Die Pille

Veröffentlicht von Onmeda-Redaktion

Die Antibabypille ist ein sehr sicheres Verhütungsmittel – wenn sie richtig angewendet wird. Was ist dabei zu beachten? Worin unterscheiden sich Mikro- und Minipillen? Und was geschieht nach Absetzen der Pille?

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Inhaltsverzeichnis

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Was ist die Pille?
"Die Pille" ist ein Oberbegriff für verschiedene Medikamente, die eine Schwangerschaft verhindern können. Sie enthalten Hormone, die den weiblichen Körper vorübergehend unfruchtbar machen. Deshalb bezeichnet man die Pille auch als Antibabypille. Vor Geschlechtskrankheiten wie HIV schützt sie hingegen nicht.

Die Pille ist das am häufigsten eingesetzte Verhütungsmittel in Deutschland. Ihre Beliebtheit verdankt sie wohl vor allem ihrer hohen Zuverlässigkeit: Von 1000 Frauen, die die Pille ein Jahr lang korrekt anwenden, werden 3 bis 10 dennoch schwanger. Zum Vergleich: Kondome versagen bei 20 bis 120 von 1000 Anwendern. Dafür bieten Kondome einen Schutz vor Geschlechtskrankheiten – die Pille nicht.

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Es gibt verschiedene Arten von Pillen. Je nachdem, welche Hormone in welcher Zusammensetzung enthalten sind, können sie

Die klassische Antibabypille

Die klassische Antibabypille ist ein sogenanntes Kombinationspräparat: Sie enthält eine Mischung aus Östrogen und Gestagen. Gewisse Mengen dieser Hormone bildet der weibliche Körper selbst. In dieser natürlichen Konzentration steuern sie den weiblichen Zyklus und bewirken, dass jeden Monat eine Eizelle heranreift.

Mit der Pille führt man dem Körper jedoch regelmäßig eine zusätzliche Dosis dieser Hormone zu. Dadurch ändern sich die hormonellen Regelkreise, die den weiblichen Zyklus steuern.

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Alle Verhütungsmethoden auf einen Blick.

Der Gestagenanteil der Pille bewirkt, dass

Die durch die Pille erhöhte Östrogen-Konzentration beeinträchtigt vor allem das Heranreifen einer Eizelle und dadurch den Eisprung.

Was ist die "Mikropille"?
Heute sind die meisten Antibabypillen niedriger dosiert und damit besser verträglich als Pillen früherer Generationen. Die sogenannte Mikropille ist besonders niedrig dosiert. Sie enthält weniger als 30 Mikrogramm Östrogen, bietet jedoch einen ebenso sicheren Schutz wie höher dosierte Präparate. Der einzige Vorteil der höher dosierten Pillen ist, dass es seltener zu Zwischenblutungen kommt.

Es gibt verschiedene Arten von Kombinationspräparaten:

Unterschiede gibt es vor allem bei der Anwendung. Die Wirkungsweise ist im Prinzip gleich. Auch in puncto Sicherheit unterscheiden sich die Kombinationspräparate nicht: Der sogenannte Pearl-Index liegt bei 0,3 bis 1. Das heißt: Von 1000 Frauen, die ein Jahr lang das gleiche Kombinationspräparat korrekt anwenden, werden 3 bis 10 dennoch schwanger.

Vorteile der Kombinationspräparate
Kombinationspräparate zeichnen sich durch ihre zuverlässige Wirkung und ihre einfache Anwendbarkeit aus. Zudem haben viele Kombinationspräparate neben der verhütenden Wirkung eine Reihe von vorteilhaften Zusatzwirkungen:

Anwendung von Kombinationspräparaten

Frauen, die die Pille zum ersten Mal einnehmen, beginnen damit normalerweise am ersten Tag der Regelblutung. Ein Empfängnisschutz ist vom ersten Tag an gegeben.

Alle weiteren Anwendungsregeln hängen davon ab, ob es sich um ein Einphasen- oder Mehrphasenpräparat handelt.

Einphasenpräparate

Einphasenpräparate zählen zu den sogenannten Kombinationspräparaten, die die Hormone Östrogen und Gestagen enthalten. Es gibt unterschiedliche Einphasenpräparate:

Im Prinzip wirken die Präparate gleich. Während der Pause oder wenn die wirkstofffreien Tabletten an der Reihe sind, kommt es zu einer regelähnlichen Blutung, die aber kürzer, schwächer und weniger schmerzhaft als die normale Regelblutung ist. Die empfängnisverhütende Wirkung bleibt auch während der Pause oder der Einnahme der wirkstofffreien Tabletten bestehen.

Die wirkstofffreien Pillen bei den 28er-Präparaten dienen nur dazu, Einnahmefehler zu verhindern. Wenn die Frau die Pille durchgängig einnimmt, besteht kein Risiko, dass sie nach der Pause vergisst, die Einnahme fortzusetzen.

Mehrphasenpräparate

Mehrphasenpillen müssen in der vorgegebenen Reihenfolge eingenommen werden, damit sie zuverlässig wirken können. Denn anders als bei den Einphasenpräparaten enthalten nicht alle Tabletten die gleiche Menge Östrogen und Gestagen. Stattdessen ist jeder Blister in zwei oder drei Phasen unterteilt. Die Pillen der einzelnen Phasen unterscheiden sich in ihrer Hormon-Zusammensetzung.

Das soll bewirken, dass der Körper der Anwenderin ähnliche hormonelle Schwankungen durchläuft wie sie in einem natürlichen Zyklus stattfinden würden. Dadurch sollen die Mehrphasenpillen besser verträglich sein und weniger Nebenwirkungen haben als Einphasenpillen. Ob Mehrphasenpräparate tatsächlich Vorteile gegenüber Einphasenpillen haben, ist allerdings nicht geklärt.

Minipille (östrogenfreie Pille)

Die Minipille enthält kein Östrogen, sondern nur ein Hormon namens Levonorgestrel, das zu den Gestagenen gehört. Die Gestagendosis ist deutlich geringer als in Kombinationspräparaten.

In dieser niedrigen Konzentration kann das Gestagen nicht den Eisprung verhindern. Die Dosis reicht jedoch aus, um

Spermien können dadurch nicht mehr in die Gebärmutter eindringen und eine eventuell befruchtete Eizelle kann sich nicht in der Gebärmutterschleimhaut einnisten.

Auf diese Weise kann die Minipille ebenso sicher eine Schwangerschaft verhindern wie die klassischen Antibabypillen. Die Einnahmeregeln sind allerdings deutlich strenger: Verspätet sich die Einnahme um mehr als drei Stunden, ist der Empfängnisschutz nicht mehr gewährleistet.

Bei neueren Minipillen ist das Einnahmefenster etwas größer. Da sie ein anderes Gestagen (Desogestrel) in etwas höherer Dosierung enthalten, hemmen sie zusätzlich noch den Eisprung. Man kann sie – genau wie die Kombinationspräparate – mit bis zu 12 Stunden Verspätung einnehmen, ohne dass die Wirkung beeinträchtigt ist.

Vorteile der Minipille

Minipillen haben generell weniger Nebenwirkungen als Kombinationspräparate. Frauen, die Östrogene nicht vertragen, kommen mit Minipillen normalerweise besser zurecht. Auch stillende Frauen können Minipillen verwenden: Anders als östrogenhaltige Präparate haben reine Gestagen-Pillen kaum Einfluss auf die Menge und Zusammensetzung der Muttermilch.

Anwendung der Minipille

Die Minipille enthält im Gegensatz zu den oben beschriebenen Kombinationspräparaten kein Östrogen, sondern nur das Gelbkörperhormon Gestagen (unter dem Wirkstoffnamen Levonorgestrel). Bei der Minipille findet keine Einnahmepause statt, sie wird grundsätzlich durchgängig eingenommen.

Wichtig: Die Frau sollte die Minipille stets zur gleichen Zeit einnehmen. Verschiebt sich der Zeitpunkt der Einnahme um mehr als drei Stunden, bietet diese Pille keinen sicheren Empfängnisschutz mehr.

Eine neuere Variante der Minipille ist ein Präparat mit dem Wirkstoff Desogestrel. Diese kann man nach versäumter Einnahme innerhalb von zwölf Stunden nachnehmen, ohne dass die Wirkung nachlässt.

Nebenwirkungen

Die Pille beeinflusst den natürlichen Hormonhaushalt der Frau. Dies kann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen, wie zum Beispiel:

Erhöht die Antibabypille das Thromboserisiko?

Es hat sich gezeigt, dass die Pille das Risiko für Gefäßverschlüsse wie Thrombosen und Embolien leicht erhöht:

Wie hoch das Risiko ist, hängt stark vom Präparat ab. Eine Rolle spielt vor allem die Art des enthaltenen Gestagens: Pillen, die Desogestrel, Gestoden, Drospirenon enthalten, sind mit einem höheren Risiko verbunden als Präparate mit Levonorgestrel oder Norgestimat.

Gegenanzeigen: Für wen ist die Pille ungeeignet?

Nicht für jede Frau ist die Pille das passende Verhütungsmittel. In der Schwangerschaft sollten Frauen die Pille nicht nehmen. Darüber hinaus gibt es bestimmte Krankheiten, die gegen die Einnahme der Pille sprechen.

Da die Pille Gefäßverschlüsse begünstigt, ist sie nicht geeignet für Frauen, die bereits ein erhöhtes Risiko für Thrombosen und/oder Embolien haben. Das gilt etwa für Frauen, die

Weitere Krankheiten, die gegen die Einnahme der Pille sprechen sind zum Beispiel

Wichtig: Ob die Pille als Verhütungsmethode infrage kommt oder nicht, kann nur der Arzt entscheiden. Dazu benötigt er ein möglichst umfassendes Bild vom Gesundheitszustand der Frau. Er wird sich daher nach möglichen Vorerkrankungen erkundigen und fragen, ob in ihrer Familie bestimmte Erkrankungen (wie Thrombosen und Embolien) gehäuft auftreten.

Wechselwirkungen mit Antibiotika und anderen Medikamenten

Verschiedene Antibiotika (etwa Penicilline und Sulfonamide) können die Wirksamkeit der Pille beeinträchtigen. Das Gleiche gilt für bestimmte Beruhigungsmittel, gewisse Arzneien gegen Epilepsie (Antiepileptika), Johanniskraut und Abführmittel.

Frauen, die solche Medikamente einnehmen, sollten daher zusätzliche Verhütungsmethoden anwenden, zum Beispiel Kondome. Für wie lange dies nötig ist, hängt vom Medikament ab und sollte der Arzt entscheiden. Häufig ist die Wirkung der Pille nicht nur während der Einnahme der anderen Mittel herabgesetzt, sondern auch noch einige Tage oder Wochen, nachdem die Frau letzte Dosis des Medikaments eingenommen hat.

Rezept & Kosten

Die Pille ist nur auf Rezept erhältlich, sie muss also vom Arzt verschrieben werden. Mädchen unter 14 Jahren darf der Arzt die Pille nur verordnen, wenn die Eltern einverstanden sind.

Je nach Präparat kostet die Antibabypille zwischen 5 und 23 Euro pro Monat. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nur für Mädchen und junge Frauen, die das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Frauen ab 20 müssen die Pille also selbst bezahlen.

Absetzen der Pille

Wenn eine Frau die Pille absetzt, stellt sich ihr natürlicher Zyklus wieder ein. Sie ist dann wieder fruchtbar, kann also wieder schwanger werden.

Wann, ist von Frau zu Frau verschieden. Manche Frauen haben schon zwei Wochen nach Absetzen der Pille wieder einen Eisprung. Es kann jedoch bis zu einem halben Jahr dauern, bis sich der Hormonhaushalt wieder normalisiert hat und die Monatsblutungen wieder regelmäßig einsetzen.

Zyklusunregelmäßigkeiten in den ersten Wochen und Monaten sind also meist kein Grund zur Sorge. Bei Zyklusstörungen, die länger als drei Monate anhalten, ist es jedoch empfehlenswert, den Rat eines Gynäkologen einzuholen.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

Quellen:

Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Abrufdatum: 24.4.2018)

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.familienplanung.de (Abrufdatum: 24.4.2018)

Birth control pill FAQ: Benefits, risks and choices. Online-Informationen der Mayo-Clinic: www.mayoclinic.org (Stand: 21.3.2018)

Hormonale Kontrazeption. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 12.3.2018)

Graefe, K. H., et al.: Duale Reihe Pharmakologie und Toxikologie. Thieme, Stuttgart 2016

Aktualisiert am: 25. April 2018

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