Rivaroxaban

Von: Andrea Lubliner (Pharmazeutin und Fachtexterin für medizinische Fachtexte)
Letzte Aktualisierung: 23.05.2019

Allgemeines

Der Wirkstoff wird eingesetzt, um nach dem Ersatz von Hüft- oder Kniegelenken bei erwachsenen Patienten das Risiko für Blutgefäßverstopfungen der Venen (venöser Thromboembolien) zu vermindern.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Faktor Xa hemmen
  • Thrombin hemmen
  • Blutgerinnung hemmen
  • Blutgefäßverstopfungen vorbeugen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Rivaroxaban im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Rivaroxaban nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, akuten Blutungen sowie Lebererkrankungen, die mit einer Störung der Blutgerinnung und einem erhöhten Blutungsrisiko einhergehen, darf Rivaroxaban nicht angewendet werden. Auch darf der Wirkstoff nicht zur Gerinnsel-Vorbeugung eingesetzt werden, wenn Patienten durch einen Katheter eine neue Herzklappe erhalten oder bei solchen, die schon künstliche Herzklappen haben.

Bei Patienten mit der Autoimmunerkrankung Antiphospholipid-Syndrom und einer Blutgefäßverstopfung in der Vorgeschichte sollte der Wirkstoff nicht eingesetzt werden. Es besteht das Risiko einer erneuten Verstopfung eines Blutgefäßes.

Nur nach einer strengen Nutzen-Risiko-Abschätzung durch den Arzt und unter ständiger ärztlicher Überwachung darf der Wirkstoff eingesetzt werden in Situationen, in denen ein erhöhtes Blutungsrisiko besteht. Dies ist der Fall bei
  • Patienten mit einer schweren Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance unter 30 Milliliter/Minute), weil Rivaroxaban über die Nieren ausgeschieden wird und es so zu einer Überdosierung kommen kann
  • Patienten mit einer mittelschweren Leberfunktionsstörung (klassifiziert
    als Child Pugh B) oder einer Leberschrumpfung (Leberzirrhose)
  • angeborenen oder erworbenen Blutgerinnungsstörungen
  • nicht behandelbarem, schwerem Bluthochdruck
  • aktiven oder erst kürzlich aufgetretenen Geschwüren im Magen-Darm-Kanal
  • Durchblutungsstörungen der Netzhaut
  • kürzlich erlittenen Gehirnblutungen
  • Gefäßmissbildungen oder -schäden im Bereich des Rückenmarks oder des Gehirns
  • kürzlich durchgeführten Operationen am Gehirn, Rückenmark oder Auge.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Zur Anwendung von Rivaroxaban bei Schwangeren gibt es keine aussagefähigen Studien. Tierexperimente haben Schädigungen der Jungen gezeigt. Aufgrund dieses Risikos sowie des zusätzlichen Blutungsrisikos und der nachgewiesenen Durchdringung des Mutterkuchens von Rivaroxaban darf der Wirkstoff während der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden. Frauen im gebährfähigen Alter sollten vermeiden, während der Behandlung mit Rivaroxaban schwanger zu werden.

Auch zur Anwendung von Rivaroxaban bei stillenden Frauen gibt es keine Studien. Rivaroxaban wurde bei Tierexperimenten jedoch in der Muttermilch gefunden. Daher ist der Wirkstoff während der Stillzeit nicht anzuwenden. Der Arzt muss entscheiden, ob betroffene Frauen abstillen sollten, die Behandlung ausgesetzt wird oder ob auf die Behandlung verzichtet wird.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Der Wirkstoff darf nicht bei Kindern oder Jugendlichen unter 18 Jahren eingesetzt werden. Mit dieser Altersgruppe wurden keine Studien zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Rivaroxaban gemacht.

Welche Nebenwirkungen kann Rivaroxaban haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Rivaroxaban. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Anstieg von Laborwerten wie gamma-GT und Transaminasen (ASAT, ALAT), Blutarmut, Übelkeit, Blutungen (nach Operationen auch mit Blutarmut und Wundblutungen).

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Anstieg von Laborwerten wie Lipase, Amylase, Bilirubin und alkalischer Phosphatase, Fettstoffwechselstörung (Anstieg von LDL), Blutplättchen-Überschuss, Ohnmacht, Schwindel, Kopfschmerzen, Verstopfung, Durchfall, Bauchschmerzen (auch Oberbauchschmerzen, Magenbeschwerden), Verdauungsbeschwerden, trockener Mund, Erbrechen, Nierenfunktionsstörungen (mit Blut-Kreatinin-Wertanstieg, Blut-Harnstoff-Wertanstieg), Juckreiz (seltener überall am Körper), Hautrötung, Nesselsucht (seltener allgemeine Nesselsucht), Bluterguss, Armschmerzen, Beinschmerzen, Wundabsonderung, Blutungen (auch Blutergüsse, seltener Muskelblutungen), Magen-Darm-Blutungen (auch Zahnfleischblutungen, Enddarmblutungen, Bluterbrechen), Blut im Urin, Geschlechtsteil-Blutungen, niedriger Blutdruck (auch Blutdruckabfall), Nasenbluten, Gewebsschwellungen, Schwellungen von Armen und Beinen, Unwohlsein (Müdigkeit, Schwäche), Fieber.

Seltene Nebenwirkungen:
Blut-Bilirubin-Wertanstieg, allergische Hautentzündung, Leberfunktionsstörung.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Stevens-Johnson-Syndrom, Fehlen von Granulozyten im Blut.

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
Organ-Blutungen (beispielsweise im Gehirn), Nebennieren-Blutungen, Bindehaut-Blutungen, Bluthusten, Überempfindlichkeitsreaktionen, Gelbsucht.

Besonderheiten:
Treten während der Behandlung schwere Infektionen mit Bakterien auf, kommt es zu Fieber, Halsschmerzen und Entzündungen der Mundschleimhaut, kann dies ein Anzeichen von Agranulozytose, dem Fehlen bestimmter Blutzellen sein. In diesem Fall ist sofort ein Arzt aufzusuchen.

Fieber, Augenbrennen, Schluckbeschwerden und Hautschäden können auf ein Stevens-Johnson-Syndrom hindeuten. Auch hier ist sofort ein Arzt zu befragen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Rivaroxaban?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die gleichzeitige Anwendung von anderen Gerinnungshemmern (Antikoagulanzien) zum Beispiel Heparin und Heparin-Ähnliche (wie Fondaparinux) sowie Cumarine (zum Beispiel Phenprocoumon)ist verboten. Ausnahmen sind die Umstellung der Therapie von diesen oder auf diese Wirkstoffe oder wenn Heparin gegeben wird, um die Durchgängigkeit eines Venen- oder Arterien-Katheters zu erhalten.

Die gleichzeitige Anwendung von Rivaroxaban und Pilzmitteln wie Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol und Posaconazol oder mit HIV-1-Proteasehemmern (beispielsweise Ritonavir) verstärkt die Rivaroxaban-Wirkung deutlich. Eine Kombination ist möglichst zu vermeiden.

Das Pilzmittel Fluconazol hat voraussichtlich eine geringere verstärkende Wirkung auf Rivaroxaban und kann daher vom Arzt mit Vorsicht gleichzeitig angewendet werden.

Wegen des erhöhten Blutungsrisikos durch sich ergänzende Effekte ist bei Patienten, die gleichzeitig andere Antikoagulanzien erhalten, ärztliche Vorsicht geboten. Dasselbe gilt bei gleichzeitiger Behandlung mit nicht-steroidalen Antirheumatika (einschließlich Acetylsalicylsäure) und Thrombozytenaggregationshemmern.

Zu einer Abnahme der blutverdünnenden Wirkung von Rivaroxaban kommt es bei Kombination desselben mit dem TuberkulosemittelRifampicin, den AntiepileptikaPhenytoin, Carbamazepin und Phenobarbital oder auch Johanniskraut (gegen Depressionen).

Rivaroxaban selbst hat keine verstärkende oder abschwächende Wirkung auf andere Wirkstoffe, auch bestehen keine Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Behandlung mit dem Medikament muss eine Schwangerschaft wirksam vermieden werden.
  • Während der gesamten Behandlung muss der Arzt den Patienten auf Anzeichen von Blutungen überwachen.
  • Vor Beginn der Behandlung sowie im weiteren Verlauf ist der Patient vom Arzt auf Nierenfunktionsstörungen zu untersuchen, weil sie eine Behandlung verbieten oder niedrigere Dosierungen erfordern.
  • Kommt es zu Fieber, Hals- oder Schluckbeschwerden, Infektionen oder Wunden an Haut oder Schleimhäuten, ist sofort ein Arzt zu befragen.
  • Kommt es infolge der Behandlung mit dem Medikament zu Ohnmacht oder Schwindel, so ist das Autofahren oder das Führen von Maschinen gefährlich.
  • Labortests zur Blutgerinnung können naturgemäß durch die Gabe des Medikaments verfälscht werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Rivaroxaban?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Rivaroxaban enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Rivaroxaban

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Rivaroxaban. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Blutverdünner (Antikoagulantien), zu welcher der Wirkstoff Rivaroxaban gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Rivaroxaban

Der Wirkstoff wird eingesetzt, um nach dem Ersatz von Hüft- oder Kniegelenken bei erwachsenen Patienten das Risiko für Blutgefäßverstopfungen der Venen (venöser Thromboembolien) zu vermindern.

Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass der Wirkstoff auch gegen tiefliegende Beinvenenverstopfungen wirksam ist, die nicht im Zusammenhang mit Operationen und Bettlägerigkeit auftreten. Eine Zulassung für diesen Anwendungsbereich besteht jedoch bisher noch nicht.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Rivaroxaban sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Rivaroxaban

Rivaroxaban gehört zur Wirkstoffgruppe der Antikoagulanzien, da er die Blutgerinnung hemmt. In dem gestuften Ablauf der Blutgerinnung behindert Rivaroxaban lediglich die Aktivität des Faktors Xa. Durch den Eingriff auf dieser relativ übergeordneten Stufe unterbricht der Wirkstoff die durch Faktor Xa vermittelte Bildung von Thrombin als auch die von Blutgerinnseln.

Auf Thrombin allein und auch auf die Aktivität der Blutplättchen hat Rivaroxaban keinen Einfluss.

Da der Wirkstoff chemisch recht stabil ist, wird er im Magen-Darm-Kanal nicht unwirksam und kann eingenommen werden.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihre*n Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.