Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Ein Kreuzbandriss macht das Knie instabil und den Gang unsicher. Kreuzbandrisse sind häufige Sportverletzungen und kommen besonders oft beim Fußball oder beim Skifahren vor.

Jedes Kniegelenk hat innerhalb der Gelenkkapsel zwei Kreuzbänder: ein vorderes und ein hinteres Kreuzband. Die beiden Kreuzbänder verbinden im Kniegelenk den Oberschenkelknochen (Femur) mit dem Schienbein (Tibia).

Was ist ein Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur)?

Ein Kreuzbandriss oder eine Kreuzbandruptur ist eine Unterbrechung eines Kreuzbands durch Krafteinwirkung auf das Kniegelenk, wobei das betroffene Kreuzband vollständig gerissen oder nur angerissen sein kann.

Beide Kreuzbänder, sowohl das vordere als auch das hintere, können reißen. Ein vorderer Kreuzbandriss ist wesentlich häufiger als eine hintere Kreuzbandruptur.

Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur): Symptome

Typischerweise verursacht ein Kreuzbandriss folgende Symptome:

Normalerweise stabilisieren die Kreuzbänder das Knie und sind entscheidend für die richtige Bewegung des Gelenks. Entsprechend wird das betroffene Knie durch einen Kreuzbandriss instabil. Weitere Symptome für eine Kreuzbandruptur sind daher:

Die bei einem Kreuzbandriss auftretenden Symptome hängen teils davon ab, welches Kreuzband betroffen ist: Kennzeichnend für eine hintere Kreuzbandruptur ist, dass sich das Schienbein gegenüber dem Oberschenkel wie eine Schublade nach hinten verschieben lässt (sog. hinteres Schubladen-Zeichen). Ein vorderer Kreuzbandriss führt hingegen dazu, dass man das Schienbein nach vorne verschieben kann (sog. vorderes Schubladen-Zeichen).

Meistens liegen bei einem Kreuzbandriss Symptome einer umfassenderen Knieverletzung vor: So sind zum Beispiel bei der sogenannten Unhappy triad das vordere Kreuzband, das Innenband und der Innenmeniskus gleichzeitig verletzt. Eine Kreuzbandruptur kann aber auch ohne weitere Verletzungen (das heißt isoliert) auftreten.

Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur): Ursachen

Ein Kreuzbandriss hat seine Ursachen in Krafteinwirkungen auf das Kniegelenk – so kann zum Beispiel übermäßiges Bücken, Strecken oder Verdrehen des Kniegelenks dazu führen, dass ein Kreuzband teilweise oder vollständig reißt:

Jedes Kreuzband kann isoliert, also einzeln für sich, reißen. Häufiger ist ein Kreuzbandriss aber Teil einer umfassenderen Knieverletzung, bei der weitere Strukturen im Kniegelenk in Mitleidenschaft gezogen sind:

Anatomie des Kniegelenks (Klicken Sie zum Vergrößern auf das Bild.)

Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur): Diagnose

Da ein Kreuzbandriss typische Kniebeschwerden verursacht, ist er einfach zu erkennen. Verschiedene Bewegungstests können zeigen, ob der Gang unsicher ist, die Gelenke wegknicken und das Knie instabil ist. In der akuten Phase können die verletzungsbedingten Schmerzen allerdings so stark sein, dass die Diagnose mithilfe solcher Tests erschwert ist.

Einer dieser Tests ist der Lachmann-Test: Dabei hält der Arzt das Knie in einem Winkel von 20 bis 30 Grad gebeugt und zieht den Unterschenkel wie eine Schublade nach vorne. Zum Vergleich führt der Arzt diesen Test auch am gesunden Bein durch. Je nachdem, wie weit sich der Unterschenkel gegen den Oberschenkel verschieben lässt, ist dies ein Zeichen für einen Kreuzbandriss.

Außerdem kann mithilfe des sogenannten Schubladen-Phänomens ermittelt werden, wo die Kreuzbandruptur liegt: Wenn es möglich ist, das Schienbein wie ein Schublade gegenüber dem Oberschenkel nach hinten zu verschieben (= hinteres Schubladen-Zeichen), ist das hintere Kreuzband gerissen; lässt sich das Schienbein hingegen nach vorne verschieben (= vorderes Schubladen-Zeichen), liegt ein vorderer Kreuzbandriss vor.

Um Frakturen ausschließen, sollte bei Verdacht auf Kreuzbandriss das Knie geröntgt werden. Das gerissene Kreuzband kann so allerdings nicht dargestellt werden. Ist in Einzelfällen (v.a. bei Kindern) bei einer vorderen Kreuzbandruptur der knöcherne Ansatzpunkt des Kreuzbands ausgerissen, ist das im Röntgenbild sichtbar.

Die Kreuzbandruptur selbst sowie mögliche Begleitverletzungen können mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) dargestellt werden.

Eine Kniegelenkspiegelung (Arthroskopie) wird beim Kreuzbandriss selten zur Diagnose eingesetzt sondern erfolgt in der Regel zusammen mit einer gleichzeitigen Behandlung.

Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur): Behandlung

Die Behandlung eines Kreuzbandrisses zielt darauf ab,

Als Erstversorgung sollten Sie das Bein schonen und hoch lagern, das Knie kühlen und einen Druckverband anlegen (sog. PECH-Regel). Gegen die Schmerzen stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:

Wie die Kreuzbandruptur weiter behandelt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel:

Konservative Therapie (ohne OP)

Wenn das Ausmaß der Knieverletzung es erlaubt, kann der Kreuzbandriss ohne Operation behandelt werden: Eine rein konservative Therapie kommt zum Beispiel dann infrage, wenn Sie sportlich nicht aktiv sind oder eine Operation aus Altersgründen nicht ratsam ist. Außerdem ist bei einem hinteren Kreuzbandriss die konservative Behandlung gebräuchlicher als bei vorderen Kreuzbandrupturen.

Wenn Ihr hinteres Kreuzband gerissen ist oder wenn Sie körperlich wenig aktiv sind, können Sie durch gezieltes und konsequentes Aufbautraining der Oberschenkelmuskulatur eine so gute Führung und Stabilität des Kniegelenks erreichen, dass die Knieverletzung ohne Operation zu handhaben ist. Die Behandlung beginnt sofort nach dem ursächlichen Unfall mit einer Kältetherapie und Physiotherapie.

Wie lange braucht man Krücken?

Um das Kniegelenk während der Heilung zu entlasten, können Sie bei Bedarf Unterarmgehstützen und Knieschienen verwenden, bis Sie keine Schmerzen mehr haben. Es ist jedoch wichtig, dass Sie – sobald es möglich ist – das betroffene Knie beim Gehen wieder normal belasten. Die wichtigste Therapie beim Kreuzbandriss ist der Muskelaufbau.

Operation

Wenn Sie körperlich aktiv sind und Ihr vorderes Kreuzband gerissen ist, wird die Kreuzbandruptur gewöhnlich operiert. Ein hinterer Kreuzbandriss wird operierit, wenn die konservative Behandlung versagt hat und das Knie instabil bleibt.

Eine Kreuzband-OP kann direkt nach dem Unfall durchgeführt werden, ist aber auch später noch möglich. In den meisten Fällen findet die Operation vier bis sechs Wochen nach der Kreuzbandruptur statt. 

Ein Kreuzbandriss kann nicht genäht werden. Daher wird das gerissene Kreuzband im Knie durch ein Transplantat ersetzt. Dazu sind nur kleine Schnitte nötig: Der Operateur bringt das Sehnentransplantat mithilfe einer Kniegelenkspiegelung (Arthroskopie) im Verlauf des Kreuzbands über Bohrkanäle im Oberschenkelknochen und Schienbein an und befestigt es dort (z.B. mit Schrauben).

Als Sehnentransplantat eignet sich besonders ein Teil der eigenen Sehne zwischen Kniescheibe und Schienbein (sog. Patellasehne). Daneben kommen auch häufig die eigene Semitendinosussehne (vom Oberschenkel) oder selten von Leichen entnommene Sehnen zum Einsatz. Der Vorteil bei der Semitendinosussehne besteht vor allem darin, dass die Entnahmestelle weniger schmerzhaft verheilt als die der Patellasehne.

Wie lange ist man nach der OP arbeitsunfähig?

Nach einer Kreuzband-OP dauert es inklusive Reha etwa 16 Wochen, bis man wieder arbeitsfähig ist.

Nachbehandlung

Im Anschluss an die operative Therapie ist eine Nachbehandlung erforderlich, um den Behandlungserfolg zu gewährleisten: Da Sie nach der Kreuzband-OP das betroffene Kniegelenk nicht sofort vollständig belasten dürfen, legt der Arzt Ihnen eine spezielle Schiene an. Diese Knieschiene müssen Sie – je nach Stabilität des Kreuzbandersatzes – sechs bis zwölf Wochen tragen. Begleitend dazu erfolgt eine Krankengymnastik, bei der Sie vor allem die Oberschenkelmuskulatur trainieren und das Knie schrittweise immer häufiger und mehr belasten.

Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur): Verlauf

Es hängt unter anderem vom Alter und der sportlichen Aktivität der Betroffenen ab, wie es nach einem Kreuzbandriss weitergeht.

Ein konsequent behandelter Kreuzbandriss nimmt meist einen guten Verlauf. Sowohl bei der operativ als auch bei der konservativ behandelten Kreuzbandruptur ist es aber enorm wichtig, ausdauernd die Beinmuskulatur zu trainieren.

Rund acht von zehn Patienten erreichen nach einer Operation wieder den Leistungsstand, den sie vor der Verletzung hatten. Ohne Behandlung kann ein Kreuzbandriss auf Dauer zu einem Meniskus- und Knorpelschaden im Gelenk führen.

Postoperative Komplikationen sind bei einem Kreuzbandriss selten: Die meisten Menschen vertragen das im Verlauf der Operation eingesetzte Transplantat, das ihr gerissenes Kreuzband im Knie ersetzen soll, sehr gut, wenn es aus körpereigenem Gewebe (Sehne) besteht – die Heilung verläuft dann problemlos.

In Einzelfällen kann es nach der Kreuzbandoperation zu Bewegungseinschränkungen, einer Lockerung des Transplantats, einem Meniskusschaden oder einem Bruch der Kniescheibe kommen. Doch nur in Ausnahmefällen ist das Kniegelenk nach einer operativ behandelten Kreuzbandruptur bleibend oder zunehmend instabil.

Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur): Vorbeugen

Einem Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) können Sie bedingt vorbeugen, indem Sie Ihre Muskulatur jedes Mal, bevor Sie Sport treiben, gut aufwärmen. Außerdem sind eine Sprungschulung und Lauftraining hilfreich, um Ihre Koordinationsfähigkeit zu verbessern und Ihr Verletzungsrisiko zu mindern. Auch durch gut trainierte Beinmuskeln, eine optimale Sportausrüstung und ein vorsichtiges sportliches Verhalten können Sie sich vor einem Kreuzbandriss schützen.

Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur): Weitere Informationen

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 3.7.2017)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie: Vordere Kreuzbandruptur. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 012/005 (Stand: 6.6.2014)

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Imhoff, A., Linke, R., Baumgartner, R.: Checkliste Orthopädie. Thieme, Stuttgart 2014

Müller, M., et al.: Chirurgie. Für Studium und Praxis. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014

Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013

Fischer, L., et al.: Lehrbuch integrative Schmerztherapie. Thieme, Stuttgart 2013

Grifka, J., Krämer, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Berlin 2013

Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 265. Auflage, de Gruyter, Berlin 2013

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Aktualisiert am: 5. Dezember 2017

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