Onmeda.de Logo

Kaiserschnitt

Letzte Änderung:
Nächste Aktualisierung von Till von Bracht • Medizinredakteur

Der Kaiserschnitt (Sectio caesarea, kurz Sectio) gehört mit zu den ältesten chirurgischen Eingriffen und ist auch bei Naturvölkern bekannt. Die Schnittentbindung wird durchgeführt, wenn eine normale Geburt nicht oder nur mit großem Risiko möglich ist oder wenn die Schwangere dies ausdrücklich wünscht (Wunschkaiserschnitt).

Allgemeines

Plinius der Ältere (23/24 n.Chr. bis 79 n.Chr.) führte die Bezeichnung auf Julius Caesar (100-44 v.Chr.) zurück, der durch einen Kaiserschnitt auf die Welt kam. Man nimmt heute jedoch an, dass sich der Begriff der Sectio caesarea von dem lateinischen Verb caedere (schneiden) herleitet.

Inzwischen ist der Kaiserschnitt in allen entwickelten Ländern eine relativ risikoarme Routineoperation, die auf ausdrücklichen Wunsch der Mutter hin durchgeführt wird (Wunschkaiserschnitt) oder wenn die normale Geburt für Mutter und Kind zu risikoreich ist.

Die Kaiserschnittrate liegt heutzutage in den meisten Ländern bei etwa 20 Prozent aller Geburten. Pro Land schwanken die Zahlen jedoch sehr. So kommen in einigen Gegenden Lateinamerikas rund 85 Prozent der Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. In Deutschland kommt mittlerweile jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt – damit hat sich die Kaiserschnittrate von 1991 bis 2008 verdoppelt. Seitdem liegt die Kaiserschnittrate in Deutschland allerdings stabil bei rund 30 Prozent.

Wie es der Mutter nach dem Kaiserschnitt geht, ist sehr individuell. Zum einen kommt es darauf an, wie gut die Kaiserschnittnarbe verheilt und ob Komplikationen als Folge der Operation auftreten.

Außerdem hängt die Verfassung der Mutter davon ab, ob der Kaiserschnitt geplant war oder überraschend durchgeführt werden musste.

Es ist aber trotz Kaiserschnitt beispielsweise möglich, das Baby zu stillen: Viele Mütter können ihr Kind anlegen, sobald sie den Operationssaal verlassen haben. Bei anderen setzt der Milcheinschuss erst nach einigen Tagen ein. Das ist kein Problem für das Baby – auch Mütter, die normal entbunden haben, haben oft erst bis zu drei Tage später den Milcheinschuss. Auch die Bindung zwischen Mutter und Kind muss durch den Kaiserschnitt nicht leiden: In den meisten Fällen (wenn keine Vollnarkose nötig ist), kann die Mutter ihr Baby noch im OP für kurze Zeit im Arm halten.

Anwendungsgebiete

Ein Kaiserschnitt kann geplant oder ungeplant erfolgen.

Gründe für einen geplanten Kaiserschnitt können sein:

Auch eine Beckenendlage (Steißlage) kann einen Kaiserschnitt erforderlich machen. Es gibt aber auch Kliniken, in denen Kinder in der Steißlage auf normalem Weg zur Welt gebracht werden können. In einigen Fällen kann das Baby vor der Geburt auch über eine sogenannte äußere Wendung in die Schädellage gedreht werden. Ob eine dieser Möglichkeiten im individuellen Fall in Frage kommt, wird vom Frauenarzt im Vorfeld gründlich untersucht und entsprechend eingeschätzt.

Ein ungeplanter Kaiserschnitt kann notwendig werden bei:

Manche Indikationen, also Entscheidungsursachen, werden von den Ärzten unterschiedlich bewertet: So ist zum Beispiel die Steißlage für viele Gynäkologen ein Grund für einen Kaiserschnitt, besonders wenn es sich bei der werdenden Mutter um eine Erstgebärende handelt, während andere Ärzte in der gleichen Situation durchaus eine normale Geburt befürworten. Ähnliches gilt für Zwillings- und Mehrlingsschwangerschaften.

Die medizinische Notwendigkeit des Kaiserschnitts in Geburtssituationen, die eine Gefährdung für Mutter oder Kind darstellen, ist unbestritten. Immer öfter wird jedoch auch der Kaiserschnitt als Alternative zu einer natürlichen Geburt angeboten (Wunschkaiserschnitt). Die Vorteile sind in erster Linie bessere Planbarkeit für die Mutter und häufig niedrigere Kosten für die Kliniken. Durch einen Kaiserschnitt entstehen außerdem bei der Geburt weniger Schmerzen – jedoch dauert es dafür länger, bis die Kaiserschnittnarbe verheilt und es kann zu Wundschmerzen und Komplikationen mit der Narbe, besonders in Folgeschwangerschaften, kommen.

Ein Wunschkaiserschnitt sollte daher ganz genau abgewogen werden.

Durchführung

Der Termin für einen geplanten Kaiserschnitt liegt in der Regel einige Tage vor dem errechneten natürlichen Geburtstermin (ET). In seltenen Fällen ist eine Vollnarkose nötig, meist wird jedoch nur regional betäubt, sodass Mutter und Baby weniger Belastungen ausgesetzt sind und die Mutter ihr Kind gleich nach dem Kaiserschnitt im Arm halten kann.

Zur regionalen Betäubung der unteren Körperhälfte stehen zwei ähnliche Verfahren zur Verfügung, die beide mittels eines sogenannten Kreuzstiches durchgeführt werden:

Bei beiden punktiert der Narkosearrzt (Anästhesist) nach einer örtlichen Betäubung den Rückenmarkkanal zwischen zwei Lendenwirbeln mit einer feinen Nadel. Über diese spritzt er ein örtliches Betäubungsmittel, ein sogenanntes Lokalanästhetikum, direkt in den Rückenmarkkanal.

Der Unterschied zwischen der PDA und der Spinalanästhesie besteht darin, in welche Schicht des Rückenmarkkanals das Medikament gelangt. Außerdem legt der Arzt bei der PDA einen Zugang und fixiert diesen, sodass er auch während und nach der Operation mithilfe eines Pumpsystems das Lokalanästhetikum nachinjizieren kann. Bei der Spinalanästhesie verabreicht der Arzt das Schmerzmedikament ähnlich einer Spritze nur einmalig.

Unterschied PDA und Spinalanästhesie

PDA Spinalanästhesie
fixierter Zugang, Betäubungsmittel kann erneut verabreicht werden einmalige Injektion
Injektion in die Nähe des Rückenmarkkanals Injektion direkt in den Rückenmarkkanal
Wirkung setzt langsam ein sehr schnelle Wirkung
Beweglichkeit der Beine bleibt gewöhnlich erhalten Beine für die Dauer der Wirkung gelähmt

Die Regionalanästhesie betäubt das Operationsgebiet und beide Beine. Allerdings verspürt die Schwangere noch Druck- und Zugbewegungen, die durch den Kaiserschnitt entstehen. Insgesamt benötigt der Narkosearzt etwa 10 bis 15 Minuten Zeit, um die Anästhesie durchzuführen.

Sobald die Narkosewirkung eingetreten ist, werden ein Harnkatheter gelegt und die obere Schamregion (Bikinizone) rasiert. Anschließend wird der Operationsbereich gewaschen und desinfiziert, meist eine Folie aufgeklebt und die Umgebung mit Tüchern abgedeckt. Im Bereich des Oberbauchs der Schwangeren wird ein Vorhang angebracht, um den sterilen vom unsterilen Bereich zu trennen.

In vielen Krankenhäusern darf der Vater beim Kaiserschnitt anwesend sein.

Der Kaiserschnitt beginnt mit einem Unterbauchquerschnitt im Bereich der Bikinizone. Danach wird Schicht um Schicht möglichst stumpf, das heißt ohne Verwendung eines Messers, nur durch Aufdehnen gespalten (Methode nach Misgav-Ladach) und zuletzt die Gebärmutter eröffnet. Der Arzt hebt das Kind, möglichst mit dem Kopf voran, vorsichtig, aber schnell aus der Gebärmutter und übergibt es nach dem Durchtrennen der Nabelschnur der Hebamme. Bei einer lokalen Narkose kann die Mutter ihr Kind noch im OP-Saal begrüßen.

Anschließend versorgen die Hebamme und, falls anwesend, der Kindsvater das Neugeborene, während der Gynäkologe die Nachgeburt (Plazenta) entnimmt und zuletzt die Gebärmutter sowie die Bauchdecken wieder sorgfältig verschließt. Durch dieses schonende Operationsverfahren ist es meist nicht nötig, Drainagen (Plastikschläuche zum Ableiten des Wundsekrets) anzulegen.

Im Rahmen des Kaiserschnitts kann auf Wunsch der Mutter gleichzeitig eine Sterilisation erfolgen, wenn kein weiterer Kinderwunsch mehr besteht.

Risiken und Komplikationen

Die Entscheidung, ob ein Wunschkaiserschnitt gemacht werden soll, liegt letztendlich allein bei der werdenden Mutter und sollte von ihr von ganzem Herzen getroffen werden. Daher ist es für die Schwangere wichtig, alle Argumente für eine normale Geburt und für einen Kaiserschnitt entsprechend ihrer persönlichen Situation gegeneinander abzuwägen und kritisch zu überdenken.

Vor allem, wenn die Entscheidung für einen Kaiserschnitt erst unter der Geburt getroffen wird, können die Angst um ihr Kind sowie die unerwartete Operation und das fehlende oder negative Geburtserlebnis die Eltern und insbesondere die Mutter psychisch stark belasten. Auch hier sind ausführliche Gespräche mit Arzt oder Hebamme sehr wichtig, um Unklarheiten zu beseitigen und damit das Erlebte möglichst gut zu verarbeiten. Zusätzlich werden an verschiedenen Stellen, wie in Krankenhäusern, in Hebammenzentren oder bei Psychologen, Kaiserschnittgruppen geführt, in denen Betroffene sich austauschen können.

Besonders an den ersten beiden Tagen nach einem Kaiserschnitt ist die Mutter durch die Bauchwunde oft noch nicht in der Lage, ihr Kind alleine zu versorgen. Sie ist auf die Hilfe von nahestehenden Personen oder Krankenschwestern angewiesen. Verlief der Kaiserschnitt komplikationslos, ist sie etwa nach dem dritten Tag mobiler. Späterstens nach einer Woche können Mutter und Kind gewöhnlich das Krankenhaus verlassen.

In der Folge eines Kaiserschnitts kann es zu typischen postoperativen Komplikationen kommen, wie beispielsweise:

Hinzu kommt die Gefahr einer Behinderung späterer Schwangerschaften bis hin zur Unfruchtbarkeit.

Seitens des Kindes kommt es nach einem Kaiserschnitt häufiger als bei einer normalen Geburt zu Atemstörungen durch das Verschlucken von Fruchtwasser in die Luftwege (Aspiration) .

Wenn die Mutter innerhalb eines Jahres nach dem Kaiserschnitt erneut schwanger wird, ist es wichtig, dass die Schwangerschaft intensiv ärztlich betreut wird, um rechtzeitig Komplikationen an der Narbe feststellen zu können. Ein erneuter Kaiserschnitt ist nicht zwingend nötig, nur weil die vorangehende Geburt per Kaiserschnitt erfolgte. Grundsätzlich raten Ärzte, höchstens drei Kinder per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Kaiserschnitt":

Selbsthilfegruppen/Beratungsstellen:

Buchtipps:

Kaiserschnitt - wie Narben an Seele und Bauch heilen können

Jong, Theresia M. de; Kemmler, Gabriele
208 Seiten Kösel 2006

Geplant oder ungeplant: Hierzulande kommen inzwischen nahezu 22 Prozent aller Babys per Kaiserschnitt auf die Welt - und dieser Trend nimmt zu. Doch welche Folgen hat der schnelle Weg ins Leben - Die Erfahrung zeigt: Ein Kaiserschnitt ist mehr als nur ein medizinischer Routineeingriff, denn er kann von vielen Müttern emotional nicht ausreichend verarbeitet werden - er hinterlässt Narben an Bauch und Seele. Dieser Ratgeber unterstützt Frauen darin, sich mit ihren Ängsten und Gefühlen auseinander zu setzen und zeigt, wie Mutter (und Kind) das Erlebte annehmen und verarbeiten können. 208 Seiten

Bei Amazon bestellen Anzeige

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Statistisches Jahrbuch 2015 des Statistischen Bundesamtes (Stand: 28.10.2015)

Krankenhausentbindungen in Deutschland. Online-Informationen des Statistischen Bundesamtes: www.destatis.de (Stand: 13.10.2015)

Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Letzte inhaltliche Prüfung: 20.06.2016
Letzte Änderung: 06.02.2020