Knochenkrebs

Veröffentlicht von Onmeda-Redaktion

Knochenkrebs ist eine sehr seltene Tumorerkrankung: Nur etwa eine von 100 Krebserkrankungen geht auf einen Knochentumor zurück. In ganz Deutschland erkranken im Jahr nur einige hundert Menschen an dieser Krebsart. An welchen Symptomen erkennt man einen Knochentumor? Wie lässt er sich behandeln?

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Inhaltsverzeichnis

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Was ist Knochenkrebs?
Von Knochenkrebs spricht man, wenn sich im Skelett ein bösartiger Tumor bildet. Es gibt zahlreiche verschiedene Formen von Knochentumoren. Die meisten von ihnen lassen sich einer der drei Hauptformen von Knochenkrebs zuordnen: Osteosarkomen, Chondrosarkomen oder Ewing-Sarkomen.

Krebs kann fast überall im Körper entstehen – auch im Skelett. Wenn Zellen aus dem Knochengewebe entarten und sich unkontrolliert vermehren, entsteht ein bösartiger Knochentumor. Je nachdem, welche Eigenschaften dieser Tumor hat, welche Art von Gewebe er hervorbringt und wie er sich entwickelt, handelt es sich entweder um:

Häufigkeit

Knochenkrebs zählt zu den seltenen Tumorerkranken. In Deutschland erkranken im Jahr rund 800 Menschen daran. Die häufigste Form von Knochenkrebs ist das Osteosarkom, die zweithäufigste das Chondrosarkom. An Ewing-Sarkomen erkranken pro Jahr nur etwa 50 Menschen.

Bei Kindern kommt Knochenkrebs insgesamt häufiger vor als bei Erwachenen. Nur am Chondrosarkom erkranken meist Erwachsene.

Sekundäre Knochentumoren

Neben den genannten primären Knochentumoren gibt es sogenannte sekundäre Knochentumoren. Diese entspringen nicht dem Knochen, sondern stammen von einem Tumor ab, der in einem anderen Körperteil entstanden ist. Es handelt sich also nicht um Knochenkrebs, sondern um Tochtergeschwülste einer anderen Krebserkrankung. Krebsarten, die häufig in die Knochen streuen, sind etwa Lungenkrebs, Brustkrebs, Prostatakrebs und Schilddrüsenkrebs.

Wichtig: Das Wort Tumor (wörtlich: "Schwellung") steht nicht nur für bösartige Neubildungen, sondern gilt auch für gutartige Veränderungen: Neben den bösartigen Knochentumoren – also dem Knochenkrebs – kann mit einem Tumor auch ein gutartiger Knochentumor gemeint sein. Dabei handelt es sich nicht um Krebs.

Knochenkrebs: Typische Symptome

Typische Anzeichen für Knochenkrebs sind Schwellungen und Schmerzen. Der befallene Knochen verliert häufig an Festigkeit. Selbst normale Belastung oder leichte Einwirkungen von außen können dann dazu führen, dass der Knochen bricht.

Welche Symptome ein Knochentumor noch hervorrufen kann, hängt vor allem von dessen Größe und Lage ab – und davon, um welche Form von Knochenkrebs es sich handelt.

Das Osteosarkom macht sich meist durch eine schmerzhafte Schwellung bemerkbar. Diese kann rötlich oder bläulich verfärbt sein und beeinträchtigt häufig die Beweglichkeit des betroffenen Körperteils. Bei vielen Patienten entspringen Osteosarkome den langen Röhrenknochen der Arme oder Beine oder dem Kniegelenk.

Ein Ewing-Sarkom äußert sich ebenfalls durch Schmerzen und eine Schwellung der vom Tumor betroffenen Körperstelle. Meist entstehen Ewing-Sarkome im Becken oder den langen Röhrenknochen der Beine. Einige Betroffene haben Fieber.

Die Schmerzen werden meist stärker, wenn sich der Erkrankte bewegt und schwächer, wenn er ruht. Häufig lassen sie jedoch selbst in der Nacht nicht vollständig nach. Mitunter missdeuten die Eltern die Schmerzen als Wachstumsschmerzen, als Folgen einer Sportverletzung oder auch als Zeichen für eine Knochenentzündung.

Auch Chondrosarkome verursachen typischerweise Schmerzen und Schwellungen. Wenn ein Chondrosarkom auf das Rückenmark drückt, klagen die Betroffenen manchmal über Taubheits- und Schwächegefühle und/oder Inkontinenz.

Knochenkrebs: Was sind die Ursachen?

Die verschiedenen Formen von Knochenkrebs entwickeln sich auf unterschiedliche Weise. Die Auslöser der Erkrankungen sind nicht genau geklärt.

Ursachen von Osteosarkomen

Osteosarkome entstehen aus sogenannten Osteoblasten. Das sind Knochenzellen, die normalerweise die Aufgabe haben, neue Knochensubstanz zu bilden – etwa, wenn ein Mensch wächst. Bösartig veränderte Osteoblasten produzieren jedoch zu viel neue Knochensubstanz, die nicht ausreift. Zugleich vermehren sich die Zellen allzu stark. So entwickeln sich Tumoren, die das gesunde Knochengewebe verdrängen und zerstören.

Bei etwa 90 von 100 Patienten mit einem Osteosarkom lässt sich die Erkrankung nicht auf bestimmte Ursachen zurückführen.

In einigen Fällen tritt die Erkrankung bei Menschen auf, die bereits an Krebs erkrankt waren und eine Chemo- oder Strahlentherapie erhalten haben. Die radioaktive Strahlung und die Medikamente, die bei diesen Therapien eingesetzt werden, können das Erbmaterial der Osteoblasten schädigen. Die Erbgutschäden können bewirken, dass sich diese Zellen in Krebszellen verwandeln.

Darüber hinaus gibt es bestimmte genetische Faktoren, die die Entstehung eines Osteosarkoms begünstigen. Beispielsweise erkranken Kinder und Jugendliche mit erblich bedingten Krankheiten (wie Morbus Paget oder beidseitigen Retinoblastomen) auffallend häufig an Osteosarkomen.

Ursachen von Ewing-Sarkomen

Ewing-Sarkome entstehen im Knochenmark der Schenkelknochen oder des Beckens. Die Tumoren bestehen aus kleinen, blauen, runden Zellen. Wie Osteosarkome bilden Ewing-Sarkome häufig frühzeitig Tochtergeschwülste (Metastasen) in der Lunge oder anderen Körperregionen.

Warum Ewing-Sarkome entstehen, weiß man nicht. Anders als bei Osteosarkomen sind weder erbliche noch äußere Einflüsse bekannt, die das Risiko für die Entstehung dieser Krebsart erhöhen. Fest steht, dass diese Krebsart vor allem Kinder und Jugendliche betrifft.

Ursachen von Chondrosarkomen

Diese Form von Knochenkrebs geht aus Zellen hervor, die für die Bildung von Knorpelsubstanz zuständig sind. Wenn diese zu Krebszellen werden, beginnen sie, sich unkontrolliert zu vermehren. Außerdem produzieren sie übermäßig viel Knorpelsubstanz – ähnlich den Osteosarkomen, die zu viel Knochensubstanz bilden.

Warum Chondrosarkome entstehen, ist nicht bekannt. Es hat sich gezeigt, dass Chondrosarkome wie Osteosarkome manchmal als Spätfolge einer Strahlentherapie auftreten. Womöglich erhöhen auch bestimmte erbliche Anlagen das Risiko für die Entstehung eines Chondrosarkoms.

Bei einem Großteil der Chondrosarkome handelt es sich um sogenannte primäre Chondrosarkome, die direkt aus Knorpelgewebe hervorgehen. Darüber hinaus gibt es auch die selteneren sekundären Chondrosarkome. Diese entwickeln sich aus gutartigen Knochentumoren. Dementsprechend können gutartige Knochentumoren das Risiko für die Entstehung eines sekundären Chondrosarkoms erhöhen.

Knochenkrebs: So stellt der Arzt die Diagnose

Bei Verdacht auf Knochenkrebs lässt der Arzt Röntgenaufnahmen des betroffenen Knochens anfertigen. Wenn der Patient tatsächlich einen Knochentumor hat, kann der Arzt diesen auf den Bildern in der Regel gut erkennen: Bösartige Knochentumoren verursachen unscharf begrenzte Defekte in der Knochensubstanz.

Mitunter gibt das Röntgenbild dem Arzt häufig bereits erste Hinweise auf die Art des Tumors.

Ein genaueres Bild des Tumors erhält der Arzt durch eine Gewebeuntersuchung (Biopsie). Dazu entnimmt er mit einer Nadel eine Probe aus dem betroffenen Knochen (Biopsie). Diese wird dann von einem Pathologen im Labor unter dem Mikroskop untersucht. Die unterschiedlichen Arten von Knochentumoren verändern das Knochengewebe auf jeweils charakteristische Weise. Anhand dieser für den jeweiligen Tumor typischen Gewebeveränderungen kann der Pathologe mit Gewissheit die Art des Tumors bestimmen.

Die genaue Lage sowie die Größe des Tumors ermittelt der Arzt mithilfe weiterer bildgebender Verfahren. Dazu zählen die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT). Zudem kann der Arzt mithilfe einer Skelettszintigraphie und einer Ultraschalluntersuchung feststellen, ob sich bereits Tochtergeschwülste in anderen Teilen des Skeletts beziehungsweise anderen Organen gebildet haben.

Knochenkrebs: Wie lassen sich Knochentumore behandeln?

Bei Knochenkrebs richtet sich die Therapie nach der Art und Ausbreitung des Tumors. In der Regel kommt bei Knochenkrebs eine Kombination aus mehreren Behandlungsformen zum Einsatz. Zur Verfügung stehen

Um den Tumor vollständig zu entfernen, muss der Arzt häufig große Teile des Knochens entfernen. Dieser lässt sich durch Implantate ersetzen. Für Kinder und Jugendliche gibt es heute sogar "mitwachsende" Prothesen.

Therapie des Osteosarkoms

Bei einem Osteosarkom ist die Therapie der Wahl die Operation in Kombination mit einer Chemotherapie. Zum Teil erhalten Betroffene die Chemotherapie bereits vor der Operation, um den Tumor zu verkleinern.

Bei der Operation entfernt der Arzt zum einen den Tumor und zum anderen die Tochtergeschwülste in der Lunge. Nach der Operation eine weitere, 18 Wochen lang andauernde Chemotherapie. Diese dient dazu, alle restlichen Tumorzellen aus dem Körper abzutöten.

Therapie des Ewing-Sarkoms

Um ein Ewing-Sarkom zu entfernen, ist meist eine Kombination aus Chemotherapie, Strahlentherapie und Operation notwendig. 

Zunächst erhält der Patient eine etwa zehnwöchige Chemotherapie, bei der verschiedene Medikamente zum Einsatz kommen. Diese erste Phase der Chemotherapie dient dazu, den Tumor und eventuelle Tochtergeschwülste zu verkleinern und abzutöten. Auch sollen durch die Chemotherapie sehr kleine Tochtergeschwülste beseitigt werden, die sich mithilfe von bildgebenden Verfahren nicht feststellen lassen.

Nach oder bereits vor Abschluss der Chemotherapie entfernt der Arzt den Tumor in einer Operation. Wenn die Lage des Tumors oder der Gesundheitszustand des Patienten gegen eine Operation sprechen, kann der Arzt stattdessen eine Strahlentherapie in Erwägung ziehen. In einigen Fällen kann auch eine Kombination beider Verfahren sinnvoll sein.

Auch wenn es dem Arzt gelingt, den Tumor komplett zu entfernen, treten nach dem Eingriff meist noch Tochtergeschwülste auf. Deshalb erhält der Patient im Anschluss eine weitere Chemotherapie, die alle verbleibenden Krebszellen abtöten soll.

Insgesamt dauert die Behandlung eines Ewing-Sarkoms ungefähr ein Jahr.

Therapie des Chondrosarkoms

Die meisten Chondrosarkome lassen sich im Rahmen einer Operation komplett entfernen. Auf eine Chemo- oder Strahlentherapie sprechen Chondrosarkome in der Regel schlecht an.

Knochenkrebs: Krankheitsverlauf & Prognose

Wie Knochenkrebs verläuft und ob der Patient wieder gesund wird, ist vor allem von der Art des Tumors und dem Stadium der Erkrankung abhängig. Generell gilt: Je früher ein Knochentumor festgestellt und behandelt wird, desto besser ist die Prognose.

Osteosarkom

Meist breiten sich Osteosarkome recht schnell auf andere Teile des Skeletts aus. Auch bilden sie häufig Tochtergeschwülste in anderen Körperteilen wie der Lunge.

Hat der Tumor noch keine Tochtergeschwulste entwickelt, leben 5 Jahre nach der Diagnose noch etwa 50 bis 70 von 100 Betroffenen.

Ewing-Sarkom

Dank moderner Chemotherapien hat sich bei diesem Knochenkrebs die Lebenserwartung deutlich gebessert: Wenn der Tumor bei der Diagnose noch keine Tochtergeschwülste gebildet hat, leben 50 bis 75 von 100 Patienten länger als 5 Jahre.

Hat der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose gestreut, ist die Prognose deutlich schlechter: Von 100 Betroffenen leben 3 bis 5 Jahre nach der Diagnose nur noch rund 20 bis 50.

Chondrosarkom

Bei Chondrosarkomen hängt die Prognose unter anderem von der Lage und Größe des Tumors ab.

Einen wichtigen Einfluss hat zudem der sogenannte Differenzierungsgrad des Tumors. Dieser gibt an, wie stark sich das Tumorgewebe vom gesunden Gewebe unterscheidet. Je größer der Unterschied, umso bösartiger ist der Tumor und umso schlechter sind die Überlebenschancen des Patienten:

Knochenkrebs: Vorbeugen

Knochenkrebs kann man nicht vorbeugen.

Je früher Knochenkrebs erkannt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Daher ist es wichtig, mögliche Warnsignale wie Schwellungen, die mit stärker werdenden Schmerzen verbunden sind, von einem Arzt abklären zu lassen.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 5.2.2018)

Brown, H. K., et al.: Biology of Bone Sarcomas and New Therapeutic Developments. Calcified Tissue International, Online-Publikation (Dezember 2017)

Baumhoer, D.: Pathogenese und genetischer Hintergrund des Osteosarkoms. Der Pathologe, Online-Publikation (September 2017)

Nolting-Hecker, S., Bielack, S.: Therapie primär maligner Knochentumoren. TumorDiagnostik & Therapie, Jg. 35, Nr. 8, S. 472-475 (Dezember 2014)

Kerbl, R. et al.: Checkliste Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2015

Niethard, F. U., et al.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO): Maligne Knochentumore des Erwachsenen – Leitlinie. www.dgho-onkopedia.de (Stand: Mai 2011)

Leitlinien der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie: Osteosarkome. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 025/005 (Stand: Dezember 2010)

Aktualisiert am: 5. Februar 2018

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