Koma / Ohnmacht / Bewusstlosigkeit

Veröffentlicht von: Stefan Schweiger

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Bei Bewusstlosigkeit ist die Wahrnehmung von äußeren Reizen beeinträchtigt. Es gibt unterschiedliche Formen der Bewusstlosigkeit, zum Beispiel die Ohnmacht oder das Koma – eine sehr tiefe Bewusstlosigkeit. Es handelt sich dabei immer um einen Notfall, bei dem Sie den Notarzt rufen sollten und mit diesen Erste-Hilfe-Maßnahmen helfen können.

In einem Koma ist der Betroffene nicht mehr ansprechbar, er lässt sich nicht wecken und reagiert auf keinerlei Reize von außen – auch nicht auf Schmerzreize. Die Ursachen für diese langandauernde Bewusstlosigkeit können sehr unterschiedlich sein. Dabei handelt es sich immer um einen Notfall, der sofort behandelt werden muss, um bleibende Schäden zu vermeiden.

Das Koma ist der höchste Schweregrad einer Bewusstseinsstörung. Man unterscheidet verschiedene Bewusstseinsgrade:

  1. Bewusstseinsklarheit: Sie stellt den Normalzustand dar. In diesem Zustand nehmen wir unsere Umwelt uneingeschränkt mit allen Sinnen wahr. 
  2. Somnolenz/Benommenheit: Sie bezeichnet einen Zustand, in dem das Bewusstsein leicht beeinträchtigt ist. Betroffene sind schläfrig, wachen aber durch Ansprechen oder Rütteln auf.
  3. Sopor: Hier ist die Schläfrigkeit stärker ausgeprägt, Betroffene sind kaum wach zu bekommen.
  4. Koma: Hier herrscht vollkommende Bewusstlosigkeit. Betroffene können nicht durch Ansprechen oder Rütteln erweckt werden.

Verschiedene Formen des Komas

Es gibt verschiedene Formen von Koma. Bei schlecht eingestelltem Diabetes mellitus kann der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht geraten. Dann entstehen giftige Substanzen im Körper, die ein diabetisches Koma hervorrufen können. Wie jede Form von Koma stellt auch ein diabetisches Koma eine Notfallsituation dar.

Manchmal ist es notwendig, eine Person künstlich in einen Zustand der Bewusstlosigkeit – also in ein künstliches Koma – zu versetzen: etwa bei Schwerverletzten nach Unfällen oder nach schweren Operationen kann es für den Betroffenen medizinisch das Beste sein, ihn in ein künstliches Koma zu versetzen.

Bewusstlosigkeit, Ohnmacht und Synkope

Eine weitere Form der Bewusstlosigkeit ist die Ohnmacht. Bei dieser Kreislaufstörung handelt es sich um eine vorübergehende Bewusstseinsstörung, bei der das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Sie wird oft auch als vasovagale Synkope oder schwerer Schwindelanfall bezeichnet.

Bei einer Synkope sind Betroffene kurzzeitig nicht bei Bewusstsein, erlangen dieses aber in der Regel innerhalb einer bis weniger Minuten wieder. Geht die Ohnmacht aber in eine tiefere Bewusstlosigkeit über, müssen Maßnahmen ergriffen werden, damit keine bleibenden Schäden an Gehirn und anderen Organen entstehen.

Therapie: Im Notfall sofort handeln!

Die Bewusstlosigkeit, insbesondere das Koma, aber auch die Ohnmacht, sind ernst zu nehmende Notfälle und erfordern eine sofortige Behandlung: mit Erste-Hilfe-Maßnahmen sowie der anschließenden Therapie der Ursachen.

Diese Erste-Hilfe-Maßnahmen sollten Sie durchführen, wenn Sie jemanden bewusstlos auffinden:

Wenn der Notarzt eintrifft, wird er mit den ersten ärztlichen Notfallmaßnahmen beginnen. Auf der Intensivstation in der Klinik behandeln die Ärzte dann die eigentlichen Ursachen der Bewusstlosigkeit – zum Beispiel mit einer entsprechenden Therapie bei einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt.

Diagnose von Koma/Ohnmacht

Bei einer Bewusstlosigkeit – insbesondere bei einem Koma – ist die richtige Diagnose wichtig. Finden Sie einen Menschen auf, der schlaff am Boden liegt, sollten Sie die Person ansprechen oder durch vorsichtiges Rütteln versuchen zu wecken. Zeigt die Person keine Reaktion darauf, so ist sie höchstwahrscheinlich bewusstlos und benötigt dringend ärztliche Hilfe.

Der Notarzt ist auf die Schilderung von Begleitpersonen angewiesen (z.B. Zeugen bei einem Unfall oder Angehörige). Es ist also wichtig, von möglichen Vergiftungen (wie Alkohol, Drogenkonsum) oder Vorerkrankungen (wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Schlaganfall) zu berichten. Der erste Eindruck, beispielsweise wenn Kopfverletzungen vorhanden sind oder der Betroffene stark nach Alkohol riecht, kann bereits erste Hinweise auf die Ursache der Bewusstlosigkeit liefern.

Der Notarzt prüft bei Bewusstlosigkeit oder auch Koma für die Diagnose zunächst die Vitalzeichen des Betroffenen:

Mithilfe eines EKG-Geräts kann der Notarzt an Ort und Stelle die Herzfunktion kontrollieren und zum Beispiel schwere Herzrhythmusstörungen als mögliche Ursache der Bewusstlosigkeit feststellen.

Der Arzt testet die Reflexe, prüft Bewegung und Empfindung, sieht sich die Augäpfel und Pupillen an und führt erste schnelle Bluttests (z.B. Blutzuckermessung) durch.

Nach den Erste-Hilfe-Maßnahmen sind – je nach Ursache der Bewusstlosigkeit – weitere Untersuchungen in der Klinik notwendig. Dies können beispielsweise weiterführende Blutuntersuchungen, Ultraschalluntersuchungen, Röntgenaufnahmen, eine Computertomographie (CT), Kernspintomographie (MRT), Elektroenzephalographie (EEG), Angiographie, Liquorpunktion (Hirnwasseruntersuchung) und weitere neurologische Untersuchungen sein.

Mittels sogenannter Koma-Skalen (wie Glasgow Coma Scale, Brüsseler Koma Skala) stufen Mediziner die Bewusstlosigkeit mit dem jeweils zutreffenden Grad ein. Die Gradeinteilung dieser Skalen reicht von "Bewusstseinsklarheit" (keine Bewusstlosigkeit) bis hin zum "Koma" (völlige Bewusstlosigkeit).

Ursachen von Koma und Ohnmacht

Oft sind es nur leichte Durchblutungsstörungen des Gehirns, aber für eine leichte, vorübergehende Bewusstlosigkeit (Ohnmacht) wie auch für das Koma gibt es viele verschiedene Ursachen:

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Erste Hilfe: Wie Sie im Notfall richtig reagieren
Die wichtigsten Notrufnummern
Tipps, damit Sie bei der Wiederbelebung alles richtig machen
Was ein künstliches Koma ist

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 27.12.2017)

Bewusstlosigkeit. Online-Informationen des Deutschen Roten Kreuzes: www.drk.de (Abruf: 10.8.2015)

von Hintzenstern, U.: Notarztleitfaden. Urban & Fischer, München 2014

Leitlinie der Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP): Akute Bewusstseinsstörung jenseits der Neugeborenenperiode. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 022/016 (Stand: August 2013)

Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Diagnostik und Therapie: Synkopen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/072 (Stand: September 2012)

Klingelhöfer, J., Rentrop, M.: Klinikleitfaden Neurologie und Psychiatrie. Urban & Fischer, München 2009

Buchfelder, M., Buchfelder, A.: Handbuch der Ersten Hilfe. Schattauer, Stuttgart 2006

Aktualisiert am: 27. Dezember 2017

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