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Die Schulter

Letzte Änderung:
Zuletzt bearbeitet von Dr. rer. nat. Geraldine Nagel • Medizinredakteurin

Die Schulter des Menschen setzt sich aus verschiedenen knöchernen Strukturen wie Schulterblatt und Schlüsselbein, aber auch Muskeln, Bändern und Sehnen zusammen. Außerdem finden sich in der Schulter drei sogenannte echte Gelenke und zwei Nebengelenke.

Überblick

Zu den echten Gelenken zählen das Schultergelenk (Articulatio humeri), das Schultereckgelenk (Akromioklavikulargelenk) und das Brustbein-Schlüsselbein-Gelenk (Sternoklavikulargelenk). Echte Gelenke haben einen Spalt (Gelenkspalt) zwischen den durch das Gelenk verbundenen Knochenenden. Die Gelenkflächen werden durch hyalinen Knorpel bedeckt, der großen Druckbelastungen standhalten kann. Die Knochenenden sind von einer Gelenkhöhle umgeben, das gesamte Gelenk wiederum von einer Gelenkkapsel.

Im Gegensatz zu anderen Gelenken (z.B. Hüftgelenk) wird die Schulter vorwiegend durch die Schultermuskulatur stabilisiert. Damit ist sie einerseits beweglicher als Gelenke, die durch Bänder stabilisiert werden, andererseits auch weniger stabil. Über den sogenannten Schultergürtel sind die beiden Schultergelenke mit der Wirbelsäule sowie den Armen verbunden. Der Schultergürtel ermöglicht somit die Bewegungsabläufe der Arme.

Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Bewegungsapparats – dadurch kommt es jedoch im Schulterbereich auch häufig zu Verletzungen und Beschwerden wie:

Die Schulter ist das Gelenk, bei dem es am häufigsten zu Verrenkungen kommt, unter anderem im Sport: Etwa 5 bis 8 Prozent der Schulterverletzungen sind eine Folge von Sport. So machen Schulterverrenkungen etwa 30 Prozent aller akuten Schulterverletzungen aus, die im Zusammenhang mit Sport entstehen, gefolgt von Verletzungen des Schultereckgelenks und des Schlüsselbeins mit circa 20 Prozent.

Wie wichtig ein reibungsloser Bewegungsablauf der Schultern ist, merkt man in der Regel erst, wenn es zu Schulterverletzungen kommt oder sich Erkrankungen der Schulter einstellen. Viele alltägliche Bewegungen (v.a. Überkopfarbeiten), können dann Probleme machen. Im Vergleich zu früher kommt es heute insgesamt zu mehr Verletzungen beziehungsweise Erkrankungen der Schulter – hierfür werden verschiedene Faktoren verantwortlich gemacht:

Schultergelenk (Articulatio humeri)

Das Schultergelenk (Articulatio humeri) ist ein Kugelgelenk. Es besteht aus dem Oberarmkopf und der Schulterpfanne. Die Gelenkpfanne des Schultergelenks ist deutlich größer (4:1) als der Gelenkkopf, wodurch das Gelenk eine besonders große Bewegungsfreiheit gewährt. Allerdings wird das Schultergelenk hierdurch auch instabiler und anfälliger für Beschwerden wie Auskugeln oder Ausrenken.

Sowohl die Schulterpfanne als auch der Oberarmkopf sind von Gelenkknorpel überzogen. Außerdem bildet die Schulterkapsel kontinuierlich Gelenkschmiere (Synovialflüssigkeit), um das Gelenk geschmeidig zu halten. Durch Verschleiß oder Infektionen können Beschwerden auftreten, die bis zur Zerstörung des Gelenks führen können.

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Rechte Schulter von vorne

Über dem Schultergelenk befinden sich zwei knöcherne Ausziehungen:

Sie bilden Ansatzpunkte für verschiedene Bänder, welche unter anderem das Schlüsselbein stabilisieren. Vom Schulterdach ausgehend zieht sich ein Band (Ligamentum coracoacromiale) zum Rabenbein. Gemeinsam mit der Schulterhöhe und dem Rabenschnabelfortsatz bildet dieses Band das sogenannte Schulterdach (Fornix humeri). Einklemmungen von Muskulatur oder Sehnen zwischen dem Schulterdach und dem Oberarmkopf können zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen führen (Impingementsyndrom).

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Rechte Schulter von hinten

Schultergürtel

Der Schultergürtel verbindet die Arme mit der Wirbelsäule (bzw. mit dem Rumpf) – ebenso, wie der Beckengürtel die Beine mit der Wirbelsäule verbindet.

Der Schultergürtel setzt sich aus jeweils zwei Knochen jeder Schulter zusammen:

Diese Knochen stehen über Muskeln, Sehnen und Bänder mit den Armen beziehungsweise mit der Wirbelsäule in Verbindung. Das sogenannte Brustbein-Schlüsselbein-Gelenk (Sternoklavikulargelenk) verbindet dabei über das Schlüsselbein und das Brustbein den Schultergürtel mit der Wirbelsäule. Im Schultergelenk wiederum werden die Arme mit dem Schultergürtel verbunden.

Schultermuskeln

Zahlreiche Schultermuskeln stabilisieren den Oberarmkopf in der Schulterpfanne und ermöglichen die Bewegung des Arms und der Schulter. Eine Gruppe von Muskeln bildet zusammen die sogenannte Rotatorenmanschette, die den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne hält und durch die der Arm Bewegungen in drei Dimensionen ausführen kann:

Einige Schultermuskeln und ihre Funktion

Schultermuskeln Funktion
Musculus supraspinatus Befindet sich oberhalb des Schultergelenks; unterstützt den Deltamuskel beim Abspreizen des Arms (Abduktion), ist am häufigsten von Rissen, Einklemmungen und Kalkablagerungen betroffen
Musculus subscapularis Ausstrecken nach hinten, Innenrotation
Musculus infraspinatus Außenrotation
Musculus teres minor Ausstrecken nach hinten, Außenrotation, Heranziehen des Arms an den Körper (Adduktion)
Musculus teres major Innenrotation, Heranziehen des Arms an den Körper (Adduktion)
Musculus deltoideus (Deltamuskel) Überdeckt die komplette Rotatorenmanschette und dient der Abspreizung des Oberarms

Weitere Schulterstrukturen

Knöcherne Strukturen

Zur weiteren Stabilisierung dient das sogenannte Labrum glenoidale. Hierbei handelt es sich um eine Knorpellippe, die am Rand der Schultergelenkpfanne verläuft. Bricht diese Knorpellippe aufgrund von Gewalteinwirkung ab, kann sich die Schulter immer wieder auskugeln, da die nötige Stabilisierung fehlt.

Schleimbeutel (Bursen)

Zur Schulter gehören außerdem verschiedene Schleimbeutel (Bursen):

Die Schleimbeutel dienen der Schulter als Druckpolster zwischen den Geweben. Entzündungen durch Quetschungen, Stauchungen oder Rheuma können die Bursen anschwellen lassen und zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen.

Bänder

Zwar wird das Schultergelenk hauptsächlich durch die Muskulatur gestützt, da so die größtmögliche Bewegung gewährleistet wird. Dennoch unterstützen einige Bänder das Gelenk:

Weitere Informationen

Buchtipps:

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Wolfgang Dauber
558 Seiten Thieme 2008

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Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2010)

Rieger, H.: Sportverletzt – Was jetzt? Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2010

Tillmann, B.: Atlas der Anatomie. Springer, Berlin 2009

Benninghoff, A. Drenckhahn, D.: Anatomie, Band 1. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2008

Faller, A. et al.: Der Körper des Menschen. Thieme, Stuttgart 2008

Schiebler T., Schmidt W., Zilles, K.: Anatomie. Steinkopff-Verlag, Heidelberg 2007

Putz, R., Pabst, R.: Sobotta, Atlas der Anatomie des Menschen. Urban & Fischer, München 2006

Engelhardt, M.: Sportverletzungen. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2006

Niethard, F.U., Pfeil, J.: Orthopädie. Thieme, Stuttgart 2005

Echtermeyer, V. et al.: Praxisbuch Schulter. Thieme, Stuttgart 2004

Schünke, M.: Funktionelle Anatomie. Thieme, Stuttgart 2000

Letzte inhaltliche Prüfung: 21.06.2011
Letzte Änderung: 28.01.2020