch möglich ist.

Nebenwirkungen Kontrastmittel

Einige Gewebe wie zum Beispiel Muskeln und Blutgefäße erscheinen in den Schnittbildern in ähnlichen Grautönen und sind deshalb schwer zu unterscheiden. Mithilfe eines Kontrastmittels lassen sich Blutgefäße besser darstellen. Kontrastmittel wird in die Armvene gespritzt und verteilt sich über die Blutbahn im ganzen Körper. Auch in Tumoren und Metastasen sammelt es sich stärker an, sodass diese gut sichtbar werden. Ein häufig verwendetes Kontrastmittel ist Gadolinium-GTPA.

Gadolinium ist ein Metall, das in seiner reinen Form giftig ist. In Verbindung mit der Säure DTPA kann es jedoch für die MRT verwendet werden. In der Regel ist das Kontrastmittel gut zu vertragen und es treten selten Nebenwirkungen auf. Hin und wieder kommt es nach Verabreichung von Kontrastmittel zu Wärme- oder Kältegefühl, Kopfschmerzen, Unwohlsein, Kribbeln oder Hautreizungen. Allergische Reaktionen kommen selten vor.

Quellen

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2014)

Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg, Krebsinformationsdienst: www.krebsinformation.de (Stand: 2010)

Schwarzmüller, G., Silberstein, E.: Angewandte Magnetresonanztomographie. Facultas, Wien 2010

Uhlenbrock, D., Forsting, M.: MRT und MRA des Kopfes. Thieme, Stuttgart 2007

Rummeny, E., Reimer, P., Heindel, W.: Ganzkörper-MR-Tomographie. Thieme, Stuttgart 2006

Letzte inhaltliche Prüfung: 11.09.2014
Letzte Änderung: 06.02.2020