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Alkohol

Veröffentlicht von Wiebke Raue

Alkohol ist in (fast) aller Munde: Jeder Deutsche trinkt im Durchschnitt pro Jahr zehn Liter reinen Alkohol. Ob auf der Geburtstagsparty, als Feierabendbier oder an Silvester: Alkohol gehört zu vielen gesellschaftlichen Anlässen dazu. Gegen das eine oder andere Gläschen ist nichts einzuwenden – auf das Maß kommt es an. Denn in zu großen Mengen kann Alkohol kurz- und langfristig eine Gefahr darstellen.

Allgemeines

Am Morgen nach der Party: Reichlich Alkohol ist geflossen, der Schädel brummt und der Magen erinnert schmerzlich daran, dass man wohl etwas über den Durst getrunken hat. Spätestens jetzt ist klar, dass Alkohol eine starke Wirkung auf den menschlichen Körper ausübt – denn Alkohol ist ein Zellgift, das über die Leber erst wieder abgebaut werden muss.

Bereits nach dem ersten Schluck verteilt sich Alkohol über die Blutbahn im gesamten Körper und zeigt dort rasch Wirkung. Die Wahrnehmung verzerrt sich, das Urteilsvermögen trübt sich und das Konzentrationsvermögen nimmt ab. Zugleich sinkt die Hemmschwelle; oft fühlt man sich angenehm sorglos.

Ein Zuviel kann unangenehm sein und im schlimmsten Fall in einer Alkoholvergiftung enden. Und auch die Gefahr für Unfälle ist erhöht, so zum Beispiel im Straßenverkehr. Langfristig schädigt Alkohol in zu großen Mengen die Gesundheit.

Übermäßiger Alkoholkonsum birgt viele Gefahren, so etwa die einer Alkoholvergiftung. Auch die langfristigen Folgen von Alkohol sind nicht zu unterschätzen. Im gesamten Körper schädigt Alkohol auf Dauer die Zellen.

Ob Lebererkrankungen, Auswirkungen auf das Gehirn oder Potenzprobleme: Alkohol kann im ganzen Körper Schaden anrichten und auf Dauer körperlich und psychisch abhängig machen.

Wer vernünftig mit Alkohol umzugehen weiß und sich entsprechend verhält, kann sich hin und wieder bedenkenlos ein Gläschen genehmigen.

Was ist Alkohol?

Alkohol ist nicht gleich Alkohol. Es gibt in der Natur eine ganze Reihe von Alkoholen wie zum Beispiel Methanol, Propanol und Butanol. Ist von Alkoholkonsum die Rede, ist jedoch Ethanol (Äthanol, Äthylalkohol) gemeint, der rauscherzeugende Bestandteil eines alkoholischen Getränks. Ethanol hat einen brennenden Geschmack, ist farblos und brennbar.

Der Alkoholgehalt eines Getränks wird in Prozent vom Volumen (Vol. -%) angegeben. Alkohol ist ein legales Suchtmittel.

Alkoholische Getränke entstehen entweder durch Gärung – so zum Beispiel für Wein oder Bier – oder aber durch Destillation, etwa für Branntwein. In manchen Fällen setzt man dem gegorenen Produkt weiteren Alkohol zu.

Alkohol wird als Lösungsmittel verwendet oder kommt in Chemikalien, aber auch in Arzneimitteln und Parfümen zum Einsatz. Zudem hat Alkohol eine desinfizierende und konservierende Wirkung.

In der Natur kommt es auch ohne Zutun des Menschen dazu, dass zucker- und stärkehaltige Früchte und Samen vergären. Dies wird von Hefepilzen bewerkstelligt, die aus dem enzymatischen Abbau von Zucker- und Stärkemolekülen Energie gewinnen und als Nebenprodukt Ethanol (Alkohol) bilden. Viele Tiere, aber auch der Mensch, verfügen über ein Gen für ein Enzym, das Alkohol abbaut: die Alkoholdehydrogenase (ADH).

© Jupiterimages/iStockphoto
Ethanol besteht aus Wasserstoff-, Sauerstoff- und 2 Kohlenstoffatomen.

Historisches

Alkoholische Getränke sind seit Jahrtausenden Bestandteil im Alltag des Menschen. Sie dienten als Durstlöscher und wegen ihres hohen Kaloriengehalts oft auch als Nahrungsmittel. Im 16. Jahrhundert nahmen in Nord- und Mitteleuropa Kinder und Erwachsene aufgrund der Nahrhaftigkeit verbreitet Biersuppe zum Frühstück zu sich. Da die Menschen in der Vergangenheit häufig in einer Umwelt lebten, in der man nur schwer sauberes Trinkwasser gewinnen beziehungsweise darüber verfügen konnte, tranken sie das Wasser häufig auch mit Alkohol versetzt.

Erst im 17. und 18. Jahrhundert lösten Kaffee und Tee das Bier als Standardgetränk ab. Im 19. Jahrhundert kam industriell gefertigter Branntwein auf den Markt. Insbesondere die unteren Bevölkerungsschichten, welche schwer arbeiten mussten, konsumierten häufig vom sehr günstigen Branntwein. Der Begriff "Elendsalkoholismus" steht damit in Verbindung.

Wirkungsweise

Schluck für Schluck wird Alkohol über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt und zeigt dort Wirkung, so vor allem im Gehirn. Dort wirkt Alkohol auf die Informationsübertragung der Nervenzellen (Neuronen) ein. Dabei wird dosisabhängig das Hormon Dopamin freigesetzt. Dieser Botenstoff (Neurotransmitter) ist für das Glücksgefühl beim Alkoholkonsum zuständig, das auch andere Suchtmittel hervorrufen.

Alkohol gelangt größtenteils über den Dünndarm in den Blutkreislauf – in kleineren Mengen auch über den Magen und die Schleimhäute von Mund und Speiseröhre. Wie schnell diese Aufnahme erfolgt, ist unter anderem davon abhängig, wie viel und was der Konsument vorab gegessen hat. So wird Alkohol auf nüchternem Magen schneller wirken als nach dem Genuss einer herzhaften Mahlzeit.

Etwa 45 bis 75 Minuten nach dem Alkoholgenuss hat die Blutalkoholkonzentration den Höhepunkt erreicht. Nun hat die Leber viel zu tun, denn sie baut den größten Teil des Alkohols langsam wieder ab.

Geringe Alkoholmengen gehen über Atemluft, Schweiß und Urin verloren. Pro Stunde sinkt die Alkoholkonzentration im Blut bei Frauen um etwa 0,13 Promille, bei Männern um circa 0,15 Promille. Bis der Alkohol aus einem kleinen Glas Bier (0,25 l) oder aus einem Schnaps (0,04 l) abgebaut ist, benötigt die Leber etwa 1 bis 1,5 Stunden.

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Alkohol verteilt sich im gesamten Körper.

Wirkung

In geringen Mengen ist die Wirkung von Alkohol meist anregend. Der Konsument ist weniger ängstlich und verliert Hemmungen. Der Widerstand, weiteren Alkohol zu sich zu nehmen, lässt langsam nach. In mittleren und höheren Dosen kann sich die Wirkung verändern: Manche Menschen reagieren dann gereizt oder gar aggressiv. Je höher der Blutalkoholspiegel ist, desto höher die körperlichen und geistigen Auswirkungen:

Mit zunehmendem Alkoholspiegel wird der Konsument müde und benommen. Im schlimmsten Fall kommt es – etwa ab einem Alkoholgehalt von 3 Promille – zu einer Alkoholvergiftung mit Koma bis hin zum Tod.

Welche Wirkung genau eintreten wird, hängt von mehreren Faktoren ab, so zum Beispiel:

Folgen & Gefahren

Übermäßiger Alkoholkonsum birgt nicht nur unmittelbare Gefahren – etwa die einer Alkoholvergiftung. Auch die langfristigen Folgen von Alkohol sind nicht zu unterschätzen.

Akute Gefahren

Egal, ob Bier, Wein oder Schnaps: Alkohol beeinträchtigt auch schon in geringen Mengen das Urteilsvermögen und die Wahrnehmung. Mit steigendem Konsum reagiert man in der Folge immer langsamer und die Konzentrationsfähigkeit sinkt.

Somit steigt auch die Gefahr für Unfälle, so zum Beispiel im Straßenverkehr. Darüber hinaus sinkt die Hemmschwelle für Aggressionen und Straftaten.

Alkohol & Medikamente

Wer Alkohol zusammen mit Medikamenten konsumiert, sollte vorsichtig sein: Alkohol kann die Wirkung einiger Arzneimittel verstärken, sodass unerwünschte Begleiterscheinungen folgen können. Im Zweifelsfall sollte man immer auf Alkohol verzichten, wenn man Medikamente einnehmen muss.

Alkoholvergiftung

Ab einem Alkoholgehalt von etwa 3 Promille im Blut kommt es zu den Symptomen einer schweren Alkoholvergiftung. Hierzu zählen beispielsweise:

In schweren Fällen kann eine tödliche Atemlähmung folgen.

Erste Hilfe bei Alkoholvergiftung

Führen Sie Wiederbelebungsmaßnahmen durch, wenn Sie einen entsprechenden Kurs besucht haben!

© Jupiterimages/iStockphoto
Bei einer Alkoholvergiftung sollten Sie als erstes einen Notarzt alamieren.

Folgeschäden

Auf lange Sicht kann ein zu hoher Alkoholkonsum die Gesundheit schädigen – auch wenn keine Alkoholabhängigkeit vorliegt. Im gesamten Körper schädigt Alkohol auf Dauer die Zellen.

Mögliche Folgen überhöhten und längerfristigen Alkoholgenusses können sein:

Zudem steigt das Risiko, an Krebs zu erkranken, so insbesondere Leberkrebs, Brustkrebs, Krebs im Enddarmbereich oder Krebs im Mund- und Rachenraum.

Wenn Schwangere Alkohol trinken, kann dies das Ungeborene erheblich schädigen.

Abhängigkeit

Alkohol kann mit der Zeit körperlich und psychisch abhängig machen. Der Konsument benötigt immer mehr Alkohol, um den Alltag zu meistern. Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Ängste können die Folge sein. Auch die sozialen Folgen sind nicht unerheblich: Betroffene vernachlässigen ihre Arbeit oder können anderen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Auch Beziehungsprobleme aufgrund des Alkoholkonsums sind nicht selten.

Wie viel Alkohol?

Wie viel Alkohol bedenkenlos konsumiert werden sollte, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden, ist individuell verschieden. Jeder Mensch reagiert anders auf Bier, Wein & Co. Als grobe Richtlinie gilt:

Dabei sollten sowohl Frauen als auch Männer darauf achten, nicht täglich zu trinken: An mindestens zwei bis drei Tagen in der Woche sollten Sie abstinent bleiben. So können Sie vermeiden, sich an Alkohol zu gewöhnen und so die Gefahr einer Abhängigkeit verringern.

Alkoholspiegel

Auch wenn Frauen und Männer die gleiche Menge Alkohol trinken, ist der Alkoholspiegel bei Frauen höher als bei Männern. Der Grund: Der männliche Körper hat einen höheren Flüssigkeitsgehalt als der weibliche. Somit verteilt sich der aufgenommene Alkohol bei Männern auf mehr Flüssigkeit – ihr Alkoholspiegel ist bei gleicher aufgenommener Menge niedriger als bei Frauen.

Hinzu kommt, dass die Leber einer Frau den Alkohol langsamer abbaut als die eines Manns. Nach dem Konsum von Alkohol baut der weibliche Körper pro Stunde und Körpergewicht etwa 0,085 Gramm Alkohol ab, während es beim Mann rund 0,1 Gramm sind.

Der Blutalkoholspiegel wird in Promille angegeben (‰) und berechnet sich mithilfe der sogenannten Widmark-Formel:

Getrunkener Alkohol in Gramm / Körpergewicht in Kilogramm x 0,7 für Männer bzw. 0,6 für Frauen.

Allerdings gilt diese Formel nur unter bestimmten Bedingungen – bei Müdigkeit, Erregung oder auf nüchternem Magen zeigt Alkohol beispielsweise eine stärkere Wirkung.

Grundsätzlich gilt: Am sichersten fahren Sie ganz ohne Alkohol. Um also ein alkoholbedingtes Risiko im Straßenverkehr zu vermeiden, vergnügen Sie sich besser ohne alkoholische Getränke.

Alkohol und Recht

Für Straftaten – einschließlich Verkehrsstraftaten, die unter Alkoholeinfluss begangen wurden – gelten teilweise besondere Rechtsvorschriften des Strafgesetzbuchs (StGB) und des Straßenverkehrsgesetzes (StVG).

Autofahren

Bei vielen Verkehrsunfällen spielt Alkohol eine Rolle. Da die Fahrtüchtigkeit erheblich eingeschränkt sein kann, gibt es entsprechende Promillegrenzen, die man im Straßenverkehr einhalten muss. Bei Verstößen drohen je nach Vergehen Bußgeld, der Verlust des Führerscheins, Punkte im Flensburger Verkehrszentralregister oder sogar Haftstrafen.

Folgende Promillegrenzen sind für den Straßenverkehr in Deutschland festgelegt:

Verkauf und Konsum

Das Jugendschutzgesetz legt den Rahmen fest, in welchem Jugendliche Alkohol konsumieren und kaufen dürfen. Dabei gilt:

Lebensmittelrecht

Nach dem Lebensmittelgesetz müssen Lebensmittel mit einem Alkoholgehalt von mehr als 0,5 Volumenprozent gekennzeichnet werden. Lebensmittel, die einen niedrigeren Alkoholgehalt besitzen, dürfen ungekennzeichnet in den Handel.

Vermeintlich alkoholfreie Lebensmittel können also dennoch geringe Alkoholmengen enthalten, was für trockene Alkoholiker problematisch sein kann. Alkoholfreies Bier oder Malzbier können bis zu 5 Gramm Alkohol pro Liter beinhalten. Ein Liter normales Bier enthält durchschnittlich 38,4 Gramm pro Liter.

Weitere Informationen

Linktipps:

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
    Ostmerheimer Str. 22
    51109 Köln
    Tel.: 0221/89 20 31, Mo bis Do von 10 bis 22 Uhr, Fr bis So von 10 bis 18 Uhr
    Das BZgA Info-Telefon bietet bei Alkohol- oder anderen Abhängigkeitsproblemen eine erste persönliche Beratung und vermittelt Ratsuchende an geeignete Beratungs- und Hilfsangebote
    poststelle@bzga.de www.bzga.de

Buchtipps:

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Alkohol und Tabak

Manfred V. Singer, Anil Batra, Karl Mann

664 Seiten Thieme 2010

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Quellen:

Online-Informationen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V.: www.dhs.de (Stand: 2010)

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.drugcom.de (Stand: 2010)

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.kenn-dein-limit.de (Stand: 2010)

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.bist-du-staerker-als-alkohol.de (Stand: 2010)

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.kenn-dein-limit.info (Stand: 2010)

Alkohol – reden wir drüber! Ein Ratgeber für Eltern. Online-Publikation der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.bzga.de (Stand: 2010)

Alkohol. Basisinformationen. Online-Publikation der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V.: www.dhs.de (Stand: September 2009)

Die Sucht und ihre Stoffe. Online-Publikation der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V.: www.dhs.de (Stand: Juni 2009)

Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 40: Alkohol und alkoholbezogene Störungen. Robert Koch-Institut, Berlin (26.05.2008)

Stand: 12. Januar 2011