Heuschnupfen (Pollenallergie, Pollinosis)

Veröffentlicht von Onmeda-Redaktion

Heuschnupfen (Pollenallergie, Pollinosis) kann einem die Freude an gutem Wetter gründlich verleiden: Wer eine Allergie gegen Blütenstaub (Pollen) hat, entwickelt gerade dann teils heftige Beschwerden.

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Inhaltsverzeichnis

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Heuschnupfen gehört sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Erwachsenen zu den häufigsten allergischen Erkrankungen. Für Deutschland gilt:

Was ist Heuschnupfen?

Heuschnupfen ist eine allergische Reaktion vom Soforttyp (Typ-I-Allergie). Wenn Pollen mit den Schleimhäuten der Nase, Augen oder Atemwege in Berührung kommen, reagiert der Körper sofort darauf und entwickelt entsprechende allergische Symptome – vor allem:

  • allergischen Schnupfen (Rhinitis),
  • Augenbeschwerden und/oder
  • Atembeschwerden.

Typischerweise tritt Heuschnupfen saisonal – also zu bestimmten Jahreszeiten – auf: Meist macht sich die Allergie nur zu den typischen Pollenflugzeiten im Frühjahr, Sommer oder Herbst bemerkbar. Andere Bezeichnungen für die Pollenallergie sind daher:

Kommt es beim Heuschnupfen zu einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis), so spricht man auch von saisonaler allergischer Rhinokonjunktivitis.

Viele Menschen sind jedoch nicht nur gegen eine Pollenart, sondern gegen Pollen verschiedener Pflanzen allergisch – und einzelne Pflanzenarten können bereits im Dezember oder Januar oder auch bis in den Herbst hinein blühen. Daher kann Heuschnupfen unter Umständen auch ganzjährig oder mehrfach im Jahr auftreten.

Warum heißt der Heuschnupfen eigentlich Heuschnupfen?

Die Bezeichnung stammt aus dem 19. Jahrhundert. Sie kommt daher, dass die allergische Reaktion zunächst bei Kontakt zu Gras und Heu beobachtet wurde.

Heuschnupfen (Pollenallergie, Pollinosis): Symptome

Die für Heuschnupfen (Pollenallergie, Pollinosis) typischen Symptome sind:

Damit verursacht Heuschnupfen ähnliche Symptome wie eine Hausstaubmilben­allergie:

Die bei Heuschnupfen häufige Kombination aus Schnupfen und Bindehautentzündung bezeichnen Mediziner als allergische Rhinokonjunktivitis.

Unbehandelt durchläuft der Heuschnupfen meist einen sogenannten Etagenwechsel – das bedeutet: Mit der Zeit weitet sich die Allergie von Nase und Augen auf die tiefer liegenden Atemwege aus, sodass ein allergisches Asthma bronchiale entsteht. Dann kann die Pollenallergie als zusätzliches Symptom eine Atemnot auslösen.

Pollenallergiker haben ein wesentlich höheres Asthma-Risiko als Nicht-Allergiker: In bis zu 80 Prozent der Fälle geht einem Asthma eine Allergie wie Heuschnupfen voraus. Eine frühzeitige Behandlung der Pollenallergie senkt jedoch das Risiko für ein allergisches Asthma.

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Darüber hinaus können bei Heuschnupfen viele weitere Symptome auftreten, wie:

Zudem reagieren Menschen mit Heuschnupfen teils überempfindlich auf unspezifische Reize wie Tabakrauch, Staub, Geruchsstoffe, Temperaturänderungen und körperliche Anstrengung – zum Beispiel mit Niesreiz oder Augentränen.

Mehr zum Thema: Gereizte Augen bei Heuschnupfen

Meist verläuft Heuschnupfen saisonal – die Symptome treten also abhängig von der Jahreszeit auf. Besonders an trockenen, windigen Tagen verschlimmern sich die Beschwerden, weil der Pollenflug dann oft besonders stark ist. Nach einer längeren Regenperiode lassen Pollenflug und damit auch die mit der Pollenallergie verbundenen Symptome häufig nach.

Heuschnupfen (Pollenallergie, Pollinosis): Ursachen

Heuschnupfen (Pollenallergie, Pollinosis) entsteht durch eine Fehlreaktion des Immunsystems auf bestimmte Eiweiße von eigentlich harmlosem Blütenstaub (Pollen):

Histamine verursachen die für Heuschnupfen typischen Beschwerden: Als Reaktion auf Histamin und andere Substanzen weiten sich zum Beispiel die Blutgefäße – dadurch röten sich die betroffenen Bereiche (wie Nasenschleimhaut, Augenbindehaut) und schwellen an. Gleichzeitig verengen sich durch Histamin die Bronchien. Zudem locken die freigesetzten Histamine Abwehrzellen des Immunsystems in die betroffenen Bereiche und führen dort zu Entzündungsreaktionen.

Die genauen Ursachen von Heuschnupfen sind bislang nicht eindeutig geklärt. Zwar ist die Veranlagung zur Pollenallergie vererbbar, aber auch Umweltbedingungen spielen eine Rolle.

Als Auslöser von Heuschnupfen kommen die Pollen der unterschiedlichsten windbestäubten Pflanzen infrage:

Dabei richtet sich eine Pollenallergie immer gegen Pollen bestimmter Pflanzen (z.B. gegen Birkenpollen). Viele Pollenallergiker sind auch gegen Pollen mehrerer Pflanzen allergisch: So kann beispielsweise gleichzeitig eine Baum- und eine Gräserallergie bestehen. Entsprechend tritt Heuschnupfen – je nach Pollenflugzeiten der einzelnen Pflanzen – zu verschiedenen Zeiten im Jahr und in manchen Fällen sogar fast das ganze Jahr über auf.

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Einen Heuschnupfen können die unterschiedlichsten blühenden Pflanzen auslösen – wie etwa Gräser, Bäume, Sträucher oder Kräuter.

Kreuzallergie

Wer Heuschnupfen hat, kann zusätzlich eine Kreuzallergie gegen bestimmte Lebensmittel entwickeln. Ursache hierfür ist, dass die Pollenallergene in ihrer Struktur bestimmten Eiweißen in Nahrungsmitteln zum Teil sehr ähneln. Das Immunsystem reagiert dann genauso abwehrend auf das Nahrungseiweiß wie auf die Pollen, sodass der Verzehr der jeweiligen Nahrungsmittel folgende Beschwerden verursacht:

Je nachdem, welche Pflanzenpollen genau den Heuschnupfen auslösen, kann eine Kreuzallergie gegen unterschiedliche Nahrungsmittel entstehen. So reagieren beispielsweise viele Pollenallergiker aufgrund einer Hasel-, Erlen- oder Birkenpollenallergie auch allergisch auf Haselnüsse, Äpfel oder Kirschen. Typisch ist, dass jede Pollenallergie Kreuzreaktionen mit bestimmten Nahrungsmitteln verursacht.

Tabelle: Typische Kreuzreaktionen bei Heuschnupfen

Pollenart allergieauslösendes Nahrungsmittel
Birke, Erle, Hasel Haselnuss, Walnuss, Paranuss, Mandel, Apfel, Birne, Pflaume, Pfirsich, Kirsche, Aprikose, Kartoffel, Karotte, Sellerie, Kiwi, Avocado
Beifuß Sellerie, Karotte, Anis, Dill, Kümmel, Petersilie, Kamille, Paprika, Pfeffer, schwarzer Senf, weißer Senf
Gräser Tomate, Kartoffel, Erdnuss, Soja, Roggen, Weizen
Ambrosia Gurke, Honigmelone, Wassermelone, Banane

Heuschnupfen (Pollenallergie, Pollinosis): Diagnose

Heuschnupfen (Pollenallergie, Pollinosis) lässt sich gezielt mit einem Allergietest nachweisen: So kann der Arzt den genauen Allergieauslöser (das Allergen) ermitteln. In der Regel kommt dazu der sogenannte Pricktest zum Einsatz:

Um das Ergebnis des Pricktests und somit die Diagnose der Pollenallergie zu bestätigen, ist eine Blutuntersuchung geeignet: Bei Menschen mit Heuschnupfen befinden sich Antikörper gegen die jeweiligen Allergene im Blut, die man im Labor mit dem sogenannten Enzym-Allergo-Sorbent-Test (Abk. EAST) nachweisen kann.

In speziellen Fällen kann auch ein Provokationstest mit dem entsprechenden Allergen angebracht sein, um Heuschnupfen sicher festzustellen. Dazu erhält man über einen Zerstäuber Pollen in die Nase. Da es hierbei zu einer starken allergischen Reaktion kommen kann, darf dieser Test nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Anschließend sollte man mindestens eine halbe Stunde weiter ärztlich überwacht werden.

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Mit dem sogenannten Pricktest lässt sich der Verdacht auf eine Pollenallergie schnell bestätigen.

Wo kann man sich auf Heuschnupfen testen lassen?

Auf Heuschnupfen können Sie sich bei jedem praktischen Arzt oder in einer Facharztpraxis testen lassen – zum Beispiel bei einem Hautarzt (Dermatologen), HNO-Arzt oder Lungenfacharzt (Pneumologen).
Manche Ärzte haben sich auch speziell für die Behandlung von Allergien qualifiziert – das ist erkennbar an der Zusatzbezeichnung Allergologie (z.B. auf dem Praxisschild).

Heuschnupfen (Pollenallergie, Pollinosis): Therapie

Heuschnupfen (Pollenallergie, Pollinosis) zu behandeln ist in jedem Fall empfehlenswert! Denn ohne Therapie verlagert sich die Allergie meist im Lauf der Zeit von Augen und Nase in die unteren Atemwege (sog. Etagenwechsel) und verursacht asthmatische Beschwerden.

Was kann man selbst tun?

Grundsätzlich raten Mediziner bei Allergien zur Allergenkarenz oder Expositionsprophylaxe. Das bedeutet, nach Möglichkeit die allergieauslösenden Stoffe zu vermeiden. Bei Heuschnupfen ist das jedoch praktisch unmöglich, da die Pollen sich überall in der Luft befinden und teilweise kilometerweit fliegen können.

Jedoch können Sie zumindest versuchen, die Pollenbelastung zu Hause so gering wie möglich zu halten, um die Beschwerden der Pollenallergie nicht zu verschlimmern. Befolgen Sie dazu während der Pollensaison einfach folgende Tipps:

Für Ihre Urlaubsplanung empfiehlt sich zudem: Machen Sie möglichst dann Urlaub, wenn bei Ihnen zu Hause der Pollenflug stattfindet! Als Reiseziele bieten sich pollenarme Regionen an: Eher wenig Pollen fliegen vor allem am Meer und im Hochgebirge (in 1.500 bis 1.800 Metern Höhe).

Die besten Reiseziele für Pollenallergiker sind natürlich solche, an denen es die Allergieauslöser kaum bis gar nicht gibt: So können zum Beispiel Birkenpollenallergiker auf den Kanarischen Inseln einen beschwerdefreien Frühling genießen. Und an Bord eines Schiffs auf hoher See ist die Luft praktisch völlig pollenfrei.

Medikamente gegen Heuschnupfen

Während der Pollensaison ist es ratsam, den Heuschnupfen durch spezielle Medikamente (sog. Antiallergika) zu lindern. Viele verfügbare Wirkstoffe (wie Cetirizin und Loratadin) gehören zur Gruppe der Antihistaminika. Sie unterdrücken die Pollenallergie, indem sie verhindern, dass das freigesetzte Histamin an andere Zellen binden kann. Auf diese Weise unterbrechen die Heuschnupfenmittel die allergische Reaktion.

Auch Lösungen mit Glukokortikoiden kommen oft gegen eine Pollenallergie zum Einsatz (wie die Wirkstoffe Betamethason oder Hydrocortison). Wer schon länger mit Heuschnupfen lebt, kennt seine Allergie meist so gut, dass er einschätzen kann, wann die Medikamente am besten helfen.

Vorbeugend – also am besten einige Wochen bevor sich der Heuschnupfen bemerkbar macht – können auch Medikamente mit sogenannten Mastzellstabilisatoren (wie z.B. mit Cromoglicinsäure) helfen. Diese Heuschnupfenmittel wendet man örtlich an, etwa in Form von Nasenspray oder Augentropfen.

Wenn Sie im Rahmen der Pollenallergie Begleitsymptome – wie Juckreiz oder Brennen der Haut – entwickeln, können Sie außerdem spezielle Hautpflegeprodukte (mit Inhaltsstoffen wie DexpanthenolUrea oder Aloe vera) verwenden, um diese Beschwerden zu lindern.

Hyposensibilisierung

Wenn Sie Ihren Heuschnupfen dauerhaft abschwächen oder ganz loswerden möchten, sollten Sie sich für eine Hyposensibilisierung entscheiden. Mediziner bezeichnen dieses Behandlungsverfahren auch als spezifische Immuntherapie (SIT). Gelingen kann es nur, wenn bekannt ist, welche Pollen genau Ihre Pollenallergie auslösen.

Hyposensibilisierung bedeutet, den Körper langsam an das Allergen zu gewöhnen. Dazu bringt man ihn schrittweise mit zunächst sehr kleinen Mengen des Allergens in Kontakt. So soll das Immunsystem lernen, den allergieauslösenden Stoff zu dulden, statt mit Abwehr zu reagieren.

Idealerweise führt die Hyposensibilisierung dazu, dass der Heuschnupfen ausbleibt – oder sich zumindest so abschwächt, dass Ihr Medikamentenbedarf sinkt.

Gegen Heuschnupfen können verschiedene Methoden der Hyposensibilisierung zum Einsatz kommen. Die klassische Methode heißt subkutane SIT (SCIT): Hierbei spritzt der Arzt Ihnen das Allergen in regelmäßigen Abständen und in steigender Dosis unter die Haut. An der Einstichstelle können Juckreiz oder kleinere Schwellungen auftreten.

Um sicherzustellen, dass Sie nicht doch eine stärkere allergische Reaktion entwickeln, sollten Sie nach der Injektion noch etwa eine halbe Stunde in der Arztpraxis bleiben.

Statt mit Spritzen ist eine Hyposensibilisierung bei Heuschnupfen auch mit Tabletten oder Tropfen möglich. Dies bezeichnet man als sublinguale Immuntherapie (SLIT).

Eine Hyposensibilisierung dauert in der Regel drei bis fünf Jahre.

Alternative Behandlungsverfahren

Neben Medikamenten setzen manche Menschen mit Heuschnupfen auch auf alternative Behandlungsverfahren wie Akupunktur und eine Form der Eigenbluttherapie.

Wer seinen Heuschnupfen mit Akupunktur behandeln lassen möchte, unterzieht sich dieser Behandlung meist wiederholt einmal pro Jahr vor Beginn der Pollensaison. In manchen Fällen bessert sich die Pollenallergie nach einigen solchen Behandlungen. In der Regel müssen Allergiker die Kosten für die Akupunktur jedoch selbst tragen.

Ein weiteres manchmal bei Heuschnupfen eingesetztes Verfahren ist die sogenannte Gegensensibilisierung (bzw. unspezifische Desensibilisierung). Bei dieser Form der Eigenbluttherapie entnimmt der Therapeut dem Pollenallergiker Blut, um daraus ein spezielles Medikament herzustellen. Anschließend spritzt er dem Betroffenen das so aufbereitete Blut – ähnlich wie bei der Hyposensibilisierung – in steigender Dosierung. Die Wirkung dieser Therapie ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt.

Heuschnupfen (Pollenallergie, Pollinosis): Verlauf

Oft setzt Heuschnupfen (Pollenallergie, Pollinosis) schon im Verlauf der Kindheit ein und bleibt ein Leben lang bestehen. Doch auch wer bis ins Erwachsenenalter allergiefrei war, kann jederzeit noch eine Allergie gegen Pollen entwickeln.

Unbehandelt macht Heuschnupfen in der Regel einen sogenannten Etagenwechsel durch: Dann verlagert sich die Pollenallergie von den oberen Atemwegen und der Bindehaut des Auges in die unteren Atemwege und verursacht asthmatische Beschwerden.

Zudem kann sich die allergische Reaktion bei Heuschnupfen schnell auf andere Substanzen ausweiten: Dann entsteht eine sogenannte Kreuzallergie – zum Beispiel gegen bestimmte Nahrungsmittel. Mit zunehmendem Alter können sich die Symptome jedoch bessern. Zudem kann eine Hyposensibilisierung die Beschwerden oft deutlich lindern.

Heuschnupfen (Pollenallergie, Pollinosis): Vorbeugen

Einem Heuschnupfen (Pollenallergie, Pollinosis) können Sie nur teilweise vorbeugen. Zwar ist es nicht möglich, sich grundsätzlich vor einer Allergie zu schützen – als Pollenallergiker können Sie jedoch allergischen Beschwerden auf verschiedenen Wegen entgegenwirken:

Heuschnupfen (Pollenallergie, Pollinosis): Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 27.3.2018)

Heuschnupfen. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www. gesundheitsinformation.de (Stand: 28.6.2017)

Allergischer Schnupfen. Online-Informationen der European Centre for Allergy Research Foundation (ECARF): www.ecarf.org (Stand: April 2017)

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Stand: 27. März 2018

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