Onmeda.de Logo

Osteotomie

Letzte Änderung:
Autor*in: Onmeda-Redaktion

Die Osteotomie ist ein operatives Verfahren, um Fehlstellungen von Knochen zu korrigieren – so zum Beispiel Bein-, Fuß-, Zahn- und Kieferfehlstellungen.

Allgemeines

Wozu eine Osteotomie dient, macht bereits der Begriff deutlich: Das Wort Osteotomie setzt sich zusammen aus -osteo für "Knochen" und -tom für "Schnitt", "Abschnitt". Bei der Osteotomie durchtrennt der Chirurg ganz gezielt Knochen, um diese anschließend in neuer Stellung wieder anzusetzen und zu fixieren. Durch diesen chirurgischen Eingriff können beispielsweise Fehlstellungen unterschiedlicher Art wieder ausgeglichen werden – in dem Fall sprechen Chirurgen von einer Umstellungsosteotomie oder Korrekturosteotomie.

Fehlstellungen können entweder angeboren sein oder sich im Lauf des Lebens eingestellt haben. Typische Fälle für eine Osteotomie sind beispielsweise X-Beine, O-Beine (Valgus- oder Varus-Fehlstellung) oder unterschiedlich lange Beine. Dabei soll der Eingriff verhindern, dass aufgrund der Fehlstellung Gelenke wie das Knie frühzeitig verschleißen (Arthrose).

Meistens nehmen Ärzte eine Umstellungsosteotomie an den langen Röhrenknochen vor, zum Beispiel am Oberschenkelknochen (Femur) oder am Schienbein (Tibia). Dabei entnimmt der Chirurg entweder Keile aus dem Knochen (zuklappende oder subtraktive Osteotomie) oder aber er spreizt den Knochen auf (aufklappende oder additive Osteotomie).

Aber nicht nur bei Fehlstellungen wie O-Beinen, X-Beinen oder Deformitäten der Hände kann die Osteotomie zum Einsatz kommen. Zahn- und Kieferchirurgen nutzen ebenfalls die Osteotomie, um beispielsweise Fehlbisse zu korrigieren oder festsitzende Zähne chirurgisch aus dem Kiefer zu entfernen (z.B. bei Weisheitszähnen). Die Anwendungsgebiete einer Osteotomie sind entsprechend vielfältig – ebenso zahlreich sind auch die unterschiedlichen Osteotomie-Methoden, die dem Chirurgen zur Verfügung stehen.

Nach dem Eingriff fixiert der Chirurg den neu zusammengesetzten Knochenabschnitt mit unterschiedlichen Materialien, so zum Beispiel mit Drähten, Nägeln, Platten, Schrauben oder Klammern.

Normalerweise wird eine Osteotomie bei Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder Osteoporose nicht angewandt, da die Knochen hier oft weniger gut heilen. Auch starkes Übergewicht schließt eine Korrektur der Beinachse mithilfe einer Osteotomie meist aus. Zu den möglichen Komplikationen einer Osteotomie gehören beispielsweise Unterschiede in den Beinlängen, aber auch Druckschmerzen, die durch die fixierten Abschnitte entstehen.

Durchführung

Bei einer Osteotomie durchtrennt ein Chirurg kontrolliert einen bestimmten Knochen und begradigt ihn gegebenenfalls. Auch wenn beispielsweise die Weisheitszähne herausoperiert werden müssen, kann eine Osteotomie notwendig sein, da sie oftmals teilweise oder komplett im Knochen feststecken. In diesem Fall entfernt der Kieferchirurg ein Stück des Knochens.

Umstellungsosteotomie

Wenn Knochen in einem Gelenk im falschen Winkel aufeinandersitzen, ist manchmal eine sogenannte Umstellungsosteotomie (Korrekturosteotomie) notwendig – zum Beispiel, um O-Beine (Genua vara) oder X-Beine (Genua valga) zu beseitigen. Eine Umstellungsosteotomie kann erfolgen, indem der Chirurg kleine Keile aus dem Knochen herausnimmt (zuklappende oder subtraktive Keilosteotomie) oder einsetzt (aufklappende oder additive Keilosteotomie).

Bei O- oder X-Beinen beispielsweise werden die Gelenke ungleichmäßig stark beansprucht. Diese Fehlbelastung schädigt auf Dauer den Knorpel im Kniegelenk, was häufig einen Gelenkverschleiß (Arthrose) nach sich zieht. Mithilfe der Umstellungsosteotomie kann die Beinachse entsprechend korrigiert werden.

Im Anschluss an die Umstellungsosteotomie fixiert der Arzt die Knochenabschnitte mithilfe von Klammern, Drähten, Platten und Schrauben oder Nägeln. Diese Fixierungen können in manchen Fällen lebenslang im Körper verbleiben, mindestens aber so lange, bis sich neues Knochengewebe gebildet und ausreichend verfestigt hat.

Anwendungsgebiete

Die Anwendungsgebiete einer Osteotomie sind vielfältig. Osteotomien werden hauptsächlich eingesetzt, wenn Knochen begradigt werden müssen. Dies ist etwa der Fall, wenn eine Hüftdysplasie nicht bereits im Kindesalter korrigiert wurde. Hierbei ist sowohl eine Osteotomie am Becken als auch am Oberschenkelhalskopf möglich oder eine Kombination aus beidem. Aber auch im Bereich der Kiefer- und Zahnheilkunde kann eine Osteotomie zum Einsatz kommen, so zum Beispiel, um einen Weisheitszahn zu entfernen.

Auch bei einer Hüftkopfnekrose, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern (Morbus Perthes, aseptische Hüftkopfnekrose), kann eine Osteotomie notwendig sein. Hierbei verändert der Operateur die Position des angegriffenen Hüftkopfs, um die Belastung zu verlagern (Varisationsosteotomie).

Weitere Erkrankungen oder Eingriffe, bei denen eine Osteotomie vorgenommen werden kann, sind:

Risiken und Komplikationen

Neben den üblichen Risiken, die bei Operationen bezüglich der Narkose und der Wundheilung bestehen, kann eine Osteotomie spezifische Probleme nach sich ziehen. Nach einer Osteotomie im Hüftbereich können beispielsweise die Beine unterschiedlich lang sein, was mit speziellen Einlagen ausgeglichen werden muss. Zudem kann die Hüfte sich durch eine neue Stellung des Hüftkopfs verbreitern.

In seltenen Fällen können die Fixierungen brechen, etwa wenn ein operiertes Bein zu früh wieder belastet wird. Außerdem können die Fixierungen (Platten, Schrauben etc.) Druckschmerzen hervorrufen. Verwendete Materialien können im Laufe der Zeit verschleißen.

Weitere Informationen

Quellen:

Umstellungsosteotomie. Online-Informationen des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V.: www.orthinform.de (Abrufdatum: 16.4.2015)

Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. De Gruyter, Berlin 2014

Imhoff, A., Baumgartner, R., Linke, R.: Checkliste Orthopädie. Thieme, Stuttgart 2010

Niethard, F., Pfeil, J.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Thieme, Stuttgart 2009

Breusch, S., Mau, H. und Sabo, D.: Klinikleitfaden Orthopädie Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2009

Letzte inhaltliche Prüfung: 16.04.2015
Letzte Änderung: 01.03.2018