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Hämoccult-Test

Letzte Änderung:
Verfasst von Dr. rer. nat. Geraldine Nagel • Medizinredakteurin

Der Hämoccult-Test spürt bereits geringste Blutmengen im Stuhl auf, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind. Man spricht dann von okkultem oder verstecktem Blut im Stuhl.

Allgemeines

Weist der Hämoccult-Test verstecktes Blut im Stuhl nach, kann das auf Erkrankungen wie Darmkrebs hinweisen. Im Durchschnitt fällt bei jedem dritten Teilnehmer über einen Zeitraum von zehn Jahren der Hämoccult-Test positiv aus, weist also Blut in der Stuhlprobe nach. Bei etwa 15 Prozent der Personen mit positivem Hämoccult-Test stellt sich bei einer Nachuntersuchung Darmkrebs als Ursache heraus. Auch die mögliche Vorstufe des Darmkrebses, die Darmpolypen, lässt sich mit dem Hämoccult-Test frühzeitig erkennen und behandeln.

Zwar ist der Hämoccult-Test nicht vollkommen eindeutig – denn Blutspuren im Stuhl können auch bei anderen Krankheiten, etwa bei Hämorrhoiden, auftreten –, hat er doch seine Bedeutung in der Darmkrebs-Früherkennung.

In Deutschland haben alle Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen ab einem Alter von 50 Jahren bis zur Vollendung des 55. Lebensjahrs Anspruch auf eine jährliche Durchführung dieses Schnelltests. Danach übernimmt die Krankenkasse die Kosten nur noch alle zwei Jahre und auch nur, wenn der Patient eine Darmspiegelung nicht in Anspruch nimmt.

Hin und wieder kann es zu falsch-positiven oder falsch-negativen Ergebnissen beim Hämoccult-Test kommen. Falsch-positive Testergebnisse können zum Beispiel entstehen durch:

Zu falsch-negative Ergebnisse kommt es dagegen manchmal durch Vitamin-C-haltige Präparate (wie Nahrungsergänzungsmittel) oder Lebensmittel (z.B. Obst, Multivitaminsäfte).

Der Hämoccult-Test wird manchmal auch als Papierstreifentest, Löschpapier-Test oder Guajak-Test bezeichnet.

Durchführung

Den Hämoccult-Test erhalten Sie vom behandelnden Arzt. Er besteht aus drei Testbriefchen. Zu Hause tragen Sie mit dem beigefügten Spatel eine kleine Stuhlprobe auf das erste Testbriefchen auf. An zwei weiteren Tagen wiederholen Sie dies mit dem zweiten und dritten Testbriefchen. Geben Sie die drei Testbriefchen dann bei Ihrem Arzt zur Auswertung ab. Er kann anhand der Farbe des Testfelds erkennen, ob sich verstecktes (okkultes) Blut im Stuhl befindet.

Ein negativer Hämoccult-Test bedeutet, dass kein verstecktes Blut im Stuhl vorhanden ist. Bei einem positiven Hämoccult-Test ist okkultes Blut im Stuhl vorhanden, das heißt, der Befund muss weiter mittels einer Darmspiegelung (Koloskopie) abgeklärt werden.

Medikamente und Nahrungsmittel können den Hämoccult-Test verfälschen. Verzichten Sie deshalb drei Tage vor sowie während der Untersuchung auf tierische, bluthaltige Produkte (z.B. halb rohes Fleisch, Blutwurst). Auch eisenhaltige Präparate und manches Gemüse (Brokkoli, Blumenkohl, Radieschen) sowie Obst (Bananen, Kirschen) können zu einem falsch-positiven Ergebnis des Hämoccult-Tests führen.

Auswertung

Ungefähr 60 bis 80 Prozent aller Darmkrebs-Fälle entdeckt man mit dem Hämoccult-Test und über Nachuntersuchungen. Allerdings ist der Hämoccult-Test kein spezifischer Krebstest, sondern weist auch Blutspuren durch andere Darmerkrankungen nach, wie zum Beispiel durch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn), Divertikel im Darm oder Darmblutungen. In fast jedem dritten Fall stellen sich Hämorrhoiden als Ursache für das okkulte Blut im Stuhl heraus.

Ein positives Ergebnis des Hämoccult-Tests bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Krebserkrankung vorliegt. Andererseits schließt ein negativer Test Darmkrebs auch nicht aus, denn nicht jedes kolorektale Karzinom blutet. Liegen also trotz negativem Hämoccult-Test Beschwerden wie Schmerzen oder Stuhlunregelmäßigkeiten vor, müssen diese weiter abgeklärt werden.

Verfälschte Ergebnisse

Das Ergebnis des Hämoccult-Tests kann durch bestimmte Nahrungsmittel (halbrohes Fleisch, Blutwurst, Brokkoli, Blumenkohl, Radieschen, ...) und Medikamente (z.B. Eisentabletten, Acetylsalicylsäure) falsch-positiv ausfallen. Auch Zahnfleischbluten oder Nasenbluten können zu einem falsch-positiven Testergebnis führen. Vitamin-C-haltige Präparate beziehungsweise Speisen (z.B. Obst) und Getränke (z.B. Multivitaminsäfte) können dagegen ein falsch-negatives Ergebnis des Hämoccult-Tests bewirken.

Immunologischer Stuhltest

Eine Alternative zum Hämoccult-Test bietet der immunologische Stuhltest (immunologischer Okkultbluttest). Diesen können Sie unkompliziert zu Hause durchführen und selbst auswerten.

Für den immunologischen Stuhltest geben Sie mit Flüssigkeit verdünnten Stuhl auf ein Testfeld. Innerhalb weniger Minuten läuft eine immunologische Reaktion ab, bei der nach Spuren von Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff, gesucht wird. Innerhalb von fünf bis zehn Minuten können Sie das Ergebnis des immunologischen Okkultbluttests ablesen. Je nach Hersteller müssen manche Tests zur Auswertung auch in ein Labor geschickt werden.

Der immunologische Stuhltest sucht mithilfe von Antikörpern spezifisch nach menschlichen Blutspuren in der Stuhlprobe, er kann also zum Beispiel nicht durch tierische Nahrung verfälscht werden. Er liefert genauere und zuverlässigere Ergebnisse als der klassische Hämoccult-Test. Bevor Sie den Test durchführen, müssen Sie daher nicht auf die Ernährung achten, da Nahrungsmittel das Ergebnis nicht verfälschen können. Allerdings können hohe Dosierungen bestimmter Schmerz- und Rheumamittel (z.B. Acetylsalicylsäure, Diclofenac) zu einem falschen Testergebnis führen.

Der immunologische Stuhltest ist ab etwa 15 Euro in der Apotheke erhältlich. Die Kosten dafür müssen Sie in der Regel selbst tragen, da diese bislang normalerweise nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

Andere immunologische Stuhltests basieren auf dem Nachweis konkreter Tumormarker, versuchen also Krebszellen spezifisch nachzuweisen. Einige dieser Test sind jedoch noch nicht ausreichend erforscht.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

  • www.darmkrebs.deDie Felix Burda Stiftung gibt auf ihren Seiten ausführliche Informationen rund um das Thema Darmkrebs. Neben medizinischen Hinweisen zur Vorbeugung und Früherkennung finden Sie auch einen umfangreichen Bereich zum Leben mit dem Krebs,

Quellen:

Beckmann, I.-A.: Darmkrebs. Die blauen Ratgeber. Deutsche Krebshilfe, Bochum 2011

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2011)

Hahn, J.M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart, 2010

Patienteninformation Darmkrebs-Früherkennung. Gemeinsamer Bundesausschuss des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen: www.g-ba.de (Stand: 27.7.2010)

Dem Darmkrebs vorbeugen. Pharmazeutische Zeitung online: www.pharmazeutische-zeitung.de (Stand: September 2004)

Letzte inhaltliche Prüfung: 15.12.2011
Letzte Änderung: 15.03.2018