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Die Nieren

Letzte Änderung:
Nächste Aktualisierung von Lydia Klöckner • Medizinredakteurin

Die Nieren (Renes, Nephros) produzieren Harn und filtern dabei Abbauprodukte unseres Stoffwechsels aus dem Blut. Sie leisten damit eine lebenswichtige Aufgabe, denn sie entgiften unseren Körper.

Allgemeines

Der menschliche Körper scheidet pro Tag etwa 1,5 Liter Harn (Urin) aus – der größte Teil davon (95 Prozent) ist Wasser. Die Menge des Harns variiert abhängig davon, wie viel Flüssigkeit man aufgenommen hat und wie viel Schweiß produziert wurde.Stoffe, die der Körper mit dem Harn ausscheiden muss, um eine übermäßige Konzentration im Organismus zu verhindern, bezeichnet man als harnpflichtige Substanzen.

Für die Nierendiagnostik sind vor allem folgende harnpflichtige Substanzen wichtig:

Neben der Reinigungsfunktion kommen den Nieren weitere wichtige Aufgaben zu: Sie

Das Hormon Calcitriol ist die aktive Form von Vitamin D und steuert die Aufnahme von Calcium und Phosphat aus dem Darm. Erythropoetin fördert die Bildung roter Blutkörperchen.

Jeder Mensch hat zwei Nieren, die beidseits der Wirbelsäule etwa in Höhe der unteren Rippen liegen. Die Nieren sind von einer stabilen Fettschicht und einer Schicht aus Bindegebe (sog. Nierenkapsel) ummantelt, die sie gut vor äußeren Einflüssen schützen. Die rechte Niere liegt aufgrund der Größe der darüber liegenden Leber in der Regel etwas tiefer im Bauchraum als die linke Niere.

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Anatomie der Nieren

Die Größe der Nieren variiert dabei abhängig von der Körpergröße des Menschen. Im Durchschnitt ist eine Niere etwa:

Eine einzelne Niere wiegt im Durchschnitt zwischen 120 und 200 Gramm. Die rechte Niere kann etwas leichter und kleiner sein als ihr linkes Gegenstück.

Die Nieren haben die Form einer Bohne und besitzen einen oberen und einen unteren Pol. Auf den oberen Polen befindet sich jeweils eine Nebenniere. Der Begriff Nebennieren beschreibt lediglich die Nähe zu den Nieren. Die Funktion der Nebennieren ist jedoch eine vollkommen andere als die der Nieren. Als Drüsen produzieren sie viele wichtige Hormone, sogenannte Nebennierenhormone.

Jede Niere setzt sich aus zwei Bereichen zusammen:

© LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese
Anatomie der Niere

Nierenrinde

Die Nierenrinde (Cortex renalis) ist die äußere Schicht der Niere und umgibt das im Inneren liegende Nierenmark. In der Nierenrinde liegen die Arbeitseinheiten der Niere, die sogenannten Nephrone.

In einer einzelnen Niere findet man etwa 1,2 Millionen Nephrone – sie bilden den Harn.

Nephrone

Ein einzelnes Nephron setzt sich zusammen aus

Vom Nierenkanälchen liegt jedoch nur ein kleines Stück innerhalb der Nierenrinde – der überwiegende Teil liegt im Nierenmark.

Die Nierenkörperchen fungieren als Filtereinheit für das Blut: Jedes Nierenkörperchen besteht aus einem Gefäßknäuel (Glomerulus), dessen Blutgefäße über feine Poren verfügen, über welche die Abfallstoffe aus dem Blutplasma gefiltert werden. Anschließend fließt das gereinigte Filtrat über das Nierenkanälchen aus dem Nierenkörperchen ab. Jedes Gefäßknäuel ist dabei von einer Kapsel umgeben, der sogenannten Bowman-Kapsel.

In den Gefäßknäulen ist die Blutgefäßwand nur für bestimmte Blutbestandteile durchlässig. Blutzellen (rote und weiße Blutkörperchen) sowie große Eiweiße (Albumine und Globuline) können die Gefäßwand nicht durchschreiten – sie bleiben in den Gefäßen. Andere Stoffe passieren die Gefäßwände dagegen und werden weiter in die Nierenkanälchen geleitet, so zum Beispiel:

Das Filtrat, das aus dem Nierenkörperchen in die Nierenkanälchen gelangt, bezeichnet man als Primärharn. Aus 1,2 bis 1,3 Liter Blut werden pro Minute auf diese Weise etwa 125 Milliliter Primärharn gefiltert. Dies entspricht fast 180 Litern pro Tag.

Nierenmark

Das Nierenmark (Medulla renalis) besteht pro Niere im Durchschnitt aus 16 bis 20 sogenannten Pyramiden (Markpyramiden), deren Spitzen zum Inneren der Niere in Richtung Nierenbecken zeigen. Einzelne Pyramiden können miteinander verwachsen sein.

Die Pyramidenspitzen (Nierenpapillen) sind übersät von kleinen Öffnungen, den sogenannten Harnporen. Über diese Öffnungen gelangt der aus den Nierenkanälchen kommende Harn in die Nierenkelche, welche in das Nierenbecken übergehen. Das Nierenbecken wiederum mündet im Harnleiter (Ureter), über den der Harn in die Blase abfließt.

Die Nierenkanälchen durchqueren die im Nierenmark liegenden Pyramiden. Auf dem Weg durch die Nierenkanälchen nimmt der Körper viele Bestandteile des Primärharns und fast die gesamte Flüssigkeit wieder auf – sie bleiben dem Körper also erhalten. Dies führt zu einer Konzentration des Primärharns: Das Ergebnis ist der eigentliche Harn (Urin) oder sogenannte Sekundärharn. Pro Tag entstehen so etwa 1,5 bis 2 Liter Harn.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2014)

Online-Informationen des Berufsverbands Deutscher Internisten e.V.: www.internisten-im-netz.de (Abrufdatum: 23.7.2014)

Faller, A. et al.: Der Körper des Menschen. Thieme, Stuttgart 2012

Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 28.4.2011)

Zilles, K. et al.: Anatomie. Springer, Heidelberg 2010

Benninghoff / Drenckhahn: Anatomie – Band 1. Urban & Fischer, München 2008

Schiebler, T. H. et al.: Anatomie. Steinkopff Verlag, Heidelberg 2007

Letzte inhaltliche Prüfung: 20.06.2013
Letzte Änderung: 08.04.2019