Nierenwerte

Veröffentlicht von: Stefan Schweiger

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Weichen Nierenwerte im Blut wie Harnstoff, Kreatinin und die Kreatinin-Clearance vom Normalwert ab, kann dies ein Hinweis auf eine Nierenerkrankung sein. Ein auffälliger Nierenwert allein sagt allerdings noch nichts über eine bestimmte Krankheit aus, sondern bedarf weiterer Abklärung. Der Fachbegriff für Nierenwerte lautet "Retentionswerte" (von lat. retinere = zurückhalten).

Die Nierenwerte, die am häufigsten bestimmt werden, sind:

Ein zu hoher bzw. zu niedriger Harnstoff- oder Kreatininwert kann auf Nierenerkrankungen hinweisen. Allerdings eignen sich beide Werte nicht dazu, solche Krankheiten zu einem frühen Zeitpunkt zu erkennen. Denn sie sind erst dann auffällig beziehungsweise aussagekräftig, wenn die Funktion der Nieren bereits deutlich eingeschränkt ist.

Dennoch bestimmen Ärzte den Kreatininwert häufig standardmäßig bei Blutuntersuchungen: Er dient als Grundlage für die sogenannte glomeruläre Filtrationsrate (GFR). Sie gibt an, wie gut die Nieren ihre Filterfunktion erfüllen. Anhand der GFR teilen Ärzte beispielsweise Nierenkrankheiten in verschiedene Schweregrade ein.

Was sind Nierenwerte?

Nierenwerte dienen dazu, festzustellen, ob die Nieren richtig arbeiten und gesund sind. Ermittelt werden sie in der Regel mithilfe von Blutuntersuchungen. Darüber hinaus können Ärzte auch mit Urinuntersuchungen, wie zum Beispiel mit Urinteststreifen oder einer Harnanalyse, die Funktion der Nieren prüfen.

Normalwerte: Wann sind die Nierenwerte zu hoch?

Anhand der Nierenwerte kann man feststellen, ob die Nieren richtig arbeiten und gesund sind. Als Indikator hierfür gelten die Normalwerte von Harnstoff, Kreatinin und der Kreatinin-Clearance. Stellt der Arzt fest, dass die Nierenwerte über oder unter diesen Werten liegen, wird er weitere Untersuchungen durchführen, um herauszufinden, warum das so ist.

Hinweis: Sowohl die gemessenen Werte wie auch die definierten Grenzwerte können von Labor zu Labor unterschiedlich sein.

Normalwerte Harnstoff

Geschlecht Normalwerte (nach Alter)
Männer unter 50 Jahre: 19–44 mg/dl
ab 50 Jahre: 18–55 mg/dl
Frauen unter 50 Jahre: 15–40 mg/dl
ab 50 Jahre: 21–43 mg/dl
Kinder 1–3 Jahre: 11–36 mg/dl
4–13 Jahre: 15–36 mg/dl
14–19 Jahre: 18–45 mg/dl

Normalwerte Kreatinin (im Serum)

Geschlecht Normalwerte (nach Alter)
Männer unter 50 Jahre: 0,84–1,25 mg/dl
ab 50 Jahre: 0,81–1,44 mg/dl
Frauen 0,66–1,09 mg/dl
Kinder 1–30 Tage: 0,5–1,2 mg/dl
1–12 Monate: 0,4–0,7 mg/dl
1–3 Jahre: 0,4–0,7 mg/dl
4–6 Jahre: 0,5–0,8 mg/dl
7–9 Jahre: 0,6–0,9 mg/dl
10–12 Jahre: 0,6–1 mg/dl
13–15 Jahre: 0,6–1,2 mg/dl
16–18 Jahre: 0,8–1,4 mg/dl

Normalwerte Kreatinin-Clearance

Geschlecht Normalwerte (nach Alter)
Männer ca. 25 Jahre: 95–140 ml/min
ca. 50 Jahre: 70–115 ml/min
ca. 75 Jahre: 50–80 ml/min
Frauen ca. 25 Jahre: 70–110 ml/min
ca. 50 Jahre: 50–100 ml/min
ca. 75 Jahre: 35–60 ml/min
Kinder 1–2 Wochen: 25–35 ml/min
3–8 Wochen: 25–55 ml/min
3–12 Monate: 35–80 ml/min
> 12 Monate: > 90 ml/min

Nierenwerte: Was ist die Aufgabe der Nieren?

Der Aufbau der Nieren gleicht dem eines sehr feinen Siebes. Ihre Hauptaufgabe ist es, das Blut zu filtern und dadurch zu reinigen. Sie hält dadurch auch den Körperhaushalt von Wasser, Mineralstoffen (Elektrolyten) sowie Säuren und Basen im Gleichgewicht. Giftstoffe wie auch Abbauprodukte von Eiweißen (Proteinen) werden ebenfalls über die Nieren ausgeschieden.

Aus dem Blut, das durch die Nieren hindurchströmt, filtern sie die flüssigen Anteile – das sogenannte Plasma – heraus. Blutzellen und große Eiweiße passieren das Organ dagegen ungestört. Aus dem Plasma produzieren die Nieren dann den sogenannten Primärharn. Dieser Primärharn enthält alle löslichen Stoffe des Bluts, sowohl die für den Körper wichtigen Substanzen, wie zum Beispiel Zucker (Glukose), als auch jene Stoffe, die für den Körper schädlich sind und ausgeschieden werden müssen.

Filtern als zentrale Aufgabe

Von dem Primärharn, auch Primärfiltrat genannt, bilden die Nieren etwa 180 Liter pro Tag. Dies ist möglich, da das gesamte Blutvolumen etliche Male durch die Nieren strömt und dabei wieder und wieder den Prozess aus Filtration und Konzentration durchläuft.

In weiteren Schritten entziehen die Nierenzellen dem Filtrat die für den Körper wertvollen Substanzen wieder (Resorption) und fügen dem Filtrat potenziell giftige Substanzen hinzu (Sekretion). Schließlich entzieht die Niere dem Harn Wasser, sodass von den 180 Litern Primärfiltrat letztlich etwa ein bis eineinhalb Liter Harn pro Tag übrig bleiben (je nach Trinkmenge).

Will man feststellen, ob die Nieren noch richtig arbeiten, muss man also prüfen, wie hoch ihre Filtrationsleitung ist. Diese nimmt bei vielen Nierenerkrankungen ab. Wie gut die Nieren das Blut reinigen, können Ärzte zum Beispiel anhand von Blutproben feststellen, die sie auf bestimmte Stoffe untersuchen: die sogenannten Nierenwerte.

Harnstoff

Harnstoff ist das Hauptabbauprodukt des Eiweißstoffwechsels. Er entsteht in der Leber aus Spaltprodukten von Eiweißen (Proteinen) und wird zu etwa 90 Prozent über die Nieren ausgeschieden. Nimmt die Filtrationsleistung der Nieren ab, steigt deshalb die Harnstoffkonzentration im Blut. Der Laborwert für Harnstoff ist dann erhöht.

Zur Früherkennung von Nierenerkrankungen eignet sich der Harnstoff-Wert allerdings nicht: Er steigt erst, wenn die Nieren bereits ein Viertel ihrer Filtrationsleistung eingebüßt haben.

Weiterhin spielt für die Menge an Harnstoff im Blut eine Rolle, wie viel Eiweiß eine Person mit der Nahrung aufnimmt und wie viel der Körper davon abbaut – was auch von der Muskelmasse abhängt.

Anders als der Harnstoffwert werden der Kreatininwert und die aus ihm abgeleitete glomeruläre Filtrationsrate (GFR) von weniger Faktoren beeinflusst. Durch diese Werte lässt sich die Filtrationsfunktion der Nieren zuverlässiger bestimmen.

Normalwerte Harnstoff

Geschlecht Normalwerte (nach Alter)
Männer unter 50 Jahre: 19–44 mg/dl
ab 50 Jahre: 18–55 mg/dl
Frauen unter 50 Jahre: 15–40 mg/dl
ab 50 Jahre: 21–43 mg/dl
Kinder 1–3 Jahre: 11–36 mg/dl
4–13 Jahre: 15–36 mg/dl
14–19 Jahre: 18–45 mg/dl

Ist der Harnstoffwert erhöht?

Dann kann dies folgende Ursachen haben:

Ist der Harnstoffwert zu niedrig?

Dann kann dies folgende Ursachen haben:

Kreatinin

Kreatinin entsteht in Muskel- und Nervenzellen und geht von diesen ins Blut über. Anders als beim Harnstoff hängt die Bildung von Kreatinin aber nur in geringem Maße von der Muskelmasse ab. Da der Stoff zudem fast ausschließlich über die Nieren ausgeschieden wird, gilt die Kreatininmenge im flüssigen Teil des Blutes – das sogenannte Serumkreatinin – als empfindlicher Indikator für die Filtrationsleistung der Niere.

Aber auch die Aussagekraft des Kreatininwerts ist begrenzt: Zum einen sagt er allein nicht sehr viel über die Funktion beziehungsweise eine Erkrankung der Nieren aus. Zum anderen steigt der Kreatininspiegel im Blut erst dann auf krankhafte Werte, wenn die Filtrationsrate der Niere bereits auf weniger als die Hälfte des Normalen abgefallen ist  also erst bei fortgeschrittenem Funktionsverlust.

Dennoch wird der Kreatininwert häufig standardmäßig bei Blutuntersuchungen bestimmt. Er ist die Grundlage für die Berechnung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) – und schon deshalb unerlässlicher Teil der Nierendiagnostik. Anhand der GFR können Ärzte erkennen, wie gut die Nieren funktionieren. Daher werden mithilfe der GFR auch Nierenkrankheiten in verschiedene Schweregrade eingeteilt.

Kreatinin spielt auch in anderer Hinsicht eine Rolle: Durch Kontrollen des Kreatininwerts lassen sich Therapien mit Medikamenten, die potenziell schädlich auf die Nieren wirken, überwachen.

Mit zunehmendem Alter steigt auch die Kreatininkonzentration, weil sich die Filtrationsfunktion der Niere mit den Jahren verschlechtert. Deshalb gelten für Personen über 50 Jahre für den Kreatininwert höhere Normalwerte.

Normalwerte Kreatinin (im Serum)

Geschlecht Normalwerte (nach Alter)
Männer unter 50 Jahre: 0,84–1,25 mg/dl
ab 50 Jahre: 0,81–1,44 mg/dl
Frauen 0,66–1,09 mg/dl
Kinder 1–30 Tage: 0,5–1,2 mg/dl
1–12 Monate: 0,4–0,7 mg/dl
1–3 Jahre: 0,4–0,7 mg/dl
4–6 Jahre: 0,5–0,8 mg/dl
7–9 Jahre: 0,6–0,9 mg/dl
10–12 Jahre: 0,6–1 mg/dl
13–15 Jahre: 0,6–1,2 mg/dl
16–18 Jahre: 0,8–1,4 mg/dl

Ist der Kreatininwert erhöht?

Dann kann dies folgende Ursachen haben:

Ist der Kreatininwert zu niedrig?

Dann kann dies folgende Ursachen haben:

Ein auffälliger Kreatinin-Wert allein sagt noch nichts über die Art der Erkrankung aus. Wenn der Verdacht auf eine Nierenfunktionsstörung besteht, ist daher eine etwas aufwendigere Untersuchung notwendig: die Bestimmung der Kreatinin-Clearance.

Kreatinin-Clearance

Die Kreatinin-Clearance ist eine sehr genaue Messmethode, um die Filtrationsleistung der Nieren zu bestimmen. Der englische Begriff Clearance bedeutet "Klärung" oder "Reinigung". Die Kreatinin-Clearance drückt also aus, wie viel Blutplasma die Nieren in einer bestimmten Zeit von Kreatin befreien, indem sie Harn bilden. Somit ist sie ein Wert für die Fähigkeit der Niere, Kreatinin auszuscheiden.

Der Vorteil der Kreatinin-Clearance: Während der Kreatininwert im Blutserum trotz stark gesunkener Nierenleistung noch im Normalbereich liegen kann, nimmt die Kreatinin-Clearance bereits krankhafte Werte an. Mit ihr lässt sich eine abnehmende Filtrationsleistung der Niere früher feststellen. Die Kreatinin-Clearance eignet sich folglich besser, um chronische Nierenerkrankungen oder eine kurzfristig eingeschränkte Funktion des Organs zu erkennen.

Der Nachteil der Kreatinin-Clearance: Die Messung ist vergleichsweise aufwändig. Zusätzlich zu einer Blutentnahme muss über einen Tag Urin gesammelt werden (sog. 24-Stunden-Urin). Der Arzt bestimmt dann neben der gesammelten Urinmenge die Kreatinin-Konzentration im Urin sowie in einer Blutprobe. Daraus kann er die Kreatinin-Clearance errechnen, die angibt, wie viele Milliliter Blutplasma die Nieren pro Minute vom Kreatin gereinigt haben.

Normalwerte Kreatinin-Clearance

Geschlecht Normalwerte (nach Alter)
Männer ca. 25 Jahre: 95–140 ml/min
ca. 50 Jahre: 70–115 ml/min
ca. 75 Jahre: 50–80 ml/min
Frauen ca. 25 Jahre: 70–110 ml/min
ca. 50 Jahre: 50–100 ml/min
ca. 75 Jahre: 35–60 ml/min
Kinder 1–2 Wochen: 25–35 ml/min
3–8 Wochen: 25–55 ml/min
3–12 Monate: 35–80 ml/min
> 12 Monate: > 90 ml/min

Ist der Wert der Kreatinin-Clearance zu hoch?

Dann kann dies folgende Ursachen haben:

Ist der Wert der Kreatinin-Clearance zu niedrig?

Dann kann dies folgende Ursachen haben:

Da der Filter in der Niere auch als Glomerulum oder Glomerulus (Kapillarknäuel) bezeichnet wird, heißt der durch die Kreatinin-Clearance errechnete Wert auch glomeruläre Filtrationsrate oder kurz: GFR.

Berechnung der GFR (glomeruläre Filtrationsrate):

GFR = Kreatinin (Urin) / Kreatinin (Plasma) x Urinvolumen

Der Normalwert der GFR variiert je nach Alter und Geschlecht. Im Gegensatz zur Konzentration des Serumkreatinins, die mit nachlassender Nierenfunktion steigt, fällt die Kreatinin-Clearance beziehungsweise GFR, wenn sich die Funktion der Nieren verschlechtert.

Da die Bestimmung der GFR so aufwändig ist, gibt es auch verschiedene Näherungsformeln, mit deren Hilfe sich die GFR mit deutlich weniger zeitlichem Aufwand bestimmen lässt. Diese sind jedoch etwas ungenauer und nicht in allen Situationen geeignet. Am bekanntesten ist die sogenannte Cockroft-Gault-Formel sowie die aktuell am häufigsten angewendete sogenannte MDRD-Formel. Beide berücksichtigen neben dem Kreatinin-Wert im Blutplasma auch das Alter und das Geschlecht der Patienten, die Cockroft-Gault-Formel zusätzlich auch noch deren Körpergewicht.

Als Alternative zum Kreatinin kann der Arzt die Filtrationsfunktion der Nieren auch mithilfe des körpereigenen Eiweißes Cystatin C prüfen. Zum einen hängt die Konzentration von Cystatin C im Blut direkt mit der Filtrationsleistung der Nieren zusammen. Zum anderen kann man anhand der Konzentration sehr einfach die Clearance, also die Reinigung, berechnen.

Die Bestimmung des Cystatin-C-Werts zählt aber nicht zu den Routineuntersuchungen. Von ihm aus kann man nicht immer eindeutig auf die Nierenfunktion rückschließen: Bei Rauchern sowie bei Menschen, die aus therapeutischen Gründen Nebennierenrindenhormone (sog. Glukokortikoide) einnehmen oder an einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) leiden, wird das Eiweiß verstärkt gebildet  bei Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hingegen vermindert.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Überblick: Anatomie der Nieren
Chronische Niereninsuffizienz: Symptome & Therapie
Akutes Nierenversagen: Wie Sie sich davor schützen
Nierensteine: Ursachen & Behandlung
Wie die Dialyse funktioniert

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2018

Online-Informationen des Bundesverbands Niere e.V.: www.bundesverband-niere.de (Abrufdatum: 15.2.2018)

Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie: www.dgfn.eu (Abrufdatum: 15.2.2018)

Online-Informationen des Laborlexikons: www.laborlexikon.de (Abrufdatum: 15.2.2018)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 15.2.2018)

Arasteh, K. et al.: Duale Reihe Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Silbernagl, S., Despopoulos, A.: Taschenatlas der Physiologie. Thieme, Stuttgart 2007

Aktualisiert am: 15. Februar 2018

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